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Spiegellose Zukunft


ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 12/2018 vom 14.11.2018

Test: Canon EOS R gegen Nikon Z7 und Sony A7R III Unser Test ermittelt, wer die beste spiegellose KB-Kamera baut und was die neue Canon R leistet.


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Fotos: Hersteller, Image Engineering

Die Letzten werden die Ersten sein – das kann man schon im ältesten aller Bücher nachlesen. Ob das allerdings auch für Canon und Nikon und ihren späten Start mit eigenen spiegellosen Kleinbildkameras gilt, muss sich erst noch zeigen. Sony hat sein A7/ A9- System jedenfalls erfolgreich im Markt etabliert. Das A-System von Sony steht für spiegellose Kameras mit Kleinbildsensor, und es steht für Qualität und Innovation.
Canon ...

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Die Letzten werden die Ersten sein – das kann man schon im ältesten aller Bücher nachlesen. Ob das allerdings auch für Canon und Nikon und ihren späten Start mit eigenen spiegellosen Kleinbildkameras gilt, muss sich erst noch zeigen. Sony hat sein A7/ A9- System jedenfalls erfolgreich im Markt etabliert. Das A-System von Sony steht für spiegellose Kameras mit Kleinbildsensor, und es steht für Qualität und Innovation.
Canon und Nikon haben lange gezögert, ihren eigenen SLR-Kameras mit Kleinbildsensor Konkurrenz zu machen. Nun sind beide diesen Schritt fast gleichzeitig gegangen. Die klassische SLR ist sicher nicht tot, aber die glänzendere Zukunft kommt den spiegellosen Modellen zu. Zugleich verschiebt sich das Interesse offenbar vom APS-C- zum größeren KB-Sensor. Unser aktueller Test soll zwei Fragen beantworten:
1. Was leistet die neue Canon R?
2. Wo steht das Canon R-System im Vergleich mit Nikon Z und Sony A7? In diesem Vergleich geht es nicht um die Bildqualität (die hängt stets vom konkreten Modell ab), sondern um die Konzepte für Bedienung, AF-System, Sucherintegration etc. Wir vergleichen darum die Topmodelle Sony A7R III (ColorFoto 1/2018) und Nikon Z (ColorFoto 11/2018) mit der hier erstmals getesteten Canon R. Anmerkung: Der letzte Abschnitt widmet sich der Bildqualität und beschränkt sich auf die R, da der Vergleich mit bis zu 50% höher auflösenden Konkurrenten wenig sinnvoll ist. Wie Canons EOS 5D Mark IV arbeitet auch die rund 1000 Euro günstigere EOS R mit einem 30-MP-Sensor. Canon hat ihn aber überarbeitet und mit Mikrolinsen an das neue RF-Bajonett angepasst. Dazu kommt der Bildverarbeitungsprozessor Digic 8.
Die Z7 ist eine Kamera mit klassischen Nikon-Genen. Neu sind das Bajonett und der Verzicht auf den Spiegel – nicht jedoch das Bedienkonzept. Nikon wählt hier einen deutlich konservativeren Ansatz als Canon.

Neue Bajonette

Mit einem Mal hat Sony das „ältere“ Bajonett: Das Sony-E-Mount-Bajonett ist abwärtskompatibel mit dem A-Bajonett, das wiederum auf dem Minolta-Bajonett beruht. Es hat im Vergleich mit der neuen Konkurrenz den geringsten Durchmesser. Mit einigen Millimetern mehr Durchmesser versprechen Canon und Nikon höhere Stabilität gerade bei wuchtigen Optiken. Doch Probleme im Dauereinsatz mit Sonys E-Mount-Optiken sind uns nicht bekannt.

Ein Vorteil liegt aber auf der Hand: Ein größerer Durchmesser lässt mehr Licht durch – der Spielraum für lichtstarke Optiken steigt. Hier kommt das kleinere Auflagemaß dazu: Ohne Spiegel rücken Sensor und Bajonett enger zusammen. Bei kurzen Brennweiten benötigt man keine Retrofokusbauweise und kann auf eine Linsengruppe verzichten, was die Konstruktion vereinfacht und sowohl Abbildungsqualität als auch Lichtstärke steigert. Vom Systemwechsel profitiert besonders Nikon: Das Ende der 50er-Jahre entwickelte F-Bajonett hat nur 44 mm Durchmesser und ein Auflagemaß von 46,5 mm. Beim Z-Bajonett wächst der Durchmesser auf 55 mm, das Auflagemaß ist auf 16 mm reduziert. Canons RF-Bajonett hat 54 mm und ein Auflagemaß von 20 mm. Sonys E-Mount hat mit 46,1 mm den kleinsten Durchmesser. Doch beim Auflagemaß liegt das Bajonett mit 18 mm zwischen Canon und Nikon. Welche Vorteile der größere Bajonettdurchmesser bietet, wird spannend, wenn Canon und Nikon mit dem Ausbau des entsprechenden Objektiv-Sortiments beginnen.
Dem gestiegenen Kommunikationsbedarf zwischen Kamera und Optik begegnen die Hersteller mit mehr Kontakten im Bajonett: Canon wartet mit zwölf Kontakten auf und integriert in die Objektive künftig einen eigenen Kontroller. Damit können Kamera und Objektiv schneller mehr Daten austauschen.
Zum Vergleich: Das Canon EF-Bajonett hat sieben, Sonys E-Mount dagegen zehn und Nikons Z-Bajonett elf Kontakte. Ob nun tatsächlich ein oder zwei Kontakte mehr ein Vorteil sind, sei dahingestellt. Derzeit, so Canon, schöpft man das Potenzial des durch die höhere Kontaktanzahl parallelen statt seriellen Datenaustauschs nicht aus. Das ist eher ein Thema für die Zukunft – schließlich soll ein Bajonett wieder für 30 Jahre Bestand haben.

Ausstattung

Ein Bildstabilisator ist gut, zwei sind besser. Immer mehr Hersteller bauen deswegen in Kameras und Objektive Bildstabilisatoren ein. Nikon und Sony gehen diesen Weg ebenfalls, nur Canon verzichtet weiterhin auf einen optischen Bildstabilisator in der Kamera. Es gibt lediglich eine elektronische Lösung.
GPS sucht man bei allen vergebens, wobei Nikon und Sony diese Funktion (vergleichsweise energiefressend) über die Anbindung zum Smartphone und dessen GPS-Empfänger anbieten. Für den Anschluss an den Rechner setzen alle auf die schnelle USB-C-Verbindung. HDMI-Ausgänge, wichtig für Videos, bieten alle drei Hersteller. Bei allen gibt es einen Mikrofoneingang und die für die Tonkontrolle nötige Kopfhörerbuchse.
Während man bei Nikon und Sony den Blitz nur über den Zubehörschuh betreiben kann, integriert Sony eine Blitzanschluss-Buchse. Leider sind die Abdeckklappen ungeschickt angebracht: Nikon und Canon befestigen weichere Abdeckungen oberhalb der Buchsen, Sony schlägt sie unten an. So erreicht man die Anschlüsse zwar besser, doch dafür baumeln die Abdeckungen am Gerät und erschweren das Abstellen.

1


2


3


Die neuen Bajonette von Canon (1 ) und Nikon (2 ) haben einen deutlich größeren Durchmesser als Sonys E-Mount (3 ). Beim Auflagemaß gibt es aber kaum Unterschiede.

CANON R: FOKUSSIERZEITEN MIT ADAPTER

Die Oberseite der Canon R wirkt sehr aufgeräumt. Im großen Display sind die Informationen über alle wichtigen Einstellungen gut lesbar und sehr übersichtlich zusammengefasst.


Auch an der Canon-Kamera konzentrieren sich die Bedienelemente für besonders häufig verwendete Funktionen auf der rechten Seite. Auf diese Weise sind sie mit dem Daumen oder Zeigefinger leicht erreichbar.


Dritter Weg: Die neuen Canon-Optiken haben einen dritten Einstellring, auf den man in der Kamera zum Beispiel Av/Tv-Funktionen oder auch die ISO-Empfindlichkeit legen kann.


Bedienkonzept

Ohne Spiegel müsste der Sucher nicht mehr mittig über dem Objektiv sitzen. Alle drei Kameras folgen dennoch dem Spiegelreflex-Design. Dank des entfallenen Spiegels sind die Spiegellosen zwar kompakter als ihre SLR-Pendants; zu den echten Leichtgewichten zählt aber keines der drei Modelle. Dafür sind die hochwertigen Aluminiumgehäuse gegen Spritzwasser geschützt. Alle Griffe sind ergonomisch geformt. Canon zieht den Griff leicht nach oben und schafft damit auch Platz für eine größere Hand. Nikon formt den Griff nicht ganz so stark aus, damit Mittelund Ringfinger noch die frei belegbaren Funktionstasten direkt neben der Optik erreichen. Als Ausgleich gibt es hinten einen stärker konturierten Griff im Speicherkarten-Deckel, sodass die Nikon-Ergonomie uns insgesamt am besten gefällt.
Sony legt mehr Wert auf kompakte Maße und lässt den Griff nach vorne bereits abfallen, sodass die Grifffläche sehr kurz ist. Den kleinen Finger bekommt man so nur mit sehr zierlichen Händen noch unter. Meist wird man mit diesem Finger wohl eher das Gehäuse von unten abstützen. Auch hinten hat das Gehäuse nur eine angedeutete Griffmulde für den Daumen. Das hintere Wahlrad erreicht man sehr gut. Das vordere dürfte, zumindest für große Finger, etwas mehr Platz beziehungsweise eine weiter hervorgehobene Kontur haben.
Bei Nikon erreicht man dagegen beide Wahlräder gut, und beide rasten etwas angenehmer als bei der Konkurrenz ein, wobei die Haptik vom vorderen Rad aus Kunststoff und dem oben angebrachten aus Metall unterschiedlich ist. Zum Nikon-Konzept gehört es, möglichst viele Tasten am Gehäuse unterzubringen und damit Direktzugriffe auf oft genutzte Funktionen zu bieten. Das Konzept und die Verteilung sind nicht neu, sondern entsprechen der Logik von Nikons SLR-Kameras. Eine lange Umgewöhnungszeit wird man so also als Nikon-Fotograf nicht benötigen. Gut gefällt uns das Monochrom-Display auf der Oberseite, das schnell Überblick über alle wichtigen Parameter liefert. Das Modusrad auf der linken Seite lässt sich wie bei Sony nur dann drehen, wenn man gleichzeitig die mittlere Taste drückt. Wesentlich weniger Tasten hat die Alpha 7R III letztlich nicht, und vergleicht man beide Kameras, dann ist auch deren Verteilung sehr ähnlich. Lediglich die im Umfeld des Auslösers angebrachten Elemente für ISO und Belichtungskorrektur nutzt Sony für die individuelle Belegung (C1 und C2). Sehr gut gefällt uns das mit dem Daumen erreichbare Wahlrad für die Belichtungskorrektur.
Gegen diese beiden Bedienkonzepte wirkt die Canon EOS R schon fast minimalistisch – aber modern: Oben sitzt auch hier ein monochromes Display. Das zeigt im Gegensatz zu Nikon auch dann noch den gewählten Status, wenn die Kamera ausgeschaltet ist. Ein wenig auffälliger ist, dass das Modusrad fehlt. An dessen Position findet man nun den Einschalter. Statt des Modusrads gibt es im Inneren des hinteren Wahlrads die Mode-Taste. Einmal gedrückt, scrollt man durch die Modi und sieht die Auswahl wahlweise auf dem Monochrom-Display, dem hinteren Display oder im Sucher. Bei Canon sitzt das vordere Wahlrad im Gegensatz zu den beiden anderen Kameras oben auf dem Griff – über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, doch uns gefällt das besser. Die Haptik der zwei hier aus Metall gefertigten und mit deutlicher Riffelung versehenen Wahlräder hat sich durch deutlicheres Rasten verbessert. Das fühlt sich noch hochwertiger an als bei den beiden Konkurrentinnen. Doch insgesamt hat die EOS R deutlich weniger Tasten – das macht die Bedienung übersichtlicher, fordert allerdings, dass man die wirklich häufig genutzten Funktionen im Menü individuell auf die passenden Tasten legt. Zudem hat Canon eine M-Fn-Taste in unmittelbarer Nähe des Auslösers platziert. Über diese erreicht der Fotograf den „Dial-Dialog“ und kann dann mit zwei Wahlrädern neun Funktionen aktivieren und einstellen. Damit kann man schnell in die Serienbildfunktion wechseln oder den Weißabgleich ändern, ohne die Kamera absetzen zu müssen. Weniger sinnvoll ist, dass Canon auch die häufig benötigte ISO-Empfindlichkeit ins M-Fn-Menü packt. Man kann sich daran gewöhnen, und ergonomisch ist das in Ordnung – aber direkt ist der Zugriff schneller. Mit einem kleinen Trick klappt das auch bei der R – mit einem neuen RF-Bajonett-Objektiv. Denn die RF-Objektive haben nun drei Einstellringe, sodass man über das Menü die ISO-Empfindlichkeit auf den vorderen Ring legen kann. Wer EF-Objektive anschließen will, sollte den teureren Adapter Control Ring EOS EF wählen. Denn dann bekommt man den Zusatzring im Adapter geliefert.

Auch wenn man es anfangs kaum glaubt: Die Zahl der Tasten reicht bei Canon durchaus aus, was nicht zuletzt daran liegt, dass man das Quick-Menü auch beim Blick durch den Sucher erreicht und über die Kreuztasten auch schnell einmal Funktionen aktivieren kann, die man sonst eher selten nutzt. Doch das liefern auch Nikon (i-Taste) und Sony (Fn-Taste), wobei wir bei diesen beiden mit dem unten eingeblendeten Menü besser zurechtkommen – auch wenn man hier nicht, wie bei Canon mit der Vierrichtungswippe, in vertikaler Richtung die Einstellung und horizontal die Parameter auswählen kann. Nikon und Sony führen den Fotografen dazu in Untermenüs, was ein wenig länger dauert.
Canon nutzt das berührungssensitive Display nicht nur im Menü als Bedienfläche, sondern auch dann, wenn man durch den Sucher schaut. So lässt sich das AF-Messfeld eben nicht nur mit den Drehrädern verlagern, sondern viel schneller über die Touchfläche des Monitors, wobei sich die Bedienung noch für die linke oder rechte Hand optimieren lässt. Wer eine besonders große Hand hat, kann bei Canon mit dem rechten Daumen am rechten Monitorrand agieren, ohne die Handhaltung stark zu verändern. Allerdings kommt man dabei leicht mit der Nase auf das Display und setzt versehentlich einen anderen Fokuspunkt. Wir empfehlen deshalb, den unteren Monitorrand zu nutzen, denn das klappt mit beiden Händen. Individuell definieren lässt sich auch eine gut mit dem Daumen erreichbare berührungssensitive Tastenfläche rechts neben dem Sucher. Legt man hier die ISO-Empfindlichkeit hin, kann man die Automatik aus- und einschalten und außerdem mit dem Bewegen die Empfindlichkeit einstellen, indem man über die Fläche streicht. So richtig warm sind wir mit dieser Tastenfläche allerdings nicht geworden. Der Zufallsfaktor, wann sich mit Tippen oder Streichen etwas verändert, ist uns zu hoch. Meist sind mehrere Versuche nötig, um die gewünschte Funktion beziehungsweise den passenden Wert zu aktivieren. Da kommt man mit „richtigen“ Tasten schneller zum Ziel. Die kleinen Joysticks von Nikon und Sony sind letztlich also angenehmer, zumal sie verschiedene Funktionen übernehmen, auch wenn das eine Bedienebene mehr fordert.
In Summe ist Canon die experimentierfreudigste Firma. Während Nikon dem Nutzer den Umstieg von der SLR besonders leicht macht, probiert Canon Neues aus – ein Besser gibt es hier nicht.

Anders als Nikon und Sony bietet Canon keine integrierte optische Bildstabilisierung. Ob sie in kommenden R-Modellen verfügbar sein wird, ist offen.


Allzeit bereit: Der bewegliche Monitor bleibt beim Blick durch den Sucher aktiv und hilft beim Positionieren des AF-Felds. Da die Canon im Unterschied zu Nikon und Sony keinen Joystick hat, ist das die schnellste Möglichkeit, das Motiv anzuvisieren.


Menü

Egal, welches Menü man sich anschaut: Überfrachtet wirkt es bei allen Herstellern, denn irgendwo müssen die vielen Funktionen schließlich unterkommen. Ob man nun wie Canon und Sony die Hauptnavigation oben oder wie Nikon seitlich platziert, ist nicht so wichtig. Aber Sony packt das Kamerasymbol gleich zweimal in die Hauptnavigation; vermutlich, weil 23 Menüseiten doch zu viel für einen Hauptnavigationspunkt sind. Canon kommt mit sechs, Nikon sogar mit fünf Menüseiten für die grundlegenden Kamerafunktionen klar. Möglich macht es der Verzicht auf Einstelloptionen, die man auch über die normale Bedienung treffen kann. ISO-Empfindlichkeit und Belichtungskorrektur findet man also weder bei Canon noch bei Nikon im Menü – gut so, sagt die eine Hälfte der Redaktion. Die andere fordert ein „vollständiges“ Menü …
Sony könnte zudem mehr Ordnung ins Menü bringen, indem alle Einstellungen für AF und Videofunktionen in jeweils einem Hauptmenü versammelt werden.
Auf der anderen Seite haben wir bei Canon die Bedienungsanleitung benötigt, um die Anzeige der hilfreichen Gitterlinien zu aktivieren. Denn diese versteckt sich in einem Untermenü. Bei Nikon haben wir diese Funktion dagegen selbst mit Bedienungsanleitung nicht gefunden – dabei sollte man diesen Komfort in dieser Klasse heute erwarten dürfen. Dafür gibt es hier die für Video-Enthusiasten wichtige Zebraanzeige, auf die man bei Canon erstaunlicherweise verzichten muss. Man merkt schon: Wer auf die Details schaut, kann hinter Sonys Parameterflut besonders umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten entdecken.

Kommunikation

Inzwischen ist es üblich, dass man die Kamera auch aus der Ferne einstellen und steuern kann. Folglich haben alle drei Kameras WLAN und Bluetooth an Bord – passende Apps gibt es ebenfalls für alle. Wahlweise lässt sich bei Canon eine Verbindung zum Rechner, Smartphone oder auch auf einen Cloud-Dienst einrichten. Wobei Letzteres etwas aufwendiger ist, da die Einrichtung über den Rechner und eine Webseite von Canon erfolgen muss. Damit dass funktioniert, muss der Fotograf Daten für Canon freigeben, denn letztlich organisiert die Webseite von Canon beispielsweise den Kontakt zum Google Drive und braucht dafür Zugriff auf den Cloudspeicher. Nicht nur für Berichterstatter geschickt ist der Versand von Fotos per E-Mail. Der funktioniert, wie der Upload in die Cloud, mit einzelnen Aufnahmen oder mit einer Bildauswahl wahlweise in reduzierter oder voller Auflösung. Allerdings versendet Canon tatsächlich nur einen Link per E-Mail: Die Bilddateien landen auf dem Cloudspeicher des Herstellers.

Standortfrage: Nikon und Sony platzieren den Ein/Ausschalter mit dem Auslöser verbunden über dem Handgriff. Bei Canon sitzt er links oben und hat etwa die gleiche Größe wie das gegenüberliegende Einstellrad. Diesen Platz hätte man besser nutzen können.


Einfacher und ohne Konfiguration über das Internet lässt sich die Verbindung zum Smartphone herstellen. Hier wartet Canon mit einem Komfort auf, dessen Nutzwert zumindest für semiprofessionelle Anwendungen hoch ist: Der Fotograf kann Bilder in voller Auflösung und als RAW-Daten gleich nach dem Auslösen an sein Smartphone übertragen. Damit steht der direkten Bearbeitung und dem schnellen Posten nur noch die Speicherkapazität des Smartphones im Weg. Als Ersatz für einen zweiten Speicherkartenschacht, so wie es Canon gerne bewirbt, sehen wir diese Funktion allerdings nicht.
Lediglich als rudimentär bewerten wir die Fernsteuerungsfunktionen der CameraConnect-App von Canon, denn man kann leider nicht den Betriebsmodus ändern und im Programmmodus gibt es kein Shift der Blenden/Zeit-Einstellung.
Korrekt funktionieren dagegen der neue Fv-sowie der bewährte Tv- und Av-Modus. Hier darf man Zeit und Blende sowie ISO direkt wählen. Auf dem Smartphone-Display kann man den Autofokus-Punkt per Fingertipp setzen, was allerdings nur sehr zögerlich funktioniert. Ein Grund dafür könnte die deutlich verzögerte Vorschau auf dem Smartphone sein. Wer per Smartphone spontan fotografieren will, wird den passenden Moment um knapp eine Sekunde verpassen.
Sony spendiert der Internetanbindung sogar einen eigenen Hauptmenüeintrag. Die Fernsteuerung via PlayMemorys-App ist dank QR-Code auf dem Kameradisplay in Nullkommanichts hergestellt. Hier ist ebenfalls keine Modi-Umschaltung zu finden, aber die App beherrscht immerhin Programmshift. Damit kann man zum Beispiel von der Einzelbildaufnahme in die Serienbildfunktion umschalten und Blitzeinstellungen treffen. Und man kann auf Wunsch die Kamera aus der Ferne Ein- und Ausschalten. Dafür klappt aber das Festlegen des AF-Punkts via Smartphone überhaupt nicht, und die Vorschauverzögerung beträgt wie bei Canon ebenfalls knapp eine Sekunde.
Für die Bildübertragung zum Smartphone, wie für die Übertragung zum Rechner steht ein eigener Menüpunkt bereit. Zunächst wird der Fotograf geschickt durch die Bildauswahl geleitet, dann wird direkt die Übertragung zum Gerät gestartet. Sony bietet keine EMail-Funktion an, erlaubt aber die Konfiguration von gleich drei unterschiedlichen FTP-Server-Uploads. Für Profis ist das ideal, denn auf diese Weise können sie einen eigenen Server für den Bildaustausch nutzen. Allerdings ist die Konfiguration recht kryptisch und verlangt zwangsläufig die Eingabe von IP-Adressen und Passwörtern. Und spätestens jetzt fällt auf, dass Sony die Touch-Funktion im Menü nicht aktiviert. So wird die Eingabe von Servern, Passwörtern und auch die nötige Konfiguration des WLAN-Zugangs zu einer wilden Klickerei mit der Richtungswippe – das machen sowohl Canon als auch Nikon besser.

Serienmäßig: Das bewegliche Display mit Touchfunktion gehört bei den beiden Nikon-Z-Modellen zur Ausstattung. Seine Auflösung ist etwas höher als bei der Konkurrenz in diesem Test.


Durchblick: Der Nikon-Sucher bietet annähernd die gleiche Auflösung wie Canon und Sony, die Darstellung wirkt aber schärfer. Dafür ruckelt das Sucherbild stärker.


Bildbearbeitung: Nikon integriert eine Bildbearbeitung mit den wichtigsten Korrekturfunktionen. So kann man dann direkt aus der Kamera korrigierte Bilder übermitteln.


Bei Nikon muss man dennoch ein wenig Geduld beim ersten Einrichten aufbringen, denn hier dauert beispielsweise das erste Bluetooth-Pairing doch seine Zeit. Bilder überträgt man bei Nikon, wie auch bei den anderen, via WLAN, und es dauert eine Weile, bis die erste Verbindung aufgebaut ist. Doch ist das erst einmal alles eingestellt, klappt die Arbeit gut. Die App fragt nur etwas zu häufig nach, ob nun auch wirklich die Verbindung via WLAN hergestellt werden soll, und verliert die Verbindung zu schnell wieder. Das lässt sich ändern, indem man in der App die Stromsparoption deaktiviert. Sehr gut gefällt uns, dass wir nicht nur den Modus wählen, sondern auch den AF-Punkt via Touchscreen am Smartphone verlagern können. Schade allerdings, dass Nikon sowohl Display als auch Sucher an der Kamera deaktiviert. Dafür ist allerdings die Smartphone-Vorschau schneller und somit schon deutlich praxisorientierter als bei der Konkurrenz. Zumal Nikons Snapbridge nicht nur ein mickriges Bildchen zeigt, sondern fast das gesamte Smartphone-Display für die Vorschau nutzt. Sehr schön auch, dass man ebenfalls Bilder direkt auf das Smartphone übertragen lassen kann – auf Wunsch sogar in Originalauflösung. Allerdings klappt dies eben nicht wie bei Canon direkt nach der Aufnahme automatisch, sondern nur, wenn man per Smartphone auslöst oder die passenden Fotos wählt. Via App kann man dann die Bilder auch auf Nikons Cloudservice übertragen – allerdings nur mit einer Auflösung bis 2 MP. Der entscheidende Vorteil bei Nikon: Die Gelben bieten die Bearbeitung der Aufnahmen schon in der Kamera an. Der Fotograf kann so zum Beispiel das Seitenverhältnis ändern, einen Bildausschnitt auswählen oder den Horizont gerade richten. Selbst rote Augen kann die Kamera aus den Fotos entfernen.

Sucher und Display

Alle drei Kameras lassen sich komplett über den Sucher bedienen. Und genau das werden engagierte Fotografen auch machen, denn es ist einer der großen Vorteile gegenüber den Kameras mit Spiegel. Dennoch geben die drei Kandidaten alle Menüs und Einstelloptionen wahlweise natürlich auch auf dem rückwärtigen Display oder Sucher aus. Die automatische Umschaltung zwischen rückwärtigem Monitor und Sucher erledigen alle drei recht ordentlich, wobei Sony relativ nervös reagiert und etwas zu früh umschaltet. Beim Arbeiten auf dem Stativ bekamen wir bei der Auswahl von Menüs immer mal wieder ein schwarzes Display zu sehen. Kritisch beäugen viele versierte Fotografen immer noch die elektronischen Sucher. Man unterstellte ihnen – lange nicht zu Unrecht – eine zu geringe Auflösung, ruckelnde Darstellung und eine schmerzhafte Verzögerung. Doch das ist inzwischen weitgehend passé: Lediglich der Sony-Sucher irritiert mit einem Moiré in Strukturen. Das Bild ist aber dennoch recht scharf und zeigt die beste Farbabstimmung. Der Z7-Sucher zeigt etwas flachere Farben, gefällt aber von der Schärfe sehr gut. Hier entsteht der Eindruck, auf eine Mattscheibe zu schauen. Canons Sucher ist dagegen eher zu dunkel abgestimmt. Das lässt sich, wie auch bei den anderen Kameras, über das Menü ändern. Dazu muss man im Menüpunkt „Displayhelligkeit“ durch den Sucher schauen, denn dabei kann man die Helligkeit unabhängig vom rückwärtigen Monitor beeinflussen. Im direkten Vergleich mit der Z7 wirkt der EOS-R-Sucher ein ganz kleines bisschen weniger scharf. Leider sind die Farben zu knackig abgestimmt, was sich auch durch das Ändern der Helligkeit nicht verbessern lässt.

Die Z7 hat weniger Tasten als die SLRs von Nikon. Doch alles findet sich dort, wo man es erwartet. Praktisch ist auch das Info-Display.


Fernauslöser: Will man Einstellungen treffen, ist die Vorschau bei Canon vergleichsweise klein. Der AF-Punkt lässt sich nicht verschieben, sondern nur durch Antippen versetzen. Programmshift bietet die CameraConnect-App nicht. Zum Auslösen reicht die funktional eingeschränkte App aber aus.

Service-Portal: Von der Kamera aus kann man, auch wenn es den Anschein hat, nicht direkt auf die verschiedenen Cloud-Services zugreifen. Das organisiert Canons Webseite – was hier nicht geboten wird, kann man nicht nutzen.

Reduziert aber schnell: Nikons Vorschauqualität ist offensichtlich schlechter und zeigt Artefakte an den Kanten. Dafür bekommt man eine große und schnellere Vorschau. Programmshift bietet auch die SnapBridge-App nicht, doch hier kann man den Betriebsmodus wechseln.

Fernbedienung: Sony kann über die App beziehungweise dank Bluetooth die Kamera aus der Ferne ein- und ausschalten. Den Betriebsmodus kann man nicht wählen, doch die App bietet als einzige den Programmshift an.

Die etwas unterschiedliche Vergrößerung fällt in der Praxis nicht auf, wobei alle drei ein 100%-Sichtfeld bieten. Weitere Punkte holt Nikon mit dem Dioptrienausgleich: Den seitlich am Sucher aufgesetzten soliden Regler zieht man heraus und bekommt dann eine extrem komfortable und schnelle Justage. So stört auch häufigeres Wechseln deutlich weniger als bei den Konkurrenten, die Kunststoffrädchen links oder rechts in den Sucher integrieren. Besonders fummelig ist das zu kleine Rädchen von Sony.
Leider wandelt sich der positive Eindruck vom Nikon-Sucher, wenn man schwenkt. Denn dann ruckelt das Bild merklich, während die Konkurrentinnen ein flüssiges Bild zeigen. Bei Sonys Alpha 7R III muss man dazu zwar im Menü die Vorschauqualität anpassen – doch es geht.
Canon lässt im Sucher die digitale Anzeige der Belichtungsparameter im Hochkantformat mitwandern und blendet diese unten an der schmalen Seite ein. Im Querformat sind die Parameter auf schwarzem Grund besser

lesbar, doch auch so erkennt man die Werte gut, und es erspart dem Fotografen das meistens gut antrainierte Schielen auf die Seite. Wer es nicht mag, kann diese Funktion im Menü aber auch deaktivieren.
Entscheidender Vorteil bei allen dreien: Dank des elektronischen Suchers bekommt man Werkzeuge an die Hand, die bei der Arbeit helfen: Wasserwage und Histogramm gehören immer dazu, die Anzeige der eingestellten Parameter genauso. Helligkeit, Weißabgleich und Schärfe zeigt eben nur der elektronische, aber kein optischer Sucher. Auch kennzeichnen alle drei Kameras die Ränder fokussierter Objekte (Peaking), wahlweise in unterschiedlichen Farben. Wichtig ist das aber eher am rückwärtigen Monitor, denn im Sucher sieht man auch so sehr gut, wo genau die Schärfe liegt.
Beim hinteren Monitor schenken sich die drei Testmodelle in Sachen Farbabstimmung nichts. Nikon und Canon nutzen ein Display mit 3,2 Zoll Diagonale. Nominell hat Nikon die höhere Pixeldichte, doch einen Unterschied konnten wir auch im direkten Vergleich nicht ausmachen. Beide zeigen eine ordentliche und detailreiche Ansicht, die aber zur echten Beurteilung der Schärfe erst gezoomt taugt. Das liefert im manuellen Fokus die Lupenfunktion. Sonys Monitor ist zwar kaum kleiner, aber hat sichtbar weniger Pixel und zeigt somit tatsächlich das weniger knackige Bild. Hinzu kommt, dass der Klappmechanismus bei Sony weniger solide wirkt. Bei Nikon laufen die Gelenke etwas geschmeidiger und der Monitor rastet im 90°-Winkel ein. Schade, dass man bei beiden Kameras die Monitore nach unten nur um knapp 45° abwinkeln kann. Das schränkt die Freiheit gerade im Vergleich zum seitlich klappbaren und um 270° drehbaren Monitor von Canon deutlich ein. In dieser Disziplin hat Canon also alles richtig gemacht.

Autofokus

Beim Autofokus lautet der Trend: Mehr Messpunkte und größere Sensorabdeckung. Keine Frage: Je größer die durch den Autofokus abgedeckte Fläche ist und je mehr einzelne Punkte sich hier unterbringen lassen, desto feiner kann die Kamera scharf stellen. Bei Canon sind es nun 5655 Phasenmesfelder. Dem stehen 493 (Phasen-) Messfelder bei Nikon und 399 (Phasen-)Messfelder bei Sony gegenüber, jeweils im Einzelfeld-AF-Modus. Beide Modelle nutzen jedoch zusätzlich noch Kontrastmessfelder. Canon gibt eine Sensorabdeckung von 88% in der Horizontalen und von 100% in der Vertikalen an. Bei Nikon sind es 90% und bei Sony ca. 70%.

Wilde Klickerei: Um mit der Sony einem WLAN-Netzwerk beizutreten, muss man das Passwort umständlich eingeben. Hier sollte Sony dringend eine geeignete Tastatur im Display einblenden und die Touch-Bedienung zulassen.

Wichtiger als Messfeldzahlen sind aber die dahinterstehenden Lösungen. Canon geht seinen eigenen Weg und setzt auf den hauseigenen Dual-Pixel-Autofokus. Bei Dual-Pixel-Sensoren besteht jeder einzelne Bildpunkt aus zwei Subpixeln. Diese Konstruktion ermöglicht eine Phasenmessung direkt auf dem Aufnahmesensor und somit quasi auf der ganzen Fläche.
Nikon und Sony kombinieren jeweils Phasen- und Kontrastmessung. Auf diese Weise kommen bei der Nikon Z7 zu den 493 Phasenmessfeldern noch eine ungenannte Zahl Kontrastmessfelder hinzu. Welche Methode wann zum Einsatz kommt, entscheidet die Kamera situationsabhängig. Nur in einem Punkt wissen wir ganz sicher, dass die Kamera auf den Kontrast-AF setzt, nämlich im PinPoint-AF (Nadelspitzen-Messfeld). Da in diesem Modus genaues Fokussieren gefragt ist, wählt die Nikon Z7 die besonders präzise Kontrastmessung.
Auch die Sony A7R III kombiniert die Phasen- mit der Kontrastmessung. Insgesamt stehen dem Fotografen 399 Phasen- und 425 Kontrast-AF-Felder zur Verfügung. Wie bei Nikon wird die Entscheidung über die Messmethode von der Kamera getroffen. Zu den AF-Modi gehören bei Nikon eine automatische Messfeldsteuerung, Einzelfeld- und Pin-Point-Messung, dazu kommt die Optio „Großes Messfeld“ (Zonen-AF) in den Größen S und L. „Großes Messfeld“ soll einer Messfeldgruppierung entsprechen, wobei im Messrahmen nicht angezeigt wird, welche Messfelder gerade aktiv sind.
Canon und Sony decken im Grunde dieselbe Funktionalität ab, bieten aber weitere spezielle Modi und anpassbare Feldgrößen im Einzelfeld-AF-Betrieb. Alle drei Kameras erkennen Gesichter und Augen und priorisieren diese bei der Fokussierung.
Die Gesichtserkennung mit Verfolgung löst die Canon sehr gut und stellt bei großer Blendenöffnung tatsächlich nahezu zuverlässig auf das vordere Auge scharf. So gut bekommen das die anderen beiden Kameras nicht hin. Bei der Mehrfeldmessung erweist sich dagegen die Alpha 7R III als agiler und treffsicherer, während die Nikon Z7 noch etwas träger in der Objektverfolgung reagiert als Canons EOS R. Immerhin: Alle bieten inzwischen individuelle Einstellparameter, mit denen der Fotograf die Autofokusgeschwindigkeit und das Ansprechverhalten verändern kann.

Ergonomisch: Mit gut erreichbaren Einstellrädern vorne und hinten und dem separaten Belichtungskorrekturrad kann der Fotograf die Sony weitgehend einhändig bedienen. Die C-Tasten lassen sich umprogrammieren.


In Sachen AF-Geschwindigkeit fällt Canon moderat hinter Nikon zurück. Sony liegt dazwischen. Wie an der Nikon Z haben wir auch an der Canon R zusätzlich das AF-Tempo mit klassischen SLR-Objektiven plus Adapter gemessen. Die ermittelten Werte sind zwar insgesamt schlechter als die an der Nikon Z7, aber dies liegt an den verwendeten Optiken. Bei einer Stichprobe mit den momentan im Labor befindlichen Objektiven erzielte die EOS R mit Adapter jedenfalls ein ähnliches AF-Tempo wie eine EOS-SLR. In unseren Tests funktionierten adaptierte Objektive bis jetzt immer problemlos. Im Web ist aktuell jedoch von Kompatibilitätsproblemen zu lesen.

Bildqualität

Im Vergleich zu ihren beiden Konkurrentinnen arbeitet die Canon EOS R mit einer deutlich geringeren Auflösung. Der Systemvergleich endet deswegen hier. Für das Frühjahr 2019 rechnen wir mit einer zweiten R, deren Auflösung aller Wahrscheinlichkeit nach höher sein wird und die in direkte Konkurrenz zur Nikon Z7 und der Sony A7R III tritt.
Bei der R setzt Canon auf eine erstaunlich aggressive Signalverarbeitung mit deutlichen Überschwingern an den Kanten. Darum wirken die Aufnahmen sehr knackig, aber schnell auch überschärft. Die Auflösung ist hoch und schöpft das Potenzial eines 30-MP-Sensors fast ideal aus. Auch die DeadLeaves punkten mit hohen Werten bei zugleich moderaten Artefakten und niedrigem Rauschen. Allerdings steigen die DL-Kurven deutlich über 1. Die Kurve für kontrastarme Details klettert sogar bis 1,35. Auch dies steht für eine knackige, aber zugleich überzogene Abstimmung. Bis ISO 400 hält die R ihre Messwerte fast unverändert stabil. Ab ISO 800 sinken Schritt für Schritt die DL-Werte, während das Rauschen moderat zulegt. Bei ISO 800 steigen dann auch die DL-Kurven kaum noch über 1. Die übertriebene Kantennachschärfung lässt nun nach.
Insgesamt liefert die R ein gefälliges, knackiges Bild, das aus unserer Sicht jedoch gerade bei ISO 100 bis ISO 400 zu aggressiv abgestimmt ist. Leider konnten wir die RAWs noch nicht öffnen. Doch mit RAWs sollte das Problem erledigt sein.

Steuerknüppel: Der Joystick auf der Kamerarückseite ist immer wieder praktisch: nicht nur bei der Steuerung von AF-Messfeldern, sondern auch bei der Navigation durch die Menüeinträge.


Lichtblick: Sony bietet als einziger im Test eine Buchse für die Steuerung einer Blitzanlage an. Fürs Foto wurden die Abdeckungen entfernt, denn sie baumeln immer unschön an der Kamera herum.


Joachim Sauer, Autor


Fazit Canon hat bei der Entwicklung der EOS R vieles überdacht und mutig neue Wege beschritten. Das dritte Einstellrad am Objektiv hat uns sehr überzeugt, die rückwärtige Scroll/Tastfläche weniger, da sie (noch) zu undefiniert funktionierte. Canon hat also nicht einfach den Spiegel weggelassen und den optischen gegen einen elektronischen Sucher getauscht, sondern noch einmal grundsätzlich über die Bedienung nachgedacht.
Nikon setzt deutlich stärker auf Kontinuität und macht den Wechsel von der SLR zur Spiegellosen besonders leicht – das ist weniger spannend als bei Canon, aber äußerst praktisch. Zugleich hat Nikon beim Autofokus und beim Sucher knapp die Nase vorn. Wir werten die Sucherqualität besonders hoch, denn an ein unlogisches Bedienkonzept kann man sich gewöhnen, nicht jedoch an einen schlechten Sucher.
Sonys Bedienkonzept wirkt an ein paar Stellen „älter“ und teils überfrachtet, bietet aber auch noch mehr Möglichkeiten. Zudem punktet Sony mit dem umfangreichsten System: 9 KB-Kameras und 28 KB-Objektive für das E-Mount gibt es aktuell nur von Sony. Natürlich findet man bei Canon und Nikon sehr gute Objektivadapter für Umsteiger aus dem eigenen SLR-System, aber wer neu einsteigt, wird einen schnellen Ausbau erwarten.

Bei Auflösung, DeadLeaves (DL) und Dynamik stehen hohe Zahlen für gute Messwerte. Das Rauschen (VN) sollte möglichst klein sein.