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Spürhund im Einsatz für Artenschutz


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 09.11.2022
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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 12/2022

Dank seiner außergewöhnlichen Schnüffelnase kann Australian Shepherd Benno (3) geschützte Tiere und Pflanzen ausfindig machen. Er wird als Spürhund im Bereich Natur- und Artenschutz eingesetzt, denn mithilfe seiner Nasenarbeit können viele Wildtiere gerettet werden, bevor ihr Quartier durch Baumfällarbeiten und den Bau von Straßen, Stromtrassen und Siedlungen zerstört wird.

Eigentlich ist Benno „zertifizierter Gehölzpathogen-Spürhund“. Damit kann er sein Herrchen Stefan Meyerrose aus dem Niedersächsischen Bohmte bei dessen Arbeit als Baumsachverständiger unterstützen. Benno hat nämlich gelernt, Baumkrankheiten wie zum Beispiel bestimmten Pilz- und Schädlingsbefall aufzuspüren und anzuzeigen. Ausgebildet wurde er unter Anleitung der Expertin Dana Schneider-Blank, Inhaberin des Ausbildungszentrums für Gehölzpathogen-Spürhunde in Schnega, Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen. Während zwei ...

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... Ausbildungswochen im Wendland und mehrerer Traningswochenenden an unterschiedlichen Orten mit abwechslungsreichem Gelände wurden komplexe Suchsituationen so realistisch wie möglich nachgestellt. Benno war erst fünf Monate alt, als er mit der Ausbildung begann. Nach bestandener Prüfung wurde ihm und seinem stolzen Halter das offizielle Zertifikat im Oktober 2020 auf Schloss Otting in Bayern überreicht.

Immer wieder neue Herausforderungen

Seitdem sind zwei Jahre vergangen. Zeit für neue Herausforderungen. „Benno zeigt bei der Nasenarbeit deutlich mehr Passion bei Tiergerüchen als bei Pilzen und Schwämmen“, stellte Stefan Meyerrose bei Trainings und Sucheinsätzen fest. Im Baumpilzesuchen ist Benno heute ein Ass. Auch andere Schädlinge, die Bäume schwächen, kann er aufspüren, darunter Käfer wie der Große Eichenbock oder Nachtfalter-Raupen des Weidenbohrers.

„Da Artenschutz zukünftig großgeschrieben werden muss und Benno so viel Freude und Elan beim Arbeiten zeigt, erweitern wir nun sein Aufgabenspektrum“, erklärt Stefan Meyerrose, der uns beim Training zuschauen lässt.

Es ist Januar und wir treffen ihn und Benno in seinem Garten in Bohmte. Stefan Meyerrose hält seinen Hütehund an der langen Schleppleine. Heute soll es „auf Fledermaus“ gehen. Das versteht Benno, weil er ein Glas mit Feldermauskot unter die Nase gehalten bekommt. „Kannst du mi dat einmoal seuken?“ (Kannst du mir das einmal suchen?). Meyerrose kommuniziert mit seinem Vierbeiner stets auf Plattdeutsch. Zwei Sekunden scheinen zu reichen, Benno schüttelt sich – sein Zeichen dafür, dass er weiß, was auf dem Suchplan steht.

Kreuz und quer geht es nun durch den Garten. Benno hat die Nase am Boden und sucht ganz ruhig, während Stefan Meyerrose ihm in rund sechs Meter Abstand, verbunden durch die Schleppleine, folgt. Plötzlich setzt sich der Hund, verharrt ohne zu bellen vor einem Häufchen Fledermauskot, das Meyerrose zuvor ausgelegt hatte. „Toll gemacht Benno“, lobt er, während sein Hund eine Belohnung aus der Futtertasche bekommt. Benno wälzt sich, um die aufregenden Erlebnisse zu verarbeiten. Anzeigen und Verarbeiten sei, so der Hundekenner, bei den suchenden Hunden ganz unterschiedlich ausgeprägt. Der eine zeige mit der Pfote an, der andere durch Bellen – und Benno eben durch Hinsetzen und späteres Wälzen.

Hirschkäfer-Suche

Im Juli dann eine andere Szenerie: Bennos Repertoire scheint unerschöpflich. Inzwischen kann er sogar Hirschkäfer suchen. Auf einem mit Eichen bestückten Grundstück nahe der Stadt Damme, auf dem die streng geschützte Käferart vermutet wird, soll Benno diese für Naturschutzzwecke nachweisen. „Wi mööt vandoage arbeiden“ (Wir müssen heute arbeiten), richtet sich Stefan Meyerrose, wie immer auf Platt, an seinen Hund. Er legt Benno das Arbeitsgeschirr an und präsentiert ihm die nötige Geruchsprobe, ein Glas mit Resten eines toten Hirschkäfers. Und auch dieses Mal wieder das typische Schütteln des Hundes als Zeichen des Verstehens.

Der Spürhund schnüffelt los, arbeitet eine Eiche nach der anderen ab. Tatsächlich wird er schon nach rund fünf Minuten fündig. Am Fuß der Eiche sitzt ein imposantes Hirschkäfermännchen mit dem namensgebenden Geweih. Dafür gibt es natürlich eine Belohnung aus dem Futterbeutel und weiter geht die Suche. Benno findet an diesem regnerischen Vormittag noch einen weiteren Hirschkäfer und an einer anderen Stelle ein paar Panzerreste dieser Art. Hier lebt er also, der Hirschkäfer, der größte Käfer Mitteleuropas, der bei bei uns heute stark gefährdet ist. Er ist selten geworden, weil ihm Alt- und-Totholz als Lebensraum und Nahrungsgrundlage fehlt, welches allzu oft aus Wäldern, Parks und Gärten entfernt wird. Insbesondere alte Eichen sind bevorzugtes Habitat des Hirschkäfers, umso morscher, desto besser.

Genau solche Bäume sind oft Verdachtsbäume, was die Bruch- und Standsicherheit angeht. Da sich der Hirschkäfer im erdigen Bereich am Wurzelstock aufhält und die Weibchen dort ihre Eier ablegen, kann schnell übersehen werden, dass ein Baum die geschützte Käferart beherbergt. An Orten, an denen Bäume tatsächlich gefällt werden sollen, könnte man nach einem Nachweis vonseiten Bennos mithilfe von Experten die geschützte Art an einen sicheren, geeigneten Ort umsiedeln, bevor man fällt, baut, renoviert oder betoniert.

“ Benno zeigt deutlich mehr Passion bei Tiergerüchen ”

Einen Hund zum Spürhund auszubilden sei eine Menge Arbeit und erfordere regelmäßiges Training auch noch nach der eigentlichen Ausbildung. Zwei- bis dreimal pro Woche übt Meyerrose mit Benno, hinzu kommen seine richtigen Arbeitssuchen und einmal pro Jahr steht die Rezertifizierung an, damit Benno offiziell eingesetzt werden darf.

Geruchsdifferenzierte Schnüffelarbeit

Benno lernt geruchsdiffenziert. Anders als zum Beispiel der geprägt ausgebildete Rauschgift-Spürhund bei der Polizei kann Benno alles suchen – vorausgesetzt man zeigt ihm vorher eine entsprechende Geruchsprobe. „Und genau hier liegt für mich die Schwierigkeit“, betont Meyerrose. Um den Australian Shepherd auf Igel-, Fledermausoder Hirschkäfer-Suche zu trainieren, benötigt er Proben, also Stachel, Haut, Härchen oder Kot dieser Wildtiere. „Sie stehen aber unter Naturschutz und deswegen darf man keine Teile, selbst nicht die eines Verkehrsopfers, einsammeln“, weiß Meyerrose. Da er Benno für sinnvolle Naturschutzzwecke einsetzen möchte, hat er vom zuständigen Landkreis inzwischen eine spezielle Genehmigung bekommen.

Um an Igelproben zu gelangen, fragt er zudem immer mal wieder bei Auffangstationen an. „Es reicht, wenn die Igelpfleger ihrem Schützling mit einem Wattepad kurz über das Bäuchlein streichen und das Pad dann anschließend schnell eintüten, ohne dass andere Gerüche herankommen.“ Je mehr Muster verschiedener Igel er habe, desto genauer könne er Benno ausbilden. Denn ein Igel aus Süddeutschland könne ganz anders riechen als einer aus Norddeutschland, da er auf anderem B oden lebt und dort eventuell etwas andere Nahrung aufnimmt. Eine Vielfalt an Proben und deren Vermischung verknüpft Benno dann zum Geruchsbild „Igel“. Genauso funktioniere das auch bei anderen Arten.

Benno besetzt mit seinem Einsatzgebiet im Arten- und Naturschutz eine interessante und wohl zukünftig immer mehr gefragte Nische. Neben seinen Einsätzen vor geplanten Baueingriffen soll er nächstes Frühjahr auch Osterfeuer vor dem Entzünden kontrollieren. In den Holz- und Blätterhaufen verbringen Igel häufig ihren Winterschlaf. Bei Gefahr wie Feuergeruch und Knistern rollen sich die Stacheltiere instinktiv zusammen und warten ab. Eine tödliche Falle, aus der sie dank Benno bald rechtzeitig gerettet werden können.

“ Rasse oder Alter des Spürhundes spielen keine Rolle ”

Ausbildung mit Ausdauer

Wer seinen Hund zum geruchsdifferenzierten Sucher ausbilden möchte, müsse Ausdauer und Einsatzbereitschaft mitbringen. Die sei beim Hund zumeist vorhanden, aber auch der Mensch sei hier gefragt, betonen Dana Schneider-Blank, Gehölzsachverständige, und Uta Kielau, Hundetrainierin, die zusammen das Ausbildungsteam für Artenerkennungs- Spürhunde im Ausbildungszentrum in Schnega bilden. Ein Jahr dauere die Grundausbildung, zwei bis drei Jahre müsse man rechnen, bis der Hund als verlässlicher Sucher eingesetzt werden kann.

Dabei spiele die Rasse oder das Alter des Tieres keine große Rolle. Hunde können ihr ganzes Leben lang lernen und tun dies in der Regel auch sehr gerne. Daher kann man auch einem älteren Hund noch beibringen, Gerüche zu differenzieren. Allerdings täten sich Hunde, für die der Grundstein bereits im Welpen- und Jugendalter gelegt wurde, in der Regel etwas leichter mit der Ausbildung. Und Jagd- und Hütehunde seien, so die Erfahrung der Ausbilder, zumeist die passioniertesten Sucher mit der größten Leistungsbereitschaft im Teamwork mit ihrem Menschen. „Wir beginnen ganz einfach mit drei Gläsern gefüllt mit gleichem Futter, wovon nur eines einen weiteren Geruchsstoff wie zum Beispiel Backaroma enthält“, erklärt Dana Schneider-Blank. Nach und nach wird dann gesteigert, eine Obergrenze gäbe es nicht. Nach der Ausbildung könne der Hund quasi alles suchen, wenn man ihm den entsprechenden Geruch vorgeben kann. „Unsere Teilnehmer setzen ihre Hunde heute für ganz unterschiedliche Suchen ein: Invasive Pflanzen, illegal eingelagerte Schadstoffe, Bettwanzen, ja sogar Kaffee aus unterschiedlichen Röstereien kann der geruchsdifferenziert ausgebildete Schnüffler unterscheiden“, so Schneider-Blank. Ginge es bei der Suche darum, eine bedrohte Art oder einen Schädling auf großer Fläche, zum Beispiel in einem 20 bis 30 Hektar großen Waldbestand ausfindig zu machen, würde nach Möglichkeit gegen den Wind gearbeitet. Mit der sogenannten „Gegenwindsuche“ könne die Hundenase direkt einen weitläufigen Bereich erfassen.

CAROLIN HLAWATSCH

▷ Mehr Infos über die Ausbildung zum Suchhund und Kontakt zum Ausbildungsteam bekommen interessierte Hundebesitzer auf

Hundenase gleich Supernase

Mit ihrem hervorragenden Riechorgan können Hunde dem Menschen wertvolle Dienste leisten. Hunde können mit ihren 220 Millionen Riechzellen circa eine Million verschiedene Gerüche unterscheiden, der Mensch hingegen mit seinen circa 20 Millionen Riechzellen nur 10.000 Gerüche. Aber nicht alle Hunde können gleich gut riechen.

Langnasige Rassen sollen einen besseren Geruchssinn haben als kurznasige. Doch die Nase allein macht noch keinen guten Spürhund aus. Der Hund sollte eine große Arbeitsfreude besitzen. Er sollte auch Spaß am Spiel haben, denn Suchen ist für den Hund ein freudiges Spiel.

*Quelle: Ausbildungszentrum für Gehölzpathogenspürhunde