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Sprich mit dir … aber mach es richtig


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Für Sie - epaper ⋅ Ausgabe 21/2019 vom 09.09.2019

Wer Selbstgespräche führt, hat oft Angst, für ein wenig gaga gehalten zu werden. Dabei sind sie äußerst nützlich – vor allem wenn wir wissen, wie wir mit uns reden müssen


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Bildquelle: Für Sie, Ausgabe 21/2019

KLARE WORTE
Wer sich im Selbstgespräch wie eine gute Freundin behandelt, kann negative Emotionen ausbremsen


Kinder tun es ständig und vollkommen ungeniert: Sie brabbeln und reden beim Spielen, Puzzeln, bauen Lego vor sich hin. Diese typischen kindlichen Selbstgespräche dienen nicht nur dazu, Sprache zu erlernen und zu erleben, sie helfen den Kleinen auch dabei, ihre ...

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... Aufmerksamkeit zu bündeln. „Selbstgespräche sind Werkzeuge des Denkens“, sagt der amerikanische Entwicklungspsychologe Adam Winsler. In einer Studie wies er nach, dass Drei- bis Fünfjährige, die beim Lösen einer Aufgabe laut mit sich sprechen durften, besser und schneller als Gleichaltrige waren, die dabei schweigen mussten.

Raus mit der Sprache!

Als Erwachsene haben wir ja oft Hemmungen, laut vor uns hin zu denken. Dabei ist Autokommunikation, so der Fachausdruck, völlig normal und beileibe kein Anzeichen dafür, dass in unserem Oberstübchen die eine oder andere Schraube locker ist. Im Gegenteil: Verkneifen wir uns Selbstgespräche, machen wir uns das Leben unnötig schwer. Denn nicht nur für Kinder sind sie wichtige Hilfsmittel. Durch sie ordnen wir Gedanken, können uns Dinge leichter merken, steigern die Konzentration und können so effektiver handeln und Herausforderungen meistern. Warum das so ist? Ganz einfach: Beim Sprechen produzieren wir nicht nur Wörter und Gedanken, sondern auch Bilder, alles wird konkreter, was für zielorientierte Handlungen sorgt. Auch auf unsere Gefühle haben Wörter Einfluss: Wenn wir etwa schlecht geschlafen haben, sorgt ein einfühlsames Selbstgespräch für Abhilfe. Einfach mehrmals zu sich selbst sagen: „Ich habe gut geschlafen und bin erholt.“ So entstehen positive Gefühle, die wiederum dafür sorgen, dass unser Körper Glückshormone ausschüttet, durch die wir uns frischer und fitter fühlen. Leistungssportler haben diese Art der Selbstmotivation längst für sich entdeckt.

Schweigt, ihr Quälgeister!

Nun reden wir aber nicht immer nur nett mit uns. Jeder kennt das: Wir meckern, schimpfen, sagen uns selbst, wie dumm wir sind, weil wir schon wieder den Autoschlüssel verbummelt oder im wichtigen Meeting den Mund nicht aufbekommen haben. Bei dieser Form der Selbstkritik ist der laut ausgesprochene Vorwurf übrigens meist nicht so schlimm wie das Vor-sich-hin-Geschimpfe in Gedanken, denn das entwickelt oft in rasanter Geschwindigkeit ein Eigenleben. Und ist das Gedankenkarussell aus Selbstzweifeln, Ängsten und Grübelattacken erst einmal in Fahrt, ist es schwer zu stoppen. Doch auch solche Quälgeister lassen sich durch gezielte Selbstgespräche, laute oder leise, zum Schweigen bringen.

Der Ton macht die Musik

Um einen negativen (inneren) Monolog zu unterbrechen und ihn im besten Fall in einen positiven, stärkenden zu verwandeln, müssen wir zunächst Abstand zum eigenen Ich schaffen. Und das gelingt zum Beispiel durch die richtige Anrede: Pronomen wieich, mein, meins sollten wir meiden und uns stattdessen beim Vornamen nennen oder das Pronomendu oder garSie verwenden. „Du schaffst das, Katrin!“ Oder: „Machen Sie sich nichts draus, Katrin, beim nächsten Meeting sagen Sie Ihre Meinung.“ Indem wir uns selbst ansprechen wie jemand anderen, und das am besten liebevoll, wie wir es bei einer Freundin tun würden, verändert sich unsere Selbstwahrnehmung.


Nicht nur in Gesprächen mit anderen sollten wir freundlich und höflich sein


Foto: Getty Images