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Stechinsekten: Was sticht denn da?


natur - epaper ⋅ Ausgabe 6/2020 vom 15.05.2020

Mücken, Bettwanzen und andere Insekten wollen unser Blut. Um es zu bekommen, haben sie ausgeklügelte Systeme entwickelt. Ein Stich ist fast immer lästig, mitunter aber auch gefährlich


Artikelbild für den Artikel "Stechinsekten: Was sticht denn da?" aus der Ausgabe 6/2020 von natur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: natur, Ausgabe 6/2020

Die Gemeine Hausmücke gehört zu den häufigsten Mückenarten in Europa. Die Männchen stechen nicht, sondern ernähren sich „vegetarisch“ von Pflanzensäften und Nektar. Ihre Mundwerkzeuge (r.) sind deshalb nicht weniger beeindruckend


Der blassgelbe Limburger Käse mit rötlich-brauner Rinde ist optisch eher unscheinbar. Besser zu erkennen ist er am intensiven Geruch, der ihm die wenig schmeichelhafte und etwas vereinfachte ...

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... Bezeichnung „Stinkekäse“ eingebracht hat. Der strenge Geruch mag Skeptiker abschrecken, wirkt aber umso anziehender auf Mücken der Art , der in Afrika häufigsten Überträgerart für Malaria. Das Geheimnis hinter der Anziehungswirkung liegt in dem Bakterium, das dem Limburger Käse seinen charakteristischen Geruch verleiht. ist eng verwandt mit , das bevorzugt zwischen menschlichen Zehen zu finden ist – der Begriff „Käsefüße“ kommt nicht von ungefähr. Beide Bakterienarten produzieren ähnliche Fettsäuren und sie sind es, die auf der Suche nach Opfern den Weg weisen. Als Lockmittel für bei uns heimische Mückenarten funktioniert Limburger Käse wohl weniger gut, doch auch hier sind Bakterienausdünstungen auf der menschlichen Haut ein Faktor, der Stechmücken anlockt. Sie sind jedoch nicht der erste Schritt, der Mücken zu ihrem Opfer führt, erklärt Aljoscha Kreß, Biologe am Fachzentrum Klimawandel und Anpassung beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). „Am Beginn ihrer Suche sitzt die Mücke meist in einem schattigen Gebüsch und wedelt mit den Hinterbeinen“, erzählt der Mücken-Spezialist. „An den Hinterbeinen befinden sich Sensoren für Kohlendioxid, das Teil unserer Atemluft ist. Hat die Mücke einen Anstieg von Kohlendioxid entdeckt, beginnt sie zu fliegen und findet mithilfe von Thermosensoren heraus, wo es warm wird“, erklärt Kreß weiter.


Mücken riechen von Bakterien produzierte Fettsäuren und finden so ihre Opfer


Fettsäuren verraten das Opfer

Im dritten Schritt kommen dann die unterschied - lichen Bakterienarten und ihre individuellen Ausdünstungen ins Spiel. „Die Mücke riecht anhand der von den Bakterien produzierten Fettsäuren, womit sie es bei ihrem potenziellen Opfer eigentlich zu tun hat. Mensch, Pferd, Hund, Katze, Vogel – da gibt es ganz unterschiedliche Präferenzen. Einige Arten stechen nur Menschen und Affen, andere sind auf Vögel spezialisiert“, weiß der Biologe. Menschen lassen sich dabei bakterientechnisch in zwei Gruppen aufteilen. Bei einigen dominieren auf der Haut Mikrokokken-Bakterien, bei anderen sind es Diphteroiden-Bakterien. „Einzelne Mückenpopulationen unterscheiden sich darin, welchen Typ sie bevorzugen. Je nach Saison oder Ort wird man also mehr oder weniger gestochen“, so Kreß. „Aber keiner der beiden Typen wird grundsätzlich von Mücken bevorzugt. So etwas wie süßes Blut gibt es nicht“, ergänzt er.

Die Mücken, die sich auf diese Weise auf die Suche nach einem Ziel für ihre Stechattacke machen, sind ausschließlich weiblich. Männliche Stechmücken ernähren sich von Pflanzensäften und Nektar, nur die Weibchen brauchen eine proteinhaltige Blutmahlzeit, um Eier legen zu können. Ist das Opfer erst gefunden, kommt das aus - geklügelte Stechwerkzeug der Mücken zum Einsatz.

Sägen und saugen

Der feine Stechrüssel der Mücken besteht genau genommen aus sechs schmalen, nadelförmigen Elementen. Die beiden äußeren Lanzetten haben am unteren Ende einige Häkchen, mit denen sich die Mücke quasi in die Haut sägt. Zwei weitere, sogenannte Mandibeln, halten das Gewebe auseinander. Eine der beiden übrigen Nadeln ist ein feines Rohr, mit dem die Mücke in der Haut nach Blutgefäßen stochert und schließlich Blut saugt. Über die letzte Nadel injiziert die Mücke Speichel, der gerinnungshemmende Substanzen enthält und über den im Zweifelsfall Krankheiten übertragen werden. Die sechs Nadeln sind von einer feinen Hauthülle, dem Labium, umgeben, das elastisch ist, sich während des Stechvorgangs zurückbiegt und so außerhalb der Einstichstelle bleibt. Während eines einzigen Stichs kann eine Mücke das Dreifache ihres Körpergewichts an Blut saugen. Um in ihrem Magen besonders viel Platz für rote Blutkörperchen zu schaffen, presst sie außerdem noch während des Saugens Wasser aus ihrem Hinterleib. Auch wenn die Mücke nach einer solchen Mahlzeit prall gefüllt ist, sticht sie im Lauf ihres mehrwöchigen Lebens in der Regel mehrfach zu. „Mücken brauchen das Blut zwar für ihre Eiablage, sie können es aber auch verdauen, ohne Eier zu legen“, erklärt der Biologe Kreß.


Weibchen brauchen eine proteinhaltige Blutmahlzeit, um Eier zu legen


Der Menschenfloh kommt weltweit vor, ist in Europa aber selten geworden. Er sticht Menschen am liebsten an den feuchtwarmen Stellen ihrer Körper


Stechmücken sind in Deutschland vor allem lästig und können einem so manchen Sommerabend ver miesen. Doch sie sind nicht die einzigen Insekten, die im Alltag auf der Jagd nach unserem Blut sind. Eng verwandt mit ihnen sind die Gnitzen, eine kleinere Variante stechender Zweiflügler. Sie werden nur zwischen ein und vier Millimeter groß und stechen nicht nur Menschen, sondern auch andere Säuge - tiere und manchmal sogar größere Insekten.

Besonders schmerzhaft sind auch die Stiche von Bremsen, die nicht zu den Mücken, sondern zu den Fliegen gehören. Anders als beim peniblen Stich der Stechmücken entsteht beim Biss einer Bremse eine kleine, aber offene Wunde in der Haut – die schmerzt und juckt dann in der Regel sofort.

Und auch unter den krabbelnden Insekten hierzulande ernähren sich einige von menschlichem Blut. Der Menschenfloh ist in Europa selten geworden, doch Kopfläuse machen immer wieder Menschen das Leben schwer. Wer Kinder hat, kennt die milde Panik, die ausbricht, wenn aus Kindergarten oder Schule Lausbefall gemeldet wird.

Ungewollte Urlaubs-Mitbringsel

Ein wachsendes Problem in Deutschland sind außerdem Bettwanzen. Die kleinen Insekten sind in ihren unterschiedlichen Stadien zwischen 2,5 und sechs Millimetern groß und können sich in winzigen Zwischenräumen verstecken, etwa hinter Fußleisten und Lichtschaltern, in Bilderrahmen oder Möbeln. Anders als bei Stechmücken stechen hier beide Geschlechter, denn sie benötigen Blut für ihre Entwicklung. „Bettwanzen haben fünf Jungtierstadien. In jedem Stadium brauchen sie Blut, um sich zu häuten und ins nächste Stadium übergehen zu können“, erklärt Ute Trauer-Kizilelma vom Umweltbundesamt. Auf der Suche nach einem Wirt warten die nachtaktiven Bettwanzen zunächst, bis es dunkel ist. Dann verlassen sie ihr Versteck und identifizieren Menschen in der Nähe ähnlich wie Stechmücken mithilfe von Sensoren für Wärme und Kohlendioxid. Häufig sticht eine Wanze mehrmals zu, bis sie Blut saugt. Der Saugvorgang dauert dann mehrere Minuten, manchmal zehn Minuten oder länger. Ist er beendet, kehrt die Wanze in ihr Versteck zurück. Von dieser ganzen Prozedur merkt der schlafende Wirt in der Regel nichts. „Eine Reaktion auf die Stiche kommt manchmal erst Tage später, bei manchen Leuten auch gar nicht“, erklärt Trauer-Kizilelma. „Deswegen ist es sehr schwer, Wanzenbefall überhaupt zu bemerken.“ Deutlichere Indizien sind die leeren Häute der Wanzen oder Kotspuren in Form von winzigen, schwarzen Punkten. Wie verbreitet Bettwanzen in Deutschland sind, ist jedoch unklar, denn der Befall ist nicht meldepflichtig. „Unser Eindruck ist, dass Bettwanzen besonders in Großstädten ein wachsendes Problem sind“, meint die UBA-Expertin und warnt gleichzeitig vor Stigmatisierung. „Die Ursache für den Befall ist nicht etwa mangelnde Hygiene. Die Tiere verbreiten sich über Reiseverkehr und den Handel mit Gebrauchtwaren. Hat man sie, hat man sie von irgendwo mitgebracht.“ Bettwanzen überleben mehrere Monate ohne eine Blutmahlzeit – der Flohmarkt wird da unter Umständen zum Wanzenmarkt.

Bremsen sind nicht nur für Menschen lästig. Auch Kühe, Pferde und andere Warmblüter sind beliebte Nahrungsquellen für die Insekten


Kopfläuse leben im menschlichen Haupthaar, bewegen sich aber ausschließlich krabbelnd fort. Für eine Übertragung braucht es also engen Körperkontakt


Ihre Eier befestigen Läuse am Haar in der Nähe seiner Wurzel. Daraus schlüpft zunächst eine Nymphe, die sich später in eine etwas größere ausgewachsene Laus verwandelt


Seit 2011 gibt es in Deutschland ein systematisches Stechmückenmonitoring


Deutlich genauer als über Bettwanzen wissen die Behörden in Deutschland über die Verbreitung von Stechmücken Bescheid. Seit 2011 gibt es ein systematisches Monitoring, dessen Einführung nicht zuletzt den Gnitzen zu verdanken ist. Einige Gnitzen-Arten können den Erreger der Blauzungenkrankheit übertragen, eine Viruserkrankung, die Rinder, Schafe und andere Wiederkäuer befällt und die im Jahr 2006 überraschend auch in Deutschland ausbrach.

Auf Krankheiten vorbereitet sein

„Man wusste bis dahin nicht, dass es in Deutschland Gnitzen-Arten gibt, die das Blauzungenvirus übertragen können“, erzählt Helge Kampen, Biologe am staat - lichen Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). „Zeitgleich breitete sich in Südeuropa die Asiatische Tigermücke aus und es gab erste Fälle von tropischen Krankheiten wie Dengue und Chikungunya. Diese Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass das Stechmückenmonitoring eingeführt wurde. Man wollte besser vorbereitet sein als bei der Blauzungenkrankheit“, fasst der Bio - loge zusammen. Das Monitoring steht in Deutschland auf zwei Säulen. Die erste ist ein Fallenmonitoring, bei dem jährlich zwischen April und Oktober zahlreiche Stechmückenfallen in ganz Deutschland aufgestellt werden. Über 24 Stunden pro Woche werden Stechmücken darin gefangen und schließlich von Spezialisten analysiert. Bei der zweiten Säule ist dagegen die ganze Bevölkerung gefragt. Über das Projekt „Mückenatlas“ sind alle Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, Stechmücken zu fangen und möglichst unversehrt zur Analyse einzuschicken. Betreut wird das Projekt von Helge Kampen am FLI gemeinsam mit Doreen Werner am Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF). Kampen erklärt: „Wir sind an allen Mücken interessiert, wollen sie aber möglichst unbeschadet haben.“

Bettwanzen über - leben in kleinen Zwischenräumen monatelang ohne Blutmahlzeit. Sie verbreiten sich zum Beispiel über Reisegepäck oder gebraucht gekaufte Möbel


Saugt eine Bettwanze Blut, dauert dieser Vorgang mehrere Minuten. Dennoch bleibt er von den in der Regel schlafenden Opfern meist unbemerkt


Die passende Anleitung dazu gibt es auf der Webseite des Projekts: Am besten fängt man die Mücke mit einem Gefäß, schließt sie darin ein und legt sie über Nacht ins Gefrierfach. In einem kleinen Döschen kann man die Mücke dann ans ZALF schicken. „Die Leute sind da sehr erfinderisch. Wir haben schon Mücken in Tablettendöschen bekommen oder in der Hülle einer Speicherkarte“, erzählt Kampen. Bisher ist das Projekt aus seiner Sicht sehr erfolgreich und eine gute Ergänzung zum Monitoring mithilfe von Fallen. Während mit Fallen auch Arten entdeckt werden, die sich selten Menschen nähern, gibt der Mückenatlas ein breites Bild. „Wir haben seit 2012 ungefähr 150 000 Mücken bekommen, darunter zahlreiche Exemplare neuer Arten. Damit ist der Mückenatlas das Nachweisargument für invasive Arten. Die Asiatische Tigermücke gibt es inzwischen auch in Deutschland, aber sie ist zu selten, um sie mit Fallen fangen zu können. Fast alle Nachweise gehen auf den Mückenatlas zurück“, erzählt Kampen.

Die Asiatische Tigermücke ist heute an mehreren Orten in Deutschland heimisch, vor allem im Südwesten. Ihre Larven legt sie wie andere Mücken gern in stehende Gewässer


Die Asiatische Tigermücke ist die einzige Art, die aktiv bekämpft wird


Die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus ist nur eine von mehreren Arten aus wärmeren Regionen, die in den letzten Jahren in Deutschland heimisch geworden sind. Einer, der diese Entwicklung von Anfang an mitverfolgt hat, ist Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor bei der KABS, kurz für „Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage“. Der Verein wurde 1976 in Süddeutschland gegründet, um die Zahl der Überschwemmungsmücken in der Oberrhein-Region zu reduzieren. Mit seiner geografischen Herkunft lässt sich übrigens auch der Name des Vereins erklären: „Schnake“ ist in Südwestdeutschland als Wort für Stechmücken (Culicidae) geläufig, während es im Rest von Deutschland für die Familie der Tipulidae (Schnaken) gebraucht wird, die deutlich größer sind und nicht stechen. Becker konnte beobachten, wie die Tigermücke ihren Weg nach Deutschland fand, und zwar mit dem Auto: „2007 ist sie erstmals entlang der Autobahn A5 beobachtet worden. Heute gibt es sie dort auf jedem zweiten Rastplatz“, erzählt er. Schon in den 1990er Jahren sei die Mücke per Containerschiff in gebrauchten Autoreifen, in denen sich ihre Eier befanden, von den USA nach Italien eingeschleppt worden und habe sich dann im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Mit dem Reise- und Güterverkehr habe sie es schließlich über die Alpen geschafft. „Die Art ist tagaktiv und sehr aggressiv. Sie fliegt Menschen gezielt hinterher, im Zweifelsfall auch ins Innere eines Autos“, so der Biologe.

Ansteckungsrisiko nicht nennenswert

Seit 2014 konnten sich in Deutschland stabile Populationen der Asiatischen Tigermücke etablieren, 2019 gab es solche Becker zufolge an 16 verschiedenen Orten, vornehmlich in Südwestdeutschland. Auch andere exotische Arten, etwa die Japanische und die Koreanische Buschmücke, breiten sich über Deutschland aus. Die Asiatische Tigermücke aber ist die einzige, die aktiv bekämpft wird, weil sie verschiedene Viruserkrankungen übertragen kann (siehe Kasten S. 31). Wird sie gesichtet, zum Beispiel über den Mückenatlas, werden lokale Gesundheitsämter benachrichtigt, mit denen auch die KABS eng zusammenarbeitet. Sie bekämpft die Mücken mit BTI, einem Stoff, der schon seit den 70er Jahren auch gegen Überschwemmungsmücken eingesetzt wird. Das von Bakterien gebildete Eiweiß darin tötet Mückenlarven, ist aber für andere Insekten unproblematisch. Ebenso wichtig sind jedoch vorbeugende Maßnahmen, betont Becker. Sie nehmen den Mücken ihre Brutplätze und können von jedem ergriffen werden (siehe Kasten oben). „Insgesamt ändert sich das Szenario“, findet Becker. „Krankheiten wie Dengue und Chikungunya kommen näher und auch unsere Hausmücken sind jetzt potenzielle Überträger von Viren.“

Auch Aljoscha Kreß am Fachzentrum Klimawandel und Anpassung in Hessen beobachtet die Veränderung. „Im Moment ist das Ansteckungsrisiko für tropische Krankheiten in Deutschland nicht nennenswert, aber man kann es nicht ausschließen“, meint der Biologe. Doch er sagt auch: „Was uns Sorgen macht, ist die Zukunft. Je nachdem, wie es mit dem Klimawandel und Klimaschutzmaßnahmen weitergeht, haben wir auch in Deutschland Mitte des Jahrhunderts ein ernsthaftes Übertragungsrisiko.“

Henrike Wiemker
sah bei der Recherche das Video vom Stechakt einer Mücke, vergrößert und in Zeitlupe. Ihr Unbehagen dabei war groß, die Faszination am Ende aber größer.

Wenn ein Stich krank macht

Mücken gehören zu den für den Menschen tödlichsten Tieren auf der Erde. Allein 435 000 Menschen starben laut WHO im Jahr 2017 an Malaria, die Zahl der Infektionen lag bei 219 Millionen. Erreger, die durch die Asiatische Tigermücke in Deutschland aktuell werden könnten, sind Dengue-, Chikungunya-, Gelbfieber- und Zika-Viren. Alle werden von der Tigermücke übertragen, das Risiko dafür ist aber in Deutschland bisher gering. Das Virus müsste mit einem Reisenden eingeschleppt werden, der außerdem in der kurzen Phase, in der die Übertragung möglich ist, in Kontakt mit den seltenen Tigermücken kommen müsste. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge wurden bisher in Deutschland keine durch Tigermücken übertragenen Infektionen registriert. Das West-Nil-Virus wird dagegen von heimischen und weit verbreiteten Stechmückenarten übertragen. Der erste Fall wurde im September 2019 registriert, seitdem gab es noch zwei weitere Fälle, gibt das RKI an.

Asiatische Tiger - mücken können sich auch in Deutschland erfolgreich fortpflanzen. Das Risiko, sich dadurch hier - zulande mit einer tropischen Krankheit anzustecken, ist dennoch gering

So machen Sie den Mücken das Leben schwer

Die Asiatische Tigermücke legt ihre Eier wie viele andere Stechmückenarten in stehende Gewässer. Der wichtigste Schutz vor Mücken ist deshalb die Vermeidung von unnötigen Brutplätzen. Dazu kann man zum Beispiel:
Die Untersetzer unter Blumenkübeln umdrehen oder ausleeren
Private Gullis regelmäßig reinigen
Abgestandenes Wasser direkt vergießen, nicht in den Gulli schütten
Gießkannen komplett leer machen
Regentonnen dicht abdecken
Vogeltränken und andere Wasserbehälter regelmäßig reinigen
Wasser in Planschbecken regelmäßig auswechseln
Autoreifen trocken lagern und Pfützen in Abdeckplanen vermeiden

Abgesehen davon helfen gegen Mücken die üblichen Methoden: Insektennetze vor dem Fenster, wenig freie Haut und Abwehrmittel wie Autan und Antibrumm. Wer glaubt, eine Asiatische Tigermücke gesichtet zu haben, sollte umgehend den Mückenatlas oder das lokale Gesundheitsamt benachrichtigen.


Foto: Roland Ijdema/stock.adobe.com, Solvin Zankl/naturepl.com

Foto: Science Photo Library/STEVE GSCHMEISSNER, Francesco Tomasinelli/Lighthouse/OKAPIA, F1online

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