Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

STANDBOX: RAFFINIERTE WANDLUNG


Audio - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 11.01.2019

Die SA Legend 60 hat gleich drei Leben: ein passives, ein aktives und eines, das sie nach einer weiteren Wandlung drahtlos hinterlässt. Ein Märchen?


Artikelbild für den Artikel "STANDBOX: RAFFINIERTE WANDLUNG" aus der Ausgabe 2/2019 von Audio. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Audio, Ausgabe 2/2019

IM RAUSCH DER TIEFE : Dank Aktivmodul und digitaler Entzerrung schöpft die SA Legend 80 Silverback abgrundtiefe Bässe aus dem 20 cm schmalen Gehäuse.


TEST
Standbox

S. A. LEGEND 60 SILVERBACK MIT SYSTEM AUDIO STEREO HUB 9000 €

Die Legende, deren Überlieferung sich der Autor der folgenden Zeilen verschrieben hat, verfügt über die Sekundärtugenden eines Fortsetzungsromans. Zwar kann man wie in der Literatur auch bei System Audio gleich in die dritte Episode ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Audio. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 2/2019 von SZENE:HIFI-TICKER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SZENE:HIFI-TICKER
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von SZENE: HÄNDLERTERMINE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SZENE: HÄNDLERTERMINE
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von STANDBOX:EIN FEINER KARL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
STANDBOX:EIN FEINER KARL
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von STANDBOX:ABSOLUT LINIENTREU. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
STANDBOX:ABSOLUT LINIENTREU
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von KOMPAKTBOX: EHRE DEN KLEINEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KOMPAKTBOX: EHRE DEN KLEINEN
Titelbild der Ausgabe 2/2019 von KOMPAKTBOX: WIE EINST IM MAI. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KOMPAKTBOX: WIE EINST IM MAI
Vorheriger Artikel
STANDBOX:EIN FEINER KARL
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel STANDBOX:ABSOLUT LINIENTREU
aus dieser Ausgabe

... einsteigen. Im Falle der Legend 60 Silverback verliert man dabei trotzdem nicht den Faden, aber den Draht. Zum Gesamtpreis von 9000 Euro bekommt man beim dänischen Hersteller ein Paar Wireless-Lautsprecher mit einem Stereo Hub, an dem dann alle Anschlüsse gebündelt werden.

Man kann es so wie wir machen, um Zeit zu sparen. Man kann aber auch die SA Legend von Anfang an erleben und an der Heldenreise der beiden Protagonisten in allen Facetten teilhaben. Das dauert dann zwar länger, senkt aber die Schwelle zum Einstieg.

Wer den Mythos von Anfang an erleben möchte, muss zunächst nur 6000 Euro für die beiden passiven Legends hinlegen. Man erhält einen 3-Wege-Bassreflex-Lautsprecher in Gestalt einer schlanken Säule, die 1,2 m vom Boden emporragt. In diesem Fall heben sich die beiden Boxen vor allem durch ihr markantes, realtiv wohnraumfreundliches Design von der Konkurrenz ab. Die Technologie bleibt in diesem Fall aber eher konventionell. Die schlanke Form wird möglich, weil System Audio statt auf einen XXL-Bass auf eine Reihe kleinerer Membranen setzt.

In Folge 2 durchläuft die Legend eine wundersame Wandlung: Aus der Passiv-Box wird ein kraftvoller Aktiv-Lautsprecher, der autark, vom Verstärker emanzipiert seinen Weg geht. Dazu muss der Besitzer oder der Händler seines Vertrauens die rückseitige Frequenzweiche herausnehmen. An ihrer Stelle wird ein Aktivmodul mit vier Endstufen in das hochwertig verarbei tete Gehäuse eingesetzt. Die Gesamtleistung dieses Power Packs liegt bei stattlichen 560 W pro Lautsprecher. Damit verschwinden auch die passiven Weichen-Bauteile aus den Signalweg. Im DSP findet nicht nur die Aufteilung in die einzelnen Frequenzbereiche statt, die Konstrukteure machen Gebrauch von der Möglichkeit der digitalen Entzerrung. Das versetzt den vergleichsweise zierlichen Lautsprecher in die Lage, in Tiefen vorzudringen, die Vertretern seiner Art sonst verschlossen bleiben.

LICHTZEICHEN : Die Fernbedienung gleicht durch 2-Wege-Funk zum Stereo Hub mit LEDS dessen fehlendes Display aus.


GUIDE-KULTUR : Die extrem leichte und beschichtete Seidenkalotte besitzt eine akustische DXT-Linse. Der Waveguide optimiert das Abstrahlverhalten.


DÄNEN LÜGEN NICHT

System Audio verspricht für die aktive Legend 60 Silverback spektakuläre 17 Hz als untere Grenzfrequenz. Man muss kein Literaturexperte sein, um bei mythischen Geschichten im Hinterkopf zu behalten, dass sich bei deren Überlieferung die eine oder andere Übertreibung eingeschlichen haben könnte. Doch wie hieß es einst so schön in der ausgezeichneten Werbung eines anderen Boxenbauers aus dem Land der Wikinger? Dänen lügen nicht. Und tatsächlich: 17 Hz sind im Grunde sogar noch untertrieben. Der-6-dB-Punkt der SA Legend lag bei der Messung in unserem Labor bei unglaublichen 11 Hz! Strenger bewertet sind es immer noch sagenhafte 21 Hz bei-3 dB. Wer Spaß am Bass und darüber hinaus 8000 Euro übrig hat, der dürfte geneigt sein, an diesem Punkt der Geschichte einzusteigen und den Aufstieg aus bescheidenen Verhältnissen zum Superhelden glatt überspringen. Die meisten Erzählungen wären jetzt schon am Ende angekommen, frei nach dem Motto: „Und wenn sie nicht gestorben sind, so beben sie noch heute.“ Doch diese Legende ist so lang und facettenreich, dass selbst Homer, Erzähler der Odyssee, ins Staunen käme.

In der dritten und letzten Episode kommt eine Art Metaebene ins Spiel. Nachdem die SA Legend mit den Segnungen digitaler Aktiv-Technologie die Grenzen der Physik zwar nicht überwunden, doch sehr tief in den Frequenzkeller verschoben hat, kommen jetzt unsichtbare Kräfte ins Spiel. Wie bei Odysseus und anderen großen Seefahrern, startet das neue Abenteuer der SA Legend mit dem Kommando „Leinen los!“ In der dritten und höchsten Ausbaustufe kommt ein neuer Freund unserer Helden ins Spiel, um sie von der Knechtschaft lästiger

Lautsprecher-Leinen zu befreien (Anhänger von Kabel-Mythen müssen jetzt ganz stark sein). Dieser neue Verbündete mag unscheinbar daherkommen, doch er besitzt bemerkenswerte Fähigkeiten: Für 1000 Euro liefert der Vertrieb von Robert Ross ein Wireless-Hub mit Fernbedienung. Dieser kleine Helfer hat es verdient, nicht nach seinem Äußeren, sondern nach seinem Können beurteilt zu werden. Die Blackbox verwandelt die SA Legend in einen manigfaltigen DLNA-kompatiblen HiRes-Drahtlos-Lautsprecher mit 24 Bit/192 kHz. Ihr schmuckloses Kunststoffgehäuse, das ihr den Look eines WLAN-Routers verleiht, hat keine monetären, sondern technische Gründe: Im Inneren sitzen Antennen, deren Signale nicht durch ein schmuckes Metallgehäuse abgeschirmt werden sollen. Dieses Zubehör ist in unserem 9000 Euro teuren Set bereits enthalten. Zum Glück liegt der SA Legend auch eine Art Kurzgeschichte bei, die verständlich erklärt, wie man die weißen Hünen in Betrieb nimmt. Wer die einzelnen Komponenten einfach nur mit der Steckdose verbindet und einschaltet, kommt ähnlich weit wie die Opfer im Labyrinth des Minotaurus. Der Leitfaden schildert, wie man überhaupt erst die Fernbedienung für das System initialisiert und wie man die beiden Lautsprecher mit dem Stereo Hub verbindet und ihnen außerdem vermittelt, für welchen Kanal sie zuständig sind. Im Moment ist Stereo das Limit, doch in Kürze soll auch Surround-Betrieb drahtlos möglich sein.

HERKULESAUFGABE : Die Tieftöner der SA Legend wurden extra für diesen Lautsprecher entwickelt. Ihre Carbon-Membranen sind leicht und steif.


ZEITLOS SCHÖN : Das Gehäuse der SA Legend 60 überzeugt durch hochwertige Verarbeitung und Details wie die Schattenfuge hinter der Schallwand.


NÄCHSTE STUFE : Die Elektronikmodule der SA Legend 60 Silverback sind schon für den Einsatz in 7.1-Surround-Systemen vorbereitet. Allerdings trat unsere Kombination noch mit dem bereits verfügbaren Stereo Hub an.


ENDE LEGENDE? DA KOMMT NOCH WAS

Bevor man aber zum gemütlichen Teil übergehen kann, muss man sich noch die Google Home App für iOS oder Android auf sein Smartphone herunterladen und sich von deren Dialog durch die Installation führen lassen, die wie üblich bei Chromecast an einer Registrierung bei Google nicht vorbeiführt, sofern man nicht schon einen Account hat. Nach diesem Schritt kann man als Apple-User auch auf sein vertrautes AirPlay zurückgreifen, um seine Songs vom iPhone an die Lautsprecher zu senden.

Der HDMI-Anschluss am Hub spielte jedoch nicht wie erhofft mit Bluray-Playern zusammen. Er ist für Flatscreens gedacht, die einen Eingang mit Audio-Rückkanal (ARC) bieten. Für Digital-Audioquellen ist ein koaxialer S/PDIF-Ein gang zuständig. Der USB-A-Anschluss bleibt zum Aufspielen von Updates vom Memorystick reserviert. Es gibt aber einen USB-B-Anschluss, um den Hub als DAC für Computer zu verwenden.

DRAHTLOSER DREH- UND ANGELPUNKT : Unter dem Kunststoffgehäuse des Stereo Hubs verbergen sich vier Antennen, weshalb ein Metallgehäuse nicht in Frage kam. Das kleine Wireless-Modul kann Bluetooth, WLAN und kommuniziert mit den Lautsprechern und der Fernbedienung. Der HDMI-Eingang funktioniert nur in Verbindung mit Ausgängen, die ARC unterstützen. USB-A bleibt Software-Updates vorbehalten.


UNE RSCHÜTTERLICH : Für sicheren Stand und filigranes Aussehen stützt sich die SA Legend auf Alu-Brücken.


STABILE DRAHTLOS-WIEDERGABE

Auch wenn sich bei der Annäherung an die SA legend 60 Silverback einige unerwartete Wendungen ergaben, konnten wir dem Showdown gelassen entgegen sehen. Die Drahtloswiedergabe funktionierte stabil und becircte uns beinahe wie die Sirenen der Odyssee. Die skandinavischen Boxen begeisterten durch ihre schöne Stimme, um im Bild zu bleiben. Sie malten in satten, warmen Klangfarben, die authentisch wirkten. Die Obertonwiedergabe war spritzig und detailreich wie die Schilderungen in einem Epos. Trotzdem fehlte der Wiedergabe jegliche Schärfe. Zum Hörplatz angewinkelt, bot sich ein exzellenter Fokus in Verbindung mit einer stabilen, plastischen Abbilung. Die in sich stimmige Performance war angenehm wie Prosa, hatte aber etwas Lebendiges und Ansprigendes, das einen mitriss. Keine Frage: Die Legend lebt. Sie bebte auch, wenn die über sie dargebotenen Aufnahmen den entsprechenden Tiefgang besaßen. Was die grazilen Klangstatuen an Bassfundament und fülle boten, verdient es, auch späteren Generationen durch diese Aufzeichnungen überliefert zu werden. Allerdings sollte man dazu die obersten Stufen der Lautstärkeanzeige auf der Fernbedienung nicht zum Leuchten bringen, weil sonst der Limiter den ohnehin nicht gerade staubtrockenen Bass spürbar einbremst.

FAZIT

Stefan Schickedanz
Audio-Mitarbeiter

Sicher, ich kenne den einen oder anderen Drahtlos-Lautsprecher, der noch einfacher zu handhaben ist. Aber ich kenne keine vergleichbare Verbindung aus Flexibilität und Klangqualität. Besonders gefällt mir die Möglichkeit, erst mal mit der Passivversion der Legend 60 zu beginnen und sich dann die sagenhafte Wireless-Welt im Nachhinein zu erschließen. Eine unendliche Geschichte.

MESSLABOR

Bei der Legend 60 setzt System Audio auf eine massive Tiefbassentzerrung, die aus den recht kleinen Chassis einen rekordverdächtigen-3-dB-Punkt von 21 Hz kitzelt. Kehrseite der Abstimmung ist die niedrige Maximallautstärke im Tiefbass, die bei lediglich 83 dB pro Box und Meter liegt. Im restlichen Frequenzbereich liefert der Lautsprecher problemlos über 100 dB Schalldruck, wie das Klirrdiagramm zeigt.