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STANDBOX: König DER Hörner


Audio - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 07.12.2018

Wir haben lange auf das neue Klipschorn warten müssen, aber das Warten hat sich gelohnt. Das AK 6 hat uns umgehauen. Bewährtes wurde verbessert, aber das Grundkonzept ist geblieben.


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Bildquelle: Audio, Ausgabe 1/2019

Werner Enge ist Fachhändler aus Elze in Niedersachsen. Sein Laden heißt Atmosphere und ist im Web unter www.klipsch-direct.de zu finden. Er ist Brand Ambassador für die Klipsch-Heritage-Serie. Er selbst bezeichnet sich ganz bescheiden als Godfather of Klipsch. Stilecht nur mit Sonnenbrille, Zigarillo und einem Kaffee in der Hand. Wahrscheinlich ist er der einzige Mensch auf Erden, der ein Klipschorn alleine auspacken und ...

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... aufstellen kann. So geschehen auf den Deutschen HiFi-Tagen 2018 in Darmstadt.

Ein paar Tage später war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, sich ins Auto zu setzen und die rund 600 Kilometer nach München zu fahren, nur um für uns das Klipschhorn aufzubauen, anzuschließen, mit uns zu hören und alle Fragen zu beantworten. Alles, was wir dafür tun mussten: ihm zur Hand zu gehen, und den sympathischen und bescheidenen Niedersachsen mit Kaffee und Leberkässemmeln zu versorgen.

Der Aufbau ist eigentlich kein großes Ding; der Anschluss dagegen bedarf etwas Know-how. Die Lautsprecherkabel durch die relativ kleine Öffnung zu ziehen, kann etwas fummelig sein. Bei extrem dicken Strippen hilft nur der Griff zur Stichsäge, oder man verzichtet auf die Seitenabdeckung. Unsere Stockfisch-Kabel gingen gut durch, aber bei sehr dicken Strippen mit Luftisolierung wird‘s eng. Neben dem Lautsprecherkabel ist auch das Oberteil mit relativ sperrigen Strippen ans Terminal anzuschließen. Wir tippen auf Solid-Core-Kabel von Cardas; die sind gut, teuer und sperrig. Die Anschlussklemmen sind jetzt aus eloxiertem Aluminium und nicht mehr aus Kunststoff. Das wirkt wertiger, ist aber auch empfindlicher gegen über Sechskantschlüsseln. Anyway, uns gefällt die Alu-Variante viel besser.

NEUES UND BEWÄHRTES

Vergleicht man den Vorgänger und das aktuelle AK 6, fallen bereits von außen erste Unterschiede auf. Klar, das Konzept des gefalteten Basshorns ist gleich geblieben. Allerdings hebt eine massive MDF-Platte die komplette Konstruktion ganze fünf Zentimeter in die Höhe.

RÜCKEN GESCHLOSSEN : Der Rücken des Bassteils ist jetzt zu; dadurch kann das Horn auch etwas von der Wand weg, wenn es sein muss. Der Hoch-Mittel-Ton-Teil ist nach wie vor hinten offen.


„DAS MEHR AN HOLZ IST DEUTLICH ZU SPÜREN“


Vieleicht, um das Furnier zu schonen oder als entdröhnende Maßnahme. Der Rücken ist jetzt geschlossen, so dass das Basshorn auch noch funktioniert, wenn die Box nicht zu hundert Prozent in die Ecke geschoben wird. Das AK 6 kann theoretisch frei aufgestellt werden, allerdings ist dann mit Abstrichen beim Bass zu rechnen. Das Topteil ist nach hinten offen, was aber je nach Geschmack nur optische Nachteile hat, keine akustischen. Die Abdeckung im dezenten Silbergrau gibt dem Lautsprecher eine klare Linie im Design. Neu ist auch die Frequenzweiche. Geblieben sind Trennfrequenzen bei 450 Hz und 4500 Hz. Laut Hersteller spielt das 40 x 90 Milimeter messende Tractrix-Hörnchen bis 20 KHz und nicht wie der Vorgänger bis 17 KHz. Bei unseren Messungen ist das nicht zu 100 Prozent nachvollziehbar, aber der Unterschied ist zu hören. Das Mitteltonhorn mit dem 2-Zoll-Treiber besteht aus einem Komposit-Material mit einer hohen Eigendämpfung. Aluhörner neigen zum Klingeln. Auch das Gewicht ist neu, denn das AK 6 bringt nun stolze 100 Kilogramm auf die Waage. Das Mehr an Holz ist also deutlich zu spüren. Wie gehabt, gibt es verschiedene Funiere zur Auswahl, die durch das Book-Mat-ching eine hübsche Symmetrie aufweisen. Unser Testmuster ist in Esche Schwarz. Für unseren Hörraum ideal, für das heimische Wohnzimmer dann doch etwas dunkel. Der Geheimtipp: Die Front mit einem Spiegel verkleiden, Topfpflanzen davorstellen, und der große Lautsprecher verschwindet quasi im Dschungel. Und keine Sorge: Der Spiegel wird nicht zerspringen oder abfallen, denn am Gehäuse entstehen kaum Vibrationen. Wer mag, kann auch seine Sammlung aus Meißner Porzellan auf das Topteil stellen; da wird höchstens beim Staubwischen etwas kaputtgehen.

FUNKTIONSPRINZIP

Die Box ist zweiteilig aufgebaut. Unten das gefaltete Basshorn, oben das Topteil mit dem Mitteltonhorn und dem Hochtonhörnchen. An den Bildern lässt sich gut das Arbeitsprinzip des Tieftonhorns erkennen. Ein hart eingespannter 15-Zöller sitzt in einem geschlossenen Gehäuse im Inneren der Box. Davor befindet sich eine Druckkammer. Dies lässt den Schall durch zwei getrennte Öffnungen durch. Ab hier beginnt der Laufweg des gefalteten Horns. Erst nach unten und oben, dann geht das Horn nach hinten, macht wieder eine Biegung und öffnet sich links und rechts an den Seiten. Die Wände und der Boden verlängern das Horn physikalisch, so dass es auf mehrere Meter Lauflänge kommt. Aber dafür muss es zwingend in der Ecke stehen. Tut es das nicht, gehen Bassanteile verloren. Klingen tut es dann aber immer noch gut.

Da das K‘Horn frisch aus den Vereinigten Staaten kam, ließen wir es über Nacht einspielen. Spielpartner war unser Arbeitstier PA 3100 HV von T+A. Der zieht jede Box mühelos. Die Klipsch mit ihrem ausgezeichneten Wirkungsgrad brachte den Verstärker nicht mal ansatzweise ins Schwitzen. Natürlich lässt sich so ein Lautsprecher auch mit einem kleinen und feinen Single-Ended-Röhrenverstärker betreiben, aber Bassspieler (wie der Autor) lieben Headroom ohne Ende. Die Konsequenz daraus ergab eine fantastisch unverzerrte Wiedergabe, wie wir sie in unserem Hörraum nie zuvor gehört hatten. Der Effekt lässt sich am besten so beschreiben: Bei Musik mit starker Dynamik, wie das zum Beispiel bei Klassik oft der Fall ist, regelt man bei durchschnittlichen Anlagen die Lautstärke bei sehr lauten Passagen unwillkürlich herunter. Nicht, weil es zu laut wird, sondern weil der Lautsprecher komprimiert und der Klang sich verzerrt. Das klingt harsch und unangenehm. Bei der Klipsch dagegen wird es einfach nur laut, aber auf die angenehme Art. Prima!


„DAS WAR SPIELFREUDE PUR“


DIE KLIPSCH HAT AUCH FEINGEFÜHL

Wir schnappten uns die beste AUDIO-phile Pearls aller Zeiten, Volume 25 von Ausgabe 11/2018, und ließen Joe Bonamassa losrocken. Das hatte Fülle und Energie. Der Autor war so fasziniert von der Wiedergabe, dass er sich ständig selber ermahnen musste, Notizen über das Gehörte zu machen. Denn eigentlich will man nur vor der Klipsch sitzen und Musik hören, wie wir sie so noch nie gehört haben. Was Joe Bonamassa mit dem Titel „King Bee Shakedown“ von seinem brandneuen Album Redemption ablieferte, war unheimlich mitreißend. Das war Spielfreude pur. Der Sound der Gitarre beim Solo im Mittelteil im 50er-Jahre-Stil kam mit der Wärme des alten Holzes der Gitarre wunderbar bluesig rüber. Wir sprangen weiter zu Track Nummer 3, Paul Carrack mit „Life In A Bubble“. Druckvoll kamen die Bässe zu uns ans Sofa gerollt. Beim Einsatz von Paul Carrack wiederlegte das Klipschhorn ein weitverbreitetes Vorurteil innerhalb von Sekunden. Es heißt, Hörner würden verfärben. Das mag auf manche, ganz schrecklich verfärbende, Hornkonstruktionen zutreffen, aber das Klipschorn setzte hier ein Statement. Hörner verfärben bei ihr nicht. Die Stimme von Herrn Carrack drang klar und unvernuschelt an unser Ohr. Eine akustische Wohltat war auch hier wieder das Gitarrensolo, das mit feinen glockigen Klängen die Testhörer begeisterte. Das Klipschorn wirkte dabei wie eine akustische Lupe, die den Sound irgendwie vergrößert darstellte, ohne dabei zu detailliert oder gar analytisch ans Werk zu gehen.

MESSLABOR

Die AK-6 ist für die Eck-nahe Aufstellung optimiert, weshalb bei der Messung im schallarmen Raum der Bass leiser als der Mittel-/Hochtonbereich erscheint. Typisch Horn sind neben leichten Welligkeiten der hohe Wirkungsgrad (92 dB/2Vm), dank der sich die Box auch mit leistungsschwachen Amps (AUDIO-Kennzahl 34 ) sehr gut bespielen lässt. Die AK-6 ist pegelfest, klirrarm stemmt sie 109 dB.

NÄHE SCHAFFT NÄHE : Da die beiden Tractrix-Hörner mit 1- und 2-Zoll-Membran so nah beieinander liegen, kann man die Box auch gut aus der Nähe hören.


Mit dem nächsten Track versuchten wir, die Antwort auf die Frage zu finden, ob die Klipsch auch audiophil klingen kann. Mit der Stockfisch-Aufnahmen „Like Irene“ von Paul Stephonson sollte das gelingen. Und ja, die Klipsch hat viel Feingefühl. Die Gitarren waren vielleicht nicht so flirrig wie auf anderen Lautsprechern dieser Preisklasse, aber dafür war der Klang sehr konkret und durchsetzungsfähig. Es gab auch kein Verfärben der Stimme. Apropos Stimme. Die von Frau Torun Eriksen auf Track 7 interpretiert das Horn ganz wundervoll. Am Schluss durften die Jungs vom Dead Letter Circus auf die Pauke bzw. auf die Stand-Toms hauen. Das wild-tiefe Getrommel hatte was, und der Sound wirbelte durch den Hörraum. Eine großartige Vorstellung. Hatten wir hier vielleicht den besten Lautsprecher der Welt vor uns? Im Klangrausch der Klipsch würden wir uns zu dieser Aussage vielleicht hinreißen lassen. Aber andere bauen auch fantastische Lautsprecher, und viele werden noch kommen. Aber trotzdem gehört das AK 6 definitiv zu den Besten.

FAZIT

Andreas Eichelsdörfer Audio-Chefredakteur


Jetzt heißt es sparen, sparen und nochmals sparen. Ich hätte gern ein Pärchen dieses fantastischen Klipschorns zu Hause. Aber 20.000 Euro sind echt eine Ansage. Das Klipschorn macht mit seiner unangestrengten und unverzerrten Wiedergabe auch bei hohen Pegeln richtig Spaß. Und das sage ich, der eigentlich kein ausgemachter Hornfan ist. Allerdings auch kein Gegner. Das AK 6 ist ein Ausnahmelautsprecher in jeder Hinsicht: Preis, Gewicht, Wirkungsgrad, Klang. Einen Designpreis gewinnt es vielleicht nicht, aber das geniale Konzept von Paul W. Klipsch funktioniert.