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START-UP… ODER DOWN?


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 05.01.2023

REPORT

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 1/2023

Nie gebaut: der FF91 mit drei E-Motoren à 350 PS und ganz viel Konnektivität

FARADAY: NO FUTURE

Im Januar 2016 steht Dag Reckhorn in der Wüste bei Las Vegas und zeigt auf eine Stelle, an der bald das Werk von Faraday Future errichtet werden soll. Der Deutsche ist Produktionschef bei FF, war zuvor bei Tesla, jetzt soll er für einen chinesischen Milliardär dessen Elektroauto-Traum wahr machen. Der Tod kommt schleichend. Reckhorn geht, andere auch, der deutsche Ex-BMW-Manager Carsten Breitfeld übernimmt. Durchhalteparolen. Ein Pop-up-Showroom mitten in New York. Doch der FF91 wird nie gebaut, weder in der Wüste noch sonstwo. Ende 2022 muss Breitfeld gehen, weil ein paar Hundert Millionen Dollar fehlen. Mal wieder.

EINE MILLIARDE EURO, DAS IST DIE FAUSTFORMEL. So viel Geld kostet es, ein Auto bis zur Marktreife zu entwickeln. Und dann fängt es erst an, so richtig teuer zu werden …

Diese Summe ist schon für traditionelle Autobauer viel Geld. Für neu gegründete Unternehmen, ...

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... die Start-ups, ist es fast immer eine unüberbrückbare Hürde, selbst wenn sie die Entwicklungskosten deutlich senken können. „Wir haben es mit der Hälfte des Geldes geschafft“, sagt etwa Laurin Hahn, Gründer und Boss des Start-ups Sono Motors. Doch jetzt geht es an die Serienfertigung seines Solar-Autos Sion. Und um die nächsten 100 Millionen Euro für den Produktionsstart zu bekommen, müssen Hahn und sein Team die zukünftige Kundschaft anpumpen.

Kein Wunder also, dass so viele junge Autofirmen am Ende doch nicht überleben. Vor allem nicht in Zeiten weltweiter Krisen. Junge Unternehmen haben kein finanzielles Polster, wenn es (wie fast immer) zu Verzögerungen kommt. Sie sind auf das Wohlwollen und die Geduld ihrer Investoren angewiesen. „Gerade bei innovativen Themen werden Finanzierungsrunden abgesagt oder vertagt“, beschreibt Juliette Kronauer vom Bundesverband Deutsche Startups das Cash-Problem.

! Junge Firmen haben keine Geldpolster. Sie sind auf die Geduld ihrer Investoren angewiesen

Überlebenskämpfe dauern dann oft nicht Monate oder Wochen, sondern Tage. Bis – buchstäblich – das Licht aus ist.

Das einzige Start-up in der Automobilbranche, das es in den vergangenen Jahrzehnten nachhaltig auf den Markt geschafft hat, heißt: Tesla. Trotz des frühen Großinvestors Elon Musk, der dann auch Firmenchef wurde, stand der E-Auto-Bauer mehrfach ganz kurz vor der Insolvenz.

Haben also junge Autofirmen gar keine Chance? Doch. Aber es ist ein harter, langer Weg. Und ein gutes Auto auf der Straße ist noch lange keine Garantie für langfristiges Überleben.

BYTON: GROSSE PLÄNE, GROSSE ENTTÄUSCHUNG

„Bytes On Wheels“, also eine Art Rechner auf Rädern – dafür steht das chinesische Start-up Byton vor sechs Jahren. An der Spitze zwei Deutsche: wieder Carsten Breitfeld (siehe Faraday) und Daniel Kirchert. Große Investitionen (Büros in Kalifornien, München, China), große Ideen (1,50 Meter breiter Bildschirm), große Auftritte (CES in Vegas und Shanghai) und zwei Modelle (M-Byte und K-Byte). Das SUV M-Byte fährt sogar. Mehr nicht. Boss Breitfeld geht, Nachfolger Kirchert ist kein Start-up-Typ. Byton ist pleite, gegen Kirchert wird wegen Insolvenzverschleppung ermittelt. Er verkriecht sich in China.

SONO: ZULIEFERER ALS ALTERNATIVE

Drei Freunde, Laurin Hahn, Navina Pernsteiner und Jona Christians, gründen 2016 Sono Motors. Ziel: Das erste Solar-Elektroauto der Welt. Der Sion. Finanzierungen über Crowdfunding. Die Fans zahlen Geld an, aber die Entwicklung bleibt teuer. Immer wieder müssen versprochene Termine verschoben werden. Pernsteiner gibt auf, die anderen machen weiter. Ende 2022 ist die Vorserie fast fertig. Wieder fehlen 100 Millionen für den Start der Serienproduktion. Aber: Die Solar-Technologie ist ein zweites Standbein, sie kann Sono zu einem Zulieferer für andere machen. Aber der Sion? Der wird wohl sterben.

RIVIAN: AMAZON ALS FAUSTPFAND

Das US-Start-up wurde schon 2009 von Robert „RJ“ Scaringe gegründet. Doch es dauerte fast zehn Jahre, bis die ersten Modelle, der E-Truck RT1 und das SUV RS1, vorgestellt wurden. Im September startete die Serienproduktion des Trucks im Werk in Illinois. Wichtiger: 2019 investierte Amazon in Rivian und bestellte 100 000 elektrische Lieferwagen bis 2030. Das gibt Planungssicherheit. Aber: Allein im dritten Quartal 2022 machte Rivian 1,7 Milliarden Dollar Verlust.

LUCID: TECHNIK-VORSPRUNG

Kein anderes E-Auto, das derzeit auf dem Markt ist, lädt schneller (bis zu 300 kW oder 400 km in 15 Minuten). Kein anderes kommt weiter (Reichweite bis 883 km), keines ist bei einer Leistung von über 800 PS so effizient. Die Limousine Air des US-Start-ups Lucid zeigt Mercedes, Porsche & Co, was derzeit möglich ist. Der Boss und viele Manager waren vorher bei Tesla. Gerade wurden die ersten Autos an deutsche Kunden geliefert. Doch damit fangen die Probleme oft erst an.

CANOO: WIRD WALMART ZUM RETTER?

Canoo wird 2018 noch unter dem Namen Evelozcity von den Managern Stefan Krause (Ex-BMW), Karl-Thomas Neumann (Ex-Opel- und VW-Markenchef) und Ulrich Kranz (Erfinder des BMW i3) gegründet. Kranz entwickelt ein technisches Skateboard, das unterschiedliche Aufsätze für verschiedene Nutzungen erhalten kann: Lieferwagen, Van, Pick-up, Pritsche. Nach und nach verlassen erst Krause, dann Neumann, schließlich Kranz das Startup. Hyundai steigt ein, Canoo geht (wie Rivian, Lucid) an die Börse, sammelt 300 Millionen Dollar ein. Im Frühjahr 2022 gibt Canoo zu, vor dem Aus zu stehen. Dann bestellt US-Handelsriese Walmart 4500 Lieferwagen. Und die sollen nun in Oklahoma gebaut werden.

E.GO: GESCHEITERT, ABER WIEDERBELEBT

Professor Schuh von der RWTH Aachen hatte 2017 die Idee: ein bezahlbarer E-Zweitwagen für die Stadt. Produziert in Aachen. 2019 wurden 540 e.Go Life verkauft. Dann mussten die Preise auf über 20 000 Euro angehoben werden; plötzlich waren viel bessere Modelle von VW ähnlich güns- tig. Im Sommer 2020 erklärte sich die e.Go Mobile AG für insolvent, Schuh verließ das Start-up. Nach dem Einstieg eines neues Investors und der Umfirmierung zu Next e.Go Mobile läuft das Geschäft wieder. Ende 2021 wurde das 1000. Auto gebaut. Der Börsengang ist geplant. Und ein neues Modell (e.wave X) kommt auch.

ACM: KLEINSTWAGEN MIT AUSTAUSCH-AKKUS

Adaptive City Mobility, kurz ACM. Unter diesem Namen wollte der Münchner BMW-Ingenieur Paul Leibold das Taxi-Gewerbe revolutionieren. Anfangs in Deutschland, als sich das als schwer erwies, gern auch in Indien. Leibolds Idee: der City One, ein kleines, einfach zu bauendes E-Wägelchen, dessen Akku-Packs mit wenigen Handgriffen getauscht werden können. Den letzten Auftritt hatte ACM 2021 auf der IAA in München. Ex-VW-Markenboss KT Neumann (siehe Canoo, links) stieg als Investor ein. Er verlor sein Geld. 2022 war Leibolds Traum ausgeträumt.

KOMMENTAR

HAUKE SCHRIEBER

Respekt allen Gründern. Aber keine Branche macht es den jungen Firmen so schwer wie der Automarkt. Die Innovationskraft der Startups ist enorm, der Fleiß bewundernswert, die Produkte sind häufig hervorragend. Und die Investoren haben oft sogar die nötige Geduld. Doch das Geld ist knapp (nicht nur in Krisenzeiten), und die Kosten sind hoch (nicht nur in Krisen). Autos sind halt hochkomplexe Produkte.