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STANDBOX: STARKE RIPPE


Audio - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 07.12.2018

Aluminium ist schön. Aber eine Diva. Die beherrscht sein will – Gauder Akustik stellt mit der DARC 80 einen Traumwandler vor, sichtbar wie hörbar. Allein: Wir müssen fest darauf sparen.


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Bildquelle: Audio, Ausgabe 1/2019

MASSIV BIS IN DIE FÜSSE : Die Bassreflexenergie wird gen Boden gepustet. Auf Wunsch gibt es auch eine extra-große Standebene. Natürlich mit höhenverstellbaren Spikes.


Wie sieht der moderne Ritterschlag für einen Lautsprecherhersteller aus? Ganz naiv wäre die Antwort: Er findet seine Zielgruppe, die Umsätze schießen durch die Decke, die Millionen fließen auf sein Konto.

Diesen Glücksfall gibt es im heutigen Geschäft nicht ...

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... mehr. Jeder Hersteller verdient in kleinen Schritten seine ebenfalls kleinen Brötchen. Also? Die Wunschfee könnte einen Investor schicken. So ist es Gauder Akustik widerfahren. Das Bundesministerium für Forschung und Entwicklung hat seine neuesten Einfälle gesponsert. Das war keine Riesensumme; da wird man nicht satt – aber das Zeichen ist gewaltig. Eben der ersehnte Ritterschlag. Die Beamten des Ministerium hielten Gauders Gedanken für förderungswert. Der Mann aus Renningen hat sich darauf versteift, den perfekten Lautsprecher im Aluminiumgehäuse zu erschaffen.

Ein schwieriges Unterfangen. Denn Aluminium leitet den Klang unerbittlich. Aus Alu könnte man Glocken gießen – es klingelt und scheppert. Die meisten Hersteller behelfen sich mit Bitumenmatten und umfangreicher Bedämpfung. Manche kaschieren sogar: Das Gehäuse selbst besteht aus Holz, und eine Aluhaut wird darüber gelegt.

Wozu überhaupt der Aufwand? Weil Aluminium zum Fetisch der Gegenwart gehört. Es gibt Fans des Materials – die meisten lassen ihre Elektronik in gebürstetem Alu glänzen und wünschen sich auch die passenden Lautsprecher hinzu. Ein großes Feld. Das eben Dr. Roland Gauder beackern will. Dazu braucht es Gehirnschmalz. Sein Konzept: Das Alu wird naturbelassen aufgestapelt, in aufwändig berechneten Rippen, die jede Eigenschwingung und jede Klangverfärbung eliminieren. Er erfand die „Dynamic Aluminium Ripp Construction“ – kurz „DARC“. Dahinter stehen etliche komplexe Gedankengänge. So soll das Gehäuse nicht nur schön aussehen, sondern auch die klanglichen Werte von Aluminium bestens präsentieren. Das Gehäuse soll stumm gegen Eigenschwingungen sein, zugleich aber auch nicht überdämpft – es geht nicht darum, Klangenergie zu vernichten. Wer tiefer in die DARC 80 hineinschaut, ent-deckt einen überaus komplexen Aufbau: Jede Rippe basiert auf Unterelementen; dazwischen liegen Waben, die die unterschiedlichen Kammern abgrenzen. Alles glänzt, nirgends das Grau von Dämmmaterial. Subtext: Dieser Lautsprecher soll ebenso unangreifbar wie schnell sein.


„EINE PRÄSENZ WIE AUF DEM DIRIGENTEN-PULT“


BAUSTEINE : Gauder setzt für die DARC 80 eine Rippen-Konstruktion mit Zwischenringen zusammen. Alles entsteht am deutschen Firmenstandort.


Die Gesamtkonstruktion folgt den Spielregeln eines 2,5-Wege-Systems. Zwei Basschassis teilen sich die Tiefenanteile, der untere Wandler wird ab 120 Hertz recht steil aus dem Klanggeschehen ausgekoppelt. Die Chassis kauft Gauder bei der feinsten, aber auch teuersten, Quelle an – beim deutschen Hersteller Accuton. Die Membranen bestehen aus Keramik und werden so nur für Gauder hergestellt. Der obere Bass/Mitteltöner rackert in einem eigenen Subgehäuse, komplett ohne Bassreflex-Öffnung. Das ist stringent bis kompromisslos. Ebenso verfährt Gauder auch bei der Frequenzweiche. Die geht extrem steilflankig zur Sache – bei 60 dB/ Oktave. Was Verzerrungen und Überlappungen keine Chance lässt, parallel soll die Phasengenauigkeit steigen. So opulent die DARC 80 mit ihren 65 Kilogramm wirkt, so entschlackt ist sie auf Tempo und Präzision getrimmt.

Die eigentlichen Probleme so einer Superbox tauchen erst im Raum auf. Da reflektiert die Wand, da schwingt sich der Tiefbass auf – alles kein Problem für die DARC 80. Auf ihrem Anschlussterminal wurde ein Feld mit unterschiedlichen Steckbrücken eingelassen. Hierüber kann der Kunde – oder besser: der versierte Händler – einen kleinen Equalizer anlegen. Wahlweise lassen sich Bass und Höhen bis 1,5 Dezibel zähmen oder anheben.

Wie der Kunde auch die Wahl bei den weiteren Feinheiten hat. So setzt Gauder zwei verschiedene Hochtöner ein. In der Standardvariante klingt eine Keramik, für 8000 Euro mehr gibt es eine Diamantmembran. Man ahnt bei dieser Zahl, dass auch der Grundpreis recht üppig ausfallen muss – tatsächlich: 30000 Euro veranschlagt Gauder für die Standardvariante. Wer noch weiter in den firmeneigenen Himmel aufsteigen will, für den gibt es einen extra-großen Standfuß (plus 4000 Euro) und eine massive, vergoldete Kabelbrücke (plus 300 Euro). Wären wir wohlhabende Russen mit einer Datscha vor den Toren Moskaus, dann würden wir zudem wahrscheinlich die Gehäuse-Variante mit 24-karätiger Goldauflage wählen. Klischee zwar, aber ein Zeichen dafür, dass alles technisch möglich ist, Platin inklusive.

NUR HIER : Der deutsche Edelhersteller Accuton baut für Gauder Akustik maßgeschneiderte Chassis mit Keramikmembran – teuer aber erstaunlich schnell.


SCHLANKE FORM : Trotz des üppigen Gewichts von 65 Kilogramm wirkt die DARC 80 schlank – die Formsprache ist elegant. Auch ein Produkt aus deutscher Schmiede.


WER IST ANGESPROCHEN?

Wobei so langsam und subtil die Frage nach der Zielgruppe aufkommt. Nicht jeder hat 30000 Euro für eine zugegeben elegante Standbox auf dem Konto. Wieviel daran ist Inszenierung, wieviel echter Klanggewinn? Lauschen wir hinein. Als erste Testmusik haben wir eine frühe Digitalaufnahme zugestreamt – Herbert von Karajan dirigiert die Planeten-Suite von Gustav Holst. Die Berliner Philharmoniker sind in Topform, ebenso die Tontechniker. Obwohl hier nur 16 Bit anliegen, ist der Klangrausch enorm. „Mars“ bahnt sich seinen Weg mit einem exzessiven Crescendo. Ist der Lautsprecher nicht souverän, bricht zuerst das Klangpanorama ein, dann folgt die Dynamik. Die DARC 80 zeigte, wie es sein muss: Hier schwappte eine regelrechte Welle auf den Hörplatz zu – bedrohlich, dabei aber reich an Informationen. An dieser Stelle bereuten wir unsere Naivität: Wir kannten zu viele matte Lautsprecher und haben deshalb das Rädchen am Verstärker recht hoch gedreht – was die Gauder-Box liebte, aber auch unerbittlich ausnutzte. Sie wurde extrem laut. Dabei aber nicht eng oder harsch – wir waren fasziniert: So müssen sich die Berliner Philharmoniker anhören, wenn man auf dem akustisch idealen Platz des Dirigenten steht.

Im Pop und Rock würden wir vom „Punch“ sprechen – der gezielte Schlag auf den Solarplexus. Da wollten wir einen der ganz großen Meister dieser Kunst hören: Charly Antolini, der Schweizer Edel-Schlagzeuger. Der mit seinen Aufnahmen so viele Lautsprecher in den Orkus befördert hat. „Knock Out 2000“ ist so eine Scheibe, die manchmal recht wenig Musik enthält, dafür aber Extrempegel und Brachial-Dynamik. Schlechte Lautsprecher mühen sich an diesen Impulsen ab, gute Lautsprecher bleiben stabil auf Achse. Aber nur die besten Lautsprecher lassen daraus einen Zauber entstehen. Genau in dieser Top-Liga war die DARC 80 daheim. Sie musste nicht rackern, sich nicht quälen; das war lässig und elegant. Dazu gesellte sich ein Höchstmaß an Analyse. Da stimmte das innere Timing zwischen Anschlag und Bassimpuls.

Wer schlau ist, spart – und verzichtet auf Gold wie Platin. Die schöne Rohversion der DARC 80 mit Aluminiumglanz sieht nicht nur perfekt aus, sondern kombiniert auch wuchtigen Drive mit allen Vorzügen eines edlen Studiomonitors.

MESSLABOR

Typisch für die DARC 80 ist der bis 96 dB laute und bis 34 Hz hinabreichende Bass. In den oberen Mitten fallen kleinere Welligkeiten auf, während die nah beieinander verlaufenden Graphen zeigen, dass die Abstrahlung in den Raum sehr homogen gelingt. Das fast nur im Bass ansteigende Klirrdiagramm zeugt von sauberer Spielweise auch bei höheren Pegeln. Zur Box passen idealerweise Verstärker ab derAUDIO-Kennzahl 68 .

WIE EIN HOCHHAUS : Komplex kombiniert Gauder Akustik im Inneren der DARC 80 Verstrebungen und Wabenstrukturen. Das Konzept kommt ohne weitere Dämpfung aus.


FAZIT

Andreas Günther Audio -Mitarbeiter


Stimmt der Preis? Knirschend sagen wir ja: Das Konzept wie das Finish fressen Entwicklungskosten. Umgekehrt: Der klangliche wie finanzielle Gegenwert hält über Jahrzehnte. Nur für weit mehr Geld gibt es mehr Auflösung und Finesse. Deshalb: Hier spielt ein Meister seiner Klasse.