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Steigt der HSV nie wieder auf?


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 36/2021 vom 08.09.2021

2.LIGA

Artikelbild für den Artikel "Steigt der HSV nie wieder auf?" aus der Ausgabe 36/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 36/2021

Platz 10 mit sechs Punkten aus fünf Spielen. Der Hamburger SV ist sogar in der 2. Liga nur noch Mittelmaß. Das zeigt allein der Vergleich mit dem FC St. Pauli. Der kleine Stadtrivale kam in diesem Kalenderjahr auf 49 Punkte, der HSV nur auf 38 Zähler. Zudem holten die Rothosen in den letzten fünf Derbys nur einen Punkt. Folge: ein Machtwechsel. Der zweimalige Europapokal-Sieger ist nur noch die Nummer zwei an der Elbe. Da ist es nur logisch, dass sich viele Anhänger fragen: Steigt der HSV nie wieder auf ?

Der Wert des HSV-Kaders sank seit 2018 von 70 auf 40 Millionen Euro

Im vierten Jahr im Unterhaus soll die langersehnte Bun-desliga-Rückkehr endlich gelingen. Doch die Fakten sind nach dem schlechtesten Zweitliga- Start bisher besorgniserregend. Dazu hat der HSV zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten sein sportliches Konzept grundlegend verändert – und nichts ist bislang besser geworden. ...

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Vorige Saison versuchte es Sportvorstand Jonas Boldt (39), seit 2019 im Amt, mit einer Achse aus erfahrenen Spielern: Torhüter Sven Ulreich (33), Innenverteidiger Toni Leistner (31), Mittelfeldspieler Klaus Gjasula (31) und Stürmer Simon Terodde (33). Die sind nach einem Jahr nicht mehr in Hamburg, verließen den Klub nach dem verpassten Aufstieg freiwillig oder wurden aussortiert.

Jetzt setzt der Klub auf das Konzept „Jugend forscht“. Eine Mannschaft, deren Altersdurchschnitt 24,2 Jahre beträgt, soll angeleitet vom wieder mal neuen Trainer Tim Walter (45) den Aufstieg schaffen. Hoffnung? Überschaubar. Sogar Vereins-Ikone Uwe Seeler (84) spricht sich schon jetzt für Verstärkungen aus.

„Ich weiß nicht, was der HSV vorhat. Aber aus meiner Sicht muss die Mann- schaft stärker gemacht werden. Dar- um sollte im Winter nachgelegt werden“, sagt er. Im Winter k önnen die Hamburger nach SPORT BILD-Informationen trotz der finanziellen Notlage durch die Pandemie bis zu zwei Millionen Euro für neue Spieler ausgeben. Aber kann das überhaupt helfen?

Seit dem Abstieg 2018 hat der HSV über 40 Spieler abgegeben, 30 neue geholt. Herausgekommen ist eine Mannschaft, deren Spieler bundesweit und selbst in Hamburg kaum noch einen Wiedererkennungswert haben. Lag der Wert des Kaders im ersten Zweitliga-Jahr bei 86 Millionen, so beträgt er 2021 knapp 40 Millionen Euro. Aus dem ruhmreichen HSV, der 2010 noch im Europa-League-Halbfinale stand, ist ein durchschnittlicher Zweitligist geworden.

Seeler warnt: „Wir sind erst am Anfang der Saison, aber Mittelmaß in der 2. Liga tut weh. Die Situation ist im Moment nicht gut, und allen sollte klar sein: Es wird von Jahr zu Jahr immer schwieriger, in die Bundesliga aufzusteigen.“

Die Statistik gibt ihm recht. In der Saison 2008/09 wurde in der Bundesliga die Relegation wieder eingeführt. Insgesamt 30 Absteiger (inklusive 2007/08) hatten seitdem die Chance, anschließend wieder in die 1. Liga zurückzukehren. Von diesen schafften das bis heute nur 16 Klubs – das sind 53 Prozent. Jeweils zweimal der 1. FC Köln, Hertha BSC, der 1. FC Nürnberg und der VfB Stuttgart, je einmal der SC Paderborn, Fortuna Düsseldorf, Greuther Fürth, der VfL Bochum, Eintracht Frankfurt, der SC Freiburg, Arminia Bielefeld und Hannover 96.

Bei neun der 16 erfolgreichen Bundesliga-Comebacks (56 Prozent) gelang der Wiederaufstieg direkt im ersten Jahr. Die Wahrscheinlichkeit für die Absteiger, dass es mit dem Aufstieg in die Bundesliga klappt, war hier also deutlich am größten.

Boss Boldt mahnt zur Ruhe, er sagt: „Natürlich spielt der Tabellenplatz eine wichtige Rolle, aber die Gesamtentwicklung des Klubs ist das Entscheidende. Ich finde, es gibt einige Dinge, die sich hier verändert haben. Es ist deutlich ruhiger geworden, der Zusammenhalt und die Vernetzung zum Nachwuchs sind besser, deshalb werden Spieler nach oben geschoben, die früher im Profibereich vielleicht gar nicht bekannt gewesen wären. Es wächst etwas zusammen.“

Der HSV-Aufsichtsrat steht hinter Boldt. Weil er bei der Zusammenstellung des Kaders keine finanziellen Forderungen stellte. Weil die Nachwuchsförderung unter ihm mit der Verpflichtung von Legende Horst Hrubesch (70) vorangetrieben wird, um auch über diesen Weg Spielerwerte zu schaffen. Und weil es ihm gelang, mit Jung- Profis wie Amadou Onana (20), der 2020 ablösefrei aus Hoffenheim kam und in diesem Sommer für bis zu neun Mio. Euro Ablöse an Lille verkauft wurde, Transferüberschüsse zu erzielen.

Boldt hat mit Walter nach Hecking und Thioune schon den dritten Trainer geholt

Doch unter dem Strich steht: Auch unter Boldt, der nach Dieter Hecking (56) und Daniel Thioune (47) mit Walter bereits den dritten Trainer in seiner kurzen Amtszeit verpflichtete, hat der HSV die Bundesliga- Rückkehr nicht geschafft – und das ist das Ziel, das am meisten zählt.

Hamburgs Weg, aus der 2. Liga nur noch schwer rauszukommen, scheint vorgezeichnet. Das Wertvollste, das der sechsmalige Deutsche Meister vorzuweisen hat, sind die Raute und seine treuen Anhänger. Die Heimspiele unter Corona- Bedingungen waren mit knapp 18 000 Zuschauern ausverkauft, die 1500 VIP-Tickets alle vergriffen. Klar ist aber auch: Graues Mittelmaß in der 2. Liga lässt sich in der schillernden Elb-Metropole dauerhaft nicht verkaufen. Nach wie vor sucht der Klub einen Sponsor für die Stadion-Namensrechte.

Im Verein wächst die Nervosität. Selbst Optimisten gehen davon aus, dass der Klub nach jetzigem Stand maximal bis 2023 in der 2. Liga mit Aufstiegsansprüchen und einem dementsprechenden Budget antreten kann. Zuletzt wurde dem HSV vom Bund als erstem Profi-Klub eine Überbrückungshilfe in Höhe von zehn Mio. Euro gewährt. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden. Der Lizenzspieler-Etat ist seit der ersten Zweitliga-Saison 2018/19 von 27 trotzdem auf nun rund 22 Millionen Euro gesunken.

Schafft der Klub innerhalb der nächsten zwei Jahre die Bundesliga-Rückkehr nicht, stehen wohl gravierende Einschnitte an. Dann ginge es zum Beispiel darum, ob weniger Geld in den Nachwuchs (aktuell bis zu neun Mio. Euro pro Saison) investiert werden kann – oder ob man auf anderen Ebenen massiv einsparen muss. Denn der HSV verliert bei ausbleibendem Erfolg im TV-Ranking immer mehr an Boden, aktuell erhält der Klub inklusive Bonuszahlungen bis zu 20 Millionen Euro. In der vergangenen Spielzeit waren es noch rund 22,5 Millionen.

Dem HSV droht ein Teufelskreis, den er selbst zu verantworten hat.