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SPRACHFEATURE: Weltsprache Deutsch?: MITTEL


Deutsch perfekt - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 28.03.2018

In mindestens 120 Ländern gibt es Menschen, die Deutsch sprechen – in so vielen hatDeutsch perfekt nämlich Leser. Gut, und wie wichtig ist die Sprache jetzt international wirklich? 185 Millionen Menschen sprechen sie, aber 1,5 Milliarden können Englisch und 1,1 Milliarden Chinesisch. Warum ist Deutsch trotzdem eine globale Sprache?


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Bildquelle: Deutsch perfekt, Ausgabe 4/2018

Woran denken die meisten Leute, wenn sie den Begriffglobale Sprache hören? Sicherlich an Englisch, die moderne Weltsprache. Wahrscheinlich an Chinesisch, die Sprache mit den meisten Muttersprachlern auf der Erde. Vielleicht an Spanisch, die Sprache der meisten Staaten ...

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Woran denken die meisten Leute, wenn sie den Begriffglobale Sprache hören? Sicherlich an Englisch, die moderne Weltsprache. Wahrscheinlich an Chinesisch, die Sprache mit den meisten Muttersprachlern auf der Erde. Vielleicht an Spanisch, die Sprache der meisten Staaten auf dem amerikanischen Kontinent. Oder an Französisch, das lange Zeit zur Kommunikation in der Diplomatie benutzt wurde. Aber an Deutsch? Eher nicht. Deutsch ist nur in sechs europäischen Staaten (Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Lu xemburg und Belgien) eine offizielle Amtssprache. Deutschland hatte viel weniger Kolonien als zum Beispiel England, Spanien oder Frankreich. Deshalb hat es seine Sprache nicht so auf der Welt verbreitet, wie es die Engländer, Spanier und Franzosen getan haben.

Natürlich ist Deutsch eine globale Sprache“, widerspricht Ulrich Ammon, Linguist und Autor des BuchesDie Stellung der Deutschen Sprache in der Welt. „Global ist sie in dem Sinne, dass sie zu den wenigen Sprachen gehört, die in fast allen Ländern der Welt gelernt werden“, erklärt der Professor seine Aussage. Von den mehreren Tausend Sprachen, die heute existieren, gibt es weniger als zehn, die weltweit gelernt werden. Eine davon ist Deutsch.

* Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Ungarn

Vor ungefähr 100 Jahren wurde aus der Sprache der Kolonialisten in dem damaligen Deutsch-Neuguinea der Kreol-Dialekt „Unserdeutsch“. Heute sprechen ihn nur noch rund 100 ältere Menschen. Die meisten davon leben inzwischen in Australien.


Wenn man aber nur die Muttersprachler zählt, ist Deutsch keine sehr wichtige Sprache. Mit circa 105 Millionen Menschen, die zu Hause Deutsch reden, liegt die Sprache in diesem Ranking nur auf Platz zwölf, hinter Sprachen wie Japanisch (127 Millionen), Urdu (150 Millionen), Bengalisch (215 Millionen) und Hindi (460 Millionen).

Die Anzahl der Muttersprachler sagt aber nur wenig über die Stellung einer Sprache in der Welt aus. Viel weniger Menschen sprechen seit ihrer Kindheit Englisch (375 Millionen) als Mandarin-Chinesisch (980 Millionen). Trotzdem ist klar, dass Englisch international wichtiger ist als Chinesisch. Und Sprachen wie Hindi, Bengalisch und Urdu, die von sehr, sehr vielen Menschen benutzt werden, spielen auf der internationalen Bühne kaum eine Rolle. Diese Sprachen werden außerhalb von Indien, Bangladesch, Pakistan und Afghanistan nämlich sehr wenig gelernt.

Einen Deutschkurs kann man dagegen in fast jedem Land der Erde besuchen. Das ist zwar fast nie Pflicht, aber das Fach wird oft gewählt: Circa 16 Millionen Menschen lernen die deutsche Sprache auf allen Kontinenten. Und diese Zahl nimmt seit 2010 zu – damals waren es nur 14,5 Millionen.

Deutsch hilft der Karriere

Trotzdem: Die deutsche Sprache tut sich immer noch schwer, für junge Leute attraktiv zu wirken. Nachdem sie Englisch gelernt haben, lernen viele lieber Spanisch oder Französisch. „Es gibt das Klischee: Der Deutschlehrer kommt mit dem Grammatikbuch unter dem Arm ins Klassenzimmer, der Spanischlehrer mit der Gitarre“, erklärt Ammon. Spanisch wird also mit einer positiven Lebensweise assoziiert, Deutsch eher mit einer strengen. Am Ende bringen den jungen Menschen ihre Spanischkenntnisse aber oft nicht viel. Ammon hat zum Beispiel mit Italienern geredet, die in der Schule Spanisch gelernt hatten: „Sie können nichts mit der Sprache anfangen. In Spanien gibt es noch mehr jugendliche Arbeitslose als in Italien. In Südamerika kann man auch nicht so viele Stellen finden. Dann haben sie mit Spanisch eigentlich nur etwas für ihren Urlaub gelernt“, erklärt der Professor. So langsam realisieren die Leute das. Deshalb entscheiden sie sich immer öfter für den Deutschlehrer – egal, ob er wirklich mit dem Grammatikbuch unter dem Arm in den Raum kommt oder nicht.

„Man kann eine Reihe von Ländern sehen, in denen Deutsch sehr populär geworden ist. Das sind speziell die Mittelmeerländer, aber auch manche Entwicklungsländer“, sagt Ammon. In Ländern wie Italien, Spanien oder Griechenland, in denen junge Menschen zurzeit nur schwer Arbeit finden, nimmt die Zahl der Deutschlerner wieder zu. Viele hoffen, ihre Karriere fördern zu können, indem sie einen Job bei einer Firma finden, die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland hat. Manche träumen sogar davon, nach Deutschland zu kommen, um dort zu arbeiten. Auch in Afrika nimmt die Zahl der Deutschlerner zu. Viele Menschen dort glauben, dass der Weg nach Europa einfacher für sie sein wird, wenn sie Deutsch sprechen und verstehen. In China und Indien werden immer mehr Deutschkurse angeboten, in Japan und Südkorea ist die Anzahl der Deutschlerner auf einem recht hohen Niveau, und auch in den USA und Kanada gibt es wieder mehr Leute, die sich für Deutsch als Fremdsprache interessieren. Viel wichtiger als die Anzahl der Muttersprachler sind also die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die eine Person durch das Lernen einer Fremdsprache bekommen kann. Und die sind mit Deutsch sehr gut: Deutschland ist eine globale Wirtschaftsmacht, und auch Österreich und der Schweiz geht es ökonomisch gut. Die Bundesrepublik hat die Finanzkrise gut überstanden, die politische Lage ist stabil. Und seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben viele Menschen einen positiven Eindruck von den Deutschen. Das alles hat zur Konsequenz, dass immer mehr ihre Sprache lernen. „Die Leute machen die Erfahrung, dass man mit Deutschkenntnissen tatsächlich etwas anfangen kann“, sagt Ammon.


16 Millionen Menschen lernen Deutsch – viel mehr als noch 2014.


Mehr für die deutsche Sprache tun

Für Deutschland und seine Bewohner ist die Stellung des Deutschen in der Welt durchaus wichtig. Laut Ammon ist sie sogar wichtiger, als es vielen bewusst ist: „Man braucht ja nur in Deutschabteilungen im Ausland zu gehen, dann sieht man schon, welche positive Einstellung die Leute dort zu Deutschland haben. Diese tragen sie auch weiter. Das sind enorm wichtige Multiplikatoren für ein gutes Ansehen Deutschlands“, erklärt er. Deutschsprachige Menschen im Ausland können auch für deutsche Firmen wichtig sein. Volkswagen hat zum Beispiel in Shanghai viel Unterstützung von der Tongji-Universität bekommen, an der viele Studenten Deutsch lernen. Auch der Tourismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz profitiert von Ausländern, die Deutsch können: „Diese Leute haben viel öfter Kontakt zu den deutschsprachigen Ländern, verbreiten ein gutes Bild von ihnen und kommen öfter im Urlaub dorthin“, so Ammon. Außerdem werden die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und anderen Ländern oft einfacher, wenn in einem Land viele Menschen die deutsche Sprache gelernt haben.

Ammon findet es deshalb schade, dass viele Deutsche nicht wissen, dass auch sie zur Motivation von Deutschlernern aus dem Ausland beitragen können. Wer als Deutschlerner nach Deutschland kommt, kennt das wahrscheinlich: Man will unbedingt in der Landessprache reden – aber wenn man Einheimische auf Deutsch anspricht, hören diese den Akzent und antworten einfach auf Englisch. Das ist natürlich frustrierend für jeden, der sein Deutsch verbessern möchte. Ammon empfiehlt deutschen Muttersprachlern deshalb: Wenn ein Ausländer Deutsch sprechen will, dann sollte man auch auf Deutsch antworten. „Die Deutschen tun nicht genug für die Stärkung der deutschen Sprache“, sagt er.

Aber auch Deutschlerner sollten explizit sagen, wenn sie mit einem Deutschen in dessen Muttersprache reden wollen. Auch dann, wenn dieser Englisch spricht.

Denn nur wenn möglichst viele Leute Deutsch lernen und sprechen, wird dessen Stellung nicht schwächer. Das ist auch im Interesse der Menschen, die mühsam Deutsch gelernt haben.

Deutschsprecher in der Welt

Experten schätzen, dass insgesamt ungefähr 185 Millionen Menschen Deutsch sprechen. Natürlich wohnen diese Menschen hauptsächlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Europa findet man aber auch in Belgien, vor allem in neun Gemeinden an der deutsch-belgischen Grenze, circa 76900 Deutschsprecher. Im Süden Dänemarks gibt es 15000 bis 20000 Nordschleswiger mit einer eigenen deutschsprachigen Tageszeitung, 22 deutschsprachigen Kindergärten und 14 deutschsprachigen Grundschulen. In Frankreich sprechen fast eine Million Elsässer und Lothringer einen deutschen Dialekt. Deutsch wird auch von rund 325000 Italienern in Südtirol gesprochen. Und auch in Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Russland sprechen Zehntausende Menschen Deutsch.

Auch auf den anderen vier Kontinenten ist die Sprache präsent: Deutschsprachige Südamerikaner gibt es in Argentinien (300000 bis 400000) und Paraguay (circa 60000), außerdem sprechen ungefähr 600000 Brasilianer einen deutschen Dialekt namens Riograndenser Hunsrückisch. In den USA ist Deutsch an fünfter Stelle bei den Sprachen, die zu Hause gesprochen werden (hinter Englisch, Spanisch, Chinesisch und Französisch). Eine Million Amerikaner gaben bei einer Untersuchung an, das zu tun. Auch in Kanada gibt es deutschsprachige Gemeinden. In der Provinz Ontario leben circa 30000 Menschen, die auf Deutsch kommunizieren.

In Afrika findet man Deutsch speziell in Namibia, das früher die Kolonie Deutsch-Südwestafrika war. Dort nennen sich etwa 20000 Menschen selbst „Deutsche“, Menschen aus Deutschland heißen bei ihnen „Deutschländer“.

In Asien sind deutsche Muttersprachler eher selten. 100000 bis 200000 Israelis, die aus Deutschland emigriert sind, sprechen noch heute Standarddeutsch. Außerdem sprechen circa 240000 Menschen in Israel Jiddisch. Diese Sprache ist mit dem Deutschen verwandt und hat viele gleiche oder ähnliche Wörter.


Insgesamt sprechen ungefähr 185 Millionen Menschen Deutsch.


Erst vor wenigen Jahren wurde auf dem australischen Kontinent eine vergessene Form des Deutschen wiederentdeckt. In Papua-Neuguinea sprechen 100 Menschen „Unserdeutsch“. Deutsche können ungefähr 80 Prozent davon verstehen:Du geht wo ? bedeutet zum BeispielWohin gehst du ?.

Auch die Entdeckung dieser Mundart zeigt: Deutsch ist ohne Zweifel eine globale Sprache. Sie wird fast überall auf der Welt gesprochen und kann in fast jedem Land gelernt warden.

Beeindruckend ist auch, wie viel auf Deutsch geschrieben und gelesen wird. Zehn Prozent aller weltweit veröffentlichten Bücher sind auf Deutsch. Und auch im Internet ist die Sprache sehr präsent: So zählt die deutsche Version von Wikipedia zum Beispiel 2,16 Millionen Artikel. Das sind mehr Texte als bei der französischen (1,96 Millionen), der spanischen (1,39 Millionen) und der chinesischen (1,1 Millionen) Version. Nur die englische Wikipedia hat mehr Artikel (5,57 Millionen). In der Online-Enzyklopädie ist Deutsch also die zweitwichtigste Sprache der Welt.

In der brasilianischen Kleinstadt Pomerode erinnert nicht nur die Architektur vieler Gebäude an Deutschland. Seit 2010 ist Deutsch neben Portugiesisch auch die zweite offizielle Sprache der Stadt.



nfografik: Anna Sofie Werner (unter Verwendung eines Bildes von Aliaksei Tarasau/Shutterstock.com)

Fotos: kosmozoo/iStock.com; picture alliance/Ullstein Bild

Foto: mauritius images/robertharding/Michael Runkel