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STANDBOX:ABSOLUT LINIENTREU


Audio - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 11.01.2019

Piega huldigt auch mit der neuen Master Line Source 3 dem Prinzip der Linienschallquelle. Überdies bleiben die Schweizer auch anderen bewährten Grundsätzen treu.


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Bildquelle: Audio, Ausgabe 2/2019

DIE PIEGA LIEFERT WIEDER ABSOLUTE SP ITZENTECHNIK

Ersparen Sie sich die Enttäuschung. Jedenfalls zunächst. Legen Sie zum Hörtest beim Händler – in jedem Fall Pflichttermin beim High-End-Kauf – nicht unbedingt als erstes Ihre Lieblingsscheiben auf. Jedenfalls nicht, wenn Ihre Favoriten massiv komprimierte, in den Höhen limitierte und im Bass reduzierte Pop- und Rockproduktionen der Jetztzeit oder klanglich kastrierte Kunstwerke der späten 1970er- ...

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... und frühen 1980er-Jahre sind. Und vor allem dann nicht, wenn Ihr Interesse – und das wollen wir nach diesem Test einmal mutig garantieren – der neuen Piega Master Line Source 3 gilt. Denn so viel sei mutig vorweggenommen: Dieser 32000 Euro teure Standlautsprecher spielt dermaßen neutral und unbestechlich auf, dass er einen mit exzellenten Aufnahmen in den siebenten Klanghimmel entführt. Und mit schlechten, selbst künstlerisch wertvollen, zwar nicht Höllenqualen leiden, aber doch der Seligkeit fern bleiben lässt.

Aber die Veredelung von Akustikschrott in Klanggold stand womöglich gar nicht auf der Agenda des Entwicklungsteam aus Horgen. Dort hat sich Kurt Scheuch, der über Jahrzehnte Piegas Klanggeschicke als Entwicklungsleiter bestimmte, nun tatsächlich in den Ruhestand verabschiedet. Was nicht heißt, dass der leidenschaftliche Motorradfahrer nur noch den wunderschön gelegenen Firmenhauptsitz am Zürichsee umkurvt. Da steht er schon noch „beratend und ab und zu mit einer Idee“ dem jetzigen Entwickler Daniel Raymann zur Seite, wie er das typisch Schweizerisch untertreibend formuliert. So sei die Master Line Source 3 fast vollständig Raymanns Werk. Doch die Nummer 3 ist auch – zumindest äußerlich – definitiv die kleine Schwester der MLS 2, die den Autor beim Test in AUDIO 8/16 unglaublich bespaßte. Und die noch ein echtes Scheuch-Baby war.

ERNEUT AUF LINIE

Der Familienname Master Line Source deutet ja schon an, dass auch die 3er dem Ideal der Linienquelle folgt. Sie will den Schall also als kohärente Zylinderwelle in den Raum strahlen. Dieses vereinfachend vertikal genannte Ideal unterscheidet sich fundamental von dem der Punktschallquelle, das möglichst alle Schallerereignisse auf einen Abstrahlpunkt konzentrieren will. Rega frönt diesem Ideal auch, mit seinem schon legendären Koaxial-Töner C 111. Das Mittelhochtonbändchen strahlt in der Coax-Serie zum Beispiel in den Modellen C 511 und C 311 Präsenz- und Obertonbereich aus einem akustischen Zentrum ab.

NOCH SCHLANKERE LINIE :
Das neue Mitellhochton-Bändchen LS 111 baut etwas schmaler als das in der MLS 2.


Der neue Spitzentechniker namens Line Source Driver 111 hat zwar die gleichen Abmessungen, aber hier flankieren die optisch jeweils sechs Mitteltonsegmente (in dem der MLS 2 waren es deren zwölf) das zentrale Hochtonbändchen. Die etwas verkleinerte – elektroakustisch zusammenwirkende – Fläche des Mitteltöners macht den Unterschied zum Treiber in der MLS 2 aus, ansonsten funktionieren beide gleich, also nach dem magnetostatischen Prinzip. Extrem starke Neodym-Magnete – im LS 111 mit zusätzlich in die Frontplatte montierten Stäben – bilden ein homogenes Dauermagnetfeld. Darin schwingen die nur 20 Tausendstel mm (20 μ) starken, mit einer speziellen Strukturprägung versehenen Aluminium-Membranen, auf denen in einem aufwendigen SprühnebelÄtzverfahren aufgebrachte Flachspulen als Leiter fungieren. Liegt an denen nun Wechselspannung vom Verstärker an, entsteht ein elektromagnetisches Feld, das mit dem Dauermagnetfeld interagiert – die Folie schwingt im Takt des Wechselstroms und erzeugt Schall.

AUCH NACH HINTEN

Gleich vier dieser LS 111 erzeugen übereinander angeordnet gemeinsam mit den beiden, von Linkwitz-Riley-Filtern mit einer strammen Flankensteilheit von 24 dB pro Oktave angekoppelten Tieftönern nun die angesprochene Line Source. Doch die Piega Master Line Source bedeutet ja zudem noch „Dipol mit akustischer Linse“. Das heißt, der von den teuren Tönern ins Innere eines Gehäuses abgestrahlte und dort normalweise mit viel konstruktivem Aufwand in „unschädliche“ Wärme verwandelte Schall darf nach hinten austreten. Eine natürliche Schallquelle wird ja auch nicht akustisch halbiert. Nun ist es im richtigen Lautsprecher-Leben aber gar nicht so einfach, direkten und indirekten Schall in Einklang zu bringen. Piega hat sich auch dazu eine Menge einfallen lassen. Und bringt deshalb rückwärtig oberhalb des Wooferparts des aufwendig „mundtot“ gemachten Holzgehäuses mit fest verklebter, massiver Aluminium-Schallwand eine Art Lamellenstruktur an. Die hat die Aufgabe, die Schallanteile wie ein Streukegel diffus im Rückraum zu verteilen. Der Nutzer kann diesen Anteil nach eigenem Geschmack ausrichten, in dem er in jedes Segment Schaumstoff applizieren und damit die räumliche Abblidung nicht unerheblich beeinflussen kann. Wir ließen die Dämpfer erst einmal außen vor und konnten so im Hörraum hinter den Lautsprechern fast schon die gleichen Klänge vernehmen wie davor.

NOCH STÄRKERER SCHUB : Das Tieftonchassis L 19 UHQD baut Seas für Piega nach deren Vorgaben. Antrieb, Aufhängung, Korb und Membrane lassen extreme Thiele/Small-Parameter zu.


Damit das am Hörplatz befriedigend zusammenkommt, muss der Eigner einer Piega MLS 3 viel Zeit zukommen lassen. Schließlich gilt es, die pro Lautsprecher immerhin 65 Kilogramm Zentimeter für Zentimeter zu rücken, bis der Abstand zu Rück- und Seitenwänden stimmt. Wir empfehlen, zunächst recht große Abstande um 1,50 Meter zu wählen und sich dann in 5-cm-Schritten „zurückzuarbeiten“. Und wir empfehlen dringend, die Endstufen nicht zu klein zu dimensionieren.

Eine MLS 3 braucht Leistung, zwei brauchen die erst recht. Da kamen ihnen die nahezu unerschöpflichen Monoblöcke Emperor Extreme von German Physiks (AUDIO 12/18) gerade recht.

LEISTUNG UND ZEIT WERDEN BELOHNT

ERNEUT AN DIE SPITZE

Die kaiserlichen Endstufen bliesen der eidgenössischen Schönheit ordentlich den Marsch, wobei für ein paar Stunden erst einmal schnödes Rauschen angesagt war, denn die LS 111 wollen lange eingespielt sein.

Dann aber lohnen sie die viele investierte Zeit und Leistung mit einer Spielfreude, die ihresgleichen sucht. Der Autor hatte zum Test etliche der im Musikteil vorgestellten Vinylscheiben mitgebracht, darunter das audiophil leuchtende „Spotlight On Jazz“ von Simone Kopmajer. Deren Drummer spielt im Titel „You Don‘t Call Me“ sein Ride-Becken sehr nahe an der Glocke und damit sehr „konkret“. Die Piega brachte das hervorragend rüber, jeder Schlag, manchmal eine Winzigkeit stärker oder schwächer, tanzte förmlich im Raum. Und wenn ein Crash-Becken dazu Akzente setzte, meinte man fast, die Bronze im „Spotlight“ blitzen zu sehen. Dazu brummte und knurrte der gewaltige Kontrabass sehr markig und sauber definiert – vorausgesetzt, die Aufstellung stimmte. Dass die Stimme makellos unverfärbt, mit allen Nuancen und auch in der richtigen Größe erklang, nahm die Jury fast schon als selbstverständlich. In Sachen Detailtreue setzte sich die MLS 3 wie von Piegas gewohnt mit an die Spitze.

MESSLABOR

Die Frequenzgangmessung bei Dipolen zeigt meist zerklüftete Linien. Die Messkammer schluckt zudem den von der Piega Master Line Source 3 nach hinten abgestrahlten Mittel-Hochtonanteil, sodass der bei der Front-Messung zu leise wirkt. DieAUDIO-Kennzahl 85 liegt sehr hoch, der Wirkungsgrad damit sehr niedrig. Da der Maximalpegel aber auf 98 dB begrenzt ist, reichen Verstärker ab AK 61.

NOCH MEHR RAUM : Die akustische Linse diffundiert den nach hinten abgestrahlten Schall. Schaumstoff kann ihn dämpfen.


NOCHMAL ZUR MAHNUNG

Das brachte auch mit groß besetzten Orchestern, zart besaiteten Singer-Songwritern und auch knackigem Pop der Schweizer Landsleute von Yello reichlich Spaß. Die schlanke Standbox konnte auch richtig breite und tiefe Bässe schieben, Dynamik entfesselte sie erhebend mühelos. Doch wehe, sie bekam die wundervolle Artrock-Scheibe „Hemispheres“ von Rush aus dem Jahr 1978 oder auch die neue, musikalisch ganz wunderbare Progrock-Produktion „Wasteland“ von Riverside vorgesetzt. Dann machte sie – bei noch immer wacker hochgehaltenem Fun-Faktor – überdeutlich, mit welch mediokrem Material sie es hier in klanglicher Hinsicht zu tun hatte. Ersparen Sie sich und diesen Lautsprechern für ein Urteil also Mittelmaß. Sowohl, was die Elektronik als auch was die Aufnahmen angeht. Gönnen Sie sich und den Lautsprechern etwas – und Sie gewinnen einen edlen Traum-Wandler.

NOCH TIEFERE BÄSSE :
Auf der Rückseite unterstützen zwei Passivmembranen den Bass, der per Bi-Wiring separat angesteuert werden kann.


FAZIT

Lothar Brandt
Audio-Mitarbeiter

Muss ein Lautsprecher mit jedem Tonträger gut klingen? Muss er nicht. Darf er das so gnadenlos zeigen? Darf er, wenn er sonst zu klanglichen Höchstleistungen taugt. Piegas Master Line Source 3 kann unglaublich faszinieren, aber sie schmeichelt sich nicht ein. Die Schweizer liefern wie gewohnt ehrliche Arbeit auf technischem Top-Niveau. Auch hier bleibt Piega absolut linientreu.

NOCH VARIABLERE FARBGEBUNG :
Auf Wunsch bekommt man die Piega MLS 3 auch in anderen als den abgebildeten Farben.