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Standlautsprecher: Elegant, unwiderstehlich


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 10.12.2020

Und wieder lehrt uns Sonus faber die Kunst des guten Lebens. Die Italiener haben einfach mehr Geschmack als wir Germanen. Nun kommt die Olympica-Serie in neuer Form. Ein Fest für alle Sinne. Leider auch kritisch für die Brieftasche.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 1/2021

Hier sehen wir alle Botschaften. Zuerst: „Handcrafted in Italy“. Dazu das luxuriöse Leder um das Chassis. Eine Membran aus feinst komponiertem Zellstoff und schließlich das großartige Erlebnis von edlem Holz.


Da huscht eine Erinnerung durch meinen Kopf. Zum ersten Mal wurden die neuen Fertigungshallen von Sonus faber der Welt präsentiert. In kleinem Rahmen. Die Journalisten ...

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... reisten eine Woche nach der anderen an, alles war kompakt, intim. Sofort war ich angefixt von diesem Firmengebäude. Es lag in einer der schönsten Städte der Ebene vor Venedig, in Vicenza. Ein unbedingter Reisetipp. Die Stadt ist übersichtlich, aber gefüllt mit Kulturschätzen. So gibt es das Teatro Olimpico von Andrea Palladio. Eröffnet im unvorstellbar fernen Jahr 1585.

Charme und Wehmut

Da spürt man den Charme und zugleich eine Form von Wehmut. Das ist alles so lange her. Damals führte noch Franco Serblin bei Sonus faber das Regiment. Der Firmengründer und das Mastermind. Eigentlich verdiente er sein Geld als Zahnarzt. Aber er war ein High-End-Fan und konnte nicht widerstehen. In rasant kurzer Zeit hatte er ein Imperium errichtet. Und eben eine neue Fabrikhalle in der Form eines Geigenkorpus. Genau damit spielte er: Die famose Geschichte der norditalienischen Geigenbauer, das edle Holz und die moderne HiFi-Gemeinschaft.


Ein alter Palazzo, Deckenbalken, alte Malereien an den Wänden: Hier fühlt sich dieser Lautsprecher besonders wohl.


Nun sind die Erben dran. Obwohl: Das stimmt nicht. Franco Serblin starb 2013. Nicht seine Enkel sind heute Chefs, sondern Investoren aus den USA. Sonus faber gehört mittlerweile der World of McIntosh. Die Sonus faber zwar täglich mit Liebesbotschaften überhäuft, aber auch mit plötzlichen Kehrtwenden in der Firmenpolitik überrascht. Ehe es zu politisch wird: Es gibt einen neuen Vertrieb in Deutschland. Bislang hielt Audio Reference die Flaggen hoch, über Jahrzehnte, nun ist es Audio Components.

Ein paar andere Buchstaben, aber ein Bruch. Umgekehrt: Hey – freuen wir uns, dass es Sonus faber noch gibt. Stark und solitär. Recht frisch wurde die Olympica-Serie neu aufgelegt. Nun heißt sie recht stringent Olympica Nova. Das Modell III haben wir als Testkandidaten in unserem Hörraum hochgefahren. Das ist nominell die zweitgrößte Standbox, mit zwei Bass-Membranen. Darüber thront noch die Nova V, die gleich drei Bässe in der Tiefe aufbringt. Insgesamt ist die Familie neben dem Stereogenuss auch auf Multikanal ausgerichtet. Mit zwei Centern und einer ultra-flachen Wandkonstruktion.

Jetzt die schlechte Nachricht: Die Italiener sind einfach besser in der Rauminszenierung als wir Germanen. Whow – Sonus faber stellt die Olympica-Familie in einem alten Palazzo auf – oben schimmern die Deckenbalken, an den Wänden sind Malereien freigelegt, ein edler Teppich und viel Licht. Das könnte man so in Deutschland nur schwerlich fotografieren. Subbotschaft: Wer diese schönen Lautsprecher kaufen kann, sollte auch über Geschmack verfügen, sie optisch richtig zu inszenieren. Bitte nicht einsperren in ein überladenes Wohnzimmer. Die Olympica muss der Star sein.

Es gibt deutliche Änderungen gegenüber der ersten Olympica-Serie. Schauen wir zuerst auf die Grundform. Über Ewigkeiten hat sich Sonus faber der Laute verschrieben – vorn breit, dann mit einer Rundung elegant nach hinten. Doch nun gibt es den „Organic Shape“. Klingt gut. Kann auch was. Die Flanken sind nicht mehr streng symmetrisch. Es gibt auf der Rückseite einen asymmetrischen Schlitz. Der auch akustisch agiert, als Öffnung für die Bassreflex-Informationen. Weshalb die Aufstellung spannend wird. Man muss zwischen linkem und rechtem Lautsprecher wählen. Sie sind nicht identisch. Je nach Wahl strömt der Bassreflex-Impuls entweder an die Rückwand, oder definiert in die Raumecke. Was natürlich die Präsenz anhebt. Also: Dem eigenen Spielimpuls folgen und sich ein paar Stunden Probehören genehmigen. Dazu am besten noch ein paar weitere Stunden zum Einspielen. Wir haben klar erlebt, dass die „frische“ Nova III noch etwas verhangen klang. Erst nach einer guten Woche war die Eleganz und die Leichtigkeit da.

Was für eine Erscheinung: Jedes Detail spricht von Liebe und Handarbeit. Wichtig: Die Form ist asymmetrisch – je nach Position strahlt der Reflexkanal in eine andere Richtung. Ausprobieren.


Wenge oder Walnuss?

Großartig ist das Finish gelungen. Wie immer bei Sonus faber. Unsere Augen lieben die Olympica, dazu auch unsere Finger. Toll beispielsweise das Terminal für die Lautsprecherkabel, gediegen, feinfühlig, vier übereinander gestapelte Schrauben und Muffen. Darunter eine elegante Traverse mit perfekt verstellbaren Spikes. On Top gibt es die Gegenwelt, ebenfalls eine Ebene aus massivem Aluminium. Dann natürlich die geformten Planken aus dunkler Wenge oder hellem Walnuss. Die Rundungen um Hoch- und Mitteltöner sind mit Leder umzogen. Sofort verfällt man dieser Handwerkskunst und versteht den Preis. Das Paar kostet 12 000 Euro.

Eigentlich ein Klassiker: Die Weiche bedient drei unterschiedliche Chassis. Alles ist auf Stringenz ausgelegt. In der Kür gibt es dazu noch ein Branding mit dem Namenszug von Sonus faber. Das sieht wunderbar zielgerichtet aus.


Das volle Sortiment: Auch die Tieftöner lässt Sonus faber im eigenen Haus entstehen. Zwei Lagen aus Zellulose werden mit High-Tech-Kleber kombiniert.


Ganz oben erkennen wir klar eine Gewebemembran. Das könnte ein Allerweltsprodukt sein. Doch Sonus faber verfeinert sie auf den Punkt. Mit 28 Millimetern ist der Durchmesser recht groß, auffällig dazu liegt eine Brücke aus Aluminium über der Membran, die den Dom im Mittelpunkt effektiv bedämpfen soll. Dann folgt unter 2500 Hertz der Mitteltöner, den Sonus faber stolz mit einem Plug mit den Firmeninsignien ausstellt. Das Membranmaterial ist ein spannender Mix aus Cellulose und unterschiedlichen Fiber-Fasern. Abermals runter zu 250 Hertz und zwei Tieftöner springen an. Auch dies ist ein Wunschmix. Zwei Lagen aus Cellulose werden mit einem Hightech-Schaum zusammengehalten.

Hören wir hinein

Musik! Hören wir hinein. Dieser Lautsprecher hält auch heilig-ernste Musik aus. Ganz frisch ist ein Mitschnitt aus der Carnegie-Hall erschienen. Mariss Jansons dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Es sollte sein letztes Konzert vor seinem Tod werden. Brahms Vierte. Das dirigiert sich nicht so leicht. Da braucht das Orchester klare Zeichen und dennoch muss sich Magie einstellen. Schon der erste Satz klingt edel-zerbrechlich. Der vierte Satz hingegen muss kantig-brachial erscheinen. Doch Jansons nimmt alle Wucht zurück – das ist eine Ausnahme-Aufnahme, wie sie schöner nicht sein könnte. Mystisch, voll von Geheimnissen und Abschied. So etwas möchte ich nicht über Show-Lautsprecher hören. Genau jetzt blitzt die Schönheit und Eleganz der Sonus faber auf. Weich, füllig, wunderbar räumlich. Alles atmet. Auch die Traurigkeit muss man zulassen. Dann wird es ein Gesamtkunstwerk. Würde ich schwach werden, so hätte ich die Olympica Nova längst für meinen privaten Hörraum geordert. Hier wird musiziert, auf Weltniveau.

Braucht es den dicken Verstärker? Nö. Eine feine Röhrenstufe genügt. Sie ist sogar besser. Wer schweres Metall über diesen Lautsprecher hört, ist eh für die humanistische Welt verloren. Aber ein wenig dynamisches Feuer darf schon sein. Wie wäre es mit Amy Macdonald und ihrem neuen Album? Da hat kein Kompressor die Dynamik auf Einheitsniveau gestreckt. Da gibt es wirklich etwas zu entdecken. Super, wie sich die Gitarrensaiten von links und rechts anschleichen. Und wieder lässt die Sonus faber alles aufs Schönste aufblitzen. Kein Kraftakt, nur Eleganz und leichter Sinn. Das trifft alles unfassbar perfekt mein Klangideal. Ich spare schon einmal. So einen Lautsprecher gönnt man sich maximal in einer Dekade. Also gerechnet: 365 Tage im Jahr, zehn Jahre. Dieser Klang kostet uns damit drei Euro zwanzig pro Tag. Das wäre nicht die Rechnung des Milchmädchens, sondern von Hans im Glück.