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SPORT? NA KLAR!


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 01.08.2018

Sportlich aktiv zu sein ist gesund. Aber Sport kann noch viel mehr! Vom Muskelaufbau bis hin zur Körperkoordinationfördert jede Sportart auf eigene Weise die Stärken der Kinder


Artikelbild für den Artikel "SPORT? NA KLAR!" aus der Ausgabe 9/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 9/2018

Reiten fördert nicht nur die körperliche, sondern auch die seelische und soziale Entwicklung von Kindern


Den ganzen Tag draußen mit den Nachbarskindern um die Wette rollern, sich mit Wasserbomben jagen oder stundenlang im Garten Trampolin springen – Kinder haben einen natürlichen Spaß an Bewegung und müssen dazu nicht erst getrieben werden.
Genau das ist die Basis für ein gesundes und aktives Leben. Regelmäßige Bewegung ist laut ...

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Den ganzen Tag draußen mit den Nachbarskindern um die Wette rollern, sich mit Wasserbomben jagen oder stundenlang im Garten Trampolin springen – Kinder haben einen natürlichen Spaß an Bewegung und müssen dazu nicht erst getrieben werden.
Genau das ist die Basis für ein gesundes und aktives Leben. Regelmäßige Bewegung ist laut der Düsseldorfer Kinderorthopädin Dr. Kristina Weimann-Stahlschmidt extrem wichtig für die Entwicklung von Kindern. „Kinder, die morgens 20 Minuten zur Schule gehen, zeigen bessere Ergebnisse in Rechen- und Buchstabieraufgaben als Kinder, die zur Schule gefahren werden. Bewegung ab dem Säuglingsalter fördert den Gleichgewichtssinn und die kognitive Leistungsfähigkeit, stärkt die Muskulatur und beugt Stoffwechselerkrankungen und Fettleibigkeit vor.“
Turnangebote gibt es schon für die Allerkleinsten, doch viel brauchen die gar nicht. Kleinkinder sind schon ganz gut damit beschäftigt, wenn sie krabbeln, sitzen oder stehen. Ab dem Vorschulalter sind dann regelmäßige Sportangebote sinnvoll. Als „Kinderstube des Sports“ gilt das Kinderturnen. Das Angebot ist hier besonders abwechslungsreich. Bundesweit gibt es zertifizierte Kindersportschulen, die sogenannten KiSS. Träger ist meist ein Verein. Übungsleiter haben hier eine fundierte Ausbildung und der Sport findet unter der Anleitung qualifizierter Lehrkräfte statt.
Margit Gfrörer ist Leiterin der KiSS-Geschäftsstelle Baden-Württemberg und betont, dass beim Kinderturnen und vielen anderen Kindersportangeboten vor allem die Vielseitigkeit besonders wichtig ist. „Die Palette neuer Sportarten wächst stetig. Um dem Sport langfristig treu bleiben zu können, bedarf es einer breiten motorischen Grundlagenausbildung. Die Kindersport-Angebote sollen die sensiblen Phasen gemäß der persönlichen motorischen Entwicklung von Kindern berücksichtigen und einer einseitigen Spezialisierung entgegenwirken. Nach dem Motto: Früh beginnen – spät spezialisieren“, so Gfrörer.
Ab wann also können sich die Kids ihren Lieblingssport aussuchen? Laut Kinderorthopädin Weimann-Stahlschmidt ist das Grundschulalter genau richtig, dann seien die Kinder in der Lage, Anweisungen besser zu folgen und erste komplexe Bewegungsmuster zu erlernen. „Wünschenswert ist dennoch ein sehr allgemein gehaltenes Bewegungsangebot bis zur Pubertät. Turnen, Schwimmen, Leichtathletik und auch Ballsportarten sind hier sinnvoll“, sagt Weimann-Stahlschmidt.
Nur, welcher Sport ist denn nun der richtige für mein Kind? Wo wird es genug gefördert, wo kann es am besten seine Stärken zeigen? Spaß sollte an erster Stelle stehen, aber die gewählte Sportart sollte auch zum Kind passen – nur so wird es auch motiviert und voller Freude mitmachen.

Ballsportarten

Fußball, Handball & Co. sind schnelle Laufspiele, die deswegen ganz besonders die Ausdauer fördern. Dies bestätigt der Sportwissenschaftler Dr. Axel Kupfer von der Deutschen Sporthochschule Köln: „Und weil die Kinder hier immer den Ball im Auge behalten müssen, werden außerdem noch die Orientierungs- und die Reaktionsfähigkeiten geschult.“ Die Verletzungsgefahr ist relativ gering, Schürfwunden oder blaue Flecken kann es geben, wenn die Spieler hinfallen oder mit Gegenspielern zusammenstoßen.

Tanzen/Ballett

„Rhythmik und Körperhaltung stehen hier an oberster Stelle. Die Kinder lernen beim Tanzen gezielt ihren Körper einzusetzen – wie mache ich eine Drehung, wie bewege ich mich richtig zur Musik und bewahre dabei Haltung? Bei dieser Körperarbeit werden auch der Gleichgewichtssinn und die Koordination ganz besonders angesprochen“, so Dr. Kupfer.

Beim Schwimmen wird gelenkschonend jede Muskelgruppe trainiert und die Körperkoordination gefördert


Bei einem Tennis-Doppel hat die ganze Familie richtig viel Spaß und Bewegung


Wettkampforientiertes Turnen

Turnen am Schwebebalken, an den Ringen oder am Boden fördert unter anderem die Körper-Koordination und die Beweglichkeit eines Kindes. „Turnen ist sehr vielseitig. Turner brauchen zwar weniger Ausdauer als beispielsweise Fußballer, dafür bekommen sie viel Kraft in den Armen und in den Beinen“, sagt Dr. Kupfer. „Durch Überkopfsituationen, beispielsweise beim Handstand, wird außerdem die Raum-Orientierung besonders trainiert.“

Klettern

Beim Klettern werden Kinder fast schon zu kleinen Akrobaten, wenn sie sich von einem Klettergriff zum nächsten hangeln. Für Dr. Kupfer ist Klettern ein toller Sport: „Es spricht den ganzen Körper an und die Kinder brauchen viel Kraft in Armen und Beinen. Durch gezieltes Überlegen, wohin der nächste Griff gehen muss, lernen die Kinder sich gut zu konzentrieren und zu orientieren.“

Schwimmen

Besonders gesund ist für den Forscher am Kölner Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft Schwimmen: „Das ist eine sehr gelenkschonende Sportart, die alle Muskelgruppen anspricht. Sie ist besonders für übergewichtige Kinder gut geeignet, am besten aber in eigenen Gruppen, sodass sich die Kinder auch wohlfühlen. Durch die verschiedenen Bewegungsabläufe von Armen und Beinen beim Schwimmen wird die Koordination sehr gut geschult.“

Karate/Judo

„Einfach draufhauen ist bei Kampfsportarten absolut verboten“, weiß Dr. Kupfer. „Kinder, die sich für diesen Sport entscheiden, müssen deshalb lernen, ihre Kraft zu zügeln und gezielt einzusetzen. Das fördert vor allem die Konzentration. Durch die erlernten Bewegungsabläufe können die Kinder auch ihre Grobmotorik spielerisch trainieren.“

Gemeinsam verlieren und gewinnen – Mannschaftssport fördert die soziale Kompetenz


Tennis

„Tennis ist ein toller Familiensport“, sagt Dr. Kupfer. „Hier kann die ganze Familie beim Doppel mitmachen. Mit den Augen blitzschnell dem Ball zu folgen und mit dem Tennis-Schläger den Ball auch noch zu treffen, das fördert hervorragend die Auge-Hand-Koordination. Kinder bekommen hier außerdem eine tolle Ausdauer und Orientierung.“

Kinder-Yoga

Kinder-Yoga ist ein guter Sport für den Muskelaufbau, es fördert die Konzentration und baut Spannungen ab. Weil es hier nicht um Leistung geht, können sich laut Dr. Kupfer die Kinder ganz und gar auf ihren Körper und ihre Atmung besinnen.

Reiten

Reiten ist ein wunderbares Hobby, das nicht nur die körperliche, sondern auch die seelische und soziale Entwicklung unterstützt. Für Elke Lindner vom Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten ist der Erwerb reiterlicher Grundkenntnisse sogar erst mal zweitrangig. „Der Fokus liegt vielmehr auf der Linderung und Heilung psychosozialer Probleme und Störungen und bei der Behandlung von körperlichen Behinderungen.“ Egal für welchen Sport, für welche Aktivität oder für welches Hobby sich Kinder entscheiden, für ein paar Schnupper-Stunden sollten sie sich immer Zeit nehmen. Zudem sei es, wie Dr. Weimann-Stahlschmidt betont, wichtig, dass sie frühzeitig Bewegung mit Spaß in Verbindung bringen: „Ein bewegtes Leben muss vorgelebt werden. Die gemeinsame Familienzeit im Schwimmbad, auf dem Fahrrad oder im Garten beim Fußballspielen oder Toben macht den Zauber aus – und tut auch den Eltern gut.“

Sport trainiert Sozialkompetenz

Sport stärkt nicht nur die Muskeln und Knochen der Kinder, sondern auch dasSelbstbewusstsein. Laut dem Hamburger Diplom-Psychologen Michael Thiel entwickelt sich unser Selbstbewusstsein vor allem in Situationen, in denen man etwas wagen muss. „Ein Kind, das sich zum ersten Mal traut, über einen Balken zu balancieren, musste sich hier erst überwinden. Und genau dieses Erfolgserlebnis baut unser Selbstbewusstsein auf. Im Sport haben wir häufig Situationen, in denen wir körperliche Herausforderungen meistern müssen“, so Thiel. „Sport ist außerdem einer der bestenSozialkompetenztrainer“ , meint der familie&co-Experte. Besonders bei Mannschaftssportarten müssen sich die Kinder an Regeln halten und Rücksicht nehmen. „Und sie müssen sich zurücknehmen können. Wenn ein Spieler frei vor dem Tor steht, dann ist es besser, diesem den Ball zuzuspielen, als selber aufs Tor zu schießen. DiesesGemeinschaftsgefühl ist unersetzbar wichtig“, betont Thiel. Das gilt auch für Einzelsportarten, denn auch dort sind die Kinder eingebunden in ein Team, das sich gegenseitig hilft. Grundsätzlich gilt: Jeder Sport ist besser als gar kein Sport.

Überall in ganz Deutschland

Sport im Verein hat viele Vorteile – das bestätigt auch die Düsseldorfer Kinderorthopädin Dr. Kristina Weimann-Stahlschmidt

● Im Verein findet der Sportregelmäßig , zu immer gleichen Tages- und Uhrzeiten, statt
● Im Verein entstehenFreundschaften
● Kinder können sich inWettkämpfen vergleichen
● Sport im Verein ist vergleichsweisekostengünstig
● Vereinssport wirdüberall in ganz Deutschland betrieben
● Übungsleiter haben meist einefundierte Ausbildung
● Sport findet unterprofessioneller Anleitung statt
● Meist gibt es die Möglichkeit vonSchnupperstunden

INTERVIEW: Vielseitig Sport treiben

PD Dr. med. Martin Rupprecht leitet die Sektion Kindersportmedizin in Hamburg-Altona

familie&co: Vor allem Kinder im Vorschulalter sind ja oft nicht in ihrem Bewegungsdrang zu bremsen – sollte man das aber?
Dr. Mar tin Rupprecht: Nein, Kinder stecken voller Bewegungsfreude und da sollte man sie auch toben lassen. Im Alter von drei bis sechs Jahren ist es wichtig, dass die Kinder möglichst vielseitig Sport treiben. Ist das Sportangebot in diesem Alter zu einseitig, regulieren die Kinder dieses oft selbst. Sie verlieren dann den Spaß und sperren sich.

Ab dem Grundschulalter können sich Kinder dann vielleicht schon auf eine Sportart spezialisieren?
Ja, da macht das mit Sicherheit Sinn, wenn die Kinder auch selbst Lust darauf haben. Im Alter von sechs bis zwölf Jahren können die Kinder auch so viel Sport machen, wie sie nur möchten. Vorausgesetzt, sie werden dabei richtig begleitet.

Gibt es denn ein bestimmtes Alter, in dem zu viel Sport schaden könnte?
Auf jeden Fall! Im sogenannten pubertären Wachstumsschub muss man aufpassen. Bei Mädchen setzt dieser etwa mit elf, zwölf Jahren ein, bei Jungen circa ein bis eineinhalb Jahre später. In dieser Phase wachsen die Knochen sehr schnell und die Muskeln und Sehnen kommen nicht hinterher. Die Sehnenansätze am Knochen werden sehr stark belastet und können schmerzen, die Kinder können sich schlechter bewegen. Sportlehrer müssten hier so geschult sein, dass sie speziell in diesem Alter auf die schnelle körperliche Entwicklung Rücksicht nehmen und gegebenenfalls das bisherige Training umstellen und entlastende Trainingseinheiten einbauen. Tut man das nicht, sind Probleme programmiert.


FOTOS: PIXLAND/BANANASTOCK/RF (2); FOTOLIA.COM/MATIMIX/-ANDREIPUGACH (2); THINKSTOCK.COM/GETTY IMAGES; PRIVAT