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Sport und Genuss


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Reisemobil International - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 07.12.2021

REISE Cortina d’Ampezzo, Italien

Artikelbild für den Artikel "Sport und Genuss" aus der Ausgabe 1/2022 von Reisemobil International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reisemobil International, Ausgabe 1/2022

Schon die Anreise macht Spaß. Wer mit seinem Reisemobil den 3.218Meter hohen Monte Cristallo umrundet, der sich in Venetien kurz hinter der Grenze von Südtirol/Trentino erhebt, hat Cortina d’Ampezzo fast erreicht.

Der kleine, aber weltberühmte Ort mit seinen gerade mal 5.700 Einwohnern kuschelt sich in einer Talsenke: Die Berge Lagazuoi (2.835 Meter über NN) und Tofana di Mezzo (3.244), Croda da Lago (2.715) und Sorapiss (3.205) umgeben Cortina d’Ampezzo wie eine Krone. Das Olympiastädtchen selbst liegt auf 1.224 Metern Seehöhe mitten im UNESCO-Weltnaturerbe der Dolomiten.

Urlauber im Reisemobil suchen sich einen der vier ganzjährig geöffneten Campingplätze aus, die sich rund um Cortina d’Ampezzo gruppieren. Von hier aus sind alle Pisten und Loipen gut zu erreichen. Aber auch jene Sehenswürdigkeiten, die einem Winterurlaub die nötige Abwechslung verleihen. Um die ...

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... einzuordnen, gehört ein gewisses Hintergrundwissen einfach dazu.

Politisch gehört Cortina zur italienischen Provinz Venetien. Dennoch wurzelt es im Ladinischen – und damit in einer ganz anderen als der venezianischen Tradition. Gerade mal 30.000 Menschen in fünf Tälern Norditaliens sprechen Ladinisch. Die Kinder im benachbarten Südtirol lernen es in der Schule – anders als die in Cortina d’Ampezzo.

Elsa Zardini ist Präsidentin der Union de i Ladis de Anpezo und steht allen fünf Tälern vor, die besonders in Zeiten der Globalisierung um ihre Grundsätze kämpfen. „Unsere Sprache, unser kulturelles Erbe sind ein Schatz“, betont sie.

Tipp: Das völkerkundliche Museum in Cortina d’Ampezzo gibt Einblick in die Geschichte der Region, die im Zuge des Ersten Weltkriegs von Österreich zu Italien kam, sich aber ihre Eigenheit stets bewahrt hat.

Außer der Sprache sind das die Regole, die Gesetze der ersten Siedler, die sich dem Gemeinwohl verschrieben hatten:

Wälder und Almen bilden die Lebensgrundlage, können daher nie Privatbesitz sein. Nach wie vor gehören gut 80 Prozent der Gemarkung den Ursprungsfamilien. Sie sind es auch, die das völkerkundliche Museum führen.

Mehr noch: Weiterhin gelten die Leitziele der Regolieri, der Nachkommen der Ursprungsfamilien, die ein Viertel der Einwohner ausmachen. Im Jahr 1990 haben sie den Parco Naturale delle Dolomiti d’Ampezzo eröffnet, italienweit den einzigen Naturpark unter privater Regie.

Trotz dieser traditionellen Bindung blickt Cortina d’Ampezzo auf einen lang währenden Tourismus zurück. Schließlich wurden hier 1956 die Olympischen Winterspiele ausgetragen. In vier Jahren, 2026, finden sie hier zum zweiten Mal statt – als Spiele der Nachhaltigkeit.

Damit entspricht Cortina d’Ampezzo dem heutigen Zeitgeist und dem früheren Denken. Schon die jahrhundertealten Regole schreiben fest, Natur und Lebensbedingungen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.

Doch durchaus lässt sich dieses hehre Ziel mit den Eingriffen, die Wintersport mit sich bringt, in Cortina vereinbaren. Weltberühmt ist zum Beispiel die Tofana mit dem markanten Felsen, an dem Top- Athleten bei Wettkämpfen mit mindestens 120 km/h vorbeischießen. Was aus dem Fernsehen so vertraut wirkt, das fordert von Urlaubern Konzentration und Überwindung, ja sogar Mut, vermittelt im Gegenzug aber den herrlichen Hauch von Olympia.

Einmal so fahren wie Kristian Ghedina, das sportliche Gesicht des Dolomiten- Dorfs. Seine Grätsche ist legendär: Mit dem Spaß-Sprung im Zielschuss der Streif stahl Kristian Ghedina 2004 in Kitzbühel allen anderen die Show, obwohl er nur auf dem 6. Platz landete. „Das ist mir damals einfach so in den Sinn gekommen“, lacht der 52-Jährige.

Vorzuweisen hat er genug. Der stets strahlende Athlet hält den Streckenrekord auf dem Lauberhorn, fuhr 167 Abfahrtsrennen, schaffte es 33-mal aufs Podest und startete als Erster im Weltcup mit Rückenprotektor. Als einer der erfolgreichsten Rennläufer Italiens repräsentiert er die sportliche Seite Cortinas.

In seiner Skischule M’over hat das Ski-Ass Weltklasse-Champions wie Deborah Compagnoni (Alpin-Ski), Pietro Piller Cottrer (Cross-Country-Ski) und Giacomo Kratter (Snowboard) um sich gesammelt. Er bietet Gästen exklusive Wintersport-Erlebnisse an der Seite prominenter Profis.

Insgesamt gibt es neun Skischulen in Cortina d’Ampezzo. Die älteste ist die Scuola Sci Cortina: Sie wurde 1933 gegründet, als Erste in ganz Italien. Als Einzige darf sie die olympischen Ringe in ihrem Logo führen. Die hatten die Gründer der Schule kurz nach den Winterspielen 1956 integriert, bevor das olympische Komitee deren Nutzung untersagte. Die Skischule beschäftigt 140 Skilehrer, davon 40 Frauen. Die Erste, die als Instruktorin in die Männer-Domäne eindrang, war Kristian Ghedinas Mutter.

Doch der Familienname taucht häufiger auf: An der Bergstation auf 2.340 Meter Seehöhe thront das Rifugio Pomedes. Luigi Ghedina schaffte kurz vor den Winterspielen das Baumaterial auf dem Rücken nach oben – es wurde ein Restaurant gebraucht, der Lift war aber noch nicht fertig. Heute bewahren seine Tochter Renata (56) und ihre Kinder das Hütten-Erbe.

Luigi unterdessen lebt als Legende weiter: Er gründete 1939 nicht nur die Sciattoli (Eichhörnchen), die weltweit für ihre Künste und Verdienste um den Klettersport berühmt sind. Er hat auch die Ferrata Punta Anna angelegt, einen der bekanntesten Klettersteige der Dolomiten, oberhalb des Rifugio Pomedes.

Von 1956 übrig ist auch das alte Zeitmesshäuschen weiter unten an der Olympia delle Tofane. Es ist heute ein nobles Restaurant mit stylishem Ambiente.

Doch Cortina bewahrt nicht nur das Altehrwürdige, hier wird auch Neues geschaffen. Seit dem Saisonstart am 27. November ersetzt der 4er-Sessel Ra Valles zwei alte Lifte und vereinfacht auf 2.743 Metern den Zugang zur höchsten Piste Cortinas.

Markanter noch: Ab Weihnachten 2021 verbindet die neue 10er-Gondel Son Dei Prade – Bai De Dones die stadtnahen WM-Pisten der Tofane mit dem abgelegenen Genießer-Gebiet Cinque Torri-Lagazuoi. Sie reduziert den Verkehr auf der serpentinenreichen Straße zwischen den beiden Wintersportgebieten und ist für Panorama-Enthusiasten ein Gewinn: Auf der 4,5 Kilometer langen Schwebe-Strecke bieten sich beeindruckende Perspektiven auf die umgebenden Bergriesen.

Weiteres Plus: Der Einstieg in den Verbund Dolomiti Superski mit 1.200 Pistenkilometern ist damit direkt von der City aus möglich – sofern die 120 Pistenkilometer der venezianischen Dolomiten-Stadt nicht reichen.

Apropos Cinque Torri: Mit Blick auf die markante Felsformation gibt es als exklusives Erlebnis zum Sonnenuntergang Champagner im heißen, blubbernden Wasser des Whirlpools mitten im Schnee. Der Tannenholz-Bottich ist pro Abend nur einmal buchbar: allein, zu zweit oder für bis zu acht Personen (180 Euro pro Besetzung, samt Aperitif und Häppchen). Nach jedem Bad wird das Quellwasser frisch eingelassen und im Holzofen auf 38 Grad erhitzt. Ein Genuss.

Für die Schritte vom Rifugio Scoiattoli bis zum Bottich gibt es Felldecken und Schlappen. Wer im Hot Tub sitzt, will kaum mehr raus. Wäre nicht das Abendessen: hervorragende regionale Küche auf 2.255 Metern und Spitzen-Weine. Wer mag, fährt mit Skiern und Stirnlampe wieder ins Tal – oder mit Hüttenwirt Guido Lorenzi im Schneemobil.

Der 57-Jährige hat das Rifugio von seinem Vater Lorenzo übernommen, einem Alpha-Männchen besagter Scoiattoli. Im Angesicht der Cinque Torri, einem der schönsten Naturklettergärten Europas, errichtete Lorenzo Lorenzi 1969 das Rifugio – und gleich den ersten Sessellift. Das waren die Anfänge dieses Skigebiets.

MOBIL IN CORTINA D’AMPEZZO

Info Cortina d’Ampezzo

Wie eine Krone umgeben imposante Gipfel die Gemeinde Cortina d’Ampezzo, die auf 1.224 Meter Seehöhe im UNESCO-Weltnaturerbe der Dolomiten in Venetien liegt. Der Ort zählt 5.700 Einwohner und blickt auf eine jahrhundertealte Tourismustradition mit gewachsenen Strukturen zurück. Nach 1956 werden 2026 hier zum zweiten Mal die Olympischen Winterspiele ausgetragen. Ins Bewusstsein gerückt ist Cortina d’Ampezzo auch im Februar 2021, als hier die Alpine Ski-WM stattfand. Der Ort lockt mit 120 Pistenkilometern, 36 Aufstiegsanlagen und herrlichen Rifugios zur Einkehr zwischendurch. In den Gebieten Tofana, Faloria-Cristallo und Cinque Torri-Lagazuoi finden sportlich Ambitionierte ebenso ihre Lieblingspisten wie Genießer.

Der Tagesskipass kostet 60 Euro für Erwachsene und 42 Euro für Jugendliche in der Hochsaison. Im Verbund Dolomiti Superski sind zwölf Top-Skigebiete mit zusammen 1.200 Pistenkilometern vereint. Erwachsene bezahlen für diesen Tagesskipass 67, Jugendliche 47 Euro in der Hochsaison.

Info Point, Corso Italia, 81, I-32043 Cortina d‘Ampezzo,

Belluno, Tel.: 0039/0436/869086, www.cortina.dolomiti.org Gruppo Guide Alpine Cortina, 69/a, Ciasa de la Regoles, Cortina d’Ampezzo, Tel.: 0039/0436/868505, www.guidecortina.com

Völkerkundliches Museum, Corsa Italia 77, I-32043 Cortina d’Ampezzo, Tel.: 0039/0436/875524, www.musei.regole.it

Über die Brennerautobahn A22 bis Brixen. Von hier sind es noch 87 Kilometer über Land- und Staatsstraßen (insgesamt 320 Kilometer ab München, 165 ab Innsbruck). Alternative von München aus: über die A8 bis Kufstein, weiter über die Felbertauernstraße und durch Osttirol (knapp 300 Kilometer).

International Camping Olympia, Loc. Fiames 1,

Tel.: 0039/0436/5057, www.campingolympiacortina.it Camping Cortina, Via Campo 2, Tel.: 0039/0436/867575, www.campingcortina.it Camping Rocchetta, Via Campo di Sopra 1, Tel.: 0039/0436/5063, www.campingrocchetta.it Camping Dolomiti, Via Campo di Sotto, Tel.: 0039/0436/2485, www.campeggiodolomiti.it

LANGLAUF UND SCHNEESCHUH- WANDERN IN CORTINA

Wer im Naturpark der Ampezzaner Dolomiten startet, gleitet durch weiße Weiten, durch einsame Wälder und an Flussläufen entlang. Die anspruchsvollen Loipen am Tre-Croci-Pass dagegen sind FIS-Wettkampfloipen, führen bis hinauf auf 1.800 Meter Höhe. Sie bestechen durch Sonne und Naturschnee ebenso wie durch Ausblicke auf die Berge. Die Ex Ferrovia verläuft über 23 Kilometer auf einer stillgelegten Eisenbahnlinie, es geht mit Langlaufskiern über Brücken und durch Tunnel. Auf dem Teilstück zwischen Toblach und Cortina findet seit 1977, immer am ersten Februar-Wochenende, der Volkslanglauf Granfondo statt – der zweitgrößte in Italien.

Wer den Zauber von Cortinas stiller Seite entdecken möchte, bricht auf Schneeschuhen mit den erfahrenen Bergführern der Gruppo Guide Alpine Cortina (Adresse siehe oben) auf. Sie führen ihre Gäste an die schönsten Stellen in ihrem Tal und weit darüber hinaus – tolle Ausblicke garantiert.