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STANDLAUTSPRECHER: La Dolce Vita!


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 03.12.2020

Gesetzt den Fall, Ihr bester Freund war noch nie in Italien und Sie wollen ihn davon überzeugen, dass das ein beinahe unverzeihliches Versäumnis ist – dann machen Sie ihn doch mit einem tönenden Stück italienischer Lebensart vertraut: der verführerisch schönen und ebenso klingenden Standbox Albedo Aptica MK II.


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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 1/2021

Ich hab sie unterschätzt, ganz eindeutig. Ich dachte, nachdem ich die Albedo Aptica ausgepackt hatte und das exquisite Furnier mit aufwendiger Klarlack-Veredelung auf der Rückseite betrachtete: Das ist was fürs Auge.

Was soll bei dieser außergewöhnlichen und bis ins Detail liebevoll-sorgfältigen ...

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... Verarbeitung und den eher zierlichen Proportionen schon groß an Etat für hochwertige Bauteile und eine sorgfältige Abstimmung übrig geblieben sein?

Dann der Blick auf die Vorderseite und erste Zweifel an meiner Ursprungsthese – zwei teure Accuton-Keramik-Chassis stecken in jeder Box. Ein Hinweis darauf, dass es da jemand absolut ernst meint mit dem Anspruch, in erster Linie klanglich überzeugende und musikalische Boxen zu entwickeln, die nebenbei das Auge des Betrachters erfreuen – und nicht umgekehrt.

„Leistung schadet nicht, es muss nicht unbedingt eine Röhre sein, um den Lautsprecher für sich zu entdecken“ hatte mir Thorsten Fennel vom deutschen Importeur „The Orange Audio“ vorher gesteckt. Entsprechend motiviert wurde die Verbindung zum grandiosen Accuphase E-800 Vollverstärker (Test in STEREO 12/20) vorgenommen.

Und bevor ich mich jetzt bemühe, Ihnen die Firmenphilosophie und die Ideen hinter diesem Lautsprecher zu schildern, muss ich gestehen, dass mich das nach den ersten Takten in meiner Eigenschaft als Musikliebhaber überhaupt nicht mehr interessierte. Die Albedo ist so ein „Kinnlade runter“-Erlebnis, wie man es nicht allzu oft serviert bekommt.

Die Boxen stehen da, mit knapp drei Metern Abstand zueinander, auf den Hörplatz eingewinkelt, und spielen mit einer Selbstverständlichkeit und Gelassenheit, die man ihnen nie zutrauen würde. Doch frei nach dem Motto „never judge a book by its cover“ verblüffen sie von Minute zu Minute, von Stück zu Stück mehr.

Nein, nicht durch abgrundtiefe Bässe, und auch nicht durch Höhen, von deren Existenz man vorher nicht die leiseste Ahnung gehabt hätte, sondern durch das der Albedo eingepflanzte Feingefühl für musikalische Strukturen, für Homogenität, für Plastizität und Zeitrichtigkeit. Und eine Mittenwiedergabe, die unmissverständlich zu erkennen gibt, dass echter, natürlicher Klang auch aus einer skulpturalen Box ertönen kann.

Der Bass kommt schlank, aber knackig und präzise, jedoch ohne die Stumpfheit, die man Keramikbässen häufig nachsagt. Die Höhen erklingen, unerwartet für ein Keramikmodell von Accuton, milde, beinahe einen Hauch abgesoftet, was der Langzeittauglichkeit gerade in modernem Ambiente aber entgegenkommt.

Der Weg zum Ziel

An kleinen, kaum direkt wahrnehmbaren Details erkennt man, wie die beiden Entwickler, der in Rom lehrende Physikprofessor Guiseppe Pucacco und der frühere Chefredakteur einer italienischen Selbstbau-Zeitschrift, Massimo Costa, ihre Erfahrungen genutzt haben, um bisher als unabänderlich hingenommene, aber unerwünschte Begleiterscheinungen im Lautsprecherbau zu bekämpfen.

Betrachten Sie mal die fein perforierten Bleche links und rechts vom Hochtöner.

Dahinter verbergen die Italiener im Prinzip winzig kleine Resonanzschlucker, wie sie im Bassbereich als Helmholtz-Resonatoren bekannt sind. Sie dienen hier dazu, die Auslöschungen und Überhöhungen, die durch sogenannte Beugungseffekte am Rand der Gehäusefront entstehen, durch Abschwächung zu bekämpfen. Das System tauften sie auf den Namen DSD, was für Diffraction Shaping Device steht und in der Praxis den Frequenzverlauf, der sich sonst durch an den Gehäusekanten erzeugte Beugungseffekte verbiegen würde, zu linearisieren. Sowohl die Tonalität als auch die Abbildungsgenauigkeit sollen davon profitieren. Bei Albedo führt man darüber hinaus aus, dass bei herkömmlicher Bauart phasenverschobene virtuelle Schallquellen entstehen, die die präzise Abbildung von Schallquellen verhindern. Wie überhaupt die Phasengenauigkeit bei dem Hersteller ein Kernthema ist und Vorrang vor einem linealglatten Frequenzgang erhält.

Der Hochtöner selbst ist wie sein Kollege für den Mitteltieftonbereich von Accuton, die Frequenzweiche ist als 6-dB-Konzept umgesetzt. Um aus dem bescheidenen Gehäusevolumen einen sauberen und vergleichsweise profunden Bass herauskitzeln zu können, setzt man seit vielen Jahren auf eine abgewandelte Form einer Transmissonline, die durch poröses Dämpfungsmaterial ihrer Resonanzen beraubt wurde und nun auch so klingt, wie man es mathematisch ermittelt hatte, ohne zuvor das gewünschte akustische Resultat erhalten zu haben. Die Austrittsöffnung für die so genutzte rückwärtige Schallenergie findet sich, wieder elegant versteckt, in unmittelbarer Nähe des Single-Wiring-Anschlussfeldes. Wichtig ist den Entwicklern darüber hinaus eine stabile Fixierung und Energieableitung. Die hochwertigen, höhenverstellbaren Spikes, die an der massiven, angeschraubten Bodenplatte ihren Platz finden, leisten hier gute Dienste.

DAMIT HABEN WIR GEHÖRT

Marla Glen This is

Das immer noch begeisternde Erstlingswerk der mittlerweile 60-jährigen, in Deutschland heimisch gewordenen US-Amerikanerin. Dynamik, kraftvolle Bässe und eine Stimme, die klingt, als hätte sie bereits in jungen Jahren alles gesagt und gespürt.

Die geriffelte Schallwand und der zierliche Sockel finden Halt auf der stabilen Metallplatte mit höhenverstellbaren Spikes.


Die Öffnung der Transmissionline befindet sich direkt bei den soliden Anschlussklemmen.


TEST-GERÄTE

CD-Spieler: T+A MP 3100
Phono-Vorstufen: Brinkmann Edison, Accustic Arts Tube Phono II
Plattenspieler: AMG Giro/Tonabnehmer AMG Teatro, Voyd Reference/Tonabnehmer Benz LPS
Vollverstärker: Accuphase E 800
Vorverstärker: Accustic Arts Tube Pre 2 MKII, T+A P 3100 HV
Endverstärker: Accustic Arts Amp2 MK IV, Aesthetix Atlas Eclipse Monos
Lautsprecher: B&W 800 D3, Gauder DARC 100
Kabel: HMS, Cardas, Audioquest, XLO

„Drive Drive Drive!“

Dann geht die Aptica jedes Tempo der Musiker mit, verliert nie den Takt, glänzt immer durch präzises Timing und lässt etliche der vor Kraft und Bassfundament strotzenden Universalisten dabei stehen – hat sie längst überholt, während diese noch mit der Suche nach dem richtigen Ton zur richtigen Zeit beschäftigt sind. Dabei klingen die Mitten der Italienerin voll und voluminös, ohne „dicke Backen“ zu machen, also aufgeblasen zu wirken, und Stimmen und Instrumenten eine unnatürliche Größe zu verleihen. Doch nicht nur audiophile Aufnahmen wie diverse Platten von Lyn Stanley ließen die Illusion eines Gastes im Hörraum entstehen, auch Tracy Chapman mit „Revolution“ oder Marla Glen mit „Cost Of Freedom“ begeisterten.

Schmelz hat die Albedo ebenfalls reichlich zu bieten, Saxofon oder ganz allgemein Bläserklängen zu lauschen ist eine Freude. Sonny Rollins’ „Colossus“-Album wurde kurzerhand durchgehört und langweilte keine Sekunde.

Selbst im 40 m2 großen STEREO-Hörraum verhungerte die schlanke Box nicht, nicht mal bei hohen Schallpegeln jenseits der 90 dB, wenn das Glenn Miller Orchestra den Chattanooga ChooChoo anstimmte und die Zeigerinstrumente des Accuphase E-800 kräftig in Richtung Rechtsanschlag zuckten.

Womit wir beim zu beklagenden Wermutstropfen wären: Der Wirkungsgrad – mit Ach und Krach knackt er die 80-dB-Marke – verlangt nach einem wattstarken Verstärker, da folgen wir Fennels Empfehlung uneingeschränkt, zumindest dann, wenn man auch grobdynamisch auf der sicheren Seite bleiben will. Das ist der Preis für die Fähigkeit, bei geringem Volumen relativ tief in den Basskeller steigen zu können. Doch es ist ein Preis, den wir bei unseren über Wochen laufenden Hörsitzungen immer wieder gern bezahlten.

Aufgrund seiner Optik zweifellos etwas polarisierend, durch den Verzicht auf jegliches Spektakel im Bass sicher auch nicht die erste Wahl für Zwerchfellmassage suchende Zeitgenossen, ist die Albedo Aptica aber ganz sicher eine Versuchung für Menschen, deren Geschmack bei Möbeln und Musik eigenständig ist und die sich nach einem anstrengenden Tag gerne einen Tagesausklang mit Musikern in ihrem Hörraum gönnen und zugleich ihre Augen erfreuen möchten.

Die Albedo besetzt ihre Nische im Markt gekonnt. Wer sie gehört hat, wird sich vielleicht gern wieder an die Weisheit „Weniger ist mehr“ erinnern.

Hinter den beiden glänzenden Blenden verbirgt sich das DSD-System, das den Frequenzgang linearisieren und die Ortbarkeit verbessern soll.


Albedo Aptica Mk II

Preis: ab 9980 €(Testmodell: Glossy Graphite
Ebony Preis: 12350€)
Maße: 30 x102 x51 cm (BxHxT)
Garantie: 5 Jahre
Kontakt: Orange Audio
Tel.: 49 1715387393
orange-audio.de

Optik trifft auf exzellenten Klang und überragende Verarbeitungsqualität. Was die zierliche Standbox an Musikalität und räumlicher Abbildung zeigt, ist außergewöhnlich. Bass nicht extrem tief, in den Höhen mild abgestimmt. Braucht kräftige Verstärker.

Labor-Kommentar
Niedrige Verzerrungen, gute Impulsantwort. Frequenzgang für das Volumen tiefreichend, im Hochtonbereich leichter Abfall; unbedingt auf Hörplatz anwinkeln, sonst verliert man deutlich an Hochtonanteil; schlechter Wirkungsgrad.

Ausstattung
Zwei-Wege-Transmissionline-Lautsprecher mit Accuton-Keramik-Bestückung; diverse Gehäuseausführungen lieferbar; Bodenplatte, Spikes und Unterlegscheiben im Lieferumfang