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SPITZBERGEN: TAUCHTRIP MIT SEGELBOOT: ABENTEUER IM EIS!


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 09.11.2018

Spitzbergen ist nicht das erste Ziel, das einem für eine Tauchreise in den Sinn kommt. Wer sich traut, wird aber mit einerspektakulären Wildnis und fantastischen Begegnungen mit Tieren an Land, wie auch unter Wasser, belohnt.


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Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 120/2018

Der Bug des Segelboots ist im Eis stecken geblieben. Das gibt einige Tage Pause, die man zur Entspannung und zum Tauchen nutzen kann.


Neugierig: Ein Eisbär inspiziert aus nächster Nähe Boot und Fotografin.


Walrosse, die größte Robbenart, sind fast immer in Gruppen anzutreffen.


Das Spitzbergen-Archipel liegt nahe am Nordpol, ziemlich genau in der Mitte des Arktischen Meeres. Als das ...

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... Flugzeug in Longyearbyen, der Verwaltungshauptstadt, gelandet ist, sind wir mitten in einer einzigartigen Region, die voller Kontraste ist. Ich mag die unendliche Weite dieser kargen Eislandschaft, in der die Natur alles bestimmt und wir Menschen uns anpassen müssen.

Das besondere unseres Abenteuers besteht diesmal darin, dass wir Teile des Archipels mit einem kleinen Segelboot erkunden werden, das speziell für arktische Gewässer konstruiert wurde. Dieses kleine Fahrzeug bringt einem ein ganz anderes, viel direkteres Erlebnis, als wenn man mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist.

Zusammen mit dem erfahrenen ortsansässigen Kapitän und Bootseigner Heinrich haben wir die Route geplant und dabei jeden möglichen Schutz entlang der Küste berücksichtigt, falls der Seegang Probleme bereiten würde. Die genaue Reiseroute und die Aktivitäten werden dann aber spontan durch das Wetter, die Eisbedingungen und der Sichtung von Wildtieren bestimmt.

Ein paar Tage nach unserer Ankunft, die wir mit Auffüllen der Vorräte und das Verstauen der Ausrüstung verbringen, legen wir ab und setzen die Segel für die Fahrt durch den riesigen Isfjord. Mit an Bord ist ein für uns ungewöhnliches Utensil, ein großkalibriges Gewehr, das Heinrich wie alle anderen Bewohner der Region mitführen muss, sobald die Stadtgrenzen von Longyearbyen verlassen werden. Der Archipel und das Packeis im Norden sind nämlich die Heimat von ungefähr 3000 Eisbären, von denen einige ziemlich neugierig sein können.

Zunächst besuchen wir Alkhornet, eine Sehenswürdigkeit am nördlichen Eingang des Isfjorden. Es handelt sich dabei um eine hohe Klippe, auf der Tausende von Seevögeln, unter ihnen Gänse, Brünnich-Lummen und Dreizehenmöwen, ihre Nester haben. Ein Ort voller Leben. Daran haben die Vögel einen nicht unerheblichen Anteil, denn die Moos-Tundra unter den Klippen spricht für eine regelmäßige Zufuhr von Dünger. Dieser Bewuchs schafft Lebensraum für andere Tiere. Es gibt zum Beispiel mehrere Fuchsbauten, deren Bewohner sich an den Eiern der Vögel bedienen oder an den Küken, die aus den Nestern fallen. Einige Bereiche sind außergewöhnlich üppig bewachsen, wodurch hier regelmäßig Rentiere zu beobachten sind.

Dann geht es weiter auf der Suche nach Walrossen. Dazu fahren wir hinaus auf das Arktische Meer. Ich genieße es jedes Mal, wenn ein Boot ablegt. Einmal in Erwartung des vor uns liegenden Abenteuers, aber auch wegen des prickelnden Gefühls von Freiheit, das damit verbunden ist. Wir fahren in den Kanal von Forlandsundet ein und segeln an der großartigen, sich immer ändernden und unberechenbaren arktischen Küstenlinie vorbei, die vor allzu heftigem Seegang durch die Insel Prins Karl abgeschirmt ist.


Der Archipel ist die Heimat von ungefähr 3000 Eisbären. Die Begegnung mit ihnen ist fantastisch, aber nicht ungefährlich!


Auf unserer Fahrt in den Norden passieren wir mehrere Sandstrände auf denen sich Walrosse sonnen. Die Tiere stehen unter Schutz, nachdem sie fast 350 Jahre lang gejagt wurden, bis sie nahezu ausgelöscht waren. Darum gibt es, abgesehen von den Rentieren, Eisbären, Polarfüchsen und einer Gruppe von Robben, hier inzwischen wieder eine Population von ungefähr 2000 Walrossen. Sie scheinen ein geruhsames Leben zu führen. Aber periodisch kann sich in so einer Walrosskolonie die entspannte Bewegungslosigkeit in wenigen Sekunden in einen Tumult verwandeln. Solch eine akustisch und optisch äußerst beeindruckende Situation wird gewöhnlich dadurch ausgelöst, dass eines der Tiere seine Position verändert und dabei den einen oder anderen Nachbarn anrempelt. Die finden das offenbar nicht lustig und schon machen sie sich hocherhobenen Hauptes und mit deutlich sichtbaren Stoßzähnen bereit zur Verteidigung ihres Reviers. Das ist verbunden mit Brummen und Brüllen, Geschubse mit den Stoßzähnen und der mehr oder weniger koordinierten Bewegung gewaltiger Speckmengen. Dann, nach einer kurzen Zeit, beruhigen sich die Gemüter wieder, jedenfalls so lange, bis alles von vorne losgeht.

Ein Highlight arktischer Gewässer sind Kelpwälder, die zahlreichen Tieren Unterschlupf bieten.


Die Farbenpracht der Arktis übertrifft die Erwartungen der meisten Besucher


Ein Blauer Seewolf auf der Jagd (rechts).


Wenn Sie sich schon einmal gefragt haben, was es mit den Bärten dieser Tiere auf sich hat, da gibt es eine einfache Erklärung jenseits aller modischen Überlegungen: Walrosse leben in erster Linie von Schalentieren. Und die finden sie mit Hilfe ihrer empfindlichen Schnurrhaare auf dem Meeresboden. Dann saugen sie das Fleisch direkt aus der Schale heraus und können während einer Mahlzeit Tausende von Muscheln konsumieren.

Von einem solchen Tauchgang kam wohl das erste Walross zurück, das uns in der Nähe des Küstenvorsprungs von Poolepynten sein ulkiges Gesicht mit den Schnurrhaaren und den beiden langen Stoßzähnen zeigt. Zur Begrüßung bläst es eine kräftige Wasserfontäne aus, als es durch Nase und Maul gleichzeitig ausatmet. Eine einmalige Gelegenheit! Sofort gleiten wir mit den Kameras in der Hand ins Wasser. Während der nächsten Minuten schwimmt eine Gruppe dieser Tiere neugierig und spielerisch zu unserem Boot.


Alles was wir hören, ist das leise Knirschen des Eises am Rumpf unseres kleinen Segelboots.


An Land bewegen sich die Tiere langsam und plump, aber sobald sie unter Wasser sind, machen sie eine erstaunliche Transformation durch und sind auf einmal in ihren Bewegungen dynamisch und geradezu anmutig. Im seichten Wasser vor der Küste bringt uns diese Metamorphose sogar ganz kurz in Gefahr, weil einige Exemplare sehr neugierig sind und ohne Warnung auf uns zuschwimmen und uns mit der ganzen Macht ihres Gewichts von fast einer Tonne in Bedrängnis bringen. Aber genau wie Menschen haben auch Walrosse einen eigenen Charakter. Und so sind einige der Tiere so scheu, dass wir nicht einmal nahe genug kommen, um sie fotografieren können.

Ein anderer Ort, wo man häufig auf Walrosse trifft, ist die Insel Lågøya, was soviel wie „Niedrige Insel“ bedeutet. Sie liegt vor der Westküste von Nordaustland im nördli- chen Gebiet des Archipels und wird eher selten besucht. Wie der Name sagt, handelt es sich um eine flache Insel, die somit ideal für diese Tiere ist, um in aller Ruhe zu chillen.

Blaue Eisberge entstehen aus hochverdichtetem Eis von Gletschern.


Skipper Heinrich am Steuer des Seglers.


Wir sind hier einige Tage vom Eis eingeschlossen und haben genug Zeit, um es den Walrossen gleich zu tun. Wenn das Meer wie jetzt ganz ruhig ist, ist alles, was wir auf unserem kleinen Boot hören können, das Eis, das sich mit leisem Knirschen an Eis reibt. Und dann ist da noch das Plätschern des Wassers am Rumpf unseres Bootes und gelegentlich auch die Schreie der Vögel. Wir genießen auf der ganzen Fahrt das wertvollste Gut jedes Urlaubs, der der Beobachtung von Natur und Tierwelt gewidmet ist: die Zeit! Davon haben wir hier Dank des vierundzwanzigstündigen Tageslichts in Hülle und Fülle. Denn im Hochsommer scheint die Sonne um Mitternacht genauso hell wie zur Mittagszeit. Von Zeit zu Zeit kommen auch Eisbären zum Boot, um uns zu beobachten. Einer von ihnen wird uns zu neugierig. Aber ein Bootshaken reicht aus, um diesen besonders zielstrebigen Besucher davon abzuhalten, ins Boot zu klettern. Der Kapitän hat damit ganz sanft die Nase des Bären berührt, die hoch empfindlich ist, und das war genug, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Die lange Zeit, die wir in nächster Nähe zu diesem Eisbären verbringen durften, wird sicher einer der denkwürdigsten Momente unseres Lebens bleiben.

Nach dem Besuch der Insel Lågøya treten wir die lange Reise zurück nach Longyearbyen an. Dabei finden wir weiter im Süden, innerhalb eines Fjords, einen kleinen eisfreien Strand. Die Welt unter der Oberfläche überrascht uns mit einer wahren Explosion von Farben. Zwar haben wir keinen einzigen Fisch entdeckt, aber es gibt Steine, die mit orangen und gelben Anemonen, einigen Krabben und Nacktschnecken bedeckt sind.

Ein Nickerchen während einer Pause, als das Boot im Eis eingeschlossen ist.


Das Eis schwindet und die Futtersuche wird für Eisbären immer schwieriger.


Dann machten wir uns für einige Tage in unserem Schlauchboot auf die Suche nach weiteren Begegnungen mit Robben, Walrossen und Eisbären. Nicht überall geht es den Tieren so gut wie denen, die wir bisher beobachtet haben.

Uns wird klar, dass das Eis ein wichtiges Element im arktischen Ökosystem ist. Ein Lebensraum für viele Arten, von Bakterien und einzelligen Algen auf der Unterseite und für die Säugetiere auf der Oberfläche. Diese wunderbare Welt ist aber gefährdet. Denn das Eis über dem flachen Festlandsockel der nördlichen Polarregion, weicht durch die Klimaerwärmung jeden Sommer weiter zurück und wird an anderen Stellen immer dünner. Arktische Säugetiere sind durch diese Entwicklung stark beeinträchtigt. Das zurückweichende Eis schränkt alle wesentlichen Aspekte ihres Daseins ein, vor allem die Ernährung und die Fortpflanzung. Das ist eine Erkenntnis, die diese Reise überschattet, die ansonsten ein geradezu perfektes Abenteuer geboten hat.

INFO: MIT DEM SEGLER IN DIE ARKTIS

Die beste Saison für einen solchen Trip ist von Mitte Juni bis Mitte Juli. In diesem Zeitraum scheint die Sonne 24 Stunden am Tag. Es handelt sich überwiegend um Erkundungstauchgänge, da Spitzbergen in vielen Bereichen ein unerschlossenes Tauchgebiet ist. Trockentauchanzüge mit geeignetem Unterzieher und eine solide Erfahrung damit sind unabdingbar, denn die Wassertemperaturen liegen zwischen null und vier Grad Celsius.

Die Sichtweiten betragen meist etwa fünf Meter, im Umfeld der Walross-Sichtungen weniger. Der Preis für eine 12-tägige Tour liegt bei 7000 Euro ohne Flug. Flüge von Deutschland nach Spitzbergen kosten etwa 700 Euro.www.wildlifephototours.ch


ALLE FOTOS: F. BANFI