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St. Petersburg: Auf den Schwingen des Zeisigs


Strassenbahn Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 28.02.2020

Russlands erstes privates Tram-System in St. Petersburg ■ Das „Tschizhik“ (zu deutsch Zeisig) genannte Leuchtturmprojekt für die Metropole an der Newa soll das ramponierte Image der Straßenbahn in Russland aufbessern. Seit Herbst 2019 sind alle vier Strecken, auf denen moderne Niederflurwagen aus dem Stadler-Werk Minsk zum Einsatz kommen, komplett in Betrieb


Artikelbild für den Artikel "St. Petersburg: Auf den Schwingen des Zeisigs" aus der Ausgabe 3/2020 von Strassenbahn Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Strassenbahn Magazin, Ausgabe 3/2020

Schickes Design und hoher Komfort – die modernen „Meteliza“-Wagen von Stadler sind das Aushängeschild des erneuerten Betriebes im Nordosten St. Petersburgs


Die Straßenbahn in St. Petersburg hat in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends einen ...

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... Niedergang vorher ungekannten Ausmaßes erlebt. Dutzende Kilometer Straßenbahngleise fielen dem Abriss zum Opfer, Depots hat der Verkehrsbetrieb ersatzlos geschlossen und zugleich Hunderte Wagen verschrottet. Nun setzt langsam ein Umdenken bei den Verantwortlichen ein. Zuletzt wurden verstärkt Trassen saniert und neue Fahrzeuge beschafft.

Einen ganz besonderen Weg geht jedoch der Krasnogwardejskij-Bezirk im Nordosten der Metropole. Hier ging im März 2018 Russlands erste private Straßenbahnlinie in Betrieb – der „Tschizhik“ (russ. „Чижик“). Seit dem 1. September 2019 stehen alle vier Linien dieses komplett modernisierten und nach westeuropäischen Standards konzipierten Netzes im Einsatz.

Ein Straßenbahnnetz wird ausgeschrieben

Doch zunächst an den Anfang: Am 15. Oktober 2015 entschied die St. Petersburger Stadtverwaltung, die Rekonstruktion und den Betrieb des Straßenbahnnetzes im Krasnogwardejskij-Bezirk an einen privaten Investor zu vergeben. Dies betraf die bis dahin vom städtischen Verkehrsbetrieb GUP Gor-ElektroTrans (GUP GET) betriebenen Straßenbahnlinien 8, 10, 59 und 64. Als einziger Anbieter bewarb sich die OOO Transportnaja Konzessionnaja Kompanija (TKK) um die auf 30 Jahre angelegte Konzession. Die Kosten für die Rekonstruktion des vorhandenen Netzes und die Fahrzeugbeschaffung veranschlagte die Verwaltung mit 6,5 Milliarden Rubel, umgerechnet rund 95 Millionen Euro. Insgesamt rechnet die Behörde über die Vertragslaufzeit mit Kosten von 33,7 Milliarden Rubel (etwa 488 Millionen Euro), wobei aktuell über die 30 Jahre Fahrgeldeinnahmen von 22,4 Milliarden Rubel (rund 325 Millionen Euro) kalkuliert sind. Bei 46 Prozent dieser Einnahmen handelt es sich um Kompensationszahlungen. Diese zahlt die Stadt dem privaten Betreiber, der im Gegenzug die Fahrpreise auf dem für alle Verkehrsmittel festgelegten Niveau hält. Zusätzlich garantiert die Stadt der TKK eine endgültige Gewinnsumme von 33 Milliarden Rubel. Ist diese Summe nach einer Laufzeit von 30 Jahren nicht erreicht, so ist der Fehlbetrag bei der Rückübernahme des Netzes durch die Stadt auszugleichen. St. Petersburg steuert weiterhin 1,3 Milliarden Rubel (ca. 19 Millionen Euro) an Förderung für den Gleisbau bei und stellt der TKK die Trassengrundstücke zur Nutzung für den Straßenbahnbetrieb zur Verfügung. Zwischenzeitlich mehrten sich die Stimmen, die dieses Finanzkonstrukt kritisch sehen und befürchten, die Stadtverwaltung hätte hier kein gutes Geschäft gemacht.

Der Liniennetzplan zeigt den aktuellen Ausbauzustand des „Tschizhik“-Netzes. Wann die städtische Linie 10 wieder bis nach Rzhewka fahren kann, ist noch unklar


Der Umbau beginnt

Das gesamte Konzept umfasst vier Linien, die nur noch zum Teil dem Verlauf vor dem Umbau entsprechen und alle konsequent auf die Metrostation Ladozhskaja ausgerichtet sind. Hinzu kam der Bau eines neuen Betriebshofes für 25 Wagen. Er entstand südlich des bereits Mitte der 1980er Jahre begonnenen und nie vollendeten Depots Nr. 11. Die sowjetischen Bauruine wurde dabei jedoch nicht einbezogen.

Die Umsetzung des gesamten Projektes erstreckte sich über vier Etappen und begann am 19. September 2016 mit der Einstellung der Linie 8. Zwischen der Endstation „Chasanskaja Uliza“ – hier ist gleichzeitig auch der Gleisbauhof – und dem Prospekt Kosygina ließ der Auftragnehmer die gesamte Infrastruktur erneuern, wobei die Stadt die Bauarbeiten parallel auch zur Straßen- und Umfeldsanierung nutzte. Der Gleisbauhof der städtischen Straßenbahn an der Chasanskaja Uliza wurde zugleich so umgebaut, dass er provisorisch zur Wartung und Abstellung der neu zu beschaffenden Linienwagen genutzt werden konnte. Als Ersatz für die Straßenbahn wurde auch eine Obuslinie mit der Nummer 22A eingerichtet.

Am 3. Juni 2017 hatten die Arbeiten einen derartigen Fortschritt erreicht, um die zweite Phase zu beginnen. Hierzu haben die Verantwortlichen vorübergehend fast den gesamten Straßenbahnverkehr im Krasnogwardejskij-Bezirk eingestellt. Die Linien 59 und 64 entfielen, die Linie 10 wurde umgeleitet. Dieser Zustand dauerte bis 1. September 2019 an. In dieser zweiten Bauphase wurden die Gleisanlagen entlang des Prospektes Kosygina bis zum Ladoga-Bahnhof erneuert, wobei zunächst eine provisorische Endstation am Bahnhof entstand. Neben den Gleisen und der Oberleitungsanlage umfasste der Umbau auch zwölf Haltestellen, die moderne Terminals erhielten.

Ein Blick in den Innenraum eines Meteliza-Tw. USB-Ladestationen, kostenloses WLAN und kontaktloses Bezahlen sind hier Standard


Ein Schneesturm auf Gleisen

Noch vor dem ersten Spatenstich schloss die TKK mit dem 2013 in der weißrussischen Hauptstadt Minsk gegründeten StadlerWerk einen Vertrag über die Lieferung von insgesamt 23 Bahnen des Typs „Meteliza“, auf deutsch „Schneesturm“. Im November 2017 erreichten die ersten sieben Fahrzeuge St. Petersburg. Sie tragen die Nummern 001 bis 023. Der letzte B85600M, so die offizielle Typenbezeichnung, kam am 28. April 2018 an. Es handelt sich bei allen Fahrzeugen um 2,5 Meter breite, dreiteilige Niederflur-Zweirichtungswagen mit jeweils fünf Türen pro Seite. Mit einer Länge von 34 Metern ist dieser Fahrzeugtyp laut Herstellerangaben der längste Dreiteiler der Welt. Jeder Wagen fasst bis zu 376 Fahrgäste und bietet 66 Sitzplätze mit einer 2+2 Bestuhlung. Für Russland ungewöhnlich sind die Fahrkartenautomaten zum Erwerb eines Einzelfahrausweises. Das Fahrzeug verfügt zudem über Klimatisierung, Steckdosen und USB-Ladeanschlüsse. Im Falle eines Stromausfalls kann ein leerer Wagen ca. 500 Meter stromlos überbrücken. Auch kostenloser WLAN-Zugang gehört, wie in Russland inzwischen vielerorts üblich, zur Grundausstattung.

Seit Ende 2018 ergänzt die Linie 64 das Tschizhik-Netz. Am 16. Januar 2019 treffen sich die „Schneestürme“ 006 und 002 bei passendem Wetter an der Haltestelle Prospekt Nastawnikow


So sah es in Rzehwka aus, bevor der Zeisig kam: Drei Hochflurwagen der Leningrader Waggonfabrik warten im Juni 2017 auf ihre Abfahrt in der dreigleisigen Wendeschleife


Erst Testbetrieb, dann Alltagseinsatz

Am 1. März 2018 um 5:45 Uhr begann der Testbetrieb auf der neuen Strecke zwischen dem Ladoga-Bahnhof und der Chasanskaja Uliza. Alle sieben zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Wagen waren täglich im Einsatz und simulierten – zunächst ohne Fahrgäste – den regulären Betrieb auf der Strecke. Keine Woche später, am 7. März 2018 konnten nach 18 Monaten Bauzeit die St. Petersburger endlich ihre Linie 8 wieder nutzen. Den gesamten März hindurch fuhren die Bahnen kostenlos und warben so für das „neue“ Verkehrsmittel.

Seit dem 1. April 2018 gilt der normale Tarif von derzeit 40 Rubel (57 Cent) pro Einzelfahrt. Schaffner gibt es im Gegensatz zu den meisten anderen Linien des Stadtverkehrs an Bord nicht, es werden jedoch regelmäßig Kontrollen durchgeführt. Neben dem Einzelfahrausweis, der sowohl am Automaten als auch über alle bekannten bargeldlosen Bezahlmöglichkeiten erworben werden kann, gilt auch das St. Petersburger Einheitsticket „Podorozhnik“, welches eine noch günstigere Mitfahrt ermöglicht. In Kürze soll der Fahrscheinerwerb auch über eine eigene Tschizhik-App möglich sein.

Die Fahrzeit auf der neuen Linie 8 betrug im Sommer 2018 nur noch 16 Minuten statt bisher fast einer halben Stunde. Mit der Inbetriebnahme der Ampelvorrangschaltungen im Oktober 2018 verkürzte sich die Fahrzeit sogar auf 13 Minuten. Der Tschizhik hat damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 Kilometern pro Stunde und ist fast doppelt so schnell wie das städtische Pendant. Betriebszeiten sind täglich von ca. 5:20 Uhr bis kurz vor 1:00 Uhr in der Nacht. An Werktagen gilt auf den beiden Hauptlinien 8 und 64 (seit 15. Dezember 2018 in Betrieb) in der Hauptverkehrszeit ein 6-Minuten-Takt, sonst und am Wochenende eine 9-Minuten-Taktfolge.

Das Netz wird komplettiert

Eine erste Erweiterung hat das „neue“ Netz am 15. Dezember 2018 erfahren. Seither rollte neben der Linie 8 auch die zunächst verkürzte Linie 64 zwischen dem Ladoga-Bahnhof und dem Irinowskij-Prospekt. Am 1. September 2019 ging dann schlagartig das gesamte Restnetz in Betrieb. Die Linie 64 fährt dabei wieder verlängert bis zur Bahnstation „Rzhewka“. Neu hinzugekommen ist die Linie 63, in den Planungen zunächst als Linie 10 geführt. Diese startet ebenso am Ladoga-Bahnhof und endet an der Uliza Peredowikow, einst Teil der städtischen Linie 10. Die städtische Linie 10 hingegen endet derzeit noch wenige hundert Meter westlich, da deren Wagen nicht über die nötige Technik zur Steuerung der neuen Weichen und Ampeln verfügen. Nach entsprechender Ausrüstung einiger neuerer Fahrzeuge des Stadtbetriebes wird der Industrialnyj Prospekt bis zur Station „Rzhewka“ von städtischer und privater Tram in Zukunft gemeinsam genutzt. Welche Haltestellen gemeinsam bedient werden, ist noch offen.

Für das von Einstellungen geplagte St. Petersburg ist die Eröffnung der vierten „Tschizhik“-Linie Nr. 59 eine kleine Sensation. Erstmals seit Jahren ist mit der Trasse durch die Uliza Potapowa eine komplette Neubaustrecke entstanden. Die 1,8 Kilometer lange Strecke führt vor allem durch Industriegebiet und schließt den neuen Betriebshof an das Bestandsnetz an. Dieser steht den neu errichteten Betriebshöfen westlicher Betriebe in nichts nach. Eine hochmoderne Leitstelle, helle und technisch auf dem neuesten Stand befindliche Werkstätten und eine Waschanlage, die jeder Wagen einmal am Tag durchläuft. Hier liegen tatsächlich Welten zwischen den Arbeitsbedingungen bei den städtischen Verkehrsbetrieben und denen bei der TKK. So ist es nicht verwunderlich, dass sich zahlreiche Fahrerinnen und Fahrer des Verkehrsbetriebes hier beworben haben. Mit der offiziellen Inbetriebnahme des neuen Hofes am 1. September 2019 hat die provisorische Werkstatt an der Chasanskaja Uliza ausgedient.

Wagen 003 auf dem Prospekt Nastawnikow, dessen gesamter Straßenraum eine Aufwertung erfahren hat


Die Richtung stimmt

Schon im ersten Jahr seit der Eröffnung zeigte sich der „Tschizhik“ als Erfolgsmodell. Mit neun Millionen Fahrgästen konnte die neue Tram doppelt so viele Fahrgästen gewinnen wie zuvor die „alte“. Das verwundert nicht. Auf der alten Linie 8 waren vor dem Umbau zwölf Wagen im Einsatz, heute verkehren nur noch sieben. Diese sind jedoch mehr als doppelt so schnell und wesentlich komfortabler. Die „Tschizhik“-Bahnen kommen verlässlich nach Fahrplan, nur selten gibt es längere Wartezeiten oder Ausfälle – ein Service, den die Fahrgäste des städtischen Verkehrsbetriebes bislang nicht gewohnt sind.

Die Stadtverwaltung plant unterdessen weitere Neubaustrecken, die vor allem im Süden der Stadt entstehen sollen. So könnten etwa die Residenz Peterhof oder der Industrievorort Kolpino eine Straßenbahnanbindung erhalten. Diese Projekte sind nicht neu, doch scheint man nun auf den Geschmack gekommen zu sein, was die Vergabe an private Investoren angeht. Ein Finanzierungsmodell wie für den „Tschizhik“ wird es jedoch sicher nicht wieder geben. Die klammen städtischen Kassen lassen wohl kaum weitere Gewinngarantien zu. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass die TKK ihr Netz in einem Stadtteil betreibt, der nur schlecht an das Metronetz angeschlossen ist, in dem jedoch Tausende Menschen leben. Das Netz des „Tschizhik“ ist konsequent auf die einzige Metrostation ausrichtet und garantiert somit eine hohe Auslastung.

Beste Werbung für die Tram

Abzuwarten bleibt, wie sich der städtische Verkehrsbetrieb weiterentwickelt. Zwar sind zuletzt erhebliche Anstrengungen in Bezug auf Gleissanierung und Fahrzeugbeschaffung zu erkennen, doch Standards, wie sie die TKK gerade setzt, können die städtischen Betriebe ihren Kunden noch lange nicht bieten. Vielleicht wären die Milliarden Rubel, die die Stadt aktuell für den „Tschizhik“ beisteuert, beim Verkehrsbetrieb besser aufgehoben und eine gleichmäßige Verteilung sinnvoller gewesen. So profitieren aber zumindest die Fahrgäste im Krasnogwardejskij-Bezirk von einem hochmodernen Verkehrsmittel. Der „Tschizhik“ ist dort die beste Werbung für die Straßenbahn und das ganz besonders in einem Land, in dem die Tram eigentlich längst totgesagt ist. ROBERT LEICHSENRING

Der Autor dankt der Pressestelle der TKK für die bereitgestellten Informationen. Als weitere Quellen diente die St. Petersburger Tagespresse und die Internetseite des Komitees für Transport der Stadt St. Petersburg.

Obus und Straßenbahn am Industrialnyj Prospekt: St. Petersburg hat inzwischen den Wert des elektrischen Nahverkehrs erkannt

Der Zeisig als Symbol der Tram

Das neue Straßenbahnnetz bekam den Namen „Tschizhik“ (Zeisig) und setzt so die Vorliebe der Russen fort, neue Verkehrsmittel nach Vögeln zu benennen. Nach dem Schnellzug „Sapsan“ (Wanderfalke) und den Vorortzügen „Lastotschka“ (Schwalbe) nun also der „Tschizhik“. Der kleine grüne Vogel, der auch stilisiert im Logo des neuen Systems auftaucht, spielt in der Petersburger Folklore eine wichtige Rolle: „Tschizhik-Pyzhik“ – St. Petersburgs wohl kleinstes Denkmal erinnert am Ufer des Fontanka-Kanals an die Kadetten der kaiserlichen Rechtsschule. Ihre grün-gelben Uniformen brachten ihnen diesen Spitznamen ein.


ALLE BILDER: ROBERT LEICHSENRING