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Standardsoftware ersetzt Speziallösung


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Digital Manufacturing - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 22.02.2022

Als sich die Verantwortlichen der SN Maschinenbau GmbH 2015 auf die Suche nach dem zukünftigen ERP-System begaben, war bei dem spezialisierten Verpackungsmaschinenbauer bereits eine weitgehend durchgängige und modular aufgebaute Software im Einsatz. Diese hatten IT-Leiter Peter Düllberg und ein weiterer Mitarbeiter bereits ab Mitte der 1990er Jahre selbst programmiert und stetig erweitert.

Die tägliche Arbeit mit der Access-basierten Lösung verlief lange erfolgreich, bis schließlich technologiebedingte Einschränkungen bei Kompatibilität und Performance immer offener zutage traten. Zudem befand sich, wie bei Eigenprogrammierungen meist üblich, das Know-how größtenteils in den Köpfen der Entwickler. Dieses Risiko erschien der Firmenleitung zu hoch, sodass sie ein Software-Auswahlverfahren initiierte.

Spezialisierung auf Verpackungsmaschinen

Im bergischen Wipperfürth entwickelt und fertigt die knapp 300 ...

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Bildquelle: Digital Manufacturing, Ausgabe 1/2022

In der Montagehalle von SN kann man Sondermaschinenbau in Reinform erleben ? das geht mit großem Gestaltungsspielraum in der Konstruktion einher und führt dazu, dass etwa 1.000 Einzelteile monatlich neu kreiert werden.
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... Mitarbeiter starke SN Maschinenbau GmbH Beutelverpackungsmaschinen für Produkte unterschiedlichster Art und Konsistenz. 50 bis 60 Anlagen sind es pro Jahr etwa, mit denen ein Umsatz von knapp über 40 Millionen Euro Umsatz (Stand 2020) erwirtschaftet wird. Das Spektrum der zu verpackenden Güter reicht von Lebensmitteln, Getränken und Milchprodukten über Pharmaerzeugnisse, Kosmetika und Saatgut bis hin zu Tiernahrung und Haushaltsprodukten. Seine Spezialisierung hat das Unternehmen im Segment der horizontal arbeitenden FFS- und FS-Rundläufermaschinen (Form-, Füll- und Verschließmaschinen).

Die entstehende Varianz ist selbst für den Verpackungsmaschinenbau außergewöhnlich hoch. Sie entsteht aus den mannigfaltigen Ausprägungs- und Kombinationsmöglichkeiten der drei ausschlaggebenden Faktoren: dem Folienmaterial, dem zu verpackenden Produkt und dem Beutel-Design. Peter Düllberg erklärt: „Es gibt die unterschiedlichsten Formen und Größen, es gibt stückige, feste, flüssige und pasteurisierte Güter und es gibt verschiedenste Öffnungsund Ausgießvorrichtungen.

”Unsere Kunden sind die, die in Standardkatalogen nicht fündig werden.“

PETER DÜLLBERG, IT-LEITER, SN MASCHINENBAU

Wegen der dadurch bedingten Konstruktions- und Fertigungsabläufe lag die Messlatte für das neue ERP-System entsprechend hoch. Dass es Standardprozesse rund um Bestellungen und Rechnungen problemlos abwickeln können musste, verstand sich für den IT-Leiter von selbst. Das entscheidende Kriterium war vielmehr der Umgang mit wachsenden Stücklisten sowie mit veränderlichen Strukturen während der Produktentstehung.

Konzept „wachsende Stückliste“ und Datenmanagement

Denn wie in der Einzelfertigung üblich, werden auch bei SN die beauftragten Verpackungsmaschinen bei fortschreitender Entstehung kontinuierlich weiter auskonstruiert. Dies hat zur Folge, dass wichtige Wertschöpfungsprozesse wie Konstruktion, Beschaffung und Produktion zeitlich parallel zueinander stattfinden.

Das Konzept „wachsende Stückliste“ ermöglicht es, die Beschaffungs- und Fertigungsabläufe bereits zu starten, während die Produktentwicklung noch in vollem Gange ist. Nur so lassen sich die Projekte wirtschaftlich gestalten, denn häufig genug kommt es vor, dass durch maßgeblich veränderte Voraussetzungen bereits konstruierte Bauteile angepasst oder sogar komplett neuentwickelt werden müssen.

Hinzu kam als weiterer gehobener Anspruch an die ERP-Software, dass die Mitarbeiter die Vorteile eines integrierten Datenmanagements bereits verinnerlicht hatten. „In unserem alten System gab es bereits Module für die Warenwirtschaft, den Einkauf und die Arbeitsvorbereitung, außerdem eine Produktdatensteuerung.“

”Wir wollten auf unternehmensweit verfügbare Echtzeitinformationen nicht verzichten – nun aber auf Basis einer modernen und integrationsfähigen Infrastruktur.“

PETER DÜLLBERG

Das neue System

Nach der ausgiebigen Evaluierung mehrerer Systeme traf ein abteilungsübergreifendes Team die Entscheidung zugunsten des heute eingesetzten ERP-Systems von ams. Im Rahmen von Referenzbesuchen hatten sich die Verantwortlichen auch in der Praxis vom Fokus der Software auf die Losgröße 1+ überzeugt. Dieser Fokus spielte abseits der reinen Systemfunktionalitäten generell als entscheidendes Kriterium hinein, wie auch die Branchenkompetenz der ams-Berater.

„Muss man einem Berater erst sein Geschäftsmodell erklären, kann eine Implementierung nicht erfolgreich verlaufen. Fehlendes Prozess-Knowhow stellt ein Ausschlusskriterium dar“, macht der IT-Leiter deutlich.

Über alle Unternehmensbereiche

Seit dem Echtstart wird die betriebswirtschaftliche Standardsoftware bei SN über alle Unternehmensbereiche hinweg eingesetzt. Die Prozessunterstützung reicht vom Vertrieb über die Konstruktion und die Arbeitsvorbereitung bis hin zu Einkauf, Produktion, Montage, Versand und Service. Hinzu kommen betriebswirtschaftliche Querschnittsaufgaben wie Betriebsdaten- und Personalzeiterfassung, Finanz- und Rechnungswesen sowie Personalwesen und Controlling.

Die sofortige Nutzung eines solch umfangreichen Portfolios an ERP-Komponenten erhöhte laut Peter Düllberg zwar den anfänglichen Aufwand, führte jedoch rasch zu der von ihm angestrebten Durchgängigkeit. Alle technischen und betriebswirtschaftlichen Informationen, die während der Entwicklung, der Herstellung und dem Verkauf der Verpackungsanlagen entstehen, lassen sich sowohl projektbezogen als auch auftragsübergreifen nutzen.

Die mitlaufende Kalkulation zeigt frühzeitig und präzise auf, inwieweit die Kostenentwicklung der Projekte noch mit der Angebotskalkulation übereinstimmt. Die Kostenträgerrechnung liefert eine Voll- und Teilkostenbetrachtung nach vier Deckungsbeitragsstufen. Neben Budget, Soll- und Ist-Daten werden auch prognostizierte Abweichungen berücksichtigt.

Die gebenden Größen beim Aufbau der SN-Verpackungsmaschinen sind in aller Regel die Stücklistenstrukturen. Zur automatisierten Übernahme der Zeichnungsdaten aus der Konstruktion wurde das ERP an die bereits vorhandene CAD-Lösung PTC Creo Elements/ Direct Model Manager angeschlossen. Diese Software gibt den Konstrukteuren viel Gestaltungsfreiraum bei der 3D- Modellierung, wodurch sie sehr schnell neue Artikel schaffen können.

Sobald alle Artikel-, Stammstücklistenund Auftragsstücklistendaten über die Schnittstelle im ERP-System bereitstehen, arbeiten Konstruktion und Auftragssteuerung auf einer gemeinsamen Datenbasis.

Ausschlaggebend sind die Stücklisten

Jede Konstruktionsänderung führt automatisch zu einer Aktualisierung der davon betroffenen Auftragsstückliste im ERP-System. So erkennen alle Projektbeteiligten, inwiefern der laufende Konstruktionsfortschritt neue Bedarfe in der Disposition, dem Einkauf oder der Fertigung auslöst. Die erforderlichen Prozesse können gestartet werden, noch bevor die weiterhin jederzeit veränderlichen Auftragsstücklisten vollständig sind. Konstruktions- oder fertigungsbedingte Änderungen und Weiterentwicklungen werden so auch für zukünftige Projekte nachgehalten.

SN betreibt eine Mischform aus Eigenfertigung und Fremdbeschaffung. Klassische Norm- und Bedienteile wie Kugellager, Zylinder oder Motoren werden hinzugekauft. Die eigenkonstruierten Teile werden selbst oder über die „verlängerte Werkbank“ gefertigt. Die Arbeitspläne, auch die für die Fremdfertigung, schreibt SN grundsätzlich selbst. Einzelne Arbeitsplanpositionen wie das Ablängen von Material werden im Hause durchgeführt, bevor das gesägte Material an einen Fremdfertiger geht. Dieser erbringt die für ihn vorgesehenen Arbeitsgänge und liefert das Material zurück.

Mit dem ERP von ams können diese Arbeitsabläufe sauber gesteuert werden. Es liegen jederzeit alle Informationen zum aktuellen Bearbeitungsstatus sämtlicher Teile vor, wodurch sich die Aktivitäten korrekt terminieren lassen.

Software bringt neue Ansätze

Sondermaschinenbau in Reinform gepaart mit einem großen Gestaltungsspielraum in der Konstruktion führt dazu, dass sehr viele Einzelteile neu erzeugt werden. „Wir sprechen über eine Größenordnung von circa 1000 neu kreierten Teilen monatlich“, erklärt Peter Düllberg. Diese Teile werden als Eigenfertigungsteile auf Lager gefertigt, was eher amsuntypisch ist. Die Software kennt diese Dispositionsart zwar, ist jedoch prädestiniert dafür, mit Artikeln beziehungsweise Einmalteilen ohne Artikelnummern zu arbeiten, die sie dem entsprechenden Auftrag zuführt.

Im Rahmen eines größeren Releasewechsels formulierte man 2021 das Ziel, den Anteil der Auf-Lager-Fertigung zurückzufahren. Stattdessen sollen vermehrt die Möglichkeiten des neuen ERP genutzt werden, indem Artikel ohne Artikelnummer über die Auftragsstücklisten ins Rennen geschickt werden. Sobald diese Auftragsstücklisten bedient wurden, kann die enthaltene Struktur wieder vergessen werden.

Neben den oben genannten Bereichen wie Finanz- und Personalwesen kommen bei SN einige weitere Software-Komponenten zum Einsatz: Der Vertrieb nutzt den ERP-eigenen Variantenkonfigurator zur Erstellung von Angeboten, während das integrierte Dokumentenmanagementsystem dazu dient, Rechnungen, Lieferscheine oder Belege automatisch der entsprechenden Bestellung zuzuordnen.

Das ERP steuert also alle wertschöpfenden Prozesse und liefert die technologische Basis für die Umsetzung der ehrgeizigen Ziele des bergischen Mittelständlers.

JBI

FELIX POTHEN ist Senior Berater bei ams.Solution.