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Stars und Sternchen


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Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 11.11.2022

Prominente Gipfel

Artikelbild für den Artikel "Stars und Sternchen" aus der Ausgabe 12/2022 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Das Mont-Blanc-Massiv vom Lago Checrouit. Der höchste Berg der Alpen ist auch einer der prominentesten der Welt: Seine Bezugsscharte ist ein Pass in Russland, sein Bezugsberg gar der Mount Everest.

Mit den Bergen verhält es sich doch wie mit den Prominenten, denen wir in Klatschblättern oder auf Webseiten begegnen: Während die einen in aller Munde sind, geben sich andere eher bescheiden. Während die einen ihre Berühmtheit echter Leistung verdanken, müssen sich andere verzweifelt bemühen, ihrer Persönlichkeit etwas Glanz zu verleihen. Allerdings lässt sich die Prominenz eines Berges dank der alpinen Geografie recht einfach in schlichte Zahlen fassen. Die sogenannte Schartenhöhe ist hier das Maß der Dinge.

Sie ergibt sich als Differenz der Höhe des betrachteten Gipfels und der höchstgelegenen Einschartung, bis zu der man absteigen muss, um einen höheren Berg – den Bezugsgipfel – zu erreichen. Diese Einschartung heißt Bezugsscharte und kann Tausende von Kilometern von einem besonders prominenten Berg entfernt liegen, wie etwa beim Mont Blanc in den französischen Alpen. Bei einer ...

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... wenig ausgeprägten Erhebung, etwa auf einem Rücken oder auf ei- ner Hochebene, ist die Schartenhöhe vergleichsweise gering: Dann spricht man von einem Nebengipfel oder einer Graterhebung. So verhält es sich zum Beispiel zwischen Großglockner (3798 m) und Kleinglockner (3770 m), die nur ein paar Meter voneinander entfernt liegen und durch die wenig niedrigere Glocknerscharte (3766 m) getrennt sind. Wenn ein Gipfel den höchsten Punkt einer Landmasse bildet, dann entspricht dessen Schartenhöhe Gipfel seiner Höhe über dem Meer. Ein Beispiel dafür ist der Mount Vinson (4897 m) in der Antarktis. All das gilt übrigens nicht für den Mount Everest (8848 m), weil sich zum höchsten Berg der Erde nun mal kein höheres Pendant finden lässt.

Klingt kompliziert? Dann helfen wir mit einem kleinen gedanklichen Experiment auf die Sprünge: Wenn man das Meer rund um den Gipfel B allmählich ansteigen lässt, bis die letzte Landbrücke zwischen B und irgendeiner anderen, höheren Landstelle A überspült wird, dann ist die zuletzt überflutete Geländepassage die Bezugsscharte von B. In diesem Moment würde B nämlich zum höchsten Punkt einer Insel. Die Höhendifferenz zwischen dieser Bezugsscharte und dem Gipfel B ist dessen Schartenhöhe, also die Prominenz. Wem das alles zu mathematisch ist, der kann die Prominenz übrigens auch mit der Mächtigkeit eines Berges beschreiben. Die ist allerdings nicht immer von allen Seiten sichtbar. Wie dem auch sei: Auf den nächsten Seiten präsentieren wir Ihnen auf jeden Fall zehn prominente Alpengipfel. Man muss gar nicht zwingend auf ihnen stehen. Häufiger beeindrucken sie durch ihre Erhabenheit schon beim Anblick von unten.

1/ Monte Viso (3841 m)

Schartenhöhe:2062 Meter

Bezugsscharte:Le Mauvais Pas (1779 m), Frankreich

Bezugsgipfel: Mont Blanc (4808 m), Frankreich

Wenn er angestaubt mit Schnee ist, könnte man den Monte Viso für einen Karakorum-Gipfel halten. Zeigt er sich ohne weiße Haube, ist klar, warum er den Beinamen »König aus Stein« führt. Ein Felstrumm, das gebieterisch über das italienisch-französische Grenzgebiet wacht, ist er allemal. Weil das pyramidenförmige Massiv so wuchtig über dem Piemont thront, hielten die Römer ihn lange für den höchsten Berg der Alpen. Obwohl sein Gipfel schon 1861 erstmals touristischen Besuch sah – zum Ärger der Italiener war es mit William Mathews ein Engländer, der den vermeintlich unbesiegbaren Berg im Sturmlauf nahm –, gibt sich das auffällige Felsdreieck bis heute unnahbar. Einfache Kletterei ist schon auf dem Normalweg nötig. Auf der nördlich gelegenen Hochebene Pian del Re liegt die Quelle des Po, der sich von hier seinen 650 Kilometer langen Weg zum Meer sucht. Am Fuß des Berges schlängelt sich der Giro del Monviso, auf dem man den »Stein-König« in zwei oder drei Tagen umrunden kann.

Normalweg/Südost-Grat

mittel(40°, III)

7 Std.

1350 Hm

9 km

Charakter:Ein Kletterberg, auf dem man zwischen Kraxel-, Block- und Felspassagen auch steile Firnfelder finden kann.t

Talort:Crissolo (1315 m)

Start/Ziel:Rifugio Quintino Sella (2640 m)

Route:Rifugio Quintino Sella – Lago Grande di Viso – Passo delle Sagnette – Bivacco Andreotti – Monte Viso – Abstieg wie Aufstieg

2/ Wildspitze (3768 m)

Schartenhöhe:2261 Meter

Bezugsscharte:Reschenpass (1507 m)

Bezugsgipfel:Ortler (3905 m)

Als höchster Gipfel Nordtirols ist die Wildspitze ein populäres Ziel. Im weiten Rund verstellt kein anderer Gipfel das Panorama. Die markante Spitze gibt sich aus der Nähe ziemlich versteckt. Beim Anmarsch aus dem Rofental bekommt man sie selten zu Gesicht. Nur von dort, wo heute ihr ehemaliges Gipfelkreuz steht – nahe den Höfen von Rofen – lässt sich die höchste Erhebung erblicken. Oben wurde 2010 ein neues Gipfelkreuz aufgepflanzt. Wobei es mit den Gipfeln gar nicht so einfach ist: Jahrzehntelang steuerte man die Firnhaube am Nordende des Gipfelgrats an. Mittlerweile ist die so weit abgeschmolzen, dass die felsige Südspitze ihr den Rang abgelaufen hat. So wurde die Höhe der Wildspitze in den Karten um zwei Meter nach unten korrigiert und die Gipfelkote versetzt.

Dass auch aktuell viel in Bewegung ist, zeigte sich in diesem Sommer: Die Alpinpolizei sperrte zeitweise den Normalweg von der Breslauer Hütte wegen Steinschlag. Erst nachdem Experten ein paar lose Blöcke aus der Wand geräumt hatten, war der Zustieg wieder frei.

Normalweg von der Breslauer Hütte

mittel 6 ½ Std.

970 Hm

9 km

Charakter:Schuttbedeckter Gletscher, Mini-Klettersteig, steiler Firn, Gratkletterei. Was will man mehr als Hochtourist?

Talort:Vent (1895 m)

Start/Ziel:Breslauer Hütte (2844 m)

Route:Breslauer Hütte – Mitterkarferner – Klettersteig – Mitterkarjoch – Taschachferner – Südgipfel – Nordgipfel – Mitterkarjoch – Breslauer Hütte

3/ Hochkönig (2941 m)

Schartenhöhe:2181 Meter

Bezugsscharte:nahe Zell am See (760 m)

Bezugsgipfel:Großglockner (3798 m)

Es ist selten, dass die Rückseite eines Berges die beeindruckendere ist. Beim Hochkönig ist das so. Die steinwüstenhaft anmutende Hochfläche, die sich flach und eintönig gen Norden neigt, stiehlt den mehr als einen Kilometer hohen Südabbrüchen des Massivs definitiv die Schau. Fast jeder Besteiger dürften sich beim stundenlangen Aufstieg vom Arthurhaus von der Tristesse des Kalkplateaus gefangen nehmen lassen. Hier ist die Sage von der Übergossenen Alm – wie die einst vergletscherte Hochfläche genannt wird – entstanden: Es soll saftige Weiden und üppige Matten gegeben haben, auf denen die Kühe so viel Milch gaben, dass die Sennerinnen aus lauter Übermut die Wege mit Käselaibern pflasterten, die Fugen mit Butter füllten und in Milch badeten, um schöne Haut zu bekommen. Als ein erschöpfter Wanderer auf die Alm kam und um einen Imbiss und Obdach bat, jagten die Mädchen ihn davon. Zur Strafe fegte von den Teufelshörnern her ein Sturm mit einer wirbelnden Flut von Eis und Schnee heran und begrub Hütten, Herden und grüne Almen mit ewigem Eis. So weit die Mär.

Der kleine Plateaugletscher ist zwar fast abgeschmolzen, dafür ziert den Berggipfel heute das Matrashaus (2941 m), bekannt für seinen Ausblick auf mehr als 200 Dreitausender und für imposante Sonnenauf- und -untergänge, denn die Sicht ist in alle Richtungen unverstellt. Viele Besucher kommen über den Königsjodler-Klettersteig hinauf, der von der Erichhütte über eben jene Teufelshörner führt. Die Ferrata gilt wegen ihrer Länge (1700 Klettermeter am Drahtseil) als eine der härtesten der Alpen.

Königsjodler-Klettersteig

schwierig (D, I) 12 Std.

1650 Hm

1500 Hm

15 km

Charakter:Lang. Schwierig. Extrem. Diese Attribute werden häufig in Zusammenhang mit dem Königsjodler genannt. Sie stimmen alle.

Talort:Dienten am Hochkönig (1060 m)

Start:Dientner Sattel (1342 m)

Ziel:Arthurhaus (1502 m)

Route:Dientner Sattel – Erichhütte – Hochscharte – Klettersteig – Hohe Köpfe – Matrashaus – Übergossene Alm – Mitterbergalm – Arthurhaus

→Tourenkarte 2 in der Heftmitte

4/ Säntis (2502 m)

Schartenhöhe:2015 Meter

Bezugsscharte:Heiligkreuz im Seeztal (487 m)

Bezugsgipfel:Finsteraarhorn (4247 m)

Was für Rekorde: Der Säntis gilt als nässester Ort der Schweiz, er hat die meisten Blitzeinschläge, außerdem fiel hier schon mal so viel Schnee wie sonst nirgends im Land. Es liegt also nahe, den massiven Bergstock als »Wetterberg« zu vermarkten. In einer Erlebniswelt kann man sich dies erklären lassen. Noch besser lassen sich die Wetterphänomene erspüren, wenn man nach draußen in die Bergwelt tritt. So richtig naturbelassen ist diese allerdings nicht: Denn auf der Säntis-Spitze drängeln sich eine Sendeanlage, die Bergbahn und die Wetterstation. Eine Wucht ist der Tiefblick auf den Bodensee – wenn er nicht, wie so häufig in Herbst und Frühwinter, im Nebel verschwunden ist. Die wuchtige Bergkette beeindruckt übrigens auch von unten: Als »Wächter« über dem Bodensee ist er ein Blickfang auch von der Schwäbischen Alp, vom Oberallgäu oder sogar vom Schwarzwald her.

Über den Lisengrat

mittel 9 Std.

1050 Hm

1800 Hm

20 km

Charakter:Spannende Runde mit teilweise anspruchsvollerer Wegführung. Entspannter geht das Ganze in zwei Tagen.

Talort:Weissbad (823 m)

Start:Ebenalp (1523 m)

Ziel:Wasserauen (868 m)

Route:Ebenalp – Schäfler – Lötzlisalpsattel – Säntis – Rotsteinpass – Meglisalp – Seealpsee – Wasserauen

5/ Mont Blanc (4808 m)

Schartenhöhe:4697 Meter

Bezugsscharte:Pass am Kubena-See (111 m)in Russland

Bezugsgipfel:Mount Everest (8848 m)

Der Mont Blanc ist nicht nur der höchste Alpengipfel, sondern auch einer der prominentesten Berge der Welt. Seine Bezugsscharte ist ein gerade mal 113 Meter hoher Pass am Kubena-See in Russland, mehr als 2600 Kilometer vom Gipfel entfernt. Und sein Bezugsberg ist kein geringerer als der Mount Everest. Prominenz heißt aber nicht unbedingt, dass der Berg auch von unten mächtig erscheint. Wer sich in Chamonix neben das Denkmal des Erstbesteigers Jacques Balmat stellt, muss dem Finger der Bronzestatue schon genau folgen, um den fast versteckten Firndom zu finden, der den Kulminationspunkt des Mont Blanc darstellt. Anders die Ansicht vom italienischen Aostatal aus: In Courmayeur oder im Val Veny muss den Kopf ganz schön in den Nacken legen, wer gen Gipfel schaut. Schroff und steil bricht die felsige Brenva-Seite über mehr als drei Kilometer in die Tiefe.

Überschreitung (Cosmiques-Route & Gouter-Route)

schwierig (WS+)

2 Tage

1550 Hm

2725 Hm

15 km

Charakter:Konditionell fordernd. Alpintechnisch auch. Mit dem Aufstieg von der Cosmiques-Hütte vermeidet man die Menschenmassen am Normalweg. Auf diese trifft man dann erst am Gipfel.

Talorte:Chamonix (1035 m)

Start:Refuge des Cosmiques (3613 m)

Ziel:Nid d´Aigle (2372 m)

Route:Refuge des Cosmiques – Col du Midi – Col du Mont Maudit – Col de la Brenva – Mont Blanc – Les Bosses – Refuge de l´Aiguille du Gôuter – Refuge de Tête Rousse – Nid d´Aigle

→Tourenkarte 4 in der Heftmitte

6/ Hoher Dachstein (2995 m)

Schartenhöhe:2136 Meter

Bezugsscharte:Eben im Pongau (859 m)

Bezugsgipfel:Großglockner (3798 m)

Mit knapp 900 Metern ist die Dachstein-Südwand eine der höchsten Felswände der Ostalpen. Geht man von der Südwandhütte zu den Schutthalden des Auretskars, fühlt man sich unter der gigantischen Wandflucht winzig klein. Das Dachsteinmassiv zwischen Hallstatt und Ramsau beeindruckt schon von weitem durch den markanten Felsaufbau. Kein Wunder, dass das Massiv auch bei der Prominenz ganz vorn dabei ist. Am Gipfelaufbau wurde 1843 der erste Klettersteig der Nordalpen gebaut.

260 Gulden kostete es seinerzeit, »Eisenzapfen, Handhaken, eingemeißelte Tritte und ein 80 Klafter langes, dickes Schiffstau« als Steighilfen zu montieren. Der Hallstätter Bergführer Johann Wallner zeichnete für die Installation verantwortlich, die als Randkluft-Steig bis heute populär ist. Durch die Südflanke führt seit einigen Jahren die so genannte Super-Ferrata: mit mehr als 1000 Metern Höhenunterschied alpenweit rekordverdächtig.

Dachstein-Super-Ferrata

schwierig (E)

11 Std.

1650 Hm

330 Hm

7 km

Charakter:Eine echte Ausdauerleistung, wenn man die Klettersteige »Anna«, »Johann« sowie die »Schulter« an einem Tag kombiniert. Wirklich garstig: der Überhang (E) am Einstieg des »Johann«

Talort:Ramsau am Dachstein (1135 m)

Start:Parkplatz Südwandbahn (1692 m)

Ziel:Bergstation Hunerkogel der Südwandbahn (2687 m)

Route:Parkplatz – Dachsteinsüdwandhütte – Klettersteig »Johann« – Mitterstein – Klettersteig »Anna« – Seethaler Hütte – Klettersteig »Schulter« – Hoher Dachstein – Randkluftsteig – Hallstätter Gletscher – Bergstation Südwandbahn

→Tourenkarte 3 in der Heftmitte

7/ Triglav (2864 m)

Schartenhöhe:2048 Meter

Bezugsscharte:Saifnitzer Sattel (816 m)

Bezugsgipfel:Marmolata (3343 m)

Der Triglav nimmt wahrlich eine herausragende Position ein. Nicht nur, weil er der höchste Berg Sloweniens ist. Oder weil er mit einer veritablen Schartenhöhe aufwarten kann, obwohl er nicht mal an der 3000-Meter-Marke kratzt. Sondern vor allem, weil er fast überall in Slowenien zu sehen ist. Diese Omnipräsenz erklärt wohl auch, warum er unter den Bewohnern der kleinen Alpenrepublik so beliebt ist. Jedenfalls hört man immer wieder, dass ein »echter« Slowene mindestens einmal im Leben auf dem Gipfel gestanden haben muss. Dabei ist eine Triglav-Besteigung kein Spaziergang. Es führen zwar zahlreiche Wege zum Ziel. Die letzten Meter aber sind immer ausgesetzt und steil und deswegen mit Drahtseilen gesichert.

Wer die Ferrata gemeistert hat und zum ersten Mal auf dem Triglav steht, muss sich wohl oder übel dem Ritual unterziehen: Seinen Kopf in die blecherne Gipfelhütte – den Aljaž-Turm – stecken und sich gleichzeitig mehr oder minder doll den Allerwertesten versohlen lassen. Erst dann ist der Gipfelsieg am »Dreiköpfigen« perfekt.

Tominskova-Weg & Prag-Weg

einfach (A/B, I-)

10 Std.

2300 Hm

16 km

Charakter:Je höher man kommt, desto mehr wird der Wanderweg zum Pfad und schließlich zum Klettersteig.

Talort:Mojstrana (639 m)

Start/Ziel:Hütte Aljazev dom (992 m)

Route:Aljazev dom – Tominskova-Weg – Kozna dnina – Hütte Triglavski dom na Kredarici – Mali Triglav – Triglav – Triglavski dom na Kredarici – Prag-Weg – Aljazev dom

8/ Piz Bernina (4049 m)

Schartenhöhe:2234 Meter

Bezugsscharte:Malojapass (1815 m)

Bezugsgipfel:Finsteraarhorn (4274 m)

Der Piz Bernina ist der einzige Gipfel der Ostalpen, der die 4000 Meter überragt. Unverwechselbar sein Aussehen: Von weither und von vielen Seiten ist er an seinem markanten Schneegrat erkennbar. Die Firnschneide des Biancograts ist ein außergewöhnlicher Anblick. Kein Wunder, dass der Grat als einer der schönsten in den Alpen gilt und bis heute Bergsteiger anzieht. Dabei schrumpft das Eis von Jahr zu Jahr. Immer mehr Fels tritt zutage, immer früher in der Saison ist die ehemals makellos weiße Firnlinie mit dreckig-grauen Flecken gesprenkelt, wo das blanke Eis zum Vorschein kommt. Ein Erlebnis bleibt der Tanz auf der Gratschneide allemal.

Biancograt

schwierig(ZS+)

2 Tage

2000 Hm

1500 Hm

13 km

Charakter:Geniale Grat-Linie. Vor und nach der Firnschneide des Biancograts (bis 45°) teils hakelige Kraxelei im Fels (III)

Talort:Pontresina (1805 m)

Start:Tschiervahütte (2583 m)

Ziel:Berghaus Diavolezza (2973 m)

Route:Tschiervahütte – Fuorcla Prievlusa – Biancograt – Piz Alv – Piz Bernina – Spallagrat – Rifugio Marco e Rosa – Bellavista-Terrasse – Fortezzagrat – Vadret Pers – Diavolezza

→Tourenkarte 1 in der Heftmitte

9/ Monte Baldo (2218 m)

Schartenhöhe:1950 Meter

Bezugsscharte:Passo San Giovanni (268 m)

Bezugsgipfel:Ortler (3905 m)

Schon das Windröschen scheint es wert: Die Monte-Baldo-Anemone, wie die Blume auch genannt wird, gibt es nur auf der 30 Kilometer langen Bergkette, die das Etschtal vom Gardasee trennt. Auch wenn sie anderswo Tiroler Windröschen genannt wird, locken ihre vermeintlich einzigartigen Blüten immer wieder Botanik-Fans auf den alpinen Rücken, der über dem Lago thront. Überhaupt ist das rund 2200 Meter hohe Massiv ein Paradies für Blumen-Liebhaber, vor allem im Frühling, wenn die Flora geradezu zu explodieren scheint und an den unteren Hängen des Monte Baldo alles blüht und wächst und bunte Farbtupfer die Bergwiesen sprenkeln.

Fast Mittelmeer-Klima bieten die Talböden rund um den Gardasee, so dass auch am Monte Baldo Palmen und Olivenbäume im Seewind schaukeln. Weiter droben überziehen Kastanienbäume, Steineichen und Buchenwälder die Hänge. Und ganz oben locken botanische Raritäten wie das zitierte Windröschen oder die Dolomiten-Teufelskralle und viele hochalpine Spezies. Auf den höchsten Rücken und Graten sind sie zu finden, weil sie dort die letzte Eiszeit überdauern konnten, wo tiefer wachsende Arten von den Gletschern überrollt wurden, während die Spitzen des Monte Baldo aus der Eiswelt herausragten. Wer sich also vom Benaco zu den Höhen des Monte Baldo aufmacht, der durchwandert auf kurzer Distanz viele Vegetationszonen, die von submediterraner Flora bis zu alpinen Arten alles bieten am Blumenberg.

Cima Valdritta

einfach 6 Std.

1100 Hm

12 km

Charakter:Auf den höchsten Punkt des Monte Baldo, die Cima Valdritta, kommt man nur zu Fuß. Dafür braucht man Kondition.

Talort:Ferrara di Monte Baldo (849 m)

Start/Ziel:Rifugio Novezzina (1255 m)

Route:Rifugio Novezzina – Vallone Osanna – Punta Sascaga – Punta Pettorina – Cima Valdritta – Abstieg wie Aufstieg

10/ Zugspitze (2962 m)

Schartenhöhe:1750 Meter

Bezugsscharte:nahe Fernpass (1212 m)

Bezugsgipfel:Finsteraarhorn (4274 m)

Das war es jetzt also für den Südlichen Schneeferner. Der Hitzesommer 2022 hat ihm nun endgültig den Tod gebracht. Im Spätsommer nahmen die Glaziologen dem kleineren der zwei Schneeferner den offiziellen Gletscher-Status. Sie hatten das Sterbedatum der beiden ohnehin innerhalb der nächsten zehn Jahre angesetzt. Die Rekordhitze könnte jetzt das vorzeitige Ableben herbeigeführt haben. Da hilft auch nicht die herausragende Lage der Zugspitze über dem Werdenfelser Land.

Denn die Schneemengen, die am Bollwerk der Nordalpen herunterkommen, werden immer geringer. Und immer öfter fällt der Niederschlag als Nieselregen und nicht in Flocken-Form. So wird man sich in ein paar Jahren wohl gar nicht mehr daran erinnern, woher der Name Zugspitze eigentlich herrührt: Von den »Zugbahnen« der Lawinen nämlich, die im Winter aus der oberen Etage des Massivs in die unteren abgehen.

Aufstieg durchs Höllental

schwierig 8 ½ Std.

2200 Hm

9 km

Charakter:Die Crux ist meist der Höllentalferner – je nach Verhältnissen. Ansonsten: langer Zustieg zum Klettersteig (B/C). Kann man gut auf zwei Tage verteilen.

Talort:Grainau (758 m)

Start:Hammersbach (757 m)

Ziel:Zugspitze (2962 m)

Route:Hammersbach – Höllentaleingangshütte – Höllentalangerhütte – Höllentalferner – Klettersteig – Zugspitze →Tourenkarte 5 in der Heftmitte