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STEHEN DIESE DREI SUV VOLL IM SAFT?


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 10.02.2022

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TRADITION WAR GESTERN: Skoda mit Hinterradantrieb trifft auf Volvo und Mercedes – jeweils mit Frontantrieb. Als wär das nicht bereits irritierend genug, müssen wir das Ganze auch hinsichtlich des Erscheinungsbildes etwas einordnen. Denn optisch sind unsere drei SUV­ Testkandidaten nicht gerade vom gleichen Schlag: Der Skoda mimt die vanartige Großraumlimousine, der Volvo den Geländewagen, und der Mercedes geht eher als aufgebockter Kompakter durch. Doch weil die drei bei Preis, Motorleistung und Reichweite wiederum große Ähnlichkeiten aufweisen, dürfen sie hier gemeinsam auf dem Parkett tanzen.

Der Enyaq sticht allein mit seiner Größe heraus. Obendrein wurde er mit seiner VW-Konzernplattform als Einziger von Beginn an als Elektroauto gedacht, weshalb seine Raumausbeute besonders effektiv ausfällt. Satt fallen die großen Türen nach dem Entern ins Schloss, innen macht sich im Vergleich zu Volvo ...

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... und Mercedes allerdings schnell bemerkbar, dass der Enyaq nicht gerade einer blau­ blütigen Linie entstammt. Nicht sonderlich dekoratives Hartplastik sticht hier am härtesten ins Auge, EQA und XC40 sind wertiger eingerichtet, schmeicheln Fingern und Augen mit feineren Oberflächen. Macht nichts, denn der tschechische Stromer räumt trotzdem groß ab im Karosserie-Kapitel. Vorn und hinten sitzt es sich am luftigsten. Und mit knapp 600 beziehungsweise über 1700 Liter Kofferraumvolumen bemitleiden Enyaq-Fahrer vermutlich Familien, die sich für EQA oder XC40 entschieden haben. Deren Kofferräume schlucken mit Maximalwerten um 1300 Liter nämlich deutlich weniger. Auch bei der effektiven Zuladung liegt der Enyaq vorn. Der Mercedes punktet dafür bei der Übersichtlichkeit. Speziell nach hinten ist man im Volvo und im Skoda auf die Rückfahrkamera angewiesen. Der Blick durch die Heckscheibe kann beim Rückwärtsrangieren im Benz dagegen richtig befreiend wirken. Wer gern mal etwas größere Kaliber an den Haken nimmt, entdeckt mit Freude, dass der Schwede bis zu 1500 Kilogramm schleppen darf – eine halbe Tonne mehr als der Skoda, das Doppelte vom Benz.

Kommen wir zum E-Antrieb und blicken auf die Akkus. Der fällt beim Skoda mit 77 kWh besonders üppig aus, Mercedes und Volvo haben rund zehn Kilowattstunden weniger Kapazität zu bieten. Entsprechend kommt der Enyaq mit einer Ladung am weitesten. In der Praxis fällt das jedoch kaum ins Gewicht. Auf der Waage schon: Etwa drei Zentner wiegt der Enyaq mehr. Alle drei sind bei Temperaturen um fünf Grad Celsius allerdings bei Weitem nicht fähig, ihre jeweiligen WLTP-Angaben zu erreichen. Die scheinen Stromer ähnlich zu bevorteilen, wie der frühere NEFZ den Downsizing-Triebwerken in die Karten spielte.

Als E-Auto auf die Welt kam nur der Enyaq. XC40 und EQA stehen auf Verbrenner- Plattformen

EQA: Bedienung gut, Platzangebot mäßig

Gelungene Lenkradbedienung, Lenkung etwas exakter als bei Skoda und Volvo (1). Unterschiede zum GLA-Cockpit nur durch eine auffälligere Lichtanimation des Armaturenbretts und einige Anzeigeninhalte (2). Bedienfreundlich durch ergonomisch gut platziertes Touchpad (3). Unter der Fronthaube sind Motor (Asynchron), Kühlsystem, Einganggetriebe und Leistungselektronik untergebracht (4). Kleinster Kofferraum im Vergleich, relativ ebener Ladeboden. Nur der EQA bietet hier eine dreifach geteilte Rückbanklehne (40:20:40). Zum Vergleich: Der GLA mit Verbrenner schluckt mit stehender und umgelegter Rückbank jeweils rund 100 Liter mehr Gepäck (5).

Der EQA reagiert verzögert auf Gaswegnahme

Enyaq: Sehr geräumig, nicht immer intuitiv

Bedienung per Lenkradschalter nicht so unkompliziert wie bei anderen Skoda (1). Sehr großes Zentraldisplay mit nicht ganz so klarer Darstellung wie bei Volvo oder Mercedes. Einige Ansichten können mit zahlreichen Inhalten überfordernd wirken (2). Die praktische Elektro-Karosserie ohne Kardantunnel ermöglicht eine doppelstöckige Mittelkonsole mit viel zusätzlichem Stauraum unter den Cupholdern (3). Im hinterradgetriebenen Enyaq sitzen vorn nur Leistungselektronik und Kühlkomponenten. Der Synchronmotor steckt im Heck. Bei Allradversionen kommt vorn ein Asynchronmotor hinzu (4). Mit Abstand größter Kofferraum (maximal 1710 Liter), jedoch störende Stufe (5).

Der Heckantrieb des Enyaq steigert den Komfort

In Fahrt macht sich das hohe Gewicht des Skoda nochmals bemerkbar. Der Enyaq verfehlt nicht nur seine Werksangaben bei der Beschleunigungsmessung, er wirkt längsdynamisch auch spürbar phlegmatischer als der EQA und vor allem der Volvo. Der besondere Elektro-Kick verpufft im Skoda jedenfalls am schnellsten. Jedoch gefällt er in Kurven aufgrund seines besonders tief verbauten Akkus. Dazu verleiht ihm sein Heckantrieb im Vergleich zur frontgetriebenen Konkurrenz ein deutlich agileres Kurvenverhalten, auch wenn das ESP sich nicht deaktivieren lässt und früh zur Stelle ist. In EQA und XC40 müssen Fahrer hingegen Antriebseinflüsse in der Lenkung und speziell beim Volvo häufig scharrende Vorderräder hinnehmen. Beim Mercedes regelt die Elektronik das Antriebsmoment etwas gekonnter. Dazu glänzt der elektrische Schwabe mit seiner überragenden Fahrwerksabstimmung. Selbst auf extremen Unebenheiten bleibt der Benz fluffig und eliminiert übermäßige Aufbaubewegungen. Das Niveau erreicht der Skoda trotz seiner stufenlos verstellbaren Dämpfer zwar nicht ganz, gekonnt wirkt die Abstimmung aber dennoch. Auf der komfortabelsten Stellung stellt sich sogar ein angenehmes Wiegen ein, solange die Bodenwellen die Federn nicht zu sehr fordern. Eine Spur straffer abgestimmt ist der Volvo, was zumeist aber immer noch in Ordnung geht. Auf lausigen Landstraßen können die Aufbaubewegungen jedoch ein derart ausgeprägtes Maß erreichen, dass die Passagiere ungewollt wild durch den Fahrgastraum schunkeln.

XC40: Gute Sprachbedienung, hohe Qualität

Bei Verarbeitung und Materialauswahl liegt der Volvo auf Mercedes-Niveau (1). Die Bedienung des Google-Systems funktioniert über Touch oder Sprache, Letzteres auffallend gut, auch wenn nicht so viele Fahrzeugfunktionen wie im Mercedes gesteuert werden können (2). Nur der XC40 Recharge ermöglicht in diesem Vergleich echtes Ein-Pedal-Fahren. Die Aktivierung erfolgt leider nicht mit einem Handgriff, sondern im Untermenü (3). Vorn sitzt die Antriebseinheit inklusive Synchronmotor. Bei der Allradversion kommt (wie bei Mercedes) ein weiterer Motor im Heck dazu (4). Nicht riesig, bei umgelegter Rückbank aber komplett ebener und bündiger Ladeboden (5).

! Der E- Antrieb des Volvo ist am besten dosierbar

Doch auch der Schwede hat seine Sternstunden. Und die liegen beim Fahren. Einerseits wirkt er (dank der höchsten Leistung von 231 PS) besonders spurtfreudig. Andererseits ist er mit einem Modus gesegnet, der das Ein- Pedal-Fahren ermöglicht. Entweder gleiten oder bis zum Stillstand rekuperieren, dazwischen gibt es beim XC40 nichts. Und damit treffen die Schweden den Elektronagel auf den Kopf. Enyaq und EQA können (per Lenkradpaddel einstellbar) zwar mehrstufig rekuperieren, ganz glücklich macht das Ergebnis aber nie. Ärgerlich, bei Enyaq und EQA wurde die Chance verpasst, das Stromern gemütlicher zu gestalten.

In der Eigenschaftswertung liegt der EQA dank seiner sehr guten Connectivity mit verständiger Sprachsteuerung dicht am Enyaq. Die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine klappt aber auch im Volvo gut, dazu wirkt seine Google-Maps-Ansicht besonders vertraut. Im Enyaq kommt es gelegentlich zu Missverständnissen – und damit häufiger zu manuellen Eingaben.

Trotz längerer Garantie und dreijähriger Befreiung von Wartungs- und Versicherungskosten bleibt es für den Volvo beim dritten Platz. Der ist mit Blick auf das sehr hohe Niveau aber wahrlich kein schlechter. Den Sieg sichert sich ganz klar der Skoda. Obwohl mit der größten Karosserie und Batterie sowie dem modernsten Konzept gesegnet, ist er nämlich auch noch das günstigste Auto. Und hält damit zumindest an dieser fast schon vergessenen Tradition fest.

PLATZIERUNG

Punkte maximal 800

TESTSIEGER

FAZIT

STEFAN NOVITSKI, BEREND SANDERS

Der Enyaq profitiert deutlich davon, dass er von vornherein als Stromer gedacht wurde. Die besseren Platzverhältnisse reichen bereits zum Sieg. Obendrein verwöhnt der Tscheche mit hohem Komfort. Unauffällig, aber dennoch gut: der Mercedes EQA. Der drittplatzierte XC40 sticht dagegen mit seinem gekonnten E-Antrieb heraus.