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STANDBOXEN: Günstige Skyline


Audio - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 08.03.2019

Davon hatten wir geträumt, davon träumen noch viele: Standlautsprecher, die um/unter 1000 Euro kosten. Das war vor wenigen Jahren noch ein Ding der Unmöglichkeit. Nun zeigen die Hersteller ihre Kraft und ihr Können auch im Günstig-Gewand.


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Bildquelle: Audio, Ausgabe 4/2019

Lautsprecherentwickler verfügen nicht über magische Kräfte. Obwohl es manchmal so aussieht. Beispielsweise in diesem Testfeld. Wir haben uns eine Grenze gesetzt – Standlautsprecher um/ unter 1000 Euro. Vor einigen Jahren hätten die Hersteller bei einer Anfrage noch gelacht: Für so wenig Geld gibt es vielleicht kompakte Zweiwegler, aber doch keine ausgewachsenen ...

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... Standboxen. Mittlerweile hat sich der Markt gedreht – Standboxen sind auch für kleine Summen zu haben. Es liegt daran, dass die Hersteller viel Know-how in ihren Top-Serien angehäuft haben und dieses Wissen nun in günstigere Regionen durchsickern lassen. Ein sparsamer, High-End-freudiger Student kann sich also die Spitzentechnologie eines Herstellers leisten, ohne in ein finanzielles Fiasko zu rutschen.

Der günstigste Teilnehmer in unseren Testfeld stammt von Elac. Die Company sitzt in Kiel und fertigt dort ihre Edelwandler. Aber es gibt auch eine US-amerikanische Tochter, die sich nicht an diese Spielregeln halten muss. Ein toller Entwickler brütet hier, gefertigt wird, wo der Lohn günstiger ist. Macht 700 Euro für die Debut F5.2. Der klangliche Gegenwert liegt deutlich höher: Das ist ein fairer, grundehrlicher Lautsprecher, der erste Gefühle von High-End in die kleine Bude bringt.

Verwandt ticken auch die anderen Hersteller in diesem Testfeld. Die Chassis der gehobenen Serien werden hier oft auf kleinem Raum verbaut – das MDF ist einen Hauch dünner, die Konstruktion nur mit Vinyl überzogen und nicht mit teurem Furnier.

Doch es gibt auch Spielregel-Brecher, etwa die Mission QX-4. Das ist ein hochgewachsenes Monstrum mit 21 Kilogramm Lebendgewicht. Wuchtige Spikes koppeln gen Boden ab, dazu gibt es noch ein ausgewachsenes Bi-Wiring-Terminal – weit und breit nicht der Hauch von Sparsamkeit. Wer sein Wohnzimmer auch optisch adeln will – hier ist ein ganz heißer Kandidat.

Was alle sieben Testteilnehmer vereint: Keiner von ihnen ist ein Showman – die Frequenzgänge messen sich linear, hier wird HiFi mit höchster Ehrlichkeit betrieben. Die Lautsprecherentwickler der Gegenwart mögen keine Magier sein – aber sie verstehen ihr Handwerk und ihr Ethos.

CANTON GLE 476.2: 840 EURO

CANTON VEREINT SCHLAUHEIT MIT CHARME


MODERNER KLASSIKER : Das Finish ist geradlinig, die Verarbeitung ebenso. Wir lauschen einem 2,5-Wege-Konzept, die untere Bassmembran wird bei 300 Hertz sanft ausgeblendet.

Man wirft in der Klasse unter 1000 Euro nicht immer mit Duftstoffen um sich. Die meisten Hersteller sparen. Doch die Kunst liegt darin, zu wissen, an welchen Stellen man die Schrauben anlegen kann, denn im großen Finale geht es um den Klang.

Nach dieser Maxime hat Canton seine GLE 476.2 gebaut. Hier gibt es nichts, was der Musikfreund als Fetisch schnupfen könnte. Kein Weihrauch, kein massives Edelholz. Der Lautsprecher besteht aus MDF-Platten, die wahlweise mit schwarzer oder weißer Folie überzogen werden. Da kommt für die Augen und Hände nur begrenzte Leidenschaft auf. Und dennoch stimmt definitiv alles, was den Klang erhöht.

So verbaut Canton hier seine anerkannten Tiefmitteltöner. Die Diagonale liegt bei 18 cm, die Sicke ist mehrfach gefaltet, als Membranmaterial schwingt Aluminium. Wir haben es hier mit einem 2,5-Wege-System zu tun. Obwohl beide Chassis identisch sind, wird eines bei 300 Hertz ausgeblendet. Über 3200 Hertz wiederum springt der Hochtöner an, auch hier spendiert Canton das Feine des Hauses – eine 25-mm-Membran aus einem Aluminium-Mangan-Mix. Nominell reicht der Frequenzgang von 25 bis 40000 Hertz.

Gefertigt wird alles in der Canton- eigenen Fabrik in Tschechien. Die Verarbeitung ist zielgerichtet, die Frontbespannung sitzt magnetisch, im Rücken liegen eine Bassreflexöffnung und ein gutes Single-Wiring-Terminal. So baut man die gepflegte Einsteigerklasse.

Die ersten Takte belehrten uns eines Besseren: Hier zelebriert Canton nicht den Einstieg, sondern den Aufstieg. Das war ein großartiges, reiches Panorama, alles sehr stimmig, alles auf den Punkt. Zum Start haben wir ein paar Songs von Prince herbeigestreamt. Der Mann besaß ein Gespür für griffige Basslinien und smarte Gitarrenriffs. Das muss einen mit Druck aus der Boxenebene anspringen. Ein passender, guter Lautsprecher muss hier schnell sein und Spielfreude mitbringen. Die GLE 476.2 verfügte über diesen Antritt. Toll, welche Informationsdichte sie auf den Hörplatz schoss. Alles fügte sich stimmig; und so brillant sie aufspielte, so ehrlich war sie auch. Da tönte nichts überzogen oder gar scharf, die Membranen arbeiteten in schönster Geradlinigkeit.

KAMMERMUSIK MIT FEINGEIST
Deshalb gönnten wir uns zur finalen Einpunktung noch ein Häppchen Klassik. Franklin Cohen spielt die Klarinette, der berühmte Vladimir Ashkenazy begleitet am Klavier. Herrlich, wie die beiden Brahms-Sonaten hier erblühten, wie sich Samt mit schmachtenden Phrasen mischte – Kammermusik kann an einem guten Lautsprecher mehr faszinieren als das große sinfonische Gedeck. Die Canton vereint Schlauheit mit Charme – und der Preis ist mehr als fair.

CASTLE KNIGHT 4: 1000 EURO

DIE BRITEN HÖREN EINFACH ANDERS


NACH ALTER VÄTER SITTE : Die Knight 4 wirkt gediegen – ein Augenschmeichler fürs englische Jagdzimmer. So edel ist sie auch abgestimmt. Im Inneren verbirgt sich hier das Transmissionline-Prinzip.

Castle – das klingt nach britischer Noblesse und Beharrlichkeit. Tatsächlich war es um die Marke auf dem deutschen Markt nicht so stabil bestellt. Der Vertrieb wechselte, und zu manchen Zeiten konnten wir die feinen Briten nur im Mutterland bestellen. Nun hat Castle wieder eine Basis – IAD, die International Audio Distribution hat die Marke unter ihre Fittiche genommen. So können wir uns endlich in der typisch britischen Abstimmung sonnen. Denn auf der Insel tickt man anders – der Brexit mag nur ein Zeichen sein.

Schon die Form der Castle Knight 4 verrät viel über ihre Werte. Das wirkt ein wenig altertümlich. So werden in Kontinentaleuropa die Frontbespannungen magnetisch gehalten – die Briten hingegen tackern sechs Einschusslöcher auf die Front, in denen die Bespannung mechanisch hält. Optisch könnte dieser Lautsprecher als ein Relikt der 90er-Jahre durchgehen, was keineswegs abwertend gemeint ist. Damals gab es großartige Wandler von der Insel.

So gefällt die Bodenplatte mit den vier minutiös anpassbaren Spikes. Hinzu kommt die feine Oberfläche. Unser Testgerät war zum Beispiel mit Kirschholz überzogen – wirklich edel und eine Freude für Augen wie Finger. Wie minutiös sich der Knight 4 an den Hörraum anpassen will, zeigt auch die weitere Auswahl: Es gibt ihn in Walnut, Rosewood, Natural Oak, Mahogany, Antique Oak und Black Oak. Kein Lautsprecher in diesem Testfeld kommt mit mehr Kleidern daher. Da hinterfragen wir ganz laut den Preis, denn nur runde 1000 Euro will Castle für diesen Klangwandler.

Auch das weitere Konzept wirkt elegant-britisch. Wir sehen vor uns einen Hochtöner mit zwei identischen Tiefmitteltönern. Und wir fallen auf unsere Konditionierung herein, denn hier klingt – Überraschung – ein Aufbau nach Transmissionline-Prinzipien. Eine mächtige Achse trennt im Inneren die Chassis von der dahinter liegenden Öffnung. Castle nennt diesen Aufbau „Twin Pipe Technology“ – nice.

ETWAS FÜR CONNAISSEURE
Die Membranen bieten ebenfalls alte Werte: In der Tiefe schwingt ein hauseigener Papiermix, in der Höhe eine Seidenkalotte. So, wie es sein sollte. Distinguiert, aber nicht futuristisch.

Im Hörtest war schon nach wenigen Minuten war klar: Hier spielt ein Brite auf. Da gab es die typische Fixierung auf die Mitten, die mit Verfärbungen nichts zu tun hat, sondern ganz einfach mit einem anderen Geschmacksmuster. Die Engländer haben offenbar nichts am Hut mit fetten Bässen und heller Brillanz. Hier geht es sittsam zu – eben mit dem Feingefühl für die Welt dazwischen, den Samt, die Seide. Das hatte dennoch Kraft und bot eine faszinierende Abbildung von Singstimmen. Etwas für Connaisseure.

DALI OBERON 5: 800 EURO

WUNDERBAR GELÖSTE DYNAMIK


GUT WIEDERERKENNBAR : Dali färbt seine Membranen aus Holzfaser und Papier blutrot ein. Das Gesamtkonzept folgt den Spielregeln eines Zwei-Wege-Aufbaus. Alles entsteht in Dänemark.

Da ist er ja wieder, der rote Schimmer der Bassmembranen! Dali setzt gefühlt seit Jahrzehnten auf dieses Erkennungszeichen. Das sieht wunderbar eigenwillig aus und ist doch so einfach zu erreichen. Im Kern stehen wir vor einer Holzfasermembran. Dali mischt hier Papier mit gröberen Holzfasern und färbt das Ganze dunkelrot ein.

Die „Danish Audiophile Loudspeaker Industries“ unterhält eine eigene Fertigung im Norden von Jütland, Aalborg ist der nächstgrößere Ort. Alles, wirklich alles entsteht hier mit eigenen Kräften und eigenem Gehirn. Pünktlich zum 35-jährigen Bestehen hat Dali 2018 seine Oberon-Serie vorgestellt, die neueste im Katalog. Das Finish ist exzellent. Wir haben uns in die Version „Light Oak“ vorliebt. Die Front glänzt in Weiß, die Seiten in heller Eiche. Im Inneren des MDF-Gehäuses geht es erstaunlich sparsam zu. Alle drei Treiber teilen sich ein Kabinett und einen gemeinsamen Bassreflexport. Das Terminal folgt den Single-Wire-Gesetzen, sieht aber gehoben und edel aus.

Auf den Antrieb ihrer Membranen sind die Dänen besonders stolz. Sie nennen das SMC – „Soft Magnetic Compounds“ soll eine hohe magnetische Leitfähigkeit bei weniger kritischen Wirbelstromfeldern garantieren. Bei 2400 Hertz springt eine Seidenkalotten mit 29 mm im Durchmesser an. Auch diese wird so einzig am Firmenstandort in Dänemark produziert. Die Bauweise sieht von vorn wie eine Drei-Wege-Konstruktion aus, ist aber keine. Dali folgt hier strikt der Philosophie von zwei Wegen – die Tiefmitteltöner werden mit den gleichen Informationen befeuert. Noch ein Tipp: Bitte nicht die Fotos falsch interpretieren – so hochgeschossen die Oberon 5 aussieht, sie fällt mit 83 cm tatsächlich eher kompakt aus. Klein ist auch der Preis: Überraschend angesichts Finish und Ingredenzien ruft Dali nur 800 Euro als Paarpreis auf. Wer höher hinauf will: Es gibt noch das Modell Oberon 7 – auch dies ein Zwei-Wegler, über einen Meter hoch und mit 1000 Euro ebenfalls noch erschwinglich.

WEITER, FEINER KLANG
Doch wer die kleine Schwester Numero 5 hört, wird so schnell keine Sehnsucht nach mehr haben. Wir waren verblüfft, wie geschlossen die Membranen in unserem Hörraum aufspielten. Auch bei hohen Pegeln ging kein Detail verloren. Das bemerkten wir etwa bei „Les Preludes“ von Liszt in der Luxuseinspielung von Karajan und den Berliner Philharmonikern. Wie leicht die Oberon den Streicherteppich auslegte! Das war weit und fein, dabei wunderbar aus der Boxenebene gelöst. Dazu die Kraft der Blechbläser – das schnitt sich mit edler Helligkeit aus dem Panorama. Hier waren keine übernatürlichen Kräfte am Werk, sondern ein ganz einfacher, aber bester und stringenter Boxenbau.

Elac Debut 2.0 F5.2: 700 EURO

KLARER SIEGER IN SACHEN PREIS/ LEISTUNG


EINHEITS-DEKOR : Die Debut 2.0 F5.2 gibt es nur in Schwarz. Clever und anspruchsvoll ist es, dass alle Chassis maximal nah zueinander verbaut wurden, sodass die Rahmen überlappen.

Wer in diesen Zeiten schlau ist, denkt zweigleisig. Wie Elac. Man residiert in Kiel. Gleich hinter der Verwaltung erstreckt sich die Manufaktur, wo die Edelwandler gebaut werden. Zugleich unterhält Elac aber noch einen Zweig: Elac Americas, Inc. Hier darf in anderen Regionen gedacht werden – bei Preisen und im Finish. Es geht für den Endkunden weit preiswerter zu. Was nicht bedeutet, dass Elac hier kein Geld in die Hand nähme.

Eine deutliche Summe wird sicherlich der Entwickler kosten, denn es gelang den Kielern, hier einen echten Superstar einzukaufen – Andrew Jones. Der charmante Mittfünfziger liebt neue Technologien und kann richtig gut hören. Seine Debut-Serie für Elac hat etliche Auszeichnungen eingeheimst, immer mit demselben Tenor bei den Testern: rasant viel Klang für bescheidenes Geld.

Diesem Urteil wollten wir auf den Zahn fühlen. Mit 700 Euro ist die Debut 2.0 F5.2 die günstigste Standbox in diesem Testfeld. Wer den Röntgenblick anwirft, sieht einen klassischen Aufbau im MDF-Kabinett: Oben tönt im eigenen Sub-Gehäuse eine Zwei-Wege-Konstellation, darunter liegen zwei Tiefbass-Produzenten, ebenfalls im eigenen Gehäuse. Gleich drei Bassreflex-Öffnungen strömen zur Rückseite.

Die Tiefmitteltöner sind identisch: rund 13 cm in der Diagonale groß und mit Membranen aus gewobenen Aramidfasern. Über 2200 Hertz springt eine Seidenmembran an, die Andrew Jones in einen „Wide Dispersion Waveguide“ legte. Hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Auch darüber, an welchen Stellen man den Rotstift ansetzt. So gibt es die F5.2 nur in Schwarz. „Black Ash Vinyl“ heißt die offizielle Interpretation – das ist eine wenngleich gut gemachte, so doch nicht sonderlich erotische Folie. Elac erteilte auch einem wuchtigen Bi-Wiring-Terminal eine Absage – rustikal-gut geht es nur mit einem Kabelpaar hinein.

EHRLICHES PANORAMA
Schlägt sich der Sparzwang vielleicht im Klang nieder? Eindeutiges Nein. Schon nach wenigen Minuten hatten wir uns in diesen Lautsprecher verliebt. Kaum zu glauben, was man für 700 Euro an ehrlichem Panorama heute schon bekommen kann. Ganz schwere Kost für einen Lautsprecher ist, wenn Lang Lang seinem Helden Liszt huldigt. Im „Rákóczi-Marsch“ glaubt man, hier säßen drei Pianisten an den Tasten, so komplex bäumen Lang/Liszt die Oktaven auf. Ein schlechter Lautsprecher verheimlicht die Bässe und die Wucht des Stahlrahmens. Nicht so die Debut 2.0 F5.2. Sie legte ein stattliches Fundament aus, über dem die brillanten Anschläge mit schönstem Drive perlten. Wir wollten mehr davon. Wir haben Singstimmen erlauscht, große Sinfonik, harten Rock – immer hat uns die Elac erfreut. Der klare Preis-Leistungs-Sieger.

HECO AURORA 700: 1000 EURO

SIE LIESS DIE TROMMELFELLE PULSIEREN


PAPIER MIT POWER : Gleich drei identische Chassis sorgen für Feuer in der Tiefe und den Mitten. Heco nennt das Material „Kraftpapier“. Die Höhen steuert eine Gewebemenbran bei.

Standlautsprecher unter 1000 Euro sind kleine Spielgefährten, die uns gerade einmal bis zur Hüfte reichen. Stimmt nicht. Heco zeigt hier die Gegenwelt: Die Heco Aurora 700 ist das größte Exemplar in unserem Testfeld. Sie ragt bis auf satte 110 cm hoch. Nichts, aber auch gar nichts würde einen vermuten lassen, dass hier eine Einsteiger-Box aufspielt.

Die Front ist wahlweise schwarz oder weiß, die Seiten sind dagegen in feinem Holz überzogen. Die Gesamtkonstruktion steht auf Auslegern mit wuchtigen Spikes. Die Frontbespannung hält magnetisch, auf der Rückseite gibt es zwei Bassreflexöffnungen und ein edles Bi-Wiring-Terminal. Das wirkt ebenso erwachsen wie schick.

Auch die Membran-Bestückung zeigt die Ambitionen. Wir meinen, vor einem D’Appolito-System mit flankierendem Tiefbass zu stehen – was nicht stimmt, sagen unsere Messungen und das Datenblatt. Ganz oben rackert der Mitteltöner, es folgen der Hochtöner plus zwei Bässe in der Tiefe. Das bedeutet, dass sich hier gleich drei Tiefmitteltöner die Arbeit teilen. Alle Membranen bringen 17 cm im Durchmesser auf. Heco nutzt hier das hauseigene „Kraftpapier“ (was für ein schöner, intuitiv erfassbarer Name). Für die Höhe hat Heco einen Fluctus-Töner mit einer Gewebekalotte bei 28 mm abgestellt. Rein optisch wirkt das großartig und geschlossen – so schön können Lautsprecher unter 1000 Euro sein. Alles wurde per Computer berechnet und in seinem Strahlungsverhalten optimiert. Wäre das alles, würden wir uns an einer bildschönen Stehle im Wohnraum erfreuen. Aber die Aurora 700 klingt auch – faszinierend sogar.

Es gibt jede Menge Aufnahmen des Violinkonzerts von Johannes Brahms. An der Oberfläche der besten hält sich die Einspielung von Hilary Hahn mit Sir Neville Marriner (Sony). Hier klingt alles so leicht, als ob es ein Kinderspiel wäre. Ein Lautsprecher darf da nie dicklich tönen, nie das Klanggeschehen aus den unteren Mitten anreichern. Gefragt sind Ehrlichkeit und Tempo. Genau hier punktet die Heco. Das war in unserem Hörraum ungemein sinnfällig – nirgends gab es eine Verfärbung oder eine trickreiche Anhebung im Frequenzgang.

GEHOBENE KLASSE
Und die Fraktion der Pop/Rock-Fans? Auch die wird auf das Schönste gebauchpinselt. Wir legten den Live-Mitschnitt der Cream-Reunion aus der Royal Albert Hall (2005) auf. Unfassbar, wie wild und präzise Ginger Baker die Trommelfelle pulsieren ließ. Dazu die Sologitarre von Eric Clapton und der elegante Bass von Jack Bruce – mehr Könner auf einer Bühne kann man sich ja kaum wünschen. Die Heco zeigte die Aura, die Details des Konzertsaals, die Stimmung in den Rängen – wieder ein Klasselautsprecher, eigentlich viel zu günstig.

INDIANA LINE TESI 561 GE: 800 EURO

ECHTES AUDIOPHILES FLAIR


PRAKTISCH UND GUT : Indiana Line richtet auch die Bassreflexöffnung auf den Hörplatz – was die Aufstellung vereinfacht. Versammelt sind drei Membrantypen: Polypropylen, Papier und Seide.

Wir müssen unseren Radar erweitern, denn schließlich verstehen wir uns als Scouts durch die weite Welt des High Fidelity. So haben wir in diesem Testfeld nicht nur nach den üblichen Verdächtigen gesucht, sondern unsere Fühler weit ausgestreckt. Bis zu Indiana Line.

Den Namen haben nur die wenigsten auf dem Zettel. Zuerst taucht ein Missverständnis auf: Der Name klingt nach den Weiten der US-amerikanischen Prärie, doch in Wirklichkeit stammt Indiana Line aus dem schönen Italien. Der Firmenname gehört einem Konglomerat mit Sitz in Turin, ein regionaler Marktbeherrscher, der seine Kunden auch in Deutschland sucht. Was uns freut, denn hier kommt eine starke Box zum kleinen Preis.

Wir haben das Modell Tesi 561 German Edition zum Test bestellt. Der erste Auftritt gestaltete sich fulminant. Das Finish wirkt edel, auf den Millimeter perfekt. Nie und nimmer hätten wir dieser Standbox ein Preisschild von 800 Euro angeheftet. Auch unsere Kollegen im Messlabor freuten sich.

Wer genauer in die Tiefe schaut, wird sentimental. Indiana Line hat hier so ziemlich alles aus dem Fundus geholt, was uns seit Jahrzehnten begeistert. Die entscheidenden Mitten etwa vertrauen die Italiener einer Polypropylen-Membran mit Phase-Plug an. Der Hochtöner überschneidet sich in seinen Ausmaßen mit dem Mitteltöner-Korpus – was höchste Geschlossenheit versprechen soll. Hier wiederum schwingt eine Seidenkalotte mit 26 mm im Durchschnitt. Bis zu diesem Punkt hätten wir als Wissende falsch getippt. Dieser Materialmix ist uns eher von großartigen Zweiweglern aus Dänemark bekannt. Die liegen in der Preiskategorie allerdings weit höher. In der Tiefe wiederum vertrauen die Italiener auf eine 16-cm-Membran aus klassischer Zellulose. In alledem zeigt sich der Touch eines vollendeten Klassikers. Schön auch, dass die Bassreflexöffnung nach vorn strömt – das ermöglicht eine Aufstellung selbst bis an die Wand heran.

KLANGLICHER GEGENWERT
Dann der Klangeindruck: Das war ebenmäßig, smart. Was uns nicht nur die Ohren sagten, sondern auch unsere Messergebnisse. Das war linear, wie es ein Audiophiler nicht schöner träumen könnte. Großartig und weit dazu die Abbildung. Da machte kleiner, kompakter Jazz ebenso viel Spaß wie das große Orchesterpanorama. Dazu stimmte das Timing: Alles löste sich schnell und prägnant von den Membranen. Wir schauten auf die Preisliste und entdeckten dort abermals die Zahl 800. Diese Euro-Summe steht in keinem Verhältnis zum klanglichen Gegenwert – ein Glücksfall für den Hörer. Wir staunten über echtes audiophiles Flair und eine superbe Verarbeitung. Der laute Tipp in diesem Test.

MISSION QX-4: 1000 EURO

WIRKLICH GROSSARTIGE STAFFELUNG


ALLES EIGEN : Mission hat die Chassis selbst entwickelt und baut sie am Firmensitz in England. Die Ästhetik fasziniert. Weitere Pluspunkte sind ein Bi-Wiring-Terminal und massive Spikes.

Herrschaftszeiten! Geist und Körper haben sich in diesem Testfeld auf Leichtgewichte eingestellt – und plötzlich kommt die Mission QX-4 daher. Eine Wuchtbrumme. Der schwerste Lautsprecher in diesem Vergleich. 21 Kilogramm bringt der einzelne Schallwandler auf die Waage – das ist gediegen. Wir wundern uns und haben gleich mehrfach beim deutschen Vertrieb angefragt. Nein, die Summe stimmt – das Pärchen kostet nur 1000 Euro.

Wir hätten weit höher getippt, denn hier gibt es neben dem Gewicht alles, was Lautsprecher der höheren Region auszeichnet. Das Design ist edel, das Finish schlicht perfekt. Nirgends ein Zeichen von Spartrieb oder Kompromiss. Das sieht sehr edel aus.

Eigentlich stehen wir bei der Mission vor einer großen D’Appolito-Anordnung. Zwei identische Tiefmitteltöner umfassen einen Hochtöner, der ebenfalls recht großformatig daherkommt – ein Gewebe mit 38 mm im Durchmesser und aufgesetztem Ringradiator. Das Ganze wird umrundet von zwei 15-cm-Membranen, die aus einer Komposition von Zellstoff und Acrylfasern bestehen. Das Konzept wie die Chassis entstanden in eigener Entwicklung am britischen Firmensitz. Was abermals den Preis seltsam erscheinen lässt.

Dieser Lautsprecher adelt jedes Wohnzimmer. Es gibt ihn in klassischem Schwarz sowie in den Holztönen Rosewood und Wallnuss. Das Finish ist perfekt, bis auf den Millimeter genau, dazu die wuchtigen Boden-Ausleger auf der Rückseite und ein feines Bi-Wiring-Terminal.

Ob auch die Ohren diesem Trend folgen? Wir legten eine Filmmusik auf – Paul McCartney stimmt den Titelsong zum Bond-Streifen „Live And Let Die“an. Das beginnt ganz gemächlich mit einem Klaviersolo, dann die Singstimme – schließlich ein Orkan der Dynamik und des großen Orchesters. Ein Lautsprecher muss das Intime können und zugleich den Ausbruch des Vulkans. Die Mission zeigte sich wie für diese Musik geschaffen. Das flutete unseren Hörraum, das war konkret, nie scharf, aber reich ein Informationen. Auch hier hätten wir die 1000-Euro-Grenze im Klangrausch genommen.

EIN KLEINER STROMSCHLAG
Noch ein wenig Klassik? Vielleicht Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, diesen Dauerbrenner? Anne-Sophie Mutter streicht die Violine, die Wiener Philharmoniker begleiten, Herbert von Karajan schwingt den Taktstock (EMI). Hier vibriert alles, man spürt vom ersten Takt an einen kleinen Stromschlag. Ein schlechter Lautsprecher würde sich in die Obertöne flüchten. Doch die QX-4 zeigte auch das Beben darunter. Die Staffelung gelang großartig. Würde ich einen Lautsprecher suchen, der mein Wohnzimmer optisch und akustisch adelt – hier wäre ein ganz heißer Kandidat.

MESSLABOR

CANTON GLE 476.2
Die Canton weist einen ausgesprochen geraden und recht wellenfreien Frequenzgang auf. Den Schall strahlt sie homogen ab, wie die erst spät und leicht abfallende 30-Grad-Messung (blau) beweist. Im Mitteltonbereich spielt die GLE 476.2 auch bei 100 dB Schalldruck noch recht klirrarm auf (rechts). Mit 104 dB und 48 Hz untere Grenzfrequenz liefert sie ein solides Bassfundament und fordert Verstärker dank der niedrigenAUDIO-Kennzahl 59 wenig.

CASTLE KNIGHT 4
Der „Bass Roll-Off“setzt bei der Castle, die auf eine Variante des Transmissionline-Prinzips setzt, zwar recht früh ein (-6-dB Grenze erst bei 60 Hz), allerdings verläuft die Flanke flacher als bei anderen Lautsprechern mit Bassreflex-Technik. Die Höhen bündeln erst deutlich oberhalb von 10 kHz, dieAUDIO-Kennzahl 61 und die Maximallautstärke im Bass (103 dB) liegen im guten Mittelfeld.

DALI OBERON 5
Leichte Zurückhaltung im Präsenzbereich, sonst wellenarmer Verlauf kennzeichnet die Frequenzgänge von Dalis Oberon 5. Ihr Reflexport stützt das bis zu 103 dB laute Bassfundament bis knapp unter die 40-Hz-Marke. Bei hohen Pegeln neigt der Grundtonbereich eher zum Zerren, während die oberen Mitten und der Präsenzbereich im Grunde klirrfrei erklingen.AUDIO-Kennzahl 62 .

ELAC DEBUT 2.0 F5.2
Obere Mitten, Präsenzen und untere Höhen betont die Elac Debut 2.0 F5.2 leicht, der Bass reicht mit 55 Hz bezogen auf die -6-dB-Grenze nicht besonders tief. Dafür wuchtet die Elac bis zu 105 dB laute Bass-Dynamikspitzen klirrarm vor unsere Messmikrofone. Der antreibende Verstärker sollte am besten dieAUDIO-Kennzahl 70 (oder höher) mitbringen.

HECO AURORA 700
Die obersten Frequenzen bündelt die Heco leicht, ferner betont sie den Bereich um 100 Hz, sonst zeigen sich keine Auffälligkeiten im Frequenzgang. Der Übertragungsbereich (-6 dB) beginnt knapp oberhalb von 40 Hz, bemerkenswert ist die hohe Maximallautstärke von 107 dB im Bass. Dazu kommt die gutmütigeAUDIO-Kennzahl 58 , einzig die leicht erhöhte Klirrneigung im Mittelton ist unschön.

INDIANA LINE TESI 561 GE
Der Frequenzgang weist im Grundton und den unteren Mitten kleinere Wellen auf, ist sonst aber frei von Lieblingsfrequenzen. Eine Spezialität der Tesi 561 ist die ausgedehnte Tiefenwiedergabe – schon bei 33 Hz ist die -6-dB-Grenze erreicht. Am unteren Ende dieses Vergleichs reiht sie sich bei der Pegelfestigkeit des Basses ein (100 dB), unauffällig hingegen ist dieAUDIO-Kennzahl 67 .

MISSION QX-4
Bis auf eine minimale Betonung des Grundtons und der Bässe punktet die Mission QX-4 durch einen gerade und wellenarm verlaufenden Frequenzgang. Führend ist sie mit 29 Hz bei der unteren Grenzfrequenz im Septett. Erfreulicherweise gehen die tiefen Bässe nicht zu Lasten der Pegelfestigkeit, die wir mit 102 dB ermittelt haben. DieAUDIO-Kennzahl 68 sortiert sich eher oben ein.

FAZIT

Andreas Günther
Audio-Mitarbeiter


Wir haben einen Liebling: Es ist die 561 von Indiana Line. 800 Euro sind geradezu unsittlich niedrig bemessen für diesen Klangeindruck. Da stimmte das Timing, der Antritt, die Basskontur. Besser kann ein Idealbeispiel in dieser Preisklasse nicht sein. Aber auch andere Mütter haben schöne Töchter. So prahlt die Mission regelrecht mit ihrem feinen Finish. Nie waren die Entwickler besser, die Sparabsichten nie effizienter.

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