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Starter


Gasoline - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 19.03.2020
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Bildquelle: Gasoline, Ausgabe 2/2020

Da ist wirklich kein Rost am Blechteil im Kofferraum dieses Mercury, das vor über 60 Jahren irgendein Johnny am Montageband „vergessen“ hat zu lackieren – unglaublich. Dieses Auto ist wirklich ein 1959er. Auch die Auspuffanlage ist größtenteils original. Wie kommt es, dass sie bei modernen Wagen mit viel Glück höchstens sechs bis sieben Jahre hält? Ganz zu schweigen von unlackierten Blechen – die wären nach drei Jahren wahrscheinlich komplett verrostet. Im Allgemeinen betrachten Nutzer moderner Automobilprodukte manche Behauptungen von Fahrzeugbesitzern aus den 1950ern genauso misstrauisch wie einst Landratten die Erzählungen von Seglern über riesige Wellen (Tsunamis) und gigantische Monster mit vielen Tentakeln (Riesenkalmare). Nun, wie soll man einem Kumpel, der schon mehrere Autos hatte, bei denen die Auspuffanlage bereits nach ein paar Jahren ausgetauscht wurde, es auch erklären, dass in über 60 Jahre alten Fahrzeugen diese Teile immer noch original sind? Für viele ist es auch unglaublich, dass eine Glühbirne (Centennial Light = hundertjähriges Licht), die sich im Feuerwehrgebäude an der 4550 East Avenue in Livermore, Kalifornien, befindet, mit sehr kurzen Unterbrechungen seit fast 120 Jahren leuchtet. Diese Glühbirne hat sogar ihre eigene Website, auf der man sehen kann, wie (und ob) sie immer noch leuchtet.

Gute, alte Arbeit – so wird das in der Regel bewundernd kommentiert. Und so reagieren auch Petrolheads auf den Anblick eines sich flott bewegenden Ford Modell T. Diese Autos sind schon mindestens 93 Jahre alt! (Ihre Produktion endete 1927). Am überraschendsten ist aber, wie wenig diese „automobilen Greise“ umsorgt werden müssen. Sehr oft hört man von langjährigen Besitzern, dass sie nichts daran reparieren. Diese Wagen fahren einfach. Für diejenigen, die sich mit Henry Fords Lebensphilosophie auseinandergesetzt haben, sind solche Berichte aber keineswegs überraschend. Dieser geniale Mann war geradezu versessen auf eine einfache Konstruktion und die Verwendung hochwertiger Materialien. Beispielsweise bestand die Vorderachse aus Chrom-Vanadium-Stahl. Vor dem Produktionsstart des Modells T nutzte man dieses Material zur Herstellung der Achsen nur in Rennwagen. Viele Besitzer des Modells T sind Mr. Ford für diese gewagte Entscheidung bis heute dankbar.

Man hat den Eindruck, dass erst jetzt sein großer Beitrag zur Entwicklung der Menschheit gewürdigt wird. Toll, dass es so viele Anekdoten über ihn gibt, die uns seine interessante Persönlichkeit deutlich näher bringen. Zum Beispiel diese: Im Morgengrauen des 4. Juni 1896 war Henry Ford – damals 33 Jahre alt – mit seinem ersten selbstkonstruierten Fahrzeug, genannt „Quadricycle“, fertig. Na schön, aber das Fahrzeug passte nicht durch die schmale Werkstatttür. Was macht Mr. Henry? Er greift nach einer Axt und „verbreitert“ die Tür – und nebenbei auch noch die Ziegelmauer. Danach macht er, wie er es für diesen Tag geplant hatte, in aller Ruhe die Jungfernfahrt mit seiner vierrädrigen Konstruktion.

Manchmal wünschen wir uns genau so ein Durchsetzungsvermögen. In letzter Zeit sogar mehr denn je – zum Beispiel wenn uns ein Druckerverkäufer mal wieder zum Kauf eines neuen Modells rät, weil sich angeblich die Reparatur nicht lohnt. Würde Henry Ford glauben, dass heutzutage massenweise Produkte weggeworfen werden, nur weil der Hersteller einfach keine Instandsetzung vorgesehen hat? Nein, so etwas ginge ihm bestimmt nicht in seinen genialen Kopf. Wir wünschen eine gute Lektüre und sagen:

„Bis zum nächsten Gasoline Magazine!“

Die Redaktion

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