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SPIELEN MIT GRENZEN


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connect - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 03.02.2022

KINDERMODUS TABLET

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Bildquelle: connect, Ausgabe 3/2022

Was ist bunt, laut und zeigt immer wieder neue Dinge? Das elterliche Smartphone übt schon auf die Kleinsten eine starke Faszination aus, zumal schnell registriert wird, dass Mama oder Papa selbst immer wieder darauf schauen. Die ersten Berührungsversuche finden im Vorschulalter statt, danach werden digitale Inhalte schnell zum festen Bestandteil des Alltags. Wie eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom aus dem Jahr 2019 zeigt, nutzt jedes zweite Kind zwischen sechs und sieben Jahren (54 Prozent) zumindest ab und zu ein Smartphone.

Ab zehn Jahren ist das Smartphone ein Muss: Drei von vier Kindern (75 Prozent) haben in diesem Alter bereits ein eigenes Gerät. Die Zahlen dürften während der Coronapandemie weiter nach oben geschnellt sein. Welche Dynamik in dem Thema steckt, zeigt die Veränderung im Fünf-Jahres-Verlauf: Bei einer ähnlichen Umfrage aus dem Jahr 2014 nutzte nur jedes ...

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... fünfte Kind zwischen sechs und sieben Jahren (20 Prozent) ab und zu ein Smartphone.

Je jünger die Kinder, desto stärker sind die Erwachsenen in der Verantwortung. In einem Internet, in dem nahezu alle Inhalte nur einen Maus- klick oder Fingertipp entfernt sind, müssen Eltern Grenzen setzen für die Dauer, die konsumiert wird, und sie müssen auch die Inhalte festlegen, die zugänglich sein dürfen. Plattformbetreiber und Hardwarehersteller haben Tools entwickelt, die Eltern dabei unterstützen. Wir haben uns die unserer Meinung nach wichtigsten drei genauer angesehen und verglichen. Im Vordergrund stehen dabei die technischen Möglichkeiten der Plattformen, nicht der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Inhalten. Der wird vorausgesetzt und die Plattform unter dem Aspekt betrachtet, ob und wie ein solcher Umgang realisierbar ist. Der Schwerpunkt liegt auf der Tabletnutzung, weil diese, wie viele Marktstudien zeigen, mittlerweile zur Grundausstattung in vielen Haushalten gehören und oftmals den ersten konstanten Berührungspunkt von Kindern mit der digitalen Welt bilden. Welche Geräte stehen zur Auswahl, wie hoch sind die Kosten, und welche Funktionalität bietet die Software? Dabei stehen die kostenlosen Tools der jeweiligen Plattformen für Tablets im Fokus. Mit diesen Kriterien landet man mehr oder weniger zwangsläufig bei den drei rechts aufgeführten Anbietern und Plattformen.

Am Anfang war Amazon Kids

Amazon hat sein erstes für Kinder optimiertes Tablet 2015 vorgestellt, also mehrere Jahre vor Apples Bildschirmzeit (mit iOS 12 eingeführt) und Googles Family Link (2018 eingeführt). Entsprechend ausgereift präsentiert sich die Software. Einzigartig wird das Amazon-Angebot aber durch die Verknüpfung von Kontrollinstrumenten mit Inhalten: Während Apple (teilweise) und Google (vollständig) bei Inhalten auf das kostenfreie Angebot ihrer App Stores setzen, bietet Amazon ein Rundum-sorglos-Paket für Eltern, das neben der passenden Hardware auch eine erweiterte Garantie und eine Vielzahl von Videos, Apps, Büchern und Hörbüchern umfasst. Allein die Bibliothek von Audible mit Bibi&Tina, Pippa Pepperkorn und den Klassikern von Jules Verne ist für jedes Kind ein riesiger Schatz. Und sie macht nur einen kleinen Teil der Inhalte aus, die in der Flatrate „Kids+“ enthalten sind. Die ist beim Kauf eines Fire-Tablets für ein Jahr kostenlos dabei, danach fallen Kosten zwischen drei und zehn Euro pro Monat an, was angesichts des Gebotenen außerordentlich günstig ist. Besonders Familien mit mehreren Kindern profitieren hier, weil sich auf jdem Fire-Tablet mehrere Benutzerkonten anlegen lassen, die keine eigene E-Mail-Adresse benötigen.

iPads mit iPadOS ab 380 Euro

Bei Apple gibt es vier Tablet-Serien (von links: Pro, Air, iPad, Mini), sodass man eine große Auswahl zwischen Ausstattungsklassen und Displaygrößen hat. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind teuer. Selbst wenn man das günstigste iPad in der einfachsten Konfiguration kauft (64 GB), landet man noch bei knapp 400 Euro. Das gilt nicht für Zubehör: Weil Apple Tablet-Marktführer ist, gibt es eine große Auswahl an Schutzhüllen, -folien und Tastaturcovern, die jeden Preisbereich abdecken. Der hohe Preis relativiert sich, wenn man bedenkt, dass die technischen Komponenten hochwertig sind (etwa der Prozessor), was in Verbindung mit dem langen Software-Support eine lange Nutzungsdauer ermöglicht.

Amazon Tablets mit Fire OS ab 100 Euro

Bei Amazon hat es Tradition, die güns tigen Tablets der Fire-Serie auch in einer „Kids Edition“ anzubieten. Die bietet zusätzlich eine kindgerechte Hülle, eine erweiterte Garantie und ein Jahr kostenlosen Zugriff auf die Inhalte von Amazon Kids+. Mit Blick auf den Preis von 100 Euro für das günstigste Modell Fire 7 Kids ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar, vor allem wenn man die iPads gegenüberstellt. Aber die Sache hat auch einen Haken: Im Gegen- satz zu Apple spart Amazon bei der Hardware, die technischen Komponenten sind nicht sehr hochwertig. Das merkt man vor allem bei den Ein- steigern wie dem Fire 7: Der Prozessor ist schnell überfordert, die Benut- zerführung somit ruckelig.

Google Kids Sp ace ab 100 Euro

Bei Google muss man unterscheiden zwischen Family Link und dem Kids Space, der erst im Sommer 2020 vorgestellt wurde. Während es bei Ersterem vor allem darum geht, den Zugang zu Apps und Spielen zu kontrollieren und zu begrenzen, handelt es sich bei Letzterem um eine speziell angepasste Benutzeroberfläche mit altersgerechtem Zugang zu Büchern, Lern-Apps, Spielen und Videos. Wer auf Google setzt, hat den Vorteil einer breiten Hardwarebasis, denn praktisch jedes Android-Smartphone und -Tablet kann über Family Link verwaltet werden. Der Kids Space ist dagegen nur auf ausgewählten Tablets verfügbar, dazu gehören die aktuellen Modelle von Lenovo, das Kids Tablet von Medion (E10440) und das links abgebildete Nokia T20.

Der Kindermodus von iOS heißt Bildschirmzeit

+ ausdifferenziertes Management für jede einzelne App

+ Echtzeitanfragen und -reaktionen möglich

+ Familientarife für Apple-Dienste wie Music und TV+

- keine speziell für Kinder angepasste Oberfläche

- E-Mail-Account und eigenes Tablet zwingend erforderlich

- App-Limits lassen sich per einminütiger Verlängerung umgehen

Apple glänzt zwar mit Bildungsprogrammen für Schulen und Rabatten für Studenten, hält sich bei einer für Kinder angepassten Oberfläche aber zurück. Auf der Apple-Website heißt es: „Das iPad ist so intuitiv, dass alle mit ihren Ideen sofort loslegen können.“ Schnell wird klar: Ein iCloud-Account mitsamt E-Mail-Adresse und ein eigenes iPad fürs Kind sind unabdingbare Voraussetzungen für die Einrichtung eines Kinderzugangs. Das entscheidende Instrument für die Verwaltung ist die „Familienfreigabe“ in den Einstellungen zur Apple ID. Das hier bereitgestellte Instrumentarium ist erfreulich umfangreich. Man kann für jede App, die auf dem iPad installiert ist, die minutengenaue Nutzungsdauer festlegen. Diese Limits lassen sich auch für App-Kategorien pauschal setzen, was es ermöglicht, etwa für Bildungs- Apps eine längere Bildschirmzeit zuzulassen. Auch beim Surfen im Internet kann man differenzieren und etwa die Nutzungszeit für bestimmte Websites festlegen. Darüber hinaus lassen sich Ausnahmen definieren, also Apps, die unabhängig von der Bildschirmzeit immer funktionieren, zum Beispiel die Facetime-App. Das funktioniert auch in die umgekehrte Richtung: Für einen bestimmten Zeitraum, etwa während der Nacht, kann man eine „Auszeit“ aktivieren und alle Apps und Funktionen ausschalten. Das Kind sieht dann einen weißen Bildschirm mit dem entsprechenden Hinweis – und der Option, eine Verlängerung zu beantragen. Diese Anfrage landet in Echtzeit auf dem iPhone von Mama oder Papa und kann direkt beantwortet werden. Ärgerlich: Der Sperrbildschirm bietet auch die Option „Noch 1 Minute“. Bei ein paar Apps ist das kein Problem, aber wenn das Kind 30+ Spiele auf dem iPad hat, kann es locker eine halbe Stunde länger spielen als geplant.

Das klingt nach einem perfekten Angebot, doch leider gibt es auch ein paar Knackpunkte, die den guten Eindruck trüben. Die Kontrollmöglichkeiten sind zwar vielfältig und bieten unter anderem die Möglichkeit, Spiele-Apps erst dann freizuschalten, wenn das Kind eine bestimmte Zeit mit Lern-Apps verbracht hat; doch es fehlt an Präzision bei der Steuerung. Denn das Tageslimit, das man für Apps festlegen kann, gilt pauschal für alle; es ist nicht möglich, bestimmte Apps länger oder kürzer laufen zu lassen. Mit diesem Problem ist man auch bei den Lernzielen konfrontiert: Welche App als Lern-App klassifiziert ist, wird von Amazon festgelegt. Eltern haben hier keinen Einfluss, und sie können auch keine bestimmte (Lern-)App in den Vordergrund stellen. Gerade bei jüngeren Kindern wäre das mitunter wünschenswert.

Erschwerend kommt hinzu, dass die elterlichen Kontrollmöglichkeiten fest auf die Amazon-Inhalte zugeschnitten sind. Ein konkretes Beispiel illustriert die damit verbundene Problematik: Unsere achtjährige Tochter ist ein großer Fan von „Gregs Tagebuch“, einer erfolgreichen Bücherreihe von Jeff Kinney, die auch als Hörbuch erhältlich ist. Allerdings nicht bei Audible, son- dern bei Spotify. Wie gut, dass der Papa ein Spotify-Family-Abo hat! Ein Blick in den App Store zeigt, dass Spotify verfügbar ist, und wir verweisen hier so explizit darauf, weil das nicht immer der Fall ist, denn das App-Angebot von Amazon ist nicht so umfangreich wie bei Apple oder Google, was ein weiterer Kritikpunkt ist. Aber zurück zu Spotify. Schnell die App aus dem App Store heruntergeladen und eingerichtet. Danach folgt die Ernüchterung: Weil die App als „App“ klassifiziert wird und nicht als Hörbuch oder Audioinhalt, fällt sie in die Kategorie „Apps und Spiele“, und das bedeutet, dass die Tochter auch drei Stunden am Tablet spielen kann, wenn man ihr drei Stunden Hörbuch am Tag erlaubt. Daraus folgt: Wer im Amazon-Kosmos zu Hause ist, und viele Inhalte von dieser Plattform bezieht, für den sind die Kids-Tablets empfehlenswert. Wer dagegen auch bei anderen Inhalteanbietern Kunde ist, sollte vorher prüfen, ob das Amazon-Angebot mit seiner Kombination kompatibel ist.

Apple ist nachhaltiger

Die günstigen Preise für die Fire-Tab lets sind zwar verführerisch, aber wir empfehlen, nicht in das unterste Fach bei Amazon zu greifen. Denn irgendwo müssen die Preise ja herkommen, und in diesem Fall spart der Hersteller beim Prozessor. Die 7er -und 8er-Baureihen sind so untermotorisiert, dass die Bedienung nach längerem Gebrauch und vollem Speicher zum Geduldsspiel wird, vor allem wenn mehrere Benutzer darauf angemeldet sind. Die 10er-Serie macht es besser.

Mit Blick auf Apple erübrigt sich ein solcher Hinweis, die Kalifornier bilden mit ihrer Hochpreisstrategie in gewisser Weise den Gegenpol zu Amazon. Man mag ein iPad für ein Kind zu teuer finden, aber der Preis erscheint nicht mehr so hoch, wenn man berücksichtigt, dass die Modelle aufgrund der hochwertigen Hard- warebasis und dem herausragenden Software-Support von Apple locker mehrere Jahre im Einsatz sein können, ohne dass Probleme auftreten. Die nachhaltigere Anschaffung ist ein iPad in jedem Fall. Allerdings nur mit Schutzhülle, die bei Apple nicht mit zum Lieferumfang gehört. Das Unternehmen bietet keine Kinder-Kombis an und gibt sich auch bei der Software wenig kinderorientert, zumindest auf den ersten Blick. Apple verzichtet auf eine Benutzerkontosteuerung, weil, so die Begründung, das iPad ein „Personal Device“ ist. Im Klartext bedeutet das, dass für das Kind ein eigenes iPad zwingend angeschafft werden muss. Man verzichtet auch auf eine kindgerechte Anpassung der Benutzeroberfläche, weil man davon ausgeht, dass iPadOS so intuitiv ist, dass auch Kinder es sofort begreifen. Man mag eine solche Aussage arrogant finden, aber sie ist deswegen nicht verkehrt. Kindergerechte Oberflächen machen im Vorschulalter durchaus Sinn, danach kann man aber getrost darauf verzichten, nicht nur bei iPadOS, auch bei Android.

Neuer Kinder-Homescreen für Android-Tablets

+ gelungene Personalisierung über einen Avatar

+ vielfältige und sehr gut aufbereiteter Videobereich

+ alle Android-Apps und -Dienste lassen sich einfach integrieren

- Oberfläche und Aufbau lassen sich nur eingeschränkt anpassen und sind vor allem an Vorschulkinder gerichtet

- Google-Account zwingend erforderlich

Google hat das Thema „Kinder und Tablet“ lange Zeit den Herstellern überlassen und erst vor einem Jahr mit „Kids Space“ eine Lösung präsentiert, die die Möglichkeiten von Family Link erweitert, die App aber nicht ersetzt. Das bedeutet: Die Family-Link-App für die Eltern und ein Google-Account für das Kind sind weiterhin Voraussetzung. Zum Start kann das Kind einen Avatar auswählen und auf vielfältige Weise bis hin zur Rockfarbe anpassen. Im eigentlichen „Kids Space“ angekommen, tritt aber eine gewisse Ernüchterung ein, schon nach kurzer Zeit wird klar, dass es sich nur um einen Homescreen mit Filterfunktion handelt, der vor allem die Inhalte des Play Store für Kinder aufbereitet. Im Gegensatz zu Amazon ist damit also kein Zugang zu zusätzlichen Inhalten verbunden. Die Filterfunktion wird teilweise sehr gut umgesetzt, der Videobereich profitiert von Youtube Kids, der kindgerecht kuratierten Variante von Youtube. Der Bücherbereich präsentiert sich weniger vielfältig, die überschaubare Anzahl von Büchern wird über Google Play Books bereitgestellt. Die Spiele- und die Lernspiele-Apps kommen aus dem Play Store, hier wird jener Bereich gespiegelt, der auf jedem beliebigen Smartphone oder Tablet unter dem Reiter „Kinder“ angezeigt wird. Über das Eltern-Menü können Eltern eigene Apps und Inhalte hinzufügen, etwa die Spotify-App für Hörbücher. Irritierend ist, dass diese separat hinzugefügten Apps nirgendwo aufgeführt werden. Spotify erreicht man nur über die Karte letzte Apps oder über die Suchleiste. Letztere zeigt nur die lokalen Inhalte oder Inhalte aus Play Books oder dem Store, ist aber nicht mit dem Internet verknüpft. In Verbindung mit der betont symbollastigen Oberfläche entsteht der Eindruck, dass sich Kids Space nur an jüngere Kinder richtet.

Kontrollierter Zugang und Inhalte für wenig Geld

+ preisgünstige Kombination aus Hardware und Inhalten (Kids+)

+ intuitive Oberfläche in zwei Altersstufen anpassbar

+ Eltern-Dashboard über Browser

+ kein E-Mail-Account fürs Kind nötig

- Amazon-Plattform mit weniger Inhalten als Google oder Apple

- bei den Einsteigermodellen ist der Prozessor sehr schwach

- kindergerechte Verwaltung nur mit Amazon-Inhalten möglich

Dass Amazon-Tablets bei Kindern so erfolgreich sind, liegt nicht nur an der günstigen Hardware, auch der Zugang zu kinderoptimierten Inhalten ist preislich unschlagbar: Amazon Kids+ ist für ein Kind im ersten Jahr nach dem Tablet-Kauf kostenlos; für mehrere Kinder zahlt man im günstigsten Tarif 70 Euro pro Jahr und bekommt dafür eine Flatrate auf Tausende Bücher, Hörspiele, Filme, Serien und (Lern-)Apps, darunter bekannte Marken und Namen wie Disney, Lego, Bibi & Tina oder die drei ???. Weil man auf einem Tablet mehrere Benutzerprofile anlegen kann, genügt also theoretisch ein Fire- Tablet auch für eine größere Familie. Alle Eltern-Funktionen sind über das sogenannte Eltern-Dashboard zugänglich, das natürlich auch Nutzungsstatistiken anzeigt. Stark: Dieses Dashboard ist über einen beliebigen Webbrowser zugänglich, es ist also kein spezielles Gerät oder eine plattformgebundene App notwendig. Hier kann man die Inhalte für jedes Nutzerprofil individuell anpassen, etwa per SchieberegIer einen Alterskorridor festlegen. Diese Altersbegrenzung wirkt sich auch auf den Webbrowser aus, der nur entsprechend kuratierte Webseiten anzeigt. Auch aus Kindersicht gibt es wenig zu meckern. Der Kinder-Homescreen bietet zwei grundlegende Ansichten, einmal betont symbollastig für jüngere Kinder und einmal an der normalen Fire-OS-Oberfläche angelehnt für Kinder, die bereits lesen können. Gut gefallen hat uns zudem die Verknüpfung mit Lernzielen: Erst wenn eine bestimmte Zeit mit Lern-Apps oder Büchern verbracht wurde, kann man Spiele freischalten lassen. Einen großen Haken gibt es aber: Nur Apps aus dem Amazon App Store lassen sich problemlos installieren und kindgerecht verwalten, unter anderem die Youtube-App bleibt damit außen vor.

Die Kontrollinstrumente, die iPad OS und iOS bereitstellen, haben genau das, was wir bei Amazon vermissen: Präzision. Man kann für jede App minutengenau die Nutzungszeit festlegen, Auszeiten für das Gerät definieren und Ausnahmen davon bestimmen. Dazu kommen Altersbeschränkungen für den App Store und Filme und abgestufte Beschränkungen für App-Käufe und Downloads. Und auch Apple hat ein günstiges Angebot für Inhalte: Mit dem Familienabo Apple One für 20 Euro pro Monat haben bis zu fünf Familienmitglieder Zugriff auf Apple TV, Music und Arcade (Spiele). Die Kombination aus diesem Abo und der Bildschirmzeit macht iOS zu einer attraktiven Plattform für Eltern

Die Google-App Family Link bietet einen ähnlichen Funktionsumfang, auch hier kann man App-genaue Zeiten festlegen und Altersfilter für Plattformen wie Youtube oder den Play Store einstellen. Google fehlt allerdings ein vergleichbares Inhalteangebot, unter Android gilt es also, Inhalte fürs Kind nach dem Baukastensystem zusammenzustellen, etwa Amazon Kindle für Bücher und Spotify für Hörbücher. Das zeigt, dass Android die im Vergleich offenere Plattform ist: Amazon-Inhalte sind hier zugänglich, während man unter Fire OS Youtube nur über Umwege ansehen kann.

Es gibt nicht die beste Plattform

Das macht Android aber nicht automatisch zur besseren Plattform für Kinder. Im Gegensatz zu Amazon und Apple gibt es beispielsweise keine Flatrate für Spiele, sodass man sie entweder einzeln kaufen muss oder sich mit der Werbung arrangiert, die gerade bei Spielen für Jüngere mit einer Dauer und Penetranz eingeblendet wird, die an Unverschämtheit grenzt. Und der sogenannte „Kids Space“ entpuppt sich in der aktuellen Version als angepasster Startbildschirm ohne eigene Inhalte. Gut gefallen hat uns die Möglichkeit, den eigenen Avatar vielfältig anzupassen. Oberfläche und Aufbau sind ansonsten aber wenig übersichtlich und eher an Vorschulkinder gerichtet. Der Vorteil von Android besteht in der bereits beschriebenen Offenheit, die sich nicht nur auf Software und Dienste bezieht, sondern auch auf die Hardware: Jedes Android-Tablet kann über die Family-Link-App verwaltet werden. Auf jedem Android-Tablet kann man Benutzerkonten für Kinder anlegen, sodass sich ein Tablet in der Familie teilen lässt, ohne dass es zu Konflikten kommt. Deutlich wird, dass jede Plattform Vor- und Nachteile hat, sodass wir hier auch keine Empfehlung aussprechen möchten. Letztendlich ist entscheidend, auf welcher Plattform die Eltern zu Hause sind. Für Apple-Haushalte macht es wenig Sinn, Fire-Tablets anzuschaffen und umgekehrt. Insofern geben Eltern wie so vieles andere auch ihre digitalen Vorlieben an den Nachwuchs weiter. Das ist ganz im Sinne der Plattformen. Nicht ohne Grund setzen Google und Apple einen eigenen Account mit E-Mail-Adresse für das Kind voraus.

Andreas Seeger

Einstellungen für das eigene Smartphone

Samsung Kids Home

App fixieren

Gastmodus einrichten

Drittanbieter-Apps

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, das eigene Smartphone aus der Hand zu geben. Damit es nicht zu In-App-Käufen oder versehentlich gelöschten Dateien kommt, ist es sinnvoll, das Smartphone zu schützen. Es gibt in Android einige Funktionen, die dabei helfen, dass auch Kinder das eigene Smartphone sicher nutzen können. Deren Verfügbarkeit variiert allerdings von Hersteller zu Hersteller. Samsung etwa hat den Gastmodus deaktiviert, bietet dafür aber einen eigenen Kindermodus an. Am einfachsten ist es daher eine Drittanbieter-App zu installieren. Einige davon sind (mit Werbeeinblendung) kostenlos erhältlich.