Lesezeit ca. 6 Min.
arrow_back

STARK UND SCHÖN


Logo von Audio
Audio - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 07.10.2021

Lautsprecher › STANDBOXEN

Artikelbild für den Artikel "STARK UND SCHÖN" aus der Ausgabe 11/2021 von Audio. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Audio, Ausgabe 11/2021

Wer ein wenig durch die Weiten des Internets surft, der kann auf ein Foto stoßen, das den Bowers & Wilkins-Chef John Bowers neben dem ersten Originalmodell der im Jahr 1979 entstanden 801 zeigt. Sie sollte die beste Box ihrer Zeit werden. Der Anspruch ist geblieben, aber die Technik und das Design haben sich umso mehr geändert. Sagen wir es direkt heraus: Der Lautsprecher, über den Bowers damals seinen Arm legte, wäre heute unverkäuflich. Ein Dinosaurier, kantig und seltsam unattraktiv.

Die neue 800er-Serie schmeichelt hingegen dem zeitgenössischen Auge. Rund geht es hier zu und edel in den Materialien. Man muss sich vergegenwär tigen, dass Bowers & Wilkins erst vor sechs Jahren eine neue 800er-Serie mit annähernd gleicher Formensprache vorgestellt hatte. Recht überraschend, selbst für Insider, kommt nun die Generation D4 daher. Wo ist sie zu Hause? Klare Antwort: in den ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,19€statt 5,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Audio. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2021 von Britisches Premierenfieber. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Britisches Premierenfieber
Titelbild der Ausgabe 11/2021 von NEWS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEWS
Titelbild der Ausgabe 11/2021 von 75 JAHRE VOLLER DYNAMIK. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
75 JAHRE VOLLER DYNAMIK
Titelbild der Ausgabe 11/2021 von ENJOY THE MUSIC. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ENJOY THE MUSIC
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
ENJOY THE MUSIC
Vorheriger Artikel
ENJOY THE MUSIC
MASSIVE ATTACKE
Nächster Artikel
MASSIVE ATTACKE
Mehr Lesetipps

... feinsten Stereokombinationen und in den besten Studio-Aufbauten. Weshalb die Weltpremiere in den legendären Abbey Road Studios in London stattfinden musste. Hier waren die Beatles daheim, Karajan, Klemperer und noch viele andere Übermusiker. Wir wissen um das Maß der Genies – in diese Ahnenreihe will sich auch Bowers & Wilkins einfügen.

ALUMINIUM UND MASSIVHOLZ

Die größte Wandlung wurde der 804 D4 zuteil, der kleinsten unter den Standlautsprechern. Man sieht die Veränderungen sofort: Das Modell D3 war an der Front plan und im Rücken rund. Nun kommt eine komplett andere Formensprache: die Front rund und der Rücken gerade. Damit sieht sie ihren größeren Schwestern nun deutlich ähnlicher.

Warum der Aufwand? Weil Bowers & Wilkins dadurch die Stabilität des Gehäuses erhöht. Dazu gibt es die Matrix – das sind aufwendig berechnete Verstrebungen im Inneren, kombiniert mit einer massiven Aluminiumplatte an der Innenseite. Früher bestanden die Matrix-Verstrebungen aus Mitteldichter Faserplatte (MDF), nun spendiert B&W dafür besonders festes Holz, abermals verstärkt durch Aluminium. Apropos: Eine weitere

Aluminiumschicht ist hier auch zu sehen. Dereinst wurde die Top-Ebene aus Holz aufgesetzt, nun schmücken sich die Briten mit Leicht metall. Noch ein edler Hauch hinzu: Besagte Aluminiumplatte wird bedeckt von fein stem Londoner Connolly- Leder. Als i-Tüpfelchen hat sich B&W schließlich noch eine neue Farbe für das Furnier ausgedacht: „Satin Walnuss“ – das ist hell, edel und passgenau zum Zeitgeschmack.

Ein weiteres Detail: Wo ist denn die Bass reflexöffnung geblieben? Bei der 804 D3 strahlte sie zur Front. Nun tut sie das im Downfiring-Prinzip in Richtung Boden. Auch hier hat B&W ein zusätzliches Pfund an Stabilität verbaut: Der Sockel besteht aus massivem Aluminium mit einem Einsatz aus Stahl. Das fühlte sich in unserem Test vertrauenswürdig an, als wir die ebenfalls neuen Spikes hineinschraubten.

Soweit die offensichtlichen Dinge. Wie schaut es mit den Neuigkeiten bei Chassis und Weiche aus? B&W beschäftigt hierfür ein eigenes Ingenieursteam in einem Forschungszentrum in Southwater. Sechs Jahren wurde getüftelt und das bereits Gute abermals verbessert. Die Diamantkalotte in der Höhe beließ man unverändert, aber ihr Arbeitsplatz wurde verwandelt. Das dahinterliegende Röhrensystem wurde verlängert und die

MESSLABOR

Insgesamt ausgewogener Frequenzgang mit ausgeprägten winkelabhängigen Interferenzen oberhalb 2 kHz. Leiser, aber sehr tiefreichender Bass (24 Hz/- 6 dB) und sehr klirrarmes Spiel (rechts). Mit 2,7 Ohm Minimalimpedanz bei 120 Hz braucht die B&W einen recht kräftigen Verstärker: 100 dB SPL werden mit 76 W erreicht, beim Maximalpegel von 107 dB werden 380 W an 3 Ohm benötigt. AUDIO-Kennzahl 69.

ganze Komponente auf eine neue Zwei- Punkt-Entkopplung mit einer Schicht aus Silikonkautschuk gesetzt. Das Ziel: Der Hochtöner soll tiefer spielen und sich so dem Mitteltöner harmonisch besser annähern. Das Ganze bei einem niedrigeren Klirrfaktor und mit weniger Kompressionen. Der Antrieb wurde komplett neu aufgebaut: Statt drei Magneten einzusetzen, reduzierte B&W das Konzept auf zwei Neodymmagneten des Typs N52. Die Schwingspule sollte zudem besser belüftet werden, weshalb die Briten die Belüftungslöcher im Spulenträger gedoppelt haben.

Deutlich fielen auch die Eingriffe beim Mitteltöner aus: Hier verbannte man die Gewebespinne und ersetzte sie durch eine schlankere Aufhängung, die von den Ingenieuren „biomimetisch“ genannt wird. Hier geht es um „die Nachahmung biologischer Strukturen und Formen“.

Die Details dazu lässt B&W unter dem Siegel des Firmengeheimnis - ses im Dunkeln.

Gänzlich offensichtlich ist hingegen das Material der Membran: Hier bleibt man dem Stolz des Hauses treu und setzt auf Continuum, das silbern schimmernde Geflecht aus dem Aramidfaden. Der Antrieb dahinter wiederum wurde neu konstruiert, alles ruht jetzt in einer ebenfalls neu entwickelten Entkopplung auf vier Punkten.

Die Bässe steuern zwei 16,5-Membranen bei. Hier vertraut B&W wieder seiner hauseigenen Aerofoil-Konstruktion – über den Schaumstoffen liegt eine Carbonfaser-Beschichtung. Beim Antrieb griff man zu einer neuen Stahlsorte, die deutlich weniger elektrisch leitfähig ist, was Verzerrungen vorbeugen soll. Zudem gibt es hier neue, stärkere Magnete und eine höhere Belüftung der Gesamtkonstruktion.

War es das? Nein, da lohnt noch ein Blick auf die Weiche, die von den Tüftlern vollkommen neu aufgebaut wurde. Sie befindet sich nun direkt an der Rückseite hinter dem Anschlussterminal. Bei den Bauteilen zeigt B&W Spendierfreude – man trifft beispielsweise auf feine Mundorf-Komponenten.

Dieser Aufwand hat seinen Preis: Die B&W 804 D4 kostet ein schönes Stück Geld. Lag die alte D3 bei 9000 Euro, sind nun 12 500 Euro gefragt. Ist das angemessen? Sagen wir es so: Die 804 D4 ist nicht nur ein komplett neuer, sondern auch ein besserer Lautsprecher.

SKULPTUR IM RAUM

Was im Klangtest im AUDIO-Hörraum zu beweisen war. Legendär sind die Sibelius-Aufnahmen mit dem ebenfalls legendären Leonard Bernstein, erschienen bei der CBS. Der Nachfolger als Rechteinhaber, Sony, hat die analogen Bänder per DSD neu gemastert und in einer Box zugänglich gemacht. Wer ganz gewieft ist, sucht nach dem High-Resolution-Datensatz, den es in 24 Bit beispielsweise bei Qobuz gibt.

Während Karajan schwelgte, liebte Bernstein den Zugriff, das Konkrete. In der italienischen Küche würde man „bissfest – al dente“ sagen. Ohne angeben zu wollen: Nie habe ich diese Musik so dermaßen emotional und informativ gehört wie über die neue Bowers &

Wilkins 804 D4. An guten Lautsprechern ist diese Musik ein farbstarkes Ölgemälde, an besseren Boxen ein dreidimensio nales Relief. Hier jedoch stand eine Skulptur im Raum – mächtig, fühlbar und sehr beeindruckend. Wie zum Teufel machen die Briten das bloß?

Das Geheimnis liegt im Timing. Alle drei Membranmaterialien sind auf Tempo ausgelegt, ultraschnell. Dazu gelingt die innere Harmonie. Doch muss man sich an dieser Stelle eingestehen, dass dies weit entfernt ist von einem naturbelassenen Klang. Die Briten inszenieren ihre Klangwelt und nutzen jeden noch so kleinen Regler. Trotzdem gab es keineerlei Unschärfen, alles tönte im Hörtest auf den Punkt. Das Panorama war weit, aber maximal präzise. Bei aller Analyse kam auch ehrliche Spielfreude auf. So wirkte etwa der Bass der neuen 804 D4 deutlich kerniger als bei der Vorgängerversion.

Streamen wir ein Album, das bei Qobuz in den Topregionen unterwegs ist – „Happier Than Ever“ von Billie Eilish. Ist das Plastik-Pop? I wo – hier wird die beste populäre Musik der Gegenwart gefeiert. Die kann furchtbar fett klingen, wie bei „Getting Older“, aber auch clever bei „Billie Bossa Nova“. Alle Album-Tracks sind bis an den Rand des Möglichen ausgesteuert.

Neben der Singstimme spielt der Bass die Hauptrolle, zu viel kann tödlich sein. Doch die 804 D4 verstand sich wunderbar auf Kontrolle und Punch, alles kam kantig auf den Punkt. Diese Aufgeräumtheit markiert die schönste Gegenwart der Möglichkeiten. Man höre zum Beispiel den Brecher „Oxytocin“: Dieser Bass klingt, als wollte er die Mauern von Jericho zum Einsturz bringen, dazu peitscht der Drumcomputer. Die Bowers & Wilkins 804 D4 behielt dabei stets die Zügel im Griff.

FAZIT

Andreas Günther AUDIO-Mitarbeiter

Wunder erwarten HiFi-Journalisten eher selten. Die Physik lässt keine Magie zu, und Metaphysiker wollen wir nicht werden. Doch hier geht es an die Grenzen: Selten haben wir eine derart greifbare Plastizität erlebt, ein mehrdimensionales Klangbild strahlt uns entgegen. Das raubt uns den Atem. Die Bowers & Wikins 804 D4 ist ein perfekt austarierter Lautsprecher, fast wie von höheren Mächten geschenkt. Kein Wunder, aber ein Hit.