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Standlautsprecher: 1 Meter Spitzenklang


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 07.09.2018

Nicht nur bei der Schallabstrahlung will die neue Vela-Serie von ELAC in ihrer Klasse Maßstäbe setzen. Auch die Formgebung folgt akustischen und ästhetischen Idealen gleichermaßen. Und sie klingt viel viel größer, als sie ist.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 10/2018

ELAC gehört wohl zu den HiFi-Herstellern, bei denen sich in den letzten Jahren am meisten getan hat: Neue Produktkategorien, neue Flaggschiff-Modelle, neue Vordenker im Team. Und trotzdem gelingt es den Kielern (mit US-amerikanischer Unterstützung), ihre klassischen HiFi-Ideale nie zu verraten, wenn sie etwas Neues auf die Beine stellen.

Griffen die Neuheiten bisher in unbeachteten ...

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... Segmenten wie Streamer und Plattenspieler an oder erweiterten das vorhandene Lautsprecherportfolio preislich nach oben und nach unten, steht jetzt die erste neue Serie im eigentlichen Kerngeschäft an. Die Vela getaufte Reihe besteht aus zwei Standboxen und einer Kompaktbox und deutet mit den Nummerierungen von 409 (der größten) bis 403 (der kompakten) schon an, in welchem Segment die Kieler sie sehen: Langfristig wird sie die beliebten 400er ersetzen.

Schlank und formschön
Während bei den Bestückungskonzepten keine Revolutionen zu erwarten sind, ist die Grundform der Vela-Gehäuse komplett neu. Die Vela 407 wirkt optisch nochmals deutlich kleiner als die ohnehin schon zierlich daherkommende bisherige 407. Hauptgrund dürfte das an den Seiten großzügig verrundete Gehäuse sein, das sich nach hinten trapezförmig verjüngt. Das ist nicht nur akustisch von Vorteil – etwa bei der Stabilität der Seitenwände, der Unterdrückung von inneren stehenden Wellen oder der Verringerung von Kantenreflexionen –, sondern verleiht der in Hochglanzlack gehaltenen Skulptur auch eine von Standboxen kaum gekannte optische Leichtigkeit. Die wird bei der weißen Version dadurch unterstrichen, dass die Chassis mit ihren Körben bzw. Ringblenden sowie das Fuß- und Kopfteil in Schwarz gehalten sind und sich so quasi schwebend von Raum und Gehäuse abzusetzen scheinen.


Die ELAC ist eine der optisch unauffälligsten Boxen ihrer Klasse, spielt aber deutlich erwachsener und größer auf.


Gehäusebau neu gedacht
Die Sockeleinheit trägt dabei auch das vertikal stehende Bassreflexrohr und dessen Öffnung nach hinten und wurde in einem aufwendigen iterativen Verfahren mit 3D-Druckern am „lebenden“ Prototyp optimiert. Der Durchmesser des Rohrs entspricht dabei dem Maximum, was in den Querschnitt der Box überhaupt unterzubringen ist, womit man einen deutlich besseren Kompromiss aus tiefer Abstimmfrequenz und hoher unkompromierter Pegelreserve erreichen kann. Ein zweites Reflexrohr arbeitet nach hinten auf die Rückwand mit einem eckigen Auslass, was noch einmal die effektive Fläche der schwingenden Luft vergrößert.

Damit ist auch das wesentliche Entwicklungsziel klar: Die schlanke, nicht eben hoch gebaute Skulptur soll im Tiefton die Performance einer ausgewachsenen Standbox erreichen.

Neben dem Reflexrohr, das hauptsächlich unter 70 Hz seine Arbeit verrichtet, arbeiten dafür die beiden Konustöner im 15-cm-Format. Die sich optisch von ihren Vorgängern im Wesentlichen durch den Korb unterscheiden, dessen Formgebung ihn jetzt nicht mehr auf den Einbau in flache Schallwände beschränkt. Die Schwingeinheit besteht aus einer Sandwich-Membran, nämlich einem steilen Pappkonus, der an einen ebensolchen, recht kleinen Schwingspulenträger ohne die Gefahr von Knicken ansetzt, und einer von vorn aufgesetzten Alu-Inverskalotte, die die Stabilität der äußeren Membranbereiche garantiert.

Von hinten sieht man erst, wie schlank die Vela ist. Die Bassreflexrohre sitzen auf der schmalen Rückseite (oben) und in der nach hinten weisenden Öffnung des Sockels. Eine zusätzliche Metallplatte dient der Standsicherheit.


Dieser Alu-Dome wiederum trägt die ELAC-typische Kristallprägung, die ein Aufschwingen großflächiger Partialschwingungen oder Membranresonanzen durch die vielfache, quasi chaotische Verteilung in Einzelflächen verhindert. Das ermöglicht den Einsatz des Töners auch bis in den Präsenzbereich hinein.

Komplett neu designt wurde der Korb des 15ers, der auf noch höhere Hübe und weniger Kompression hin optimiert wurde. Die Korbstreben fallen dabei deutlich schmaler aus als beim Vorgänger, und die Hinterlüftung, also der Spalt zwischen der Zentrierspinne und der eigentlichen, hier nach dem Übergangsprinzip gewickelten Spule, konnte nochmals verbessert werden.

Das Konzept
Dem Grundkonzept sind die ELAC-Entwickler treu geblieben: Die 407 arbeitet im 2,5-Wege-Verfahren, der untere Tieftöner wird oberhalb von 200 Hz langsam abgeblendet, während der obere, technisch identische, als Tiefmitteltöner bis etwa 2700 Hz hinauf weiterspielt. Dadurch wird eine zu starke vertikale Bündelung durch Interferenzen vermieden.

Der JET-Hochtöner nach dem AMT-Prinzip arbeitet auf einer gefrästen Alu-Schallführung, die ihm mehr Wirkungsgrad und harmonischeres Abstrahlverhalten beschert.


Der Tieftöner wird von einem deutlich filigraneren Korb zusammengehalten als sein Vorgänger, die Hinterlüftung hinter der gelben Aufhängung ist maximiert worden.


Im Hochton kommt die neuste Version des JET-Hochtöners zum Einsatz. Bei diesem fällt die Schallführung größer und etwas steiler aus, um Dynamikreserven und Homogenität des Abstrahlwinkels zu verbessern.

Klingt nicht wie sie aussieht
Im Hörraum überraschte die Vela bei Kari Bremnes „Kanskje“ mit einem opulenten Fundament, was Assoziation an überdimensionierte Tieftöner weckte und zusammen mit der warm-dezenten Tonalität einen Widerspruch zum optischen Eindruck einer schlanken Designbox erzeugte. Doch mit geschlossenen Augen testet es sich ohnehin besser, und unvermittelt punktete die ELAC mit einer unglaublich holografischen, in alle Dimensionen homogen ausgeleuchteten und zudem präzisen Abbildung. Allenfalls in den allzu heftigen elektronischen Bass-Attacken dieser Aufnahme musste sie die letzten Dynamikpunkte liegenlassen, was angesichts des Volumens aber wahrlich kein Nachteil ist.

Zu Hochform lief sie bei älteren Aufnahmen auf, etwa dem audiophil-schlanken „ Diamonds on the Soles“ von Paul Simon: Das A-cappella-Intro erklang eine Spur satter, relaxter und wärmer als gewohnt, ohne aber an Swing und Stimmdurchzeichnung zu verlieren. Beim anschließenden Ethno-Rock im 1980er Sound gelang der Vela ein traumhafter Mittelweg aus Wahrheit und Schönheit.

Dieser Charakter setzte sich quer durch alle Stile und Epochen fort: Wagners „Holländer“- Vorspiel (Dorati) verriet sein historisches Aufnahmedatum, klang aber modern in seiner Dynamik und fundamentstark, in den ruhigen Passagen gar von transzendierender Schönheit. So blieb der Gesamteindruck der Vela durchweg positiv: keine Box für Party oder Show-Effekt, aber für Kenner, die alle Musikrichtungen genießen wollen, ideal.