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STEINBUTT: FANG DEN UNFANGBAREN!


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 60/2019 vom 10.05.2019

Er ist ein Meister der Tarnung und gilt als äußerst schwer zu fangen. DieMeeresexperten Bettina und Florian Hühnken sowie Doppelweltmeister Fabian Frenzel sind dem Steinbutt in Dänemark ganz gezielt auf die Schuppen gerückt.


Artikelbild für den Artikel "STEINBUTT: FANG DEN UNFANGBAREN!" aus der Ausgabe 60/2019 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 60/2019

Im Steinbutt-Himmel angekommen: Gleich vier schöne Fische konnten Fabian Frenzel (links) und Bettina und Florian Hühnken in der dänischen Nordsee fangen.


Blitzschnell stürzen sie sich auf ihre Opfer und saugen mit weit geöffnetem Maul alles ein, was nicht schnell genug flüchten kann. Und das ist auch kaum möglich, denn die Räuber sind wahre Meister der Tarnung und damit die ...

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... perfekten Lauerjäger! Eingegraben im Sand sind sie mit dem bloßen Auge kaum auszumachen. Weder von uns Menschen, noch für ihre Beute!

Charakteristisch für diese Plattfischart sind die fast kreisrunde Form, die vielen Knochenhöcker auf der Oberseite und das unglaublich große Maul – klares Indiz für den großen Appetit der Räuber.

Unser Steinbutt-Abenteuer beginnt am Strand der dänischen Nordseeküste, genauer gesagt in Süd-Westjütland zwischen den Städten Esbjerg und Hvide Sande. Hier hat das Steinbuttangeln eine lange Tradition und wird bei Sportanglern immer beliebter. Besonders im späten Frühjahr und Juni sind die Aussichten auf einen der kreisrunden Plattfische hervorragend.

Wir wollen den Räubern aktiv nachstellen, daher ist unsere Gerät schnell erklärt: Zum Steinbuttangeln eignet sich am besten gängiges Meerforellengeschirr: Ruten mit einer Länge von 2,70 bis drei Metern Länge und einem Wurfgewicht von 20 bis 50 Gramm, und mittelgroße Stationärrollen, bespult mit 0,10er bis 0,14er geflochtener Schnur. Eine Wathose ist von Vorteil, aber nicht unbedingt er forderlich. Als Köder eignen sich Heringsfetzen und (halbierte) Sandaale besonders gut.


TOBSE, ALSO TOBIASFISCHE, GEHÖREN ZU DEN BESTEN KÖDERN AUF STEINBUTTS ÜBERHAUPT. ALTERNATIV FÄNGT AUCH EIN HERINGSFETZEN.“


FANGEN IM UFERWASSER

Die Bedingungen scheinen ideal. Die Sonne scheint, und seit einigen Tagen weht der Wind von Land her. Das Wasser hat sich im Uferbereich erwärmt und die Steinbutts haben hoffentlich Hunger. Zugegeben, ein bisschen nervös sind wir schon – gezielt auf diese beeindruckenden Fische hat bisher keiner von uns geangelt. Lediglich als Beifang in der Ostsee konnten wir einige Exemplare fangen. Beißt heute einer, oder sind die vielen gefahrenen Kilometer vergebens? Florian und ich setzen auf eine Montage mit zwei Fischfetzen als Köder. Hinter den Meerforellenblinker kommt ein zirka 50 Zentimeter langer „Nachläufer“ und 70 Zentimeter oberhalb ein weiterer „Springer“. Betty verwendet einen kleinen Pilker mit Drilling und einem zusätzlichen Springer.

Unsere Köder, frische Heringe, sollen heute der Garant für einen erfolgreichen Angeltag sein. Sandaale eignen sich ebenfalls, lassen sich aber meist nicht so leicht beschaffen. Mit „Bait Elastic“ umwickelt, halten die Fetzen wesentlich länger am Haken und man kann theoretisch stun-denlang mit ein und demselben Köder angeln. Weit müssen wir nicht hinauswaten – Steinbutts halten sich viel dichter in Strandnähe auf, als man es zunächst vielleicht vermuten würde. Wichtig ist es, die Bodenstrukturen richtig zu deuten, am interessantesten erscheinen die erste Sandbank und der Übergang zur ersten tiefen Rinne, direkt vor unseren Füßen.

Einfach fängt: Blinker oder Pilker, Fluorocarbon, Einzelhaken der Größe 1 bis 2/0, zwei Tönnchenwirbel, Snap-Einhänger.


Geangelt wird von der ersten Sandbank in der dahinter liegenden tiefen Rinne. Zum Einsatz kommt normales Meerforellengerät.


Die Nordseewellen brechen sich weiter draußen und laufen in Richtung Ufer mehr und mehr aus. Wir können es kaum erwarten und marschieren voller Tatendrang raus zur ersten Sandbank und werfen parallel zum Ufer. Die Montagen landen auf der Sandbank und treiben mit der Strömung immer entlang der Kante zur ersten tieferen Rinne hin. Wichtig ist, dass wir unsere Köder nicht einfach nur stumpf einholen. Zwei, drei Kurbelumdrehungen der Rolle, dann folgt ein Spinnstop. Der Pilker oder Blinker landet am Grund und wirbelt dabei feine Sedimente auf – das imitiert perfekt einen flüchtenden Fisch.

Sofern man frische Sandaale bekommt, zieht man diese (ohne Kopf) wie einen Gummifisch auf den Einzelhaken …


…und umwickelt den Köder mit einem flexiblen Gummifaden („Bait Elastic“). Der Sandaal hält so fest am Haken …


…und man kann lange mit einem Köder fischen. Alternativ funktionieren auch Heringsfetzen, die ebenso angeködert werden.


AUF ANHIEB ERFOLG

Es vergehen keine zwei Würfe, da ist bei Florian bereits das erste Mal die Rute krumm. Nach einem harten und spektakulären Drill hält er einen schönen Steinbutt in Küchengröße in den Händen. Betty und ich beobachten das Spektakel aus der Ferne und können es eigentlich nicht so recht glauben – damit haben wir nach so kurzer Zeit nun wirklich nicht gerechnet! Also raus aus dem Wasser und ab zu Flo, den wir bereits aus der Ferne feiern und uns riesig für ihn freuen. Das bekommen natürlich auch die Urlaubsgäste am Strand mit. Beim folgenden Fotoshooting erklären wir ihnen geduldig, dass wir keine Scholle, sondern einen Steinbutt geangelt haben und diese Art als äußerst schwer zu fangen gilt. Die erste Aufregung ist verflogen, und mit einem breiten Grinsen im Gesicht waten wir zurück in die Nordseewellen. Werfen, kurbeln, Spinnstop … ich lasse meinen Gedanken freien Lauf. Plötzlich, keine fünf Meter vor meinen Füßen, sehe ich viele Kleinfische hektisch auseinander spritzen. Da raubt doch etwas! Und tatsächlich kann ich einen jagenden Steinbutt im leicht angetrübten Wasser erkennen. So etwas kannte ich bisher nur vom Hörensagen!



„STEINBUTTS SIND MEISTER DER TARNUNG. SIE STÜRZEN SICH AUS DER DECKUNG HERAUS BLITZSCHNELL AUF IHRE BEUTEFISCHE.“


Meisterlich: Fabian Frenzel ist amtierender Doppelweltmeister im Brandungsangeln und hat Ort, Zeit, Montage und Technik perfekt gewählt.


EXTRATIPP

Wie man den Steinbutt einfach und schonend zubereiten kann, erfahren Sie auf Seite 100.

Es vergehen einige Minuten, und auf einmal wird es schwer am meiner Rute. Hänger? Nein – Fisch! Beim Biss hat sich der Steinbutt meinen Köder geschnappt und sich sofort wieder in den feinen Nordseesand gebuddelt. Der Drill dieser Super-Plattfische ist wirklich atemberaubend und mit nichts anderem zu vergleichen, Herzklopfen und Adrenalinausschüttung inklusive. Zwei Butts nach so kurzer Angelzeit – wir fühlen uns wie in einem Märchen, und wenn man die Geschichte eigentlich schon kaum noch schöner schreiben könnte, ist jetzt Betty dran. Auch sie drillt gekonnt ihren ersten Steinbutt aus den Fluten der Nordsee. Gebissen hat dieser hübsche Lauerjäger auf einen kleinen Pilker, den sie langsam durch den Sand gekurbelt hat. Welch eine Freude am Strand. Selbst die Urlauber, denen wir kurz zuvor noch erklärt hatten, dass Steinbutts schwer zu fangende Fische seien, glauben uns nun kein Wort mehr. Drei Angler, drei Fische, und alles innerhalb von 45 Minuten. Der absolute Wahnsinn!

Kurz vor Feierabend geht bei mir noch ein weiterer Steinbutt an den Haken. Das war ein Angeltag der Superlative. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, und das tun wir genau in diesem Augenblick. Für das Erlebte sind wir sehr dankbar und sind uns sicher, diese Angelart kann unendlich glücklich machen. Gezieltes Steinbuttangeln funktioniert hervorragend, wenn man einige Details beachtet.

Probieren Sie es doch einfach mal aus.

Bettys Montage mit Steinbutt: Sie befestigt einfach einen Heringsfetzen am Seitenarm über einem Meerforellenblinker.


Steinbutts kämpfen sehr heftig und buddeln sich nach dem Biss häufig sogar wieder im Sand ein. Das Stranden ist eine sichere Methode bei der Landung.


FOTOS: B. HÜHNKEN

FOTOS: B. HÜHNKEN

FOTOS: B. HÜHNKEN