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Spritzguss- und Resin-Symbiose: Panther mit Flakturm


ModellFan - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 16.12.2019

Auch wenn es dem ersten Anschein nach exotisch wirkt – dieses Fahrzeug existierte seinerzeit zumindest als Holzmodell in 1:1. Spritzgussund Kleinserienhersteller ermöglichen den Nachbau in 1:35 nahezu out-of-Box


Artikelbild für den Artikel "Spritzguss- und Resin-Symbiose: Panther mit Flakturm" aus der Ausgabe 1/2020 von ModellFan. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ModellFan, Ausgabe 1/2020

Der deutsche Ideenreichtum im Krieg war unerschöpflich. So versuchte man den Einbau einer schweren Flak auf der Basis des seinerzeit neuen Panther-Fahrgestells


Bei dieser Rohrerhöhung wäre der Turm besonders anfällig gegen Frontbeschuss


Im Band 9 der Buchreihe Militärfahrzeuge zum Panther zeigt der Autor ein zeitgenössisches Holzmodell und eine Skizze eines Flakpanthers mit der „8,8cm Flak 41“. ...

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... Hieraus kreierte Customscale einen Conversion- Kit. Als Basis dient Dragons Panther Ausf. A (6160), der einen komplett aus Resin gefertigten neuen Aufbau mit der Flak in einem nach oben offenen Drehturm erhält. Die über 60 Gussteile sind nahezu ohne Lufteinschlüsse und zumeist verzugsfrei. Leichte, gegebenenfalls durch die Verpackung hervorgerufene Formverzüge lassen sich mit heißem Wasser richten (Vorsicht!). Die Versäuberung einiger Bauteile hielt sich bei diesem Resinkit im für Customscale üblicherweise geringen Rahmen. Die Anleitung besteht aus sechs einseitig schwarz-weiß bedruckten DIN-A4-Seiten und zeigt die einzelnen Baufortschritte auf Fotos mit den jeweils benötigten Teilen schlüssig Schritt für Schritt.

Richtbarkeit gewähren
Auch wenn 35er-Fahrzeuge als Standmodelle konzipiert sind, muss ein Panzer nicht in allen Belangen unbeweglich bleiben. Bei Militärfahrzeugen mit Turm und Geschütz ist es mein Bestreben, zumindest für eine Seiten- und Höhenrichtbarkeit zu sorgen. Demgemäß bohrte ich die Grundplatte und den Drehteller des Turmes zentral auf und passte einen 2-mm-Metallstift ein (13). Weniger glücklich erwies sich mein zuerst favorisierter Ansatz, die „8,8cm Flak 41“ aus der Produktion von Bronco statt der Resinteile des Bausatzes zu verwenden (4). Die ist schlichtweg überdimensioniert und zu groß! Sie passt weder in die untere Turmhälfte noch ließ sich die obere bündig aufsetzen, wie es hätte sein sollen (5, 6). Es galt also stattdessen, auf die Resinbauteile zurückzugreifen, wobei ich zugleich die maßstäbliche Stimmigkeit der Flak 41 und der Lafette von Amusing Hobby feststellen konnte (7). Mein unglücklicher Umgang mit der Geschützwiege der aus Resin gefertigten Flak führte zu einem (Gott sei Dank) noch behebbaren Bauteilbruch (8). Ein Grund ließ sich schnell beheben – der Zahnkranz erhielt einen Grafitauftrag (9) und schon bewegte sich die Rohrwiege fließend auf und ab und nichts klemmte mehr.

Das Basisfahrzeug
Der Dragon-Bausatz, also Unterwanne und Laufwerk, ließ sich völlig ohne intensivere Nacharbeiten leicht fertigen. Der Kit beinhaltet Einzelkettenglieder, die zusammenzukleben und somit nicht beweglich sind. In meiner selbst gefertigten Montage- und Haltehilfe gelang dieses segmentweise sehr gut (10). Diese Segmente überstrich ich mittels Pinsel mit MEK Modelglue (Flüssigkleber). Dank dessen Viskosität zog und lief dieser Klebstoff in die Vertiefungen und verband so die Einzelkettenglieder. Unmittelbar bevor der Kleber verhärtete, entnahm ich das jeweilige Kettenstück und klebte es, am Antriebsrad beginnend, Segment für Segment auf das montierte Laufwerk (1113).

Das Vorbild: Panther mit 8,8-cm-Flak 41

8,8cm Flak 41“ auf Sonderanhänger (Aberdeen Proving Ground / USA) Foto: Mark Pellegrinio, CC-BY-SA-2.5


Flakgeschütze lagen im Deutschen Reich in der federführenden Verantwortlichkeit des Reichluftfahrtministeriums. Dies schloss somit auch Zuständigkeiten des Generalluftzeugmeisters hinsichtlich der (Um-)Konstruktion von gepanzerten Versuchsflakwagen (VFW) gemäß dessen Richtlinien ein. Bereits im Juni 1943 bestimmte man, mit dem ab September zur Verfügung stehenden Panther-Fahrgestell einen Flakpanzer mit der „8,8cm Flak 41“ zu entwickeln.

Der Prototyp hatte als Zieldatum die Jahresmitte 1944 und für diesen VFW II sollte später das Fahrgestell des Panther II dienen. Jedoch ergaben sich bei der Konstruktion des Turmes, der wegen einer 360°-Drehbarkeit über keine abklappbaren Seitenwände verfügte, offenbar größere Probleme, wodurch der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion im Januar 1944 die Entwicklungen von „8,8cm Flak 41“ auf Selbstfahrlafetten für Panzer IV und Panther I wegen vordringlicheren Entwicklungen bei den Firmen Krupp und Rheinmetall einstellen ließ. Diese Flakpanzer-Planung wird aber durch Fotos eines Holzmodells bezeugt. Zu einer Serienfertigung der Fahrzeugtypen VFW I und -II mit der Flak 41 kam es nicht.

Hinten ein „normaler“ Panther, dominierte in der Mitte der damals in 1:1 gebaute wuchtige Holzturm


12 Mit MEK Modelglue bestrichen, verkleben die Kettenglieder schnell und dauerhaft. Der Klebstoff ist sehr dünnflüssig


13 Einfache Lösung: Ist die Gesamtlänge der Gleiskette ermittelt, hält man diese mit einem oder zwei Gummiringen bis zur völligen Aushärtung zusammen


14 Der Zusammenbau des Flakpanzers ist grundsätzlich abgeschlossen. Nur noch einige Verfeinerungen stehen an


15 Die Formkanten, also die Blechstöße des Turmober- und Unterteils, bedürfen noch einer Spalten verdeckenden Verspachtelung


Der bereits im Innenraum kolorierte Turm mit Geschütz und Lafette erhält im Anschluss seinen Grundanstrich Vallejo)


Die enorme Größe des Drehturms ist überdeutlich, trotzdem wies der Turm-innenraum nur sehr beengte Verhältnisse auf


17 Kolorierung mit der Grundfarbe 1 bis zur Aufhellungsfarbe 4. Tamiyas „Dark Brown“ betont Vertiefungen und Schattierungen


18 Verbandsabzeichen und Turmkennung sind fiktiv, rechts das Zielgerät des Richtschützen hinter aufgeklappter Panzerung


Farbe nach Schema F
Zunächst erhielt dann der Turm seinen Anstrich nach dem „AFV Painting System“ von Vallejo in Dunkelgelb (16), wobei ich als Grundierung zuerst Gelbbraun (RAL 8000) zur Vertiefung der Schattenwirkung auftrug. Hiernach folgten die anderen Farben in abgestufter Reihenfolge (17) und die anschließende Akzentuierung mit Tamiyas „Panel Line Accent Color“ in Dunkelbraun. Angesichts der Tatsache, dass die ersten Planungen für einen VFW II (Versuchsflakwagen) mit Panther-Fahrgestell bereits in 1943 entstanden, wäre eine übliche Grundfarbe in Dunkelgelb nach Muster (H.M. 1943 Nr. 181) die zutreffende Wahl.

Passende Kennzeichnung
Die Verbandszuordnung nahm ich fiktional zu der Flak-Abteilung der 10. SS Panzer Division „Frundsberg“ vor, die unter anderem tatsächlich über drei schwere Batterien mit je sechs 8,8-cm-Geschützen verfügte. Daher erhielt dieser Flak-Panzer das Truppenkennzeichen (in der Form vom Mai 1944) mit dem taktischen Zeichen für Panzer, modifiziert als Flak-Selbstfahrlafette (18). Die am Modell gewählte Kennnummer „309“ weicht von den normalerweise anzuwendenden Vorgaben nur deshalb ab, um sich von jenen eines Kampfpanzers zu unterscheiden, sie ist ebenfalls rein fiktiv. Wie bei allen Modellen dieser Art üblich, sind nur Anlehnungen an Tarnfarbe und Kennung ergriffen, um Herkunft und Nationalität zu verdeutlichen.

Fazit
Diese „8,8cm Flak 41“ auf Fahrgestell Panzer V „Panther“ ist ein außergewöhnliches und wuchtig wirkendes Kampffahrzeug, das es nie bis zur Realität geschafft hat, jedoch gab es ein 1:1-Modell. Der willkommene Umbausatz selbst ist für im Umgang mit Resin erfahrene Modellbauer kein Hindernis, sondern bestens geeignet, einen weiteren Eyecatcher zu gestalten.n

Literaturempfehlung:

Der Panzer-Kampfwagen Panther und seine Abarten, Band 9 der Reihe Militärfahrzeuge, Motorbuch Verlag, Autor: Walter J. Spielberger Tarnanstriche des deutschen Heeres 1914 bis heute, Bernard & Graefe Verlag, Autor: J. Denecke Das große Buch der Flak – Deutsche Luftverteidigung 1912–1945, Podzun-Pallas-Verlag, Autor: Manfred Griehl

Lothar Limprecht hat nach mehreren Jahren des Flugzeugmodellbaus sein Metier zu Militärfahrzeugen im Maßstab 1:35 gewechselt. Sein Interessenschwerpunkt liegt seither bei Militärfahrzeugen von 1914 bis 1945 mit besonderem Augenmerk auf deutsche, russische und japanische Fahrzeuge. Er bevorzugt insbesondere Sonderfahrzeuge sowie Projekte, deren militärhistorischen Hintergründe er umfänglich recherchiert. Aber auch zeitgenössische Fahrzeuge finden immer dann sein besonderes Interesse, wenn sich diese den Gründungsjahren der Bundeswehr und NATO widmen.