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STADTBUMMEL: Ein perfekter Tag … in Konstanz


Schöner Südwesten - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 30.10.2019

Wie gemalt schmiegt sie sich in die See- und Alpenkulisse, die größte Stadt am Bodensee. Einst war sie Knotenpunkt auf den Handelsrouten von Kelten und Römern, später Schauplatz des Konstanzer Konzils, eines der größten Mittelalterspektakel.


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Bildquelle: Schöner Südwesten, Ausgabe 6/2019

So präsentiert sich Konstanz ankommenden Besuchern vom Yachthafen am Bodensee aus, rechts der Turm des Münsters.


Die Imperia-Statue von Peter Lenk ist das Wahrzeichen von Konstanz und begrüßt die Besucher am Hafen.


Das Schnetztor ist ein Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert und ein Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung.


Wer einen entspannten Tag in Konstanz erleben ...

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... möchte, sollte übers Wasser anreisen. Schließlich ist die Bodenseehauptstadt größtenteils von Wasser umgeben. Auf den Zufahrtsstraßen sind Staus die Regel, in der Stadt Parkplätze rar. Wir sparen Zeit und Nerven und fahren auf „Fridolin“ zu unserem Ausflugsziel. Er ist einer von drei Katamaranen, die täglich von 6 bis 19 Uhr zwischen der Zeppelinstadt Friedrichshafen und dem Konstanzer Altstadtkern pendeln. Es lohnt sich, früh zu starten – wenn der Morgennebel die Seeoberfläche in Watte packt und eine weiche Ufersilhouette des Konstanzer Trichters zeichnet. Nach nur 50 Minuten haben wir bereits den Konstanzer Hafen erreicht.

Zurück ins Mittelalter

Imperia begrüßt uns. Freizügig bekleidet steht sie auf dem Sockel des ehemaligen Moleturms – eine Miniatur des Papstes auf der linken Hand, eine des Kaisers auf der rechten. Die 1993 errichtete Betonfigur dreht sich alle vier Minuten um die eigene Achse, als wolle sie jede Himmelsrichtung im Blick behalten. Mit ihren neun Metern und 18 Tonnen ist sie alles andere als ein leichtes Mädchen, obgleich sie eines darstellt. Sie ist der satirische Blick ihres Schöpfers Peter Lenk auf die leiblich-lüsternen Facetten des Konstanzer Konzils, das von 1414 bis 1418 in der Bodenseemetropole stattfand. Es lockte neben König und Adel, Klerikern und Gelehrten auch viele tausend Gaukler und Huren aus ganz Europa in die damalige Bischofsstadt, deren sakrales Erbe mit Kirchengebäuden, ehemaligen Klöstern und Domherrenhöfen fast vollständig erhalten ist. Selbst ganze Straßenzüge aus dem 12. bis 15. Jahrhundert sind weitgehend unverändert. Denn dank seiner Nähe zum schweizerischen Kreuzlingen wurde Konstanz im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert. Die Grenze zwischen beiden Städten verläuft fließend, sogar durch Gebäude hindurch.

Von Hafenmeile und Hüppen

Auch das Konzilsgebäude mit seinen massiven Mauern und dem auffälligen Walmdach blieb vollständig erhalten. Seinen heutigen Namen verdankt das ehemalige Kaufhaus am Hafen dem Konklave, das darin stattfand. Jetzt beherbergt es ein Restaurant sowie Veranstaltungsräume und ist Hauptspielstätte der Südwestdeutschen Philharmonie. Vom Anleger aus laufen wir direkt darauf zu. Bänke entlang der Wasserfront und im grünen Stadtpark laden zum Verweilen in der Hafenmeile. Segelboote tanzen noch auf den Wellen von Fridolins Kielwasser und Gastronomen richten Tische und Stühle für den Tag. Sie sind fast das ganze Jahr über draußen aufgestellt; das Klima am westlichen Bodensee ist mild. Die historische Hafenuhr zeigt kurz vor 9 Uhr. Es ist Zeit für einen Cappuccino zu einer Gottlieber Hüppe, einem hauchdünnen Crêpe, ummantelt von Schweizer Schoggi.

Durch krumme Gassen flanieren

Das gönnen wir uns auf der Markstätte, die wir geradeaus durch den kurzen Fußgängertunnel erreichen. Hübsche Einkaufsläden säumen den sonnenverwöhnten Platz mit Kaiserbrunnen. Im Advent stehen hier viele beleuchtete Hütten mit Baumstriezel, Punsch oder Kunsthandwerk. Über Brotlaube und Fischmarkt halten wir uns von hier aus rechts Richtung Niederburg. Einst waren die schmalen Häuschen in den gekrümmten Gassen von Handwerkern, Fischern und Kaufleuten bewohnt. Auch Domherren lebten im ältesten Viertel der Altstadt, das wie die Kulisse einer Spielzeugritterburg wirkt. Viele Häuser beherbergen Polsterer, Geigenbauer oder Werkstätten, in denen Bleiglasfenster hergestellt werden, aber auch Fachgeschäfte und Einzelhändler mit erlesenen Produkten. Bald baut sich das 78 Meter hohe Konstanzer Münster vor uns auf. Wie die Schalen einer Zwiebel offenbart das imposante Bauwerk Epochen von Romanik über Gotik bis in den Barock. Die erste Schicht der Kathedralkirche entstand im 7. Jahrhundert in den Ruinen eines spätrömischen Kastells.

Der schönste Blick über den See

Seit März 2019 ist der spätgotische Turm des Münsters wieder offen für Besucher. Wer die 193 Stufen nach oben bis zur Plattform und die 52 weiteren bis zu den Balkonen besteigt, wird mit der schönsten Fernsicht am Bodensee beschenkt. Bei Fön reicht der Blick vom Säntis bis nach Bregenz und zurück zu den Vulkankegeln des Hegau. Von oben lässt sich auch der Verlauf der alten Konstanzer Ringmauer mit einst 20 Türmen nachvollziehen, von denen heute noch drei stehen. Auf dem Münsterplatz spielen Kinder, Studenten sitzen in Cafés. Nur einen Sprung entfernt lockt die städtische Wessenberg-Galerie, doch wir schlendern lieber über die Kanzleistraße und gehen so auf Zeitreise durch die venezianische Renaissance. Die vielen bemalten Fassaden dieser Häuserzeile erzählen vom Leben im 16. Jahrhundert, auch das Rathaus von Konstanz zählt dazu. Kellereien locken mit einem Schluck See-Burgunder. Wir entscheiden uns, im „Voglhaus“ ein lecker gefülltes Röstbrost zu bestellen. Gegessen wird hier in der Deko des Öko-Kaufhauses.

Marktstätte mit Kaiserbrunnen. Aus der Luft gut zu erkennen: der abfließende Seerhein.


Nächtlicher Blick am Vierungsturm des Münsters vorbei auf den Hafen. Rechts: das beleuchtete Konstanzer Konzil.


Comics an der Wand

So gestärkt tauchen wir im 1870 gegründeten „Rosgarten Museum“ in die Kunstund Kulturgeschichte der Bodenseeregion und in die bildhafte Chronik des Ulrich von Richental ein. Der Stadtschreiber und Zeitzeuge des Konzils erzählt darin wie in einem Comic vom täglichen Leben, vom Markttreiben, den Ausschweifungen und Hinrichtungen. Das berühmteste Opfer war der böhmische Reformator Jan Hus, der 1414 vor den Toren von Konstanz verbrannt wurde. Mehr darüber erfahren wir im „Hus-Museum“ in der Hussenstraße, der letzten Station unseres Geschichtsexkurses. Denn jetzt wenden wir uns dem neuen Konstanz zu und nehmen über die Bodanstraße Kurs auf das Lago Shopping Center mit 70 Markenshops und vielen unterschiedlichen Imbiss-Angeboten.

Immer an der Wasserkante

Die Turmuhr des Bahnhofs schlägt 16 Uhr. Die ersten Pendler kommen über die Schweizer SSB oder den Regionalzug „seehas“ zurück, denn Konstanz ist auch gut über die Schiene zu erreichen. Sie strömen ins Paradies, das beliebteste Wohnviertel. Wir beschließen zurück zur Hafenmeile zu gehen und entlang der Wasserkante zu promenieren. Sie ist Teil der 34 Kilometer langen Uferlinie der Stadt, deren fünfzehn Stadtteile an den Bodensee und rechts wie links des Rheins grenzen. In nur zehn Minuten gelangen wir zur alten Rheinbrücke und hinüber zur Seestraße mit ihren prachtvollen Jugendstilvillen entlang der Platanenallee. Von hier aus ist es ein Katzensprung ins Archäologische Landesmuseum mit Ausgrabungsfunden und Gebrauchsgegenständen der Seebewohner von einst.

Wir spazieren weiter auf dem Wendelgardweg durch ein hübsches Wäldchen und vorbei an der Schmugglerbucht bis zum „Hörnle“. Wir haben das beliebte Strandbad in nur 45 Minuten erreicht und nehmen uns vor, im Sommer zurückzukehren. Je nach Wetterlage entspannen wir in den warmen Becken der „Bodensee-Therme“, die wir auf dem Weg zum Hörnle ebenfalls passiert haben. Vielleicht reisen wir dann mit dem E-Bike an, über die Autofähre von Meersburg nach Konstanz-Staad, und gönnen uns einen Abstecher auf Mainau oder Reichenau. Beide Inseln sind von Konstanz aus per Pedal schnell erreicht. Doch für heute zieht es uns zurück zum Hafen. Noch auf „Ferdinand“ planen wir die nächste Stippvisite in der Universitätsstadt, die einfach zu viel Sehenswertes für einen Tag bietet. Wir kommen gerne wieder.

ALLES ZU FUSS ERKUNDEN: Konstanz auf einen Blick

Im Konstanzer Münster vermischen sich unterschiedliche Baustile. Romanischen Ursprungs, dominierte später die Gotik.


Unterhaltsame Stadtführungen buchen

Wer möchte kann sich die Geschichte von Konstanz aus der Perspektive eines Spitzbuben, einer Hure oder Nachtwächters erzählen lassen, oder auf den Spuren von Jan Hus wandeln. Die Führungen finden auch für kleine Gruppen statt und dauern anderthalb bis zwei Stunden. Buchbar sind sie in der

1 Tourist-Information Konstanz
Bahnhofpl. 43, 78462 Konstanz,
+49 7531 133030,
www.konstanz-tourismus.de

2.Rosgarten Museum Konstanz
Rosgartenstraße 3-5, 78462 Konstanz, +49 7531 900245, geöffnet von 10 bis 18 Uhr rosgartenmuseum.de

3 Auf den Turm des Konstanzer Münsters steigen
Von Mitte März bis Oktober ist das möglich: Der Eintritt kostet 1 Euro für Kinder (6–14 Jahre) und 2 Euro für Erwachsene.

Gruppen ab 10 Personen zahlen jeweils nur die Hälfte. Öffnungszeiten an Werktagen: 10–17 Uhr (Turmabstieg bis 17:30 Uhr), sonntags und an kirchlichen Feiertagen von 12:30–17:30 Uhr (Turmabstieg bis 18:00 Uhr).
www.konstanz-kirche.de

4 Das Voglhaus Konstanz
Nachhaltig essen und shoppen: Wessenbergstraße 8, 78462 Konstanz,
+49 7531 17202,www.das-voglhaus.de

5 Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg
Benediktinerplatz 5, 78467 Konstanz, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertags: 10–18 Uhr., Montag: geschlossen. Jeden 1. Samstag im Monat: Eintritt frei!

Historie digital erschließen
Wer sich selbst über digitale Maps durch die Stadt lotsen möchte, kann sich an vielen Orten kostenlos im “KonstanzWLAN” einloggen – etwa im Stadtgarten, am Hafen, auf der Marktstätte, dem Bodanplatz, dem Bahnhofplatz und in der Rosgartenstraße.

Anreise aus dem Südwesten Deutschlands
Per Katamaran: Tickets und Fahrtzeitenwww.der-katamaran.de/ fahrplan-preise/ fahrpreise.html (Achtung: Bei Seegang fahren nur noch die Autofähren).
Weitere Optionen: Über Singen und Radolfzell kommt man per Bahn nach Konstanz. Mit dem Auto über die B33 aus Singen oder über die Autofähre aus Meersburg.

Radverleih
Wer sich nur in der Altstadt bewegt, erreicht alles problemlos zu Fuß. Unzählige Radverleihstationen in der Universitätsstadt erlauben einen spontanen Ausflug im Sattel zu den Inseln Reichenau und Mainau, die von Konstanz weniger als zehn Kilometer entfernt sind.

Bodensee-Therme Konstanz
Zur Therme 2, 78464 Konstanz, Sie ist täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet.
+49 7531 8032700,
www.therme-konstanz.de


Fotos: Holger Spiering; MTK/Dagmar Schwelle; IBT Achim Mende; Wikimedia: User Fb78 (CC BY-SA 2.0)