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SPORT-MIX: GRAF-ENTDECKER KLAUS HOFSÄSS : „Gegen Steffi hätte Serena keine Chance“


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 24/2019 vom 12.06.2019

Steffi Graf wird Freitag 50. Ihr Weggefährte erinnert sich an Höheund Tiefpunkte


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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 24/2019

Steffi Graf beim Aufschlag. Ihre Markenzeichen waren die starke Vorhand und der unbequeme Rückhand-Slice


GEWINNER

MAIK MACHULLA
Der Flensburger kennt als Cheftrainer bisher nur das Gefühl, Handball-Meister zu werden. 2017 übernahm er die

SG und holte gleich den Titel. Diesen Er folg wiederholte er nun: Flensburg machte durch ein 27:24 gegen den Bergi schen HC die Meisterschaft klar. Vor al lem dank Machulla (42), der sechs Leis tungsträger ersetzen musste.

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Wie ging es weiter?
Von da an haben Vater Graf und ich fast täglich telefoniert. Ich wurde Bundesjugendtrainer und habe Steffi zu den Lehrgängen nach Hannover geholt. Als sie 14 war, habe ich sie mit zum Gras-Training nach Perth in Australien genommen. Zusammen mit den Profispielerinnen Claudia Kohde, Bettina Bunge und Eva Pfaff. Wir hatten dort einen fürchterlichen Acker gemietet.
Und Steffi Graf hat alle anderen vom Platz geschossen?
Von wegen. Es war furchtbar, sie hat an den Bällen vorbeigeschlagen. Sie war richtig niedergeschlagen. Am Abend hat im- mer der Vater angerufen. Ich erzählte ihm von den Problemen, und er sagte nur: Aus der wird nie eine Gras-Spielerin! Zum Glück lag er nicht ganz richtig, wie sieben Wimbledon-Siege zeigen sollten.

VERLIERER

ANNA TATISHVILI
Die US-Amerikanerin bekam die ungewöhnlichste Strafe bei den French Open in Paris: Da der Schiedsrichter fand, dass sie bei ihrem Aus gegen die

23-Jährige Maria Sakkari (0:6, 1:6) nicht genug Einsatz zeigte, wurde der 29-Jährigen ihr gesamtes Preisgeld von 46 000 Euro aberkannt. Tatishvili, die ein Recht auf Einspruch hat, gewann im Match über 55 Minuten nur 31 der 93 Punkte.

Serena Williams (37) hat mit 23 Grand-Slam-Turniersiegen einen mehr als Steffi Graf


@@Besuch in Las Vegas: Hofsäss bei Graf und Agassi in deren Fitness-Raum


DAS IST KLAUS HOFSÄSS

Der 70-Jährige betreute Steffi Graf als Coach – u. a. bei ihrem Golden Slam 1988. Unter seiner Leitung als Bundestrainer holte Deutschland 1987 und 1992 den Fed Cup. In Marbella betreibt er seit 1984 eine Tennis-Akademie.

Aus Steffi Graf wurde Fräulein Vorhand …
Ja, ihre Vorhand war ein unglaublicher Schuss. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich 1978 am Hamburger Rothenbaum. Da habe ich den jungen Ivan Lendl spielen sehen, mit dominanter Vorhand und nicht ganz so guter Rückhand. Ich dachte mir, das ist das richtige Spiel für Steffi. Danach haben wir das extrem forciert. Sie hat die Rückhand-Bälle viel umlaufen. Das konnte sie wegen ihrer tollen Athletik. Ich sitze jede Woche zweimal auf dem Fahrrad-Ergometer und schaue mir dabei alte Spiele von Steffi an. Wahnsinn, wie weit draußen sie manchmal neben dem Platz stand. Aber mit den schnellen Beinen ging das.
Auch der Rückhand-Slice war legendär.
Ja. Viele haben sie deswegen kritisiert, weil der Schlag so unspektakulär war. Gerade nach den drei Spielen pro Jahr, die sie nicht gewonnen hatte. Aber der Rückhand-Slice war die Basis für ihr Spiel. Der sprang extrem flach ab, nur drei oder vier Zentimeter hoch. Die Gegnerin musste tief runter und den Ball heben, ohne selbst Druck ausüben zu können. In der Zwischenzeit postierte sich Steffi für ihren Vorhandschuss. Und wenn sie damit den Ballwechsel diktierte, hat sie nicht mehr lockergelassen. Als Gegnerin kamst du da nicht mehr raus.

Serena Williams hat 23 Grand-Slam-Turniersiege, einen mehr als Steffi Graf. Wie würde das Spiel Serena Williams gegen Steffi Graf – beide in Topform – ausgehen?
Serena hätte keine Chance gegen Steffi. Serena hat extreme Power in ihren Schlägen und schlägt überragend auf. Aber sie bewegt sich nicht sehr gut. Das hätte ich sehen wollen, wie sie gegen Steffi zehnmal nach links und rechts laufen muss. Bei allem Respekt: Mit dem Körper hätte es Serena in einer anderen Sportart schwer. Serena hat ja auch nie den Grand Slam geschafft, also den Sieg bei allen vier großen Turnier in einem Jahr. Steffi hat sogar noch Olympia-Gold draufgepackt und den Golden Slam perfekt gemacht.
Also ist Steffi Graf die Beste aller Zeiten?
Ja. Sie ist unvergleichbar. Sie hatte ja auch sehr starke Gegnerinnen und hat trotzdem so viele Turniere gewonnen. Erst waren da Chris Evert und Martina Navratilova, die beide jeweils 18 Grand-Slam-Turniere gewonnen haben. Dann kamen Gabriela Sabatini, Monica Seles, Arantxa Sánchez-Vicario. Heute gibt es solche Spielerinnen gar nicht mehr. Da ist mal die eine oben, dann die andere. Stabile Nummer-1-Spielerinnen gibt es nicht mehr.
Was von Steffi Graf wird Ihnen immer in Erinnerung bleiben?
Ihre Zähigkeit und Unerbittlichkeit sich selbst gegenüber. Sie konnte jeden Schmerz ertragen, und war er noch so groß. Bei ihrem ersten Federation Cup 1986 in Prag war ihr im Training der Betonfuß eines Sonnenschirms auf den Fuß gefallen. Der Knochen im großen Zeh war glatt durchgebrochen. Steffi ist ins Krankenhaus gefahren und stand wenige Stunden später mit Gips wieder auf dem Platz. Ich dachte, ich sehe nicht richtig, und habe sie nicht spielen lassen. Anders als 1991 in Nottingham.
Was war da?
Sie spielte im Fed Cup gegen die Kanadierin Patricia Hy. Den ersten Satz gewann sie, dann riss eine Sehne in ihrer Schulter. Das müssen höllische Schmerzen gewesen sein. Ich sagte ihr: Gib auf, es hat keinen Sinn, du kannst den Arm nicht mehr heben. Aber Steffi wollte nicht aufgeben. Sie löffelte den Ball nur noch zurück und gewann das Match. Eine unglaubliche Willensleistung. Aber so war sie.
Auf dem Platz wirkte sie immer sehr kontrolliert …
Ja, aber Steffi hatte immer zwei Seiten. In der Öffentlichkeit wurde sie ja immer als sehr kühl und emotionslos dargestellt. Das war aber nur nach außen so. Hinter dem Vorhang war und ist sie ganz anders.
Wie denn?
Steffi ist ein sehr lustiger Mensch und hat immer viel gelacht. Nur öffentliche Auftritte mochte sie nicht so sehr. Anders als Boris Becker zum Beispiel.
Haben die Steuer- und privaten Skandale um ihren Vater Peter Graf sie verändert?
Sie hat damals sehr gelitten, hat das aber nicht gezeigt. Sie war manchmal wirklich sehr traurig und hockte heu- lend auf dem Hotelzimmer. Als das Turnier in Berlin losging, kamen die Schlagzeilen. Trotzdem hat sie das Turnier gewonnen. Sie hat die French Open gewonnen, nachdem kurz zuvor ihr Elternhaus von Steuerfahndern durchsucht worden war und ihr Vater ins Gefängnis musste. Sobald Steffi auf dem Platz stand, zählte nur Tennis für sie. Alles andere konnte sie ausblenden. Nach dem Halbfinale in Paris 1996 bin ich nach Frankfurt geflogen und haben ihren Vater im Gefängnis in Mannheim besucht. Abends war ich zurück in Paris. Steffi fragte mich, wie es ihm geht. Sehr gut, sagte ich. Sie meinte nur: Erzähl mir nicht so einen Mist. Sie hatte ziemlich viel zu verarbeiten. Wie sie das alles verkraftet hat, ist mir heute noch ein Rätsel. Vielleicht war der Sport auch die perfekte Ablenkung für sie. Auf dem Platz hat sie alles abgeschüttelt. Heute ist sie ein sehr glücklicher Mensch. Sie hat alles ohne Schaden gemeistert.

Ihr emotionalster Sieg: Nach langer Verletzungspause gewann Graf 1999 die French Open. Kurz danach trat sie zurück


„Steffi ist die Beste aller Zeiten. Unvergleichbar!“


1992 gewannen Agassi und Graf in Wimbledon. Sieben Jahre später wurden sie ein Paar


Graf und Agassi bei einer gemeinsamen Bootstour 2018


„Nach außen war sie kü ühl. Privat war sieg anz anders“


Vater Peter Graf (l.) mit Anwalt Franz Salditt. 1997 wurde er wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 12,3 Mio. Mark zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt


„Sie hat damals sehr gelitten, aber das nicht gezeigt.“


Halloween 2016: Agassi als Wrestler Hulk Hogan verkleidet, Graf als Comic-Figur Daphne Blake


Wie oft haben Sie Kontakt?
Wir telefonieren regelmäßig, gerade in der vergangenen Woche rief sie mich an. Vor einem Jahr habe ich sie zuletzt in Las Vegas besucht. Sie holte mich und meine Frau vom Flughafen ab und brachte uns auch wieder hin. Das war für sie eine Selbstverständlichkeit. Auch an meinem 70. Geburtstag rief sie an. So ist die Steffi eben. Bescheiden, menschlich und demütig. Und hilfsbereit den Menschen gegenüber, denen es nicht so gut geht. Ich erinnere mich an Regine Hüse, die früher mit ihr im Kader war, den Sprung aber nicht schaffte. Ihre Eltern starben früh. Steffi hat sie schon damals immer mal angerufen und den Kontakt nicht abreißen lassen. Obwohl sie wahrlich genug um die Ohren hatte.
Wie lebt Steffi Graf heute?
Sie geht voll und ganz in ihrem Familienleben auf. Sie fährt die Kinder zum Trai ning, guckt zu und ist sehr engagiert. Ihr Sohn Jaden(17; d. Red.) ist ein sehr guter und umworbener Baseballspieler auf dem Sprung zum Profi. Leider hat er sich ge rade einen Sehnenriss im Ellenbogen zugezogen und muss ein Jahr pausieren. Die Tochter(Jaz Elle, 15; d. Red.) ist begeisterte Tänzerin. Steffis Mutter wohnt in Las Vegas im Haus nebenan. Steffi kümmert sich rührend um sie.
Freitag wird Steffi Graf 50 Jahre alt …
Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Sie macht sich aber nicht verrückt wegen ihres Alters. Sie ist so glücklich mit ihrem Leben. So möge es bleiben. Das wünsche ich ihr von Herzen.

Steffi Graf in Zitaten und Zahlen


„Es gibt nichts, was den Moment des verwandelten Matchballes, das Bewusstsein, sich durchgesetzt zu haben, übertrifft. “


„Manchmal wünschte ich, ich hätte etwas entspannter sein können, dann wäre ich aber nicht dieselbe Spielerin gewesen.“


„Ich hatte zu Beginn sehr viel Feuer. Bis ich gemerkt habe, dass mir Ruhe mehr hilft.“


„Ich war ja mit 13 Jahren schon auf der Profi-Tour. Wenn ich heute meine beiden Kinder in dem Alter sehe, denke ich mir: Mensch, das ist schon ein ganz anderes Aufwachsen.“


„Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen.“


„Ich sehe mich vorrangig als Mutter und Ehefrau. Nichts ist wichtiger als meine Familie.“


„Jedes Problem, das man bewältigt, bringt einen in der Zukunft weiter. Und gibt auch neue Kraft.“


„Der Abstand zum Sport kam unheimlich schnell, ich hatte nie mehr das Gefühl, noch mal den Schläger in die Hand nehmen zu wollen.“



FOTOS: Picture Alliance (3), Getty