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Stationäre Pflege


Guter Rat Spezial - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 06.06.2019

KOPF- UND BAUCHGEFÜHL Es ist nicht leicht, das richtige Heim für die eigenen Eltern auszuwählen. Grundsätzlich gilt: je besser das Pflegepersonal, desto besser die Einrichtung. Aber es gibt noch mehr Auswahlkriterien, die es zu beachten gilt, damit Angehörige und Pflegebedürftige eine Entscheidung treffen können, mit der am Ende alle Beteiligten zufrieden sind


Es ist wohl mit die schwerste Entscheidung, die Kinder mit ihren Eltern treffen: die Auswahl des richtigen Heims, wenn die pflegebedürftigen Eltern nicht mehr in ihrem Zuhause wohnen können. Wer seine Angehörigen gut versorgt wissen möchte, sollte ...

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... zunächst die Fakten checken: vor allem den Personalschlüssel. Dieser Wert gibt an, wie viele Bewohner eine Pflegekraft betreut. Kommt dabei heraus, dass beispielsweise nachts eine Pflegerin 60 zum Teil desorientierte Menschen im Blick haben muss, sollte man dringend nach einer anderen Einrichtung suchen. Eine andere gute Richtschnur sind Prüfberichte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen – die sollten sich Angehörige auf jeden Fall zeigen lassen und sehr gründlich lesen. Aus dieser Faktensammlung entsteht eine Vorauswahl im Kopf. Mindestens ebenso wichtig ist das eigene Bauchgefühl: Wie wirkt die Atmosphäre in den Gemeinschaftsräumen und Zimmern, der Umgangston unter den Pflegekräften und gegenüber den Bewohnern, das Essen? Liegen bei der Auswahl mehrere Heime nahezu gleichauf, entscheiden die Erreichbarkeit der Einrichtung sowie Spezialangebote: Schwimmbad, Schachoder Bouleplatz im Park, Gesprächskreise, Kulturangebote oder Therapiehunde.

Pflegeheim Im ersten multikulturellen Seniorenzentrum »Haus am Sandberg« des DRK in Duisburg leben Heimbewohner aus zehn Nationen unter einem Dach. Zur Beschäftigung der Heimbewohner gehört die Musiktherapie mit Trom


84 Wie findet man im Internet ein gutes Heim?

85 Wie finde ich ein gutes Pflegeheim?

Hilfreich sind in jedem Fall Empfehlungen von Freunden, Bekannten oder dem Hausarzt. Einen grundsätzlichen Überblick über das Angebot in der Region hat der örtliche Pflegestützpunkt. Im Internet kann man über den Pflege-Navigator der AOK (pflege-navigator.de ), das Heimverzeichnis (heimverzeichnis.de ) oder den Verband der Pflegehilfe (pflegehilfe.org/pflegeheime ) suchen. Hinweise auf die Qualität des Heims bietet der Prüfbericht des Medizinischen Dienstes (MDK), der bei den Heimen online eingesehen werden kann.

86 Wie funktioniert die Prüfung der Qualität im Heim?

Zu unterscheiden sind Regel-, Anlassund Wiederholungsprüfungen.

REGELPRÜFUNG Im Abstand von höchstens einem Jahr prüft der MDK Pflegezustand sowie Wirksamkeit von Pflege und Betreuung.

ANLASSPRÜFUNG Immer bei einem besonderen Anlass, etwa nach Beschwerden von Angehörigen. Betroffene Pflegebedürftige werden einbezogen.

WIEDERHOLUNGSPRÜFUNG Kontrolle nach Regel- oder Anlassprüfung, ob festgestellte Qualitätsmängel beseitigt worden sind.

87 Wie lässt sich der Alltag im Heim vorab einschätzen?

Entscheidend ist die Besichtigung vor Ort, der Besuch eines Festes oder Tages der offenen Tür sowie ausführliche Gespräche mit Mitarbeitern. Wichtig sind erste Eindrücke: Wie riecht es, wie wirken die Bewohner? Hinzu kommt: Wie viele Bewohner werden von einer Pflegekraft betreut, gibt es häufigen Wechsel beim Pflegepersonal, und wie ist die medizinische Versorgung?

88 Warum ist im Heim der Personalschlüssel so wichtig?

Sicher, das Personal ist der größte Kostenfaktor im Heim. Aber wer seine Angehörigen gut versorgt wissen möchte, sollte Wert darauf legen, dass stets genug Personal vorhanden ist, um einen entspannten Betreuungsablauf zu ermöglichen. Stichproben im Haus zu unterschiedlichen Tageszeiten können einen guten Überblick verschaffen. Hellhörig sollten Angehörige werden, wenn es laut Prüfbericht des MDK Kritik am Versorgungszustand gab, etwa bei der Wundversorgung oder dem Schmerzmanagement.

89 Welche stationäre Pflege ist die richtige?

LEICHT VERGLEICHBAR Pflegeheime unterscheiden sich bei Leistungen, Preisen und Service. Mit der Checkliste finden Sie das richtige

Betreuung Demenzkranke benötigen in Pflegeheimen besondere Zuwendung. Wenn sie an ihre Jugend erinnert werden, fühlen sie sich geborgener


90 Wie setzen sich die Kosten im Heim zusammen?

Die Gesamtkosten teilen sich in Pflegeund Betreuungskosten, die von der Pflegekasse getragen werden. Hinzu kommen Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten, die die Bewohner aus eigener Tasche zahlen. Im Bundesdurchschnitt beträgt der Eigenanteil monatlich 1 830 Euro.

91 Gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern?

Ja, am teuersten ist Nordrhein-Westfalen mit 2 252 Euro, gefolgt vom Saarland mit 2 217 Euro. Am günstigsten sind Sachsen-Anhalt mit 1 218 Euro, Sachsen mit 1 279 Euro und Thüringen mit 1 322 Euro pro Monat.

92 Was gehört zu Unterkunftsund Verpflegungskosten?

Zimmermiete, Putzen, Wäschewaschen sowie Betreuung. Die Verpflegung umfasst vier Mahlzeiten am Tag mit Getränken. Dieser Kostenanteil bleibt gleich, auch wenn der Pflegegrad steigt.

93 Wofür zahlen Heimbewohner Investitionskosten?

Investitionskosten können mit über 500 Euro im Monat zu Buche schlagen. Die Heimleitung bezahlt von dem Geld nicht nur Miet- und Pachtzahlungen an den Besitzer, sondern auch Instandhaltung und bei Bedarf Modernisierung des Gebäudes. Bildet das Heim eigene Pflegekräfte aus, kann auch noch eine Ausbildungsumlage hinzukommen.

94 Was ist, wenn der Eigenanteil das Budget sprengt?

Der Anteil der Selbstzahler liegt bundesweit derzeit bei rund 60 Prozent, Tendenz fallend. Reicht beim Pflegebedürftigen die Rente allein nicht aus, und sind alle Ersparnisse ausgegeben, um seinen Heimplatz zu finanzieren, ist dies ein Fall fürs Sozialamt. Im ersten Schritt bittet das Amt dann Kinder des Pflegebedürftigen zur Kasse (Elternunterhalt).

Tipp: Erhalten Kinder die Aufforderung zur Zahlung von Elternunterhalt, sollten sie den Vorgang von einem Fachanwalt prüfen lassen. Können Kinder nicht für ihre Eltern zahlen, oder wenn es gar keine Kinder gibt, springt das Sozialamt ein. Je nachdem, wie hochwertig der Pflegebedürftige untergebracht ist, kann auch ein Umzug in ein günstigeres Heim notwendig werden.

95 Variiert die Höhe der Rechnung je nach Länge des Monats?

Nein, die Rechnung bleibt für jeden Monat gleich, egal, ob er 28, 29, 30 oder 31 Tage hat. Jede Monatsrechnung wird vom Heim für 30,42 Tage kalkuliert.

96 Welche Unterschiede gibt es bei den Zimmern?

Je nach Größe, Lage – zur Straße hin lauter, zum Innenhof leise – und Ausstattung – mit oder ohne Balkon – ist die Miete gestaffelt. Es macht auch einen Unterschied, ob sich zwei Bewohner Bad und Küchenzeile teilen oder nicht.

97 Lieber eine große oder eine kleine Einrichtung wählen?

Das kann man generell nicht sagen, denn das Angebot des Heims muss zu den persönlichen Bedürfnissen des Pflegebedürftigen und seiner Angehörigen passen. Große Anlagen können etwas unpersönlich sein, bieten aber meist eine größere Auswahl bei den Zimmern, bei Aktivitäten und Freizeitmöglichkeiten. Hinzu kommen spezielle Demenzstationen sowie Fachkräfte für die Wund- und Palliativversorgung. Kleine Heime überzeugen eher mit ihrem sehr persönlichen Stil statt mit vielen Therapiegruppen, Sing- und Tanzkreisen.

98 Welche Rolle spielt die ärztliche Versorgung im Heim?

Idealerweise gibt es in der Einrichtung Hausärzte, die regelmäßig vorbeischauen und ihre Patienten auch ohne Termin, quasi im Vorübergehen, im Blick haben. Oder der Doktor hat seine Praxis sogar im oder sehr nahe am Heim.

99 Welche Vorteile bringt ein Wohnen auf Probe?

Probewohnen kann sehr sinnvoll sein, wenn skeptische Test-Bewohner den Alltag im Heim ein paar Tage hautnah mitbekommen. So können Pflegebedürftige vorhandene Vorbehalte abbauen und sich langsam an ihre neue Umgebung gewöhnen.


FOTO: DRK/JÖRG F. MÜLLER