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SRI LANKA WHALE WATCHING: UNTER GIGANTEN


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 10.08.2018

Einmal neben einem Wal schorcheln – das ist ein Lebenstraum von vielen!Sri Lanka ist dafür ein perfekter Spot und wartet mit besonders vielen Wal- und Delfinschulen auf.TAUCHEN -Autor Franco Banfi erläutert, warum sich die Meeressäuger hier so gern aufhalten.


Artikelbild für den Artikel "SRI LANKA WHALE WATCHING: UNTER GIGANTEN" aus der Ausgabe 90/2018 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 90/2018

Was für ein unvergesslicher Moment: Auge in Auge mit einem Pottwal im Meer schweben!


Brydewale sind keine großen Wanderer – wenn genug Nahrung vorhanden ist.


Für viele von uns ist es ein einmaliges Erlebnis, Walen dabei zuzusehen, wie sie mit akrobatischer Eleganz aus den Wellen hervorspringen. Und einige kommen sogar in den Genuss, an der Seite ...

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... dieser Ozeanriesen schnorcheln zu dürfen. Aber wo kann man das erleben? Vor Sri Lanka! Aber warum sind dort so viele Wale?

Abgesehen von Schwertwalen und Menschen haben die von Natur aus friedlichen Wale keine Feinde. Mit dem zunehmenden Walfang verringerte sich ihre Anzahl jedoch dramatisch und einige Arten waren sogar vom Aussterben bedroht. Seit Ende des kommerziellen Walfangs erholen sich die Populationen aber wieder – allerdings nur sehr langsam, da Wale zum einen eine niedrige Geburtenrate haben und zum anderen den Problemen der modernen Welt ausgesetzt sind (insbesondere Umweltverschmutzung und Zusammenstöße mit großen Schiffen).

Unter Wasser einem Wal zu begegnen, ist gar nicht so einfach. Durch günstige Meeresverhältnisse – die richtige Jahreszeit vorausgesetzt –, warmes Wasser und eine saisonal steigende Population an Blauwalen, große Gruppen von Pottwalen sowie hin und wieder erscheinenden Bryde- und Seiwalen ist Sri Lanka einer der besten Orte der Welt, um einen dieser Ozeanriesen einmal aus der Nähe zu sehen.

IHRE ROLLE FÜR DIE UMWELT

Wale sind berühmt für ihre Intelligenz, ihr Sozialverhalten, ihre Echoortung, ihre Kommunikation und ihren positiven Einfluss auf die Umwelt. Und wir konnten bereits viel von ihnen lernen, denn ihre Eigenschaften führten zu vielen Erkenntnissen und Fortschritten in unterschiedlichsten Disziplinen: Sonargeräte, aquatische Umwelt, Unterwasserwelt/ Meeresbiologie, die Intelligenz und das Verhalten von Tieren sowie weitere wichtige Fachgebiete der Meereskunde. Je mehr wir über sie wissen, desto besser können wir Schutzmaßnahmen für alle Meeressäugetiere ergreifen und gleichzeitig das Ökosystem der Ozeane verbessern.

Durch eine positive Form des Geo-Engineerings spielen Wale eine entscheidende Rolle für die Stabilisierung der Nahrungskette in den Meeren und die Fortpflanzung anderer Tierarten. Wale fressen nicht nur winzige Schalentiere und kleine Fische, sondern sorgen ebenfalls für ihr Überleben, da sie zum Fressen in die Tiefe tauchen und an oder in der Nähe der Oberfläche fäkale Gase ablassen, die reich an Eisen und Stickstoff sind. Diese Dämpfe sind ein wahrer Dünger für pflanzliches Plankton, das in der sonnendurchfluteten Wasserschicht vorkommt.

Außerdem bringen die Wale und Delfine durch ihr Auf- und Abtauchen pflanzliches Material mit nach oben. Dadurch hat es mehr Zeit für die Photosynthese und Fortpflanzung, bevor es wieder in die Tiefe hinabsinkt. Je mehr pflanzliches Plankton vorhanden ist, desto mehr tierisches Plankton wird gebildet – ein Phänomen, das sich durch die gesamte Nahrungskette zieht. Anders gesagt: je mehr Wale und Delfine, desto mehr Fisch und Krill. Darüber hinaus helfen die Wale, einige der Schäden im Ökosystem der Meere und der Atmosphäre zu beheben, die vom Menschen verursacht werden. Pflanzliches Plankton absorbiert Kohlendioxid aus der Atmosphäre und bildet riesige Kohlendioxidfallen am Meeresboden, die den weltweiten Klimawandel verlangsamen. Eine weitere wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf bilden tote Wale, deren Körper auf den Meeresgrund sinken. Auf dem Weg dorthin nehmen sie Kohlenstoff mit, der meistens an der Oberfläche in Form von Plankton eingefangen wird. Je größer der Tierkörper, desto mehr Kohlenstoff ist im Gewebe. Oder anders gesagt: Größere Wale enthalten größere Kohlenstoffreserven.


” Blau-, Bryde-, Pilotund Pottwale – Sri Lanka ist ein Hot-Spot in Sachen Whale Watching.“


Die stämmig aussehenden Kurzflossen-Grindwale gehören zu den Delfinen.


Sogar Interaktionen mit den sonst nur seltenst zu sehenden Blauwalen sind vor Sri Lanka möglich!


WALE VOR SRI LANKA

BLAUWAL

Vor Sri Lanka sieht man vor allem Zwergblauwale, die eine Länge von bis zu 24 Metern und ein Gewicht von 70 Tonnen erreichen. Die Tiere gehören zu den Bartenwalen und ernähren sich hauptsächlich von Plankton, Krill und Ruderfußkrebsen. Die Meeressäuger leben in Gruppen – und vor Sri Lanka scheinen sie sich dauerhaft aufzuhalten.

BRYDEWAL

Der Brydewal gehört zu den Furchenwalen und wird zwischen 12 und 14 Metern lang. Da die Tiere eher sesshaft sind und in Gewässern mit über 20 Grad Celsius leben, ist die Wahrscheinlichkeit, sie vor Sri Lanka zu sehen recht hoch. Sie ernähren sich von Makrelen, Sardinen, Kopffüßern und Krebsen. Der Brydewal gilt als nicht bedroht.

POTTWAL

Die bis zu 20 Meter langen und bis zu 50 Tonnen schweren Wale gehören zu den Zahnwalen und sind die größten räuberisch lebenden Tiere. Sie ernähren sich hauptsächlich von Tintenfischen, die sie in 1000 Metern Tiefe jagen. Weibchen und Männchen leben in getrennten Gruppen, nur alte Männchen sind als Einzelgänger in den Meeren unterwegs.

Pottwalweibchen leben in Verbänden mit ihren Jungtieren.


Ein toter Wal auf dem Meeresgrund ist ebenfalls eine Futterquelle für Hunderte Organismen. Scharenweise strömen sie herbei, um sich an diesem Festmahl zu laben, das ihr Überleben in einer eher nahrungsarmen Umgebung sichert. Aasfresser wie Schleimaale und Schlafhaie sowie viele Wirbellose fressen sich durch das weiche Gewebe des Wals. Dabei vernichten sie pro Tag 40 bis 60 Kilogramm. Und auch Tiefseewürmer und Schalentiere bedienen sich am üppigen Buffet, bis nur noch die Knochen übrig sind. Und selbst die werden nicht sich selbst überlassen: Jetzt greifen Mikroorganismen das Skelett an, um die Knochen zu zersetzen.

Wale und Delfine tragen dazu bei, die Versorgung zu regulieren, indem sie für eine ausbalancierte Nahrungskette sorgen. So verhindern sie, dass bestimmte Tierarten sich allzu sehr im Ozean ausbreiten und möglicherweise die Populationen anderer Tiere verkleinern, die wiederum ihre Nahrungsgrundlage bilden.

IHRE ROLLE FÜR DIE WIRTSCHAFT

Studien haben gezeigt, dass bestimmte Meerestiere wie Wale und Delfine eine zunehmend bedeutende Rolle in der Wirtschaft spielen, da sie den Tourismus und damit verbundene Branchen ankurbeln. Viele Menschen möchten die Gewissheit haben, dass diese Tiere existieren, auch wenn sie diese in der Wildnis nie zu sehen bekommen. Meeressäuger beleben die örtliche Wirtschaft, sei es in freier Wildbahn oder in Bildungseinrichtungen.

Darüber hinaus spielen sie eine große Rolle beim Wachstum von Wirtschaftszweigen, die vom Whale Watching und anderen Besuchertouren auf offener See abhängen. Sie bilden finanzielle Einnahmequellen und fördern als Teil des Tourismus den Lebensunterhalt der Menschen vor Ort. Auch wenn das Whale Watching keine perfekte Alternative darstellt, ist es weitaus weniger schädlich als der zügellose kommerzielle Fischfang. Darüber hinaus bringt es weitaus mehr Geld ein und zeigt neue Möglichkeiten auf.

Allerdings hat das Whale Watching auch seine Schattenseiten. Wenn man sich den Walen und anderen Meeressäugern nähert, kann dies ihr natürliches Verhalten beeinflussen und sich negativ auf die gewohnten Fresszeiten oder die Zeit, die sie an der Oberfläche verbringen, auswirken. Eine Störung dieser Verhaltensmuster ist für die Gesundheit der Wale durchaus schädlich. Aus diesem Grund werden die Fahrten der Boote beim Whale Watching in Ländern wie Sri Lanka streng reguliert. Die Forscher versuchen noch immer herauszufinden, wie sich der Tourismus auf die Gesundheit der Wale auswirkt. Doch auch wenn das Beobachten dieser Meeresriesen keine perfekte Alternative darstellt, sind seine Auswirkungen auf die Walpopulationen weitaus geringer als der kommerzielle Walfang. Und für die Menschen vor Ort ist es eine gute Einnahmequelle.

So ein klassisches Flukenfoto darf beim Whale Watching nicht fehlen.


WAL-MAGNET SRI LANKA

Seit Mai 2008 wird Sri Lanka als das Land beworben, in dem sich Blauwale am besten beobachten lassen. Und 2012 wurde festgestellt, dass die Insel ebenfalls die besten Möglichkeiten bietet, um beim kommerziellen Whale Watching auf Superschulen von Pottwalen zu treffen. In dieser Hinsicht ist Sri Lanka ein heißer Tipp für alle Walbeobachter und Dokumentarfilmer, die diesem Ort unbedingt einen Besuch abstatten sollten.

Das Besondere ist, dass es hier in Küstennähe tiefes Wasser gibt, in dem sich die großen Wale gern aufhalten. Hinzu kommt, dass Blauwale durch den Kontinentalschelf am südlichen Rand der Insel einfach in Küstennähe beobachtet werden können. Pottwale hingegen halten sich an der Nordwestküste an den 400 Meter hinabreichenden Tiefenlinien in Nordsüdrichtung auf sowie in einer tiefen Unterwasserschlucht an der Nordostküste, die ebenfalls von Norden nach Süden verläuft. Und wer davon nicht genug bekommen kann, sollte sich zu den Schluchten an der Ostküste begeben, um dort vielleicht einen Blick auf die geheimnisvollen Cuvier-Schwertwale zu erhaschen, die sich dort ab und zu blicken lassen.

Der südliche Teil des indischen Subkontinents, das Dekkan, reicht wie eine gigantische Zunge in den Indischen Ozean und teilt ihn in zwei Becken. Sri Lanka liegt an der Spitze dieser Zunge, ohne den Wasserfluss zwischen dem Golf von Bengalen und dem Arabischen Meer zu unterbrechen, die sich östlich und westlich des Subkontinents befinden. Im Süden der Insel liegt der Indische Ozean. Durch diese einzigartige Lage – an der Spitze eines großen Kontinents und gleichzeitig inmitten eines Ozeans – ist Sri Lanka ein Knotenpunkt für viele Meerestiere auf der Durchreise. Das Kontinentalschelf bildet die Grundlage für eine große Vielfalt an höchst produktiven MeeresÖkosystemen, während die Uferregion unzählige Mündungen und Lagunen bietet. Die Pflanzen und Tiere an der Küste und im Ozean ernähren sich von Mineralien und organischen Substanzen, die von Hunderten Flüssen und Strömen aus Sri Lanka und Indien ins Meer gespült werden.

Doch auch wenn sich die Meeressäuger das ganze Jahr über um Sri Lanka aufhalten, gibt es keine Gewähr, dass man sie zu Gesicht bekommt, da die Tiere ihre Wanderrouten mitunter verändern. Was man aber festhalten kann: Die meisten Wale halten sich in der ersten und zweiten Zwischen-Monsunzeit in der Nähe von Sri Lanka auf. Die beste Zeit ist zwischen Mitte März und Mitte April in der ersten Zwischen-Monsunzeit.

REISE-TIPP

WHALE-WATCHING-GRUPPENREISE
Franco Banfi bietet regelmäßig Gruppenreisen nach Sri Lanka an (Reisezeitraum liegt zwischen Mitte März und Mitte April). Infos per E-Mail: tour@banfi.ch


FOTOS: F. BANFI