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Stefanie Kemp, Oracle: „Manchmal reden wir nur noch mit dem Fachbereich“


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Computerwoche - epaper ⋅ Ausgabe 31/2022 vom 04.08.2022
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Bildquelle: Computerwoche, Ausgabe 31/2022

CW: Sie geben Ihren Job als Oracle-Deutschlandchefin auf, um Chief Transformation Officer bei den Sana Kliniken zu werden. Hat es Ihnen bei Oracle nicht mehr gefallen?

Kemp: Doch, ich habe gerne für Oracle gearbeitet und bin ja auch noch ein bisschen da. Aber ein Transformationsprojekt im Gesundheitsbereich zu stemmen, ist jetzt eine tolle Herausforderung und für mich eine Herzensangelegenheit. Meine positive Einstellung zu Oracle hat sich nicht verändert. Wenn mich die Leute fragen, warum ich mich vor zwei Jahren für den Job entschieden habe, sage ich immer: Es gibt keinen anderen Anbieter, der wirklich von der Hardware über die klassische Datenbank und Middleware bis hin zu den Applikationen für fast sämtliche Industrien Lösungen bietet. Deshalb ist Oracle eine coole Company.

CW: Die Botschaft vom kompletten Stack habe ich von Oracle schon vor zehn Jahren gehört. Server, Datenbanken, ...

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... Middleware, Business Applikationen, ERP und so weiter – wirklich sexy ist das ja eigentlich nicht. Wenn ich an den digitalen Wandel denke, dann spielt die Musik doch ganz woanders.

Kemp: Naja, reden wir mal über das große übergeordnete strategische Thema – die Cloud. Wenn Sie sich den kompletten Stack ansehen, inklusive der Hardware-Komponenten, dann können Sie von Oracle alles auch aus der Cloud bekommen. Was das Thema Applikationen angeht, stehen wir im Gartner-Quadranten oben rechts, weil wir mit Peoplesoft, Human Capital Management (HCM), der Customer Experience sowie den Fusion Applications längst alles aus der Cloud anbieten. Mittlerweile sind wir auch mit der Oracle Infrastructure Cloud in den Rankings ganz vorne. Ja, wir kommen aus der alten Welt, aber der Kunde kann zusammen mit uns den nächsten Schritt in die Cloud gehen.

Was die Kunden vielleicht noch On-Premises brauchen, können sie in ihrem eigenen Rechenzentrum in einen Cloud Service packen, dafür gibt es Cloud@Customer. Das betrifft vor allem Themen, wo Latenzzeiten wichtig sind und die Kunden Hardware ganz vorne an den Produktionsprozessen brauchen. Anwender können die Systeme dastehen lassen, wo sie sind, und bekommen trotzdem die kompletten Cloud Services.

CW: Oracles Cloud-Angebot ist gar nicht so einfach zu durchblicken. Da gibt es die Public Cloud, dann die Cloud@Customer und letztens haben Sie Dedicated Region vorgestellt, wo die Hardware ja auch beim Kunden steht. Das verwirrt, gelinde gesagt, ein wenig.

Kemp: Dedicated Region ist nichts anderes als Cloud@Customer. Aber dabei übernehmen wir die Data-Center-Infrastruktur des Kunden eins zu eins und packen sie in die Cloud. Wir bieten dafür den ganzen Service, das entlastet die Kunden enorm. Oft wollen sie selbst an der Hardware gar nicht mehr schrauben. Und auch an der Vernetzung wollen sie nicht mehr arbeiten. Bleibt der Application Stack. Auch den könnten wir theoretisch übernehmen. Dafür haben wir eine eigene Einheit, den Advanced Customer Service (ACS), der sich auch um individuelle Applikationen kümmern kann.

CW: Heißt das, Oracle würde auch das Management von Fremdapplikationen übernehmen?

Kemp: Das muss natürlich im Einzelnen geprüft werden. Es ist auch nicht so, dass wir für alle Drittapplikationen Know-how vorhalten. Aber grundsätzlich: Ja, dafür gibt es diese Einheit. Es gab große Kunden, insbesondere in Nordamerika, die gesagt haben: Eigentlich wollen wir das alles abgeben, aber wir wollen nicht mehr den klassischen Outsourcing-Ansatz, wo über jeden einzelnen Service nachgedacht und verhandelt werden muss, sondern eher einen „All-Inclusive-Ansatz“.

CW: Ist das auch Ihr Ansatz für die Public Cloud, dass Sie sagen: Im Grunde genommen ist uns egal, was in der Oracle Cloud betrieben wird. Das kann auch S/4HANA von SAP sein?

Kemp: Ja, Kunden können die Infrastruktur in Oracle Cloud dazu nutzen, alles zu betreiben. Wir öffnen uns aber auch für die Cloud-Angebote der Mitbewerber, wenn sich Kunden etwa für Microsoft Azure entscheiden, aber ihre Oracle-Datenbank dorthin mitnehmen wollen.

CW: Im Public Cloud Bereich sind AWS und Microsoft die absoluten Marktführer. Dann kommen Google Cloud und Alibaba. Oracle hinkt hinterher. Ist es Ihr Anspruch, da hinzukommen, wo AWS oder Microsoft stehen?

Kemp: Qualitativ wollen wir natürlich ganz oben im Ranking mitspielen. Ich glaube aber, viel entscheidender ist, dass Oracle diese Vielfalt anbieten kann. Ich muss immer schmunzeln, wenn ich höre: Ein großer Kunde hat sich gerade mit Google eingelassen. Google kommt nicht aus dem Enterprise-Segment. Im B2B-Bereich gilt es, die Komplexität in Strukturen und Prozessen zu verstehen. Mit einer Implementierung einfach nur in die Cloud zu gehen, ist es nicht getan. Sie müssen sich auch die einzelnen Industrien ansehen und genau überlegen: Was soll denn eigentlich transferiert werden in die Cloud? Oracle hat den Vorteil, aus dem Enterprise-Segment zu kommen. Wir wissen, was da gefragt wird. Aber natürlich wollen wir irgendwann schon unter den ersten Hyperscalern genannt werden.

CW: Wie wollen Sie dahin kommen?

Kemp: Wir bereiten unseren On-Premises-Kunden einen möglichst einfachen Weg in die Cloud. Sehen Sie sich einmal die installierte Basis in Deutschland an. Wenn Sie vom kleinsten Kunden bis zu den industriespezifischen Abteilungen mit hochspezialisierten Lösungen alle einrechnen, zählen wir heute über 15.000 Kunden hierzulande. Wenn wir die mit all ihren Lösungen in die Cloud bringen, gehören wir in Deutschland definitiv zu den Hyperscalern.

Der Wechsel auf eine – wie auch immer – Verbrauchs-getriebene Cloud, in der Kunden für das zahlen, was sie nutzen, ist langfristig strategisch sinnvoller und effektiver, als sich ständig mit komplexen Lizenz-Management-Themen zu beschäftigen. Ich weiß noch aus meinen früheren Jobs als CIO, wie schwierig es sein kann, Lizenzkosten kalkulieren zu müssen. Viele Betriebe kämpfen mit dem Lizenzmanagement. Das ist mit der Cloud vom Tisch.

CW: Oracles Geschäftszahlen konnten sich zuletzt sehen lassen, aber Ihnen wird immer wieder vorgeworfen, dass Ihre Cloud-Zahlen nicht transparent ausgewiesen würden. Da werden On-Premises- mit Cloud-Lizenzen vermischt ...

Kemp: Nur spiegelt das genau die Realität wider, von der ich gerade gesprochen habe! Cloud-Strategie heißt: Cloud first, but not cloud only. Die Kunden fragen sich laufend, wie weit sie mit der Cloud ins Risiko gehen wollen und ob ein Mix zwischen einer Privateund einer Public-Cloud ihren Bedürfnissen nicht besser entgegenkommt. Dazu kommt: Ich kenne keinen Kunden, der sich nur auf einen Cloud-Anbieter beschränkt hat. Deshalb ist es schwierig, den Markt insgesamt zu betrachten.

CW: Was wollen Ihre Kunden mit ihrer Cloud-Strategie erreichen? Alte Applikationen in einen Container zu packen und in die Cloud zu hieven, ist noch keine digitale Transformation. Es muss doch um die Geschäftsprozesse gehen und darum, wie der Betrieb einfacher und flexibler funktioniert ...

Kemp: ... und darum, wie ich die Anwendungslandschaft integriere. Das ist nicht einfach. Es sind längst nicht alle API-ready. Wir haben dafür unsere Cloud Integration Plattform. Da bieten wir schon viele Services an. Aber wir arbeiten auch jeden Tag weiter daran, weil wir irgendwo immer eine Applikation finden, die noch nicht API-ready ist und dann eben integriert werden muss.

CW: Was wäre aus Ihrer Sicht der beste Weg in die Cloud?

Kemp: Einige Kunden sagen, sie packen in die Cloud was geht, um dann Luft zu holen und sich den Restbestand anzusehen, den sie noch selbst betreiben. Der wird dann aufgeräumt. Im nächsten Schritt überlegen die sich dann: Was hole ich wieder zurück und was lasse ich in der Cloud. Früher haben wir das Outsourcing genannt oder Managed Services – vom Prinzip her hat sich da nicht viel geändert. Ich würde heute genauso agieren: Ich mache mich frei von Dingen, die als Commodity gelten können, angefangen mit der einfachen Bürokommunikation. Dann gehe ich an die kritischen Applikationen heran, wo ich genau weiß, ich kenne den Service auf meiner Seite, weil der einen Wettbewerbsvorteil darstellt. Unsere Kunden wünschen sich vor allem Flexibilität. Versetzen Sie sich mal zurück in die Zeiten, in denen klassisches Outsourcing aufblühte. Man kaufte irgendwo dedizierte Server oder RZ-Kapazitäten, die mussten dann über eine bestimmte Zeit laufen, damit die Rechnung aufgeht. Das haben Sie mit der Cloud nicht mehr. Sie geben rein, was Sie wollen, und ziehen es wieder ab – gemessen wird der Verbrauch.

CW: Sie reden von Pay-as-you-go, aber das ist bei Oracle ja nicht in der reinen Lehre.

Kemp: Doch.

CW: Aber bei der Dedicated Region muss sich der Kunde für einen bestimmten Zeitraum auf eine bestimmte Kapazität an bezogener Leistung festlegen.

Kemp: Dafür müssen wir auch die Ressourcen vorhalten.

CW: Sie stellen nicht einfach eine bestimmte Kapazität hin, und der Kunde bucht das, was er braucht – also etwa ein Drittel davon, und der Rest läuft dann quasi leer.

Kemp: Nein, das würde sich nicht rechnen.

CW: Pay-as-you-go gilt demnach nur für die Public Cloud?

Kemp: So ist es. Oft ist es so, dass die Kunden noch nicht so sicher sind, welche Workloads sie in die Cloud geben wollen. Wir reden hier über Landing Zones, die mit dem Kunden definiert werden. Wir bieten an, erst einmal die Lasten zu testen und einen klassisches Proof of Concept zu machen. Wir schicken unsere Architekten los und identifizieren die Workloads. Das ist in der Regel sogar kostenlos, um zu sehen, funktioniert das auch. Jeder will ja irgendwie auch ein Gefühl dafür bekommen: Geht das so?

Wenn es funktioniert, kann der Kunde dann entscheiden: Ich lasse die Workloads in der Cloud, bin mir aber vielleicht nicht sicher, ob ich das über 24 oder 36 Monate so beibehalten möchte, weil ich noch umbauen will. Dann ist die Entscheidung Pay-as-you-go richtig. Die ist allerdings, weil kein langfristiges Commitment dahintersteckt, immer ein Stück teurer, als wenn der Kunde einen Cloud-Vertrag über ein oder zwei Jahre abschließt. Aber der große Vorteil bleibt: Es gibt keine Lizenzen mehr, sondern nur noch verbrauchsabhängige Abrechnung. Da kann es natürlich auch mal sein, dass es Peaks gibt. Und es gibt eben vielleicht auch mal Tage, wo weniger Leistung benötigt wird. Das wird bei so einem Booking über den entsprechenden Zeitraum dann ausbalanciert.

CW: Läuft das immer reibungslos?

Kemp: Auch wir haben eine Lernkurve durchlaufen, wie zum Beispiel bei der Übertragbarkeit der Nutzungsrechte von einem Monat zum anderen. Wir bessern kontinuierlich nach. Das Schöne ist, bis jetzt wollen alle Bestandskunden, die wir in der Cloud haben, mit uns weitermachen.

CW: Die Cloud ist demnach ein Experimentierfeld sowohl für die Kunden als auch für Oracle, wo auch Sie erst mal überlegen müssen, wie Sie Ihre Angebote zusammenstellen?

Kemp: Zumindest wäre es fatal, wenn ich behaupten würde, wir wüssten alles von Anfang an. Das läuft unter Innovation. Wir reagieren heute viel stärker auf die Anforderungen von Kunden als dass wir sagen: Wir ändern die Regeln nicht.

CW: Oracle hat seine Fusion Application Suite komplett umgebaut für die Cloud. Inwieweit sehen Sie hier in Deutschland Chancen, im Heimatmarkt des großen Konkurrenten SAP?

Kemp: Das ist in Deutschland natürlich eine Herausforderung. Aber wir sehen mehr und mehr Anfragen. Die Kunden registrieren genau, wenn andere Anbieter Probleme haben, und sie merken: Der Übergang mit dem Anbieter ins Cloud-Zeitalter wird schwierig, da fehlt es deutlich am Service. Hier haben wir jetzt die Chance, Marktanteile zu gewinnen. Die Kunden denken neu. Mein Lieblingsthema ist gerade unsere HCM Suite für die Personalwirtschaft. Damit haben wir bei der Deutschen Bahn über 210.000 Mitarbeiter glücklich gemacht – in der Cloud. In dem Bereich gibt es die Diskussion, wie stehen wir gegenüber SAP da, komischerweise gar nicht. Offensichtlich sind wir da gut.

Oder Qiagen und Siemens Healthineers, die unser CX, also die Marketing Cloud einsetzen, um Daten zu gewinnen. Da haben wir die Wettbewerbsdiskussion auch nicht. Natürlich gewinnen wir nicht alles, aber in diesen Bereichen sind wir erfolgreich. Klar, im Kern-ERP-System ist es schwierig. Da würde ich als Unternehmer auch exakt prüfen, ob ich mein Goldstück nehme und es in die Cloud packe. Da stecken schließlich meine Prozesse, vielleicht auch meine Wettbewerbsfähigkeit drin.

CW: Macht ein Finanzsystem wirklich einen Unterschied im Wettbewerb?

Kemp: Auf jeden Fall. Hier schlägt das Herz eines Unternehmens. Es ist wichtig, Zahlen, Daten und Fakten exakt beibringen zu können. Heute kommt noch etwas anderes dazu: Konsolidierung. Viele Unternehmen, auch Oracle selbst, sind da regelrechte Künstler, sie haben viele Legal Entities, und die müssen alle irgendwie konsolidiert werden. Allein das Finanz-Reporting ist eine komplexe Aufgabe. Ich kenne kein Unternehmen auf der Welt, das als alleinige Legal Entity auftritt und nicht noch irgendwo angegliederte Gesellschaften hat. Wie wollen Sie das unter Kontrolle bringen? Also ich denke, ERP und Finance sind nach wie vor das Herz eines Unternehmens.

CW: Aber das sind doch im Grunde genommen Hausaufgaben, die jedes Unternehmen machen muss. Das wirklich Spannende und Wettbewerbsdifferenzierende passiert doch an der Schnittstelle zum Kunden.

Kemp: Richtig, wir adressieren das mit unserer Apex Application. Damit können Sie nach der DevOps-Methode einfach und schnell kleine Lösungen bauen, die sich an die großen Systeme andocken lassen. Das Credo bei den großen wuchtigen Softwarepaketen heißt ja immer: mit ERP und Finance eher im Standard bleiben und die großen Systeme keinesfalls verbiegen. Das braucht es aber auch gar nicht mehr. Heute bauen wir kleine digitale Applikationen, die meistens auch einen ganz anderen Life Cycle haben. Als ich damals noch in der SAP-Umgebung bei Vorwerk gearbeitet habe, da haben wir über Life Cycles von zehn, zwölf Jahren gesprochen. Heute reden Sie bei den Apps über Life Cycles von maximal zwei bis drei Jahren, manchmal sogar nur zwölf Monaten.

CW: Die Zukunft gehört demnach Apps, die sich an die großen Monolithen, an die Datenbank und an die Business Applikationen, anbinden lassen?

Kemp: Das passiert mehr und mehr. Es gibt bestimmt noch viele, die glauben, dass sie in den großen komplexen Backend-Systemen irgendwas verbiegen müssen. Aber diese Firmen kriegen hinterher oft keine Transparenz mehr hin und wissen auch gar nicht, wie sie das Ganze betreiben sollen. Die Komplexität ist gewachsen. Beim Kunden reden wir heute manchmal gar nicht mehr mit der IT, sondern nur noch mit dem Fachbereich. Der hat teilweise auch die Budgets komplett in der Hand und die IT sorgt nur noch zentral dafür, dass die Datenströme von A nach B fließen, dass also das Backend-System funktioniert. Vorne unterhalten sich die Anwender dann nur noch über Apps, Services und Integrationsschnittstellen.

CW: So eine Umgebung kann aber beliebig komplex werden. Es gibt auf den Cloud-Plattformen viele Marktplätze mit unzähligen Apps, die ich alle irgendwo integrieren kann. Da noch durchzublicken, wird für die Anwenderunternehmen immer schwieriger.

Kemp: Ja, man überträgt hier Komplexität von A nach B. Die Welt ist komplex, und jeder Kunde kann frei wählen, welchen Service er sich herunterlädt und damit entscheidet, wie seine IT-Landschaft in Zukunft aussehen wird. Unternehmen müssen sich auf die Frage konzentrieren, welche Application-Service-Technologie ihnen hilft, um auf die Bedürfnisse der Kunden zu reagieren. Da glaube ich, dass die Rolle eines Architekten im Unternehmen und auch auf unserer Seite enorm zunimmt. Wenn Sie keinen guten Architekten haben, der das im Griff hat, verlieren Sie sich in der Komplexität.

CW: Wissen die Kunden denn überhaupt, welche Richtung sie in ihrer digitalen Transformation einschlagen wollen?

Kemp: Die meisten wissen das ziemlich genau. Transformieren können Sie sich in alle möglichen Richtungen. Manche wollen ein agiles Unternehmen, andere wollen schneller reagieren können – dann gibt es welche, die möchten sich innovativer aufstellen. Oder aus irgendeinem Grund – Stichwort Coronazeiten – steigt der Kostendruck brutal. Umsätze brechen weg, Lieferketten-Probleme kommen hinzu. In China standen all die Container im Hafen. Wenn Sie keine Produkte haben, können Sie nichts verkaufen. Genau das ist es, worüber wir mit unseren Kunden tagtäglich diskutieren. Was ist der Antrieb, etwas zu verändern oder neu zu denken?

CW: Lassen Sie uns über die Cloud-Kosten sprechen: Oft ist die Cloud nicht so günstig, wie sich die Kunden erhofft haben.

Kemp: Das mag sein, aber wenn Sie über das Thema On-Premises-Infrastruktur nicht mehr reden müssen, ergeben sich immense Vorteile, die sich dann doch wieder rechnen. Sie müssen auch überlegen: Wie hoch waren die Lizenzgebühren vorher und wie sah die Support-Struktur aus? All das muss einfließen, wenn berechnet werden soll, ob die Cloud günstiger kommt. In manchen Fällen geht das, in anderen nicht. Grundsätzlich ist die Cloud nicht für jeden günstiger. Sie ist jedoch flexibler und ermöglicht mehr Dynamik. Das ist ein Riesenvorteil, der aber schwer zu beziffern ist.

Was Stefanie Kemp von Heatwave, dem neuen Datenbank-Baby von Oracle-Boss Larry Ellison, hält, was Oracle im Gesundheitssektor vorhat und warum sie sich auch manchmal über ihren Brötchengeber geärgert hat, lesen sie im ganzen Interview online: www.cowo.de/3553817

Stefanie Kemp

Anfang Juni 2020 hatte Oracle Stefanie Kemp nach monatelanger Suche überraschend zum neuen Country Leader in Deutschland ernannt. Kemp folgte auf Kenneth Johansen, der im September 2019 seinen Posten als Deutschlandchef verloren hatte. Johansen hatte sich gerade einmal gut zwei Jahre gehalten. Auch sein Vorgänger Frank Obermeier war nur wenig länger Country Leader von Oracle hierzulande. Nach ziemlich genau zwei Jahren verabschiedet sich nun auch Kemp von Oracle. Zum 1. September beruft sie der Vorstand der Sana Kliniken zur Chief Transformation Officer. Die Stelle wurde neu geschaffen. Die Managerin soll alle digitalen Bereiche und Projekte, die IT sowie Prozessoptimierung und -management verantworten. Wer ihr bei Oracle nachfolgt, steht noch nicht fest.