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Stalking : Der Fe ind in meiner Nähe


Bildwoche - epaper ⋅ Ausgabe 17/2019 vom 18.04.2019
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Bildquelle: Bildwoche, Ausgabe 17/2019

Unsere Expertin: Sandra Cegla Kriminalkommissarin a. D. und Gründerin der Sicherheitsagentur SOS-Stalking in Berlin


Bis zu 50 WhatsApps am Tag, Auflauern vor der Wohnung, Dutzende Anrufe bei der Arbeit:Lauras Leben ist ein Albtraum, seit sie Carsten (41) begegnete. Denn als sie ihn nach ein paar Dates abblitzen ließ, verwandelte er sich in ein Monster. „Er lauert mir ständig auf, bedrängt mich. Es ist der Horror“, erzählt die 34-Jährige verzweifelt. Die Berlinerin ist kein Einzelfall. „Aktuell sind rund 18.000 Menschen Opfer von Stalkern“, weiß Sandra Cegla. „Doch die Dunkelziffer ist wahrscheinlich ...

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Bis zu 50 WhatsApps am Tag, Auflauern vor der Wohnung, Dutzende Anrufe bei der Arbeit:Lauras Leben ist ein Albtraum, seit sie Carsten (41) begegnete. Denn als sie ihn nach ein paar Dates abblitzen ließ, verwandelte er sich in ein Monster. „Er lauert mir ständig auf, bedrängt mich. Es ist der Horror“, erzählt die 34-Jährige verzweifelt. Die Berlinerin ist kein Einzelfall. „Aktuell sind rund 18.000 Menschen Opfer von Stalkern“, weiß Sandra Cegla. „Doch die Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch viel höher.“ Täter sind meist Männer. „Bei allen Fällen, die wir kennen, sind nur 20% der Täter weiblich. Doch auch hier vermute ich eine Abweichung der Zahlen im Dunkelfeld, denn Männer zeigen Stalking noch viel seltener an als Frauen.“ Anders als beim Mobbing, bei dem der Täter dem Opfer schaden will, steht beim Stalking verschmähte Zuneigung im Vordergrund. „Häufig tritt es im Zusammenhang mit gescheiterten Liebesbeziehungen auf“, erklärt die Expertin. „Nach der Trennung kann einer der Ex-Partner oft nicht loslassen. Er oder sie will die Beziehung weiterführen oder Rache nehmen für den Schmerz, der ihnen zugefügt wurde.“

„Erst als er mich bedrohte, ging ich zur Polizei“


Auch beiIngrid Beck begann ihr Albtraum nach einer verflossenen Liebe. Dabei fing alles so schön an: Sie lernte ihren späteren Stalker im Internet kennen – und genoss anfangs seine Zuneigung. „Doch ich habe schnell gemerkt, dass was an ihm nicht stimmt. Er wurde besitzergreifend, eifersüchtig, nahm mir die Luft zum Atmen“, erzählt die Oberfränkin, Gründerin der Initiative „Gemeinsam gegen Stalking“. Als Ingrid die Beziehung beendete, ging der Terror los: andauernde Anrufe, Bedrohungen, Übergriffe. Es wurde so schlimm, dass Ingrid sogar an Selbstmord dachte. Doch zum Glück besann sie sich und ging zur Polizei. Ihr Peiniger wurde verurteilt, ließ endlich von ihr ab. „Es ist wichtig, sich so schnell wie möglich Unterstützung zu suchen“, so Sandra Cegla. Sei es bei einer Vertrauensperson, spezialisierten Hilfseinrichtungen, Rechtsanwälten oder der Polizei. „Wir beobachten immer, dass Betroffene aus Schuld- und Schamgefühlen heraus leider nichts unternehmen. Das kann langfristig schlimme Folgen haben, z. B. Ohnmachtsgefühle, Hilflosigkeit, Panikattacken, Konzentrations- und Schlafstörungen. Manche Betroffene werden seelisch und körperlich sogar so krank, dass sie nie mehr richtig gesund werden“, fügt die Kriminalkommissarin a. D. hinzu.

AuchVanessa Münstermann ist für ihr Leben gezeichnet. Die 30-Jährige überlebte vor drei Jahren nur knapp einen feigen Mord-Angriff ihres Ex-Freundes. Ihr Stalker lauerte ihr beim Gassigehen mit dem Hund im Park auf und goss ihr ätzende Säure ins Gesicht. Aus Vergeltung, wie er später zugab. Weil er sich nach der Trennung von ihr erniedrigt und gedemütigt fühlte. Seine brutale Attacke entstellte Vanessa fast bis zur Unkenntlichkeit. Die ätzende Säure lief über ihre gesamte lin-ke Gesichtshälfte bis in ihr Dekolleté, sie verlor ihr linkes Auge und das linke Ohr. Nach der Attacke musste sie für zwei Wochen ins künstliche Koma versetzt werden, wurde unzählige Male operiert. Doch bei all den Qualen blieb die Kosmetikerin unheimlich tapfer, versteckt sich nicht. „Ich verachte ihn für das, was er getan hat. Aber ich lasse mir mein Leben nicht zerstören“, erklärt die Hannoveranerin selbstbewusst. Ihr Ex-Freund, der Stalker, wurde mittlerweile zu zwölf Jahren Haft verurtelt. Seit das Stalking-Gesetz 2017 verschärft wurde, landen zum Glück immer mehr Täter vor Gericht. Denn seitdem ist Stalking bereits dann strafbar, wenn es „objektiv geeignet“ ist, das Leben der Geschädigten nachhaltig zu stören. Davor konnten Stalker nur dann bestraft werden, wenn sie das Leben eines Opfers schon „erfolgreich“ beeinträchtigt hatten. „Doch leider scheiterte es häufig bei Gericht an der Beweisbarkeit“, so Sandra Cegla. Immerhin können Betroffene bei Bedrohung ein Kontaktverbot erwirken, sodass der Täter sich ihnen nicht mehr nähern darf. „Wird dagegen verstoßen, kann dies jedes Mal als Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz zur Anzeige gebracht werden.“ Auch Laura K. aus Berlin will jetzt den ersten Schritt wagen und zur Polizei gehen. „Damit das Grauen endlich ein Ende hat.“

Der Paragraf 238 StGB stellt Stalking unter Strafe

„Ich lasse mir mein Leben nicht zerstören“:Vanessa Münstermann (30)


Auch Prominente sind betrof fen

 Michelle Hunziker (42): Sie wurde 2008 von drei Stalkern verfolgt und verließ ohne Personenschutz nicht mehr das Haus. Einer der Männer wurde verhaftet und auf 10.000 Euro Schadensersatz verklagt. Schließlich gründete Hunziker den Verein „Doppia Difesa“ (Doppel-Verteidigung), der sich Opfern von Gewalttaten annimmt. Auch hilfesuchenden Stalkern wird geholfen.

 Sandra Bullock (54): Bei dem Hollywood-Star war im Juni 2014 ein Mann eingebrochen, der offenbar der festen Überzeugung war, mit Bullock verheiratet zu sein. Sie rannte in ihr Schlafzimmer, versteckte sich in einem Schrank und alarmierte die Polizei.

 Kylie Minogue (50): Ende letzten Jahres wurde die Sängerin wochenlang von einem verrückten Fan terrorisiert. Der Mann folgte ihr sogar bis nach Hause, klingelte stundenlang an ihrer Tür. Erst als sie die Polizei rief, ließ er von ihr ab.

 Josefine Preuß (33): Die Schauspielerin wurde während ihrer Zeit bei der Kika-Serie „Schloss Einstein“ von einem Fan gestalkt. Um sie zu schützen, hielten ihre Eltern und die Produktion das Thema so gut es ging von ihr fern.

Fotos: Frauke Brenne/Fotostudio Brennweite, picture alliance (10), WDR/WDR/Wiebke Ziegler

 Til Schweiger (55): Auch Männer sind Opfer! Wie etwa der „Keinohrhasen“-Star. 2005 schlich eine Stalkerin immer wieder um sein Hamburger Haus, legte Drohbriefe vor die Tür und belästigte die Familie!

Hier finden Sie Hilfe

www.sos-stalking-berlin: Die Agentur von Expertin Sandra Cegla kümmert sich um Einzelfälle, erstellt Täterprofile und bietet Personenschutz an.Hilfetelefon: Unter 08000 116 016 bekommen Frauen Hilfe, die physische und psychische Gewalt erleben.

www.gemeinsamgegenstalking.de: Hier gibt es zahlreiche Tipps für den Kampf gegen Stalker sowie Informationen für das Umfeld, Freunde und Familie von Opfern.

www.stop-stalking-berlin.de: Das Portal informiert über die Rechtslage und bietet Beratung per E-Mail und Telefon.

www.weisser-ring.de: Der Weiße Ring leistet Hilfe, wenn man von Straftaten betroffen ist – anonym und kostenlos.

www.nakos.de: Die deutschlandweite Anlaufstelle zur Unterstützung von Selbsthilfegruppen hat eine Datenbank, in der man eine Selbsthilfegruppe oder Kontaktstelle in seiner Nähe finden kann.

„Anrufe, Drohungen – ich habe Angst“: Laura K. (34) aus Berlin