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STARKER RÜCKEN IN ZWEI STUFEN


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 10.09.2021

RÜCKENSCHULE FÜR PFERDE

Artikelbild für den Artikel "STARKER RÜCKEN IN ZWEI STUFEN" aus der Ausgabe 100/2021 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 100/2021

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WARNSIGNALE ERKENNEN

Diese Anzeichen können auf Rückenschmerzen beziehungsweise -probleme hindeuten:

Umgang: Das Pferd wird beim Satteln und später beim Aufsteigen unruhig.

Reiten: Das Pferd fühlt sich eher steif und fest an.

Aufwärmphase: Das Pferd benötigt eine lange Aufwärmphase.

Anlehnung: Das Pferd geht über dem Zügel, verkriecht sich dahinter oder stützt sich auf den Zügel.

Tempo: Das Pferd läuft eilig, und zwar besonders im Trab. Der Reiter muss es häufig bremsen beziehungsweise parieren.

Stellung und Biegung: Das Pferd lässt sich nicht gleich gut zu beiden Seiten stellen oder biegen. Vielmehr macht es sich in der Wirbelsäule/Rippe fest.

Sitz: Das Pferd auszusitzen ist schwer und anstrengend.

Galopp: Das Pferd fällt aus oder rennt los. Durchparieren: Das Pferd fällt auf die Vorhand. ...

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...

Rückwärtsrichten: Das Pferd möchte gar nicht oder nur widerwillig rückwärts gehen. Dabei sind die Tritte nicht gleichmäßig in diagonaler Fußfolge. Das Pferd weicht zur rechten oder linken Seite aus.

Gelände: Dem Pferd fällt es schwer, bergabzugehen.

UNSERE EXPERTIN

EVA MARIA SÜLZLE ist Pferdephysiotherapeutin (DIPO) und lebt am Rande des Sauerlandes in Nordrhein-Westfalen. Sie ist zudem Trainerin B und verknüpft so das Wissen aus Studium und Praxis. Mit ihrem Konzept der „Rückenschule für Pferde“ hilft sie Pferden, die Rückentätigkeit zu verbessern.

Pferde sind wahre Bewegungskünstler, und besonders die Verstärkungen können durchaus spektakulär aussehen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob die Ausführung der Bewegungen wirklich korrekt ist. Ist dies nicht der Fall, führt der Weg früher oder später in die Pferdeklinik. Um festzustellen, ob das Pferd korrekt ausgebildet wird, muss der Reiter in der Lage sein, eine gesunde, natürliche und störungsfreie Bewegung von einer fehlerhaften zu unterscheiden. Erstere ist von einem schwingenden Rücken gekennzeichnet. „Am Rücken des Pferdes können wir also gutes von schlechtem Reiten unterscheiden. Ein Pferderücken schwingt aber nicht, wenn wir ihn nicht unterstützen“, erklärt Eva Maria Sülzle in ihrem Buch „Gesunder Pferderücken“. Die Pferdephysiotherapeutin hilft mit ihrer „Rückenschule für Pferde“, die Rückentätigkeit des Vierbeiners nachhaltig zu verbessern.

Training mit Konzept

Beim Reiten sollten wir den jeweiligen Nutzen einer Übung immer wieder infrage stellen, und zwar nicht erst nach der Lösungsphase. Wer hier noch kein Konzept hat, verschwendet aus trainingswissenschaftlicher Sicht schnell Energie. Hinzu kommt, dass das Pferd unter Umständen in einer Haltung geritten wird, die seiner Gesundheit nicht zuträglich ist und die wir eigentlich nicht unterstützen wollen: „Wer Runde um Runde reitet und darauf wartet, dass sein Pferd dabei ‚locker‘ wird, kommt häufig nur durch Zufall zum gewünschten Ergebnis“, betont Eva Maria Sülzle und gibt weiter zu bedenken: „Nach einer halben Stunde ist das Pferd nassgeschwitzt und müde. So kann die Muskulatur nicht entspannt arbeiten. Viele Reiter beenden jedoch an diesem Punkt die Trainingseinheit. Das ist ein fataler Fehler.“ So wird im Prinzip einzig ein Trainingsanreiz gesetzt, der dazu führt, dass das Pferd „hart“ bleibt. Das heißt, die Muskeln sind angespannt und ermüdet. Möglicherweise ist der Vierbeiner auch gegen die Hand gegangen oder hat sich hinter dem Zügel verkrochen, hat den Rücken nach unten abgesenkt und die Hinterhand nach hinten rausgestellt.

Fehlerhafte Anpassung

Je länger und je häufiger das Pferd in einer bestimmten fehlerhaften Haltung geritten wird, desto mehr passen sich die Muskeln der (Fehl-)Belastung an. „Wir trainieren unserem Pferd eine Fehlhaltung an, die wir zwar nicht beabsichtigen, jedoch ohne adäquates Kompensationstraining nicht verändern können“, sagt Eva Maria Sülzle. Am Ende der Trainingseinheit ein paar Minuten am langen Zügel vorwärts-abwärts zu traben genüge nicht, um eine halbe Stunde Muskeltraining zu kompensieren. Wer sein Pferd immer wieder wie oben beschrieben trainiert, wird keine Verbesserung in der Lösungsphase erreichen. Ziel sollte jedoch sein, dass das Pferd von Beginn an im Rücken mitarbeitet. Dazu muss das Training verändert werden: „Um den Aufbau einer gesunden Reitpferdemuskulatur effektiv in unserer Trainingszeit fördern zu können, müssen wir einen Weg finden, den Rücken unseres Pferdes schon viel früher zu aktivieren.

DIE LAUFENDE EIDECHSE ...

... oder: Was bedeutet eigentlich ein „schwingender Rücken“?

Ein schwingender Rücken bedeutet, dass sich der Rückenbereich des Pferdes im Bewegungsrhythmus der Hintergliedmaßen auf und ab bewegt. Dabei handelt es sich um eine horizontale Bewegungsausführung. „Zudem neigt sich der Rücken dabei auch seitlich nach links oder rechts“, erklärt Eva Maria Sülzle. In diesem Fall handelt es sich um eine vertikale Bewegungsausführung. Durch dieses „Schwingen“ können die Bewegungen der Hintergliedmaße in dreidimensionaler Bewegungsrichtung nach vorne weitergeleitet werden. „Sie geben den Vordergliedmaßen sodann den Takt vor, damit das Pferd gleichmäßig schreiten, treten oder springen kann“, so unsere Expertin.

Aufgrund ihrer Seitneigungs- und Rotationsfähigkeit lässt die Wirbelsäule eine pendelartige Bewegung des Bauches beziehungsweise Rumpfes zu. Somit wird der aus der Hinterhand gestartete Bewegungsimpuls auf den Rücken übertragen und bis ganz nach vorne über die Halswirbelsäule zum Genick weitergeleitet. „Von oben betrachtet, gleicht die Bewegung der einer laufenden Eidechse“, sagt die Physiotherapeutin für Pferde.

TIPP

Bitten Sie einen Helfer, Ihr Pferd im Schritt von Ihnen wegzuführen, sodass Sie es von hinten betrachten und die Rückenaktivität beobachten können. Erkennen Sie das Bauchpendeln? Wenn Ihr Pferd mit dem rechten Hinterbein vorfußt, tritt an der linken Körperseite sein Bauch hervor und umgekehrt.

Verantwortung übernehmen

Selbst Pferde, die regelmäßig geritten werden, sind häufig nicht in der Lage, den Rücken unter dem Reiter anzuheben. Unsere Vierbeiner tragen über die Hälfte ihres Körpergewichtes mit den Vorderbeinen. Aus diesem Grund befindet sich der Körperschwerpunkt etwas hinter den Schulterblättern, in etwa dort, wo der Sattelgurt entlangläuft. Kommt nun das Gewicht des Sattels und des Reiters hinzu, ist die Vorhand einer stärkeren Belastung ausgesetzt. Als Reiter haben wir einen enormen Einfluss auf die Bewegungsentfaltung und den -ablauf unseres Pferdes und somit auch auf dessen körperliche und psychische Gesundheit. Das Pferd trägt uns, und wir tragen eine große Verantwortung – für unser Pferd, Tag für Tag. Das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen. Mit der „Rückenschule für Pferde“ hat Eva Maria Sülzle ein mehrstufiges Konzept mit einer klaren Übungsstruktur entwickelt, das Ihrem Pferd im wahrsten Sinne des Wortes den Rücken stärken kann.

DAS TRAININGSKONZEPT STUFE 1

Eva Maria Sülzle teilt die Mobilisation des Pferderückens unter dem Reiter in zwei Stufen auf, die nacheinander erarbeitet werden müssen. In Stufe eins geht es darum, den Rücken zu aktivieren und so die Muskulatur zu dehnen.

Mit dem Rückentraining legen Sie die Basis für den weiteren Werdegang des Pferdes. „Wenn die Rückentätigkeit vorhanden ist, können Sie die spezifische Ausbildung in Springen oder Dressur fortführen“, erklärt Eva Maria Sülzle, deren Trainingskonzept sich an den physiologischen Gegebenheiten des Pferdekörpers orientiert. Wichtig sei hierbei die Berücksichtigung der Prozesse in den Muskeln. „Sie geben uns den Aufbau des Trainings vor“, so unsere Expertin. „Wir beginnen mit der Aktivierung des Rückens, indem wir die umliegende Muskulatur dehnen. So erzeugen wir mehr Bewegungsfreiheit.“

Die Erziehung zur Losgelassenheit

Pferde mögen Routine – jedoch ohne Langeweile. Ein gleichmäßig aufgebautes Training bietet einen Rahmen, in dem sich der Vierbeiner wohlfühlen kann. „Die Erziehung zur Losgelassenheit stellt die Basis des gesamten Pferderückentrainings dar“, erklärt Eva Maria Sülzle. „Gleichbleibende Vorgänge im Trainingsablauf und im Umgang mit dem Pferd erzeugen die notwendige Routine, die Klarheit schafft.“ Damit sich das Pferd in Ihrer Nähe sicher fühlt, müssen Sie klar kommunizieren. Das gilt nicht nur für die Hilfen beim Reiten, sondern auch für Kommandos, Gesten sowie Hilfen bei der

Bodenarbeit. „Erziehung bedeutet, meinem Pferd einen Weg aufzuzeigen, um sich bei mir wohl zu fühlen. Ich bin in Sicherheit, in jedem Augenblick“, betont unsere Expertin. Die Lösungsphase dient dem Pferd zur physiologischen und mentalen Einstimmung auf die Arbeit. „Körper und Geist müssen sich zu Beginn des Trainings auf die bevorstehenden Belastungen des Reitens einstellen“, so Eva Maria Sülzle. Nicht umsonst sei die Losgelassenheit eines der primären Ziele der Pferdeausbildung.

Aufwärmen am Boden

In jeder Reiteinheit muss die Losgelassenheit hergestellt werden. Eva Maria Sülzle empfiehlt, das Pferd am Boden aufzuwärmen. Longiert wird im entspannten Wohlfühltempo. So kann sich der Vierbeiner bestmöglich auf das folgende Gerittenwerden einstellen. „Erlauben Sie Ihrem Pferd, sich vor dem Reiten an der Longe aufzuwärmen, wird es diese Phase des Trainings bald mögen und sich rasch entspannen“, weiß unsere Expertin und ergänzt: „Wichtig ist, dass sich das Pferd in einer freien Körperund Kopfhaltung bewegen darf. Dann schwingt es im Rücken, noch bevor wir auf ihm sitzen.“ Sehen Sie die Losgelassenheit am Boden als erstes Ziel.

RICHTIG TRAINIEREN

Durch das Konzept des Rückentrainings kann eine tragfähige Reitpferdemuskulatur aufgebaut werden. Dabei ist es wichtig, im Training Schwerpunkte zu setzen:

STUFE 1

Aktivierung des Rückens, durch Mobilisationsübungen für Genick und Becken sowie der Wahl des Arbeitstempos. Der Rücken wird zum Schwingen gebracht.

STUFE 2

Stabilisierung des Rückens durch Biegsamkeit und Versammlungsbereitschaft.

TRAINING UNTER DEM SATTEL Anschließend können Sie aufsteigen und mithilfe einiger Übungen die Rückentätigkeit unter dem Sattel fördern. Entscheidend für das Training sind die folgenden Punkte:

Kopfhaltung

Eine korrekte Anlehnung lässt sich nicht durch ein mechanisches An-den-Zügel-Stellen erreichen. Vielmehr müssen Sie zuerst dafür sorgen, dass Ihr Pferd den Rücken unter Ihnen aufwölbt. Über die Beweglichkeit der Halswirbelsäule kann eine Beweglichkeit des Rückens hergestellt werden. Druck und Zwangshaltungen wirken sich immer negativ aus. „Die Stirn-Nasen-Linie sollte bei natürlicher Beugung des Genicks stets vor der Senkrechten (zum Boden) sein. Idealerweise zeigt das Pferd mit seiner Stirn-Nasen-Linie dorthin, wo es auffußen wird“, sagt Eva Maria Sülzle.

Stellungsarbeit

Mit den Zügeln können Sie Ihr Pferd dazu veranlassen, den Hals zu dehnen. Dabei dient die Stellungsarbeit der Beweglichkeit im Genick. „Durch das Reiten in Innenund Außenstellung soll sich die Kiefermuskulatur entspannen. Das Genick muss nicht gebeugt sein, damit das Pferd die Übungen durchführen kann“, erklärt unsere Expertin. Vielmehr stelle sich bei zunehmender Entspannung die Beugung des Genicks von alleine ein. Eine gute Übung ist zum Beispiel, an der langen Seite in Außenstellung zu reiten und das Pferd vor der Ecke, etwa in Höhe des Zirkelpunktes, nach innen zu stellen. Als Steigerung können Sie auch auf gebogenen Linien mit der Stellung spielen.

Dehnungshaltung

Das korrekte Vorwärts-Abwärts wird durch die Dehnung der Hals-und Schultergürtelmuskulatur entwickelt. Dabei holen Sie den Hals sozusagen Wirbel für Wirbel aus der korrekten Stellung nach innen. Das geht so: Reiten Sie an der Bande entlang und verkürzen Sie vorsichtig den inneren Zügel. Um nicht rückwärts einzuwirken, führen Sie die Hand seitwärts vom Körper weg ins Bahninnere. Das Pferd soll daraufhin den Kopf ins Bahninnere drehen. „Eine Dehnung der äußeren Muskulatur findet statt, wenn das Pferd im Rumpf gerade bleibt“, erklärt Eva Maria Sülzle. Seien Sie einfühlsam und verlangen Sie von Ihrem Vierbeiner nur so viel Dehnung, wie er anbietet. Führen Sie Ihr Pferd langsam in die Dehnung hinein und wieder heraus. Eine korrekte Genickstellung ist hier sehr wichtig.

Verbesserung der Anlehnungsbereitschaft

Sie reiten Ihr Pferd nach dem Ziehharmonikaprinzip zunächst am hingegebenen Zügel mit entspanntem Hals. Dann verkürzen Sie die Zügel, sodass ein feiner Kontakt zum Pferdemaul entsteht. „Um eine Arbeitshaltung zu erreichen, muss Ihr Pferd gleichmäßig weiter voranschreiten“, sagt unsere Expertin. Sorgen Sie über Ihre Gewichts-und Schenkelhilfen für eine kontinuierliche Vorwärtsbewegung. „Nach einem kurzen Augenblick in der gewünschten Haltung lassen Sie die Zügel wieder aus der Hand kauen, bis Ihr Pferd in Dehnungshaltung ist“, so Eva Maria Sülzle. Fragen Sie anschließend wieder die Arbeitshaltung ab und üben Sie das Ziehharmonikaprinzip in allen drei Gangarten.

Mobilisierung des Beckens

Um die Aktivierung des Beckens können Sie sich kümmern, wenn Ihr Pferd in der Lage ist, seinen Widerrist aufzufächern. Durch Übungen wie Übertreten mit der Hinterhand, Schenkelweichen oder Rückwärtsrichten soll sich das Becken des Pferdes aufstellen und seitlich abkippen. „Auf diese Weise mobilisieren Sie die gesamte Wirbelsäule“, erklärt die Physiotherapeutin für Pferde.

Bestimmung des Arbeitstempos

Tempo und Losgelassenheit bedingen sich. So kann sich beispielsweise ein eilig davonstürmendes oder ein über Tempo gerittenes Pferd nicht entspannen. Das Pferd muss im Rücken aktiv sein, um sich schwungvoll bewegen zu können. „Der schwingende Rücken entscheidet also über die Wahl des Tempos“, gibt Eva Maria Sülzle zu bedenken. Reiten Sie langsam, wenn wenig bis keine Schwingung vorhanden ist. Auf diese Art können Sie die körperliche und mentale Entspannung herstellen, die Ihr Pferd benötigt, um in allen Gelenken im Takt der Bewegung zu federn. „Je mehr Rückenaktivität vorhanden ist, desto mehr können Sie Ihr Pferd zum Fleiß animieren“, erläutert unsere Expertin und betont: „Das Tempo kann also nur so weit erhöht werden, wie der schwingende Rücken es zulässt, denn wo keine Schwingung ist, kann auch keine schwungvolle Bewegung erzeugt werden.“

BUCHTIPP

In ihrem Buch „Gesunder Pferderücken“ zeigt Eva Maria Sülzle eine Vielfalt an Übungen auf, die helfen, die Rückentätigkeit des Pferdes zu verbessern. Anhand verschiedener Übungen und Trainingstipps kann sich jeder ein eigenes Trainingsprogramm zusammenstellen. Ziel ist die Gesunderhaltung des Pferdes durch einen schwingenden Rücken. Zudem wird die Motivation des Pferdes gefördert.

Cadmos, 128 Seiten, 12,99 Euro, ISBN: 9783840463945

DAS TRAININGSKONZEPT STUFE 2

Wenn die Beweglichkeit des Rückens erreicht ist, können Sie sich mit der Stabilisierung des aufgewölbten Rückens beschäftigen.

In Stufe eins lag der Fokus auf der maximalen Beweglichkeit des Rückens über den vorderen Zugmechanismus des Pferdes. Doch um das Reitergewicht mehr oder weniger gleichmäßig auf alle vier Beine verteilen zu können, muss Ihr Pferd seine Muskulatur anspannen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Hankenbeugung, also das bewusste, über Muskelkraft erzeugte Anwinkeln der Hüft-, Knie- und Sprunggelenke.

AUFBAUENDE TRAININGSELEMENTE

Nachdem Sie den Rücken Ihres Pferdes zum Schwingen gebracht haben, ist es jetzt an der Zeit, bestimmte Muskeln zu aktivieren. Diese müssen sich anspannen, um den Rücken zu stabilisieren. Folgende Punkte spielen eine wichtige Rolle in Stufe zwei der Rückenschule für Pferde:

Positive Körperspannung herstellen

Eva Maria Sülzle spricht von einer positiven Körperspannung, wenn diese das Pferd in der Rückentätigkeit unterstützt. Bei einem ständig angespannten Rückenmuskel hat das Pferd zwar eine gewisse Körperspannung, jedoch nicht mit dem vom Reiter gewünschten Nutzen. Eine positive Körperspannung stellen Sie über die Versammlung her. Dabei fördern viele Lektionen, die Sie täglich reiten, die Versammlungsfähigkeit des Pferdes. Ob Ihr Pferd zur Versammlung bereit ist, erkennen Sie an dieser Übung: Sie lassen Ihr Pferd zum Aufwärmen um sich herumtraben. Wenn es entspannt ist, geben Sie ein kurzes Stimmsignal für den Übergang zum Schritt. „Sollte Ihr Pferd prompt reagieren, können Sie eine Hankenbeugung und darüber ein Abkippen des Beckens beobachten“, erklärt unsere Expertin. „Das Hüftgelenk sinkt ab, während das Pferd weit unter den Schwerpunkt fußt.“ Nun fordern Sie Ihr Pferd auf, sofort wieder anzutraben. Die Übung wiederholen Sie mehrmals, bis Ihr Pferd schließlich auf Ihr Stimmkommando in den Hanken nachgibt, aber dennoch weitertrabt.

Muskelkraft entwickeln – Versammlung vorbereiten

Übergänge sind eine ideale Übungsform, für den Muskelaufbau. Wenn Ihr Pferd die Bereitschaft zur Versammlung zeigt, können Sie nun Kraftimpulse setzen. „Die Muskelaktivität innerhalb eines Übergangs muss so lange aufrecht erhalten bleiben, bis Ihr Pferd kurzzeitig an seine Kraftgrenze kommt“, sagt Eva Maria Sülzle. Beginnen Sie damit, tief in die Ecken zu reiten. Nehmen Sie dann Trab- Schritt-Übergänge hinzu. Sie können auch Tempounterschiede im Galopp reiten. Variieren Sie Art und Häufigkeit der Übergänge.

Cavaletti-Training

Mithilfe von (kleinen) Hindernissen können Sie den Rücken des Pferdes mobilisieren. Dabei ist das Cavaletti-Training eine hilfreiche Ergänzung für den Muskelaufbau und eine Möglichkeit, für Abwechslung zu sorgen. Gewöhnen Sie Ihr Pferd zunächst an Stangen und Cavaletti, damit es die Hindernisse nicht mit Angst überwinden muss. Anschließend können Sie das Training Schritt für Schritt aufbauen: von einzelnen Hindernissen bis zu Sprungreihen.

Geländetraining

Sie können das Gelände sowohl zur Entspannung als auch für neue Trainingsanreize nutzen. Fördern Sie beispielsweise die Schubkraft durch Bergaufreiten und die Versammlungsbereitschaft durch Hinabreiten einer Steigung. Wenn Sie Ihr Pferd auffordern, bergab zu bremsen, können Sie gezielt die gewünschte Muskulatur der Hinterhand trainieren. „Dafür versuchen Sie, den Hügel im Zeitlupentempo hinunterzureiten“, empfiehlt Eva Maria Sülzle. „Das Überreiten von Hügeln und Hügelbahnen hat noch einen tollen Effekt: Es mobilisiert die gesamte Wirbelsäule.“