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STELLA McCARTNEY


L Officiel Austria - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 11.06.2021

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Bildquelle: L Officiel Austria, Ausgabe 10/2021

Nach ihrem Abschluss am Central Saint Martins im Jahr 1995 wurde Stella McCartney im zarten Alter von 26 Jahren zur Kreativdirektorin von Chloé ernannt: Unkten anfangs viele von einer Bevorzugung der Tochter von Paul McCartney, so bekehrte der kommerzielle und kreative Erfolg bald die Kritiker. Im Jahr 2001 brachte sie ihre eigene Marke auf den Markt, in einer gleichwertigen Partnerschaft mit Kering dank des Vorstoßes von Tom Ford. Die Partnerschaft endete vor drei Jahren, als McCartney die Marke zu 100 % zurückkaufte. Als Tochter zweier überzeugter Vegetarier und aufgewachsen auf einem Bio- Bauernhof, schloss sie von Anfang an Leder und Pelz aus ihren Kollektionen aus. Seit 2008 verwendet sie nur noch Bio-Baumwolle, weil beim traditionellen Anbau 16 % der weltweit eingesetzten Pestizide produziert werden. Im Jahr 2010 eliminierte sie PVC aus ihren Kollektionen. 2012 führte sie eine biologisch ...

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... abbaubare Sohle für Schuhe, Bio-Acetat-Gläser und die ausschließliche Verwendung von recycelten Polyestern ein. Seit 2013 verwendet sie keine Angora-Wolle mehr, seit 2016 nur noch nachhaltige und rückverfolgbare Viskose aus Schweden. Vorletztes Jahr hatte sie Kaschmir ausgemustert, um nicht zur Versteppung der Region beizutragen, und durch rückverfolgbares Alpaka aus Peru ersetzt – eine konsequente Reihe von Innovationen, die dazu geführt hat, dass ihre Kollektionen nachhaltiger denn je produziert werden. Ihr Engagement geht aber noch darüber hinaus: Im November 2019 veröffentlichte die „Sunday Times” einen offenen Brief von McCartney, in dem sie dazu aufrief, über die „UN’s Fashion Industry Charter for Climate Action“ und den „G7 Fashion Pact“ hinauszugehen und die Modeindustrie, die für mehr als ein Drittel des weltweit verbreiteten Mikroplastiks verantwortlich ist und mit der Stofffärbung die zweitgrößte Ursache für die globale Wasserverschmutzung darstellt, systematisch neu aufzustellen.

Wo liegt der Ursprung Ihrer Leidenschaft für Mode?

Ich habe eine sehr starke Erinnerung an mich selbst als Kind, wie ich im Kleiderschrank meiner Eltern saß und total fasziniert von dessen Inhalt war. Es war die Glam-Rock-Ära, die Hälfte der Sachen, von denen ich sicher war, dass sie meiner Mutter gehörten, wurden regelmäßig auch von meinem Vater getragen. Und ich habe so viel von ihrem starken Sinn für Ethik gelernt! Sie waren Aktivisten, die sich für verschiedene internationale Anliegen einsetzten, Vegetarier und Umweltschützer. Ich habe ihre Einstellung und ihr Engagement zu meiner eigenen Haltung gemacht. Das, was mich am meisten interessiert, ist es, meine Marke zu einer ohne negative Auswirkungen auf die Umwelt zu machen. In der Hoffnung, dass meine Arbeit ein Vorbild für alle ist.

Was sind Ihre Quellen der Inspiration?

Als ich ein Mädchen war, schaute ich mir alte Hollywood- Filme an, ich mochte Katharine Hepburn, Billie Davis, aber meine absolute Ikone war Doris Day! Wahrscheinlich, weil sie nicht den Stereotypen von Frauen zu dieser Zeit entsprach. Der Film, der mich in dem, was ich heute noch mache, am meisten beeinflusst hat, war „Calamity Jane”, in dem Doris Day einen Wildfang und ein Cowgirl spielte und plötzlich zu einer superglamourösen Frau wird. Kunst und Design des 20. Jahrhunderts sind eine weitere Quelle der Inspiration: Jean Prouvé, Charlotte Perriand, Gio Ponti, Fontana, Erté, Paolo De Poli, Alexander Calder, ...

Sie arbeiten seit 2004 mit Adidas zusammen. Wie kam es zu dieser Partnerschaft?

Damals war die Sportbekleidung für Frauen schrecklich, bis zu dem Ausmaß, dass sie paradoxerweise fast cool war: Die Farben waren limitiert, und es gab sehr wenig Abwechslung. Ich fand, dass dies eine großartige Gelegenheit war, um daran etwas zu ändern. Heute ist Sportbekleidung zu einer Lifestyle-Wahl für Frauen auf der ganzen Welt geworden. Aus technischer Sicht fand ich es ebenfalls spannend, mit modernster Technologie zu arbeiten, die für das Auge unsichtbar bleibt, aber tatsächlich die Leistung verbessern kann. Wir versuchen, unsere Outfits unter allen Gesichtspunkten immer innovativer zu gestalten, was die Technologie, die Konstruktion des Modells und das Design betrifft, wobei wir Materialien verwenden, die auf ethische und nachhaltige Weise gewonnen wurden.

Ihr Credo in Bezug auf Nachhaltigkeit lautet: „Morgen beginnt heute”, und Sie sind und waren schon immer eine Pionierin, wenn es darum geht, in Ihrer Mode Werte zu verankern, die viele Marken auch heute noch lieber ignorieren. Welche konkreten Ziele haben Sie im Blick?

Innovation ist das Herzstück dessen, was wir tun, was wir für modisch und sexy halten. Wir haben vor zehn Jahren aufgehört, PVC, den giftigsten aller Kunststoffe, zu verwenden und haben eine fantastische Alternative namens „PU“ entwickelt. Ich liebe das regenerierte Kaschmir, das wir verwenden: Die Auswirkungen sind siebenmal geringer als bei herkömmlichem Kaschmir, da es aus dem hergestellt wird, was bei der traditionellen Herstellung verschwendet wird. Für F/W 2020 haben wir einen neuen Öko-Pelz namens „KOBA“ eingeführt, der aus recycelter Zellulose und Polyester hergestellt wird und 30 % weniger Energie benötigt und 63 % weniger Kohlenstoff-Emissionen verursacht. Außerdem arbeiten wir mit einem neuen Partner an der Entwicklung eines nachhaltigen und biologisch abbaubaren Stretch-Denims.

Sind Sie besorgt, dass die Wirtschaftskrise, die durch Covid-19 verschärft wurde, dem Anliegen der Umweltschützer schaden könnte? Oder ist es eher als Chance zu verstehen?

Ich finde es faszinierend, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte alle durch dieselbe Situation verbunden sind, und ich denke, dass wir zum ersten Mal den Schaden, den wir angerichtet haben, tatsächlich messen können. In China sind die Kohle-Emissionen im Februar um 25 % gesunken. Es dauerte nur sehr kurze Zeit, bis sich die Natur ihren Raum zurückerobert hat. Ich habe mich im Laufe der Jahre oft gefragt: Werden wir jemals in der Lage sein, die Erde zu „heilen”? Das ist der Beweis, dass wir es können, also bin ich hoffnungsvoll. Ich denke, es wäre wirklich ein Fehler, diesen Moment nicht zu nutzen, um das ganze System zu überdenken und zu verbessern. Arbeiten Sie in Ihrer Rolle als Nachhaltigkeitsberaterin von Bernard Arnault bereits an etwas Konkretem?

Wenn LVMH bereit ist, ernsthaft über Nachhaltigkeit zu sprechen, ist es meiner Meinung nach an der Zeit, dass die Modewelt aufwacht und begreift, dass es sich nicht mehr um einen Trend, sondern um die Zukunft handelt. Ich denke, Arnault ist bereit für diese Art von Gesprächen, und was wir gemeinsam tun könnten, wäre in der Lage, die Spielregeln zu ändern. Natürlich passieren diese Dinge nicht schnell, und leider wissen wir nicht, ob wir genug Zeit haben werden, um sinnvolle Veränderungen für unsere Kinder vorzunehmen. Aber es ist eine tolle Gelegenheit.

Der schönste Mode-Moment Ihrer Karriere?

Ich habe so viele tolle Momente erlebt, vom Entwerfen der olympischen Uniformen für das britische Team 2012 bis hin zu Meghan Markle, die eines meiner Kleider bei ihrer Hochzeit trug. Aber am meisten freue ich mich darüber, dass ich immer konsequent geblieben bin, dass ich nie Kompromisse gemacht habe, obwohl mir alle gesagt haben, dass das der einzige Weg zum Erfolg sei.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich möchte weiterhin meinem Weg folgen und Kleidung kreieren, die nicht nur schön, sondern auch gut für den Planeten ist. Und ich würde mir wünschen, dass alle anderen Marken sich mir in dieser Mission anschließen, dass das Arbeiten auf diese Weise zur Norm wird.

In Ihrem offenen Brief an die „Sunday Times“ plädieren Sie dafür, dass Regierungen die Verwendung nachhaltiger Materialien fördern sollten.

Im Moment gibt es keine wirklichen Richtlinien für die Modeindustrie, sodass die Kosten sehr hoch sind für Leute wie mich, die nur Verfahren und Materialien verwenden wollen, die nicht schädlich für den Planeten sind. Zum Beispiel kann ich 30 % mehr besteuert werden, wenn ich einen Artikel aus Kunstleder in die Vereinigten Staaten importieren möchte. Auf diese Weise werde ich praktisch dafür bestraft, dass ich versucht habe, etwas Gutes zu tun. Es sollte umgekehrt sein: Es sollte Regeln gegen die Verwendung von Materialien geben, die die Umwelt schädigen.

Die Meisterin cooler und androgyner Mode, die gleichermaßen ewig jung wirkt, ohne jugendlich zu sein, lancierte ihre Marke 1994. Fünf Jahre später wurde die zweite Linie, Isabel Marant Ètoile, geboren, während die Herrenmode erst 2017 debütierte. Als junges Mädchen trug sie Männerkleidung, mit 16 Jahren begann sie mit Christophe Lemaire Kleider zu entwerfen. Zu ihren Erfolgen zählt ein Verkaufsrekord: Ihre Kollektion 2013 für H&M war innerhalb von 45 Minuten ausverkauft.

Nicht seit den Tagen von Coco Chanel und Elsa Schiaparelli haben Frauen eine so herausragende Stellung in der Mode inne wie heute.

Obwohl es keinen Zweifel daran gibt, dass die Mode in den vergangenen 300 Jahren von der Hegemonie männlicher Schöpfer geprägt war, gibt es heute mehr und mehr Frauen, die Designs präsentieren, die weniger an Stereotypen und Fantasien gebunden ist. Seit über 20 Jahren versuche ich, Kollektionen zu entwerfen, die Stil, Komfort und ein gewisses Selbstbewusstsein mitbringen. Ich hoffe, dass meine Mode unsere Zeit geprägt hat wie die von Chanel oder Schiaparelli.

Glauben Sie, dass Sie damit selbst eine Quelle der Inspiration für die jüngere Generation sind?

Ich denke, ich habe einen bleibenden Eindruck hinterlassen, indem ich eine zeitgemäße Mode entworfen habe, die zugänglich ist und jeden Tag getragen werden kann. Tatsächlich bin ich oft kopiert worden.

Wie hat Ihre Leidenschaft für Mode begonnen?

Der Ursprung meiner Passion für Mode kommt von ... meinem Hass auf sie! Als ich ein Teenager war, in den 80er-Jahren, präsentierten die Designer eine objektivierte Frau, die das Gegenteil meiner eigenen Vorstellung war.

Wie sehr hat Ihr persönlicher Stil Ihre Mode beeinflusst?

Enorm. Ich denke, es war diese extreme Aufrichtigkeit, die den Erfolg meiner Marke bestimmt hat.

Wie würden Sie sich selbst definieren? Was waren die Eigenschaften, die Sie dorthin gebracht haben, wo Sie jetzt sind?

Ich habe zu einer Zeit begonnen, als die Mode viele Diktate mit einer extrem sexualisierten Vision von Frauen auferlegte. Damals wie heute schlug ich ein viel politischeres Bild der Weiblichkeit vor und konnte einen identifizierbaren Stil schaffen.

Wie wurden Sie durch das französische Modesystem unterstützt? Welche Wegbegleiter haben Ihre Karriere beeinflusst?

Am Anfang hatte ich keine Unterstützung aus der Berufswelt, aber ich habe mir schnell einen Kundenstamm von Frauen aufgebaut, die mir treu geblieben sind. 2008 lernte ich Emmanuelle Alt (seit 2011 Chefredakteurin der „Vogue Paris”, Anm d. Red.) kennen, die meinen Stil maßgeblich mitprägte. Wir haben viele Jahre lang beim Styling meiner Shows zusammengearbeitet, und Emmanuelle half mir, eine globale Vision zu entwickeln, indem sie am Image von Shows und Werbekampagnen arbeitete, die meinen Stil noch greifbarer machten.

ISABEL MARANT

Welche Designer zählen zu Ihren Vorbildern?

Als Teenager träumte ich von den Kreationen von Vivienne Westwood und Malcolm McLaren. Später habe ich als Babysitter gearbeitet, um mir ein Yohji-Yamamotooder Comme-des-Garçons-Kleid zu leisten. Heute mag ich Visionäre wie Alexander McQueen und Viktor & Rolf, die fantasievollen Kreationen von Galliano und Lacroix und ganz einfach diejenigen mit großem Talent wie beispielsweise Phoebe Philo und Rick Owens.

Wie kleiden Sie sich privat?

Wie viele andere Designer trage ich eine Uniform: graue Jeans, ein Sweatshirt und eine Männerjacke, die mir zu groß ist. Wenn Sie ständig an Kleidung arbeiten, müssen Sie sich auf einer persönlichen Ebene wie ein unbeschriebenes Blatt fühlen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich denke, wir sind in einer Zeit angekommen, in der es absolut notwendig ist, unseren Lebensstil und unseren Konsum radikal zu überdenken, der Planet fordert uns dazu auf. Unsere Zukunft soll komplett neu erfunden werden!

Die Tochter von Gimmo Etro, der 1968 das Textilunternehmen gründete, das 1991 seine Ready-to-wear-Linie etablierte, ist seit 2000 Kreativdirektorin für Damenmode. In dieser Rolle arbeitete sie zuvor zwei Jahre lang an der Seite ihres Bruders Kean, damals Kreativdirektor der Marke und heute Leiter der Herrenmode. Ausgebildet am Central Saint Martins, ist die leidenschaftliche Fotografin mit drei Brüdern, die alle in die Firma involviert sind, diejenige, die am engsten mit ihrem Vater zusammenarbeitet.Ihre Bohème-Kleidung und charakteristischen Prints mit handgefertigten Details sprechen sprechen dabei ein internationales Publikum an.

Wie würden Sie den Stil und das Universum von Etro definieren?

Eklektisch, exotisch, ethnisch. Eine Mischung aus Kultur, Farbe und einzigartigen Stoffen.

Und die Etro-Frau?

Wir waren schon immer generationenübergreifend, lange bevor es in Mode kam. Wenn ich einen Namen nennen müsste, würde ich instinktiv Marisa Berenson sagen.

Wie arbeiten Sie an einer Kollektion?

Meine Arbeit ist sehr emotional. Ich sammle unendlich viele Reize: Reise-Eindrücke, Bücher, Ausstellungen und füge die Welt zu einer großen Collage zusammen. Dann beginne ich zu eliminieren, bis ich die Schlüsselkonzepte der Kollektion isoliert habe. Zum Beispiel habe ich während des Lockdowns einige alte neapolitanische Schallplatten wiederentdeckt und angefangen, über Hintergrundmusik nachzudenken, während ich über dem Thema der neuen Modenschau gebrütet habe. Es steckt also viel Recherche dahinter.

Was fasziniert Sie nach 20 Jahren Arbeit immer noch an der Mode?

Die manuelle Fähigkeit. Und die Forschung. Die Tatsache, dass die Mode Barrieren durchbrochen hat und zu einem Sprachrohr für Vielfalt geworden ist.

Glauben Sie, dass es eine weibliche Perspektive auf die Mode gibt? Dass die Tatsache, eine Frau zu sein, Sie dazu bringt, Ihre Kollektionen anders zu konzipieren als männliche Designer?

Aus praktischer Sicht ist der Unterschied enorm: Ich probiere die Kleider an, die ich mache, ich weiß, wo ein BH hingehört und ich denke über verschiedene Körperlichkeiten nach, auch wenn ich geschlechtsneutrale Kleidungsstücke liebe, die nicht den Körperformen folgen: Morgenmäntel, Kimonos, Kaftane, ... Als Letztgeborene und Schwester von drei Brüdern war ich noch nie eine Femme fatale. Ich mag sehr kurze und freizügige Outfits, aber ich kreiere auch gerne für Menschen, die keinen konventionellen, perfekten Körper haben. Aber mit Kean gibt es einen ständigen Dialog, und auch mit meinem Vater ist der Austausch sehr stark.

Wie würden Sie sich selbst definieren?

Ich bin davon überzeugt, dass man schon als Kind seine Spuren hinterlässt. Für mich sind Kultur und Reisen wichtig. Langeweile gibt es nicht, denn die Welt ist schön und voller Entdeckungsmöglichkeiten. Im Leben muss ich einen Weg haben, ich möchte kein Fähnchen im Wind sein.

Wie hat sich die Marke entwickelt?

Unsere Mode ist zeitlos und entsteht aus der Liebe zu Stoffen.

Ich denke, das zeigte sich auch in der Ausstellung anlässlich des 50-jährigen Jubiläums namens „Generation Paisley”: Als wir die Kollektionen zusammenstellten, haben wir erkannt, dass sie auf eine fließende, organische Art und Weise miteinander in Dialog treten. Zweifelsohne waren wir am Anfang kreativer in der Kommunikation, wir mussten uns in neuen Märkten bekannt machen. Wir sind ein Mailänder Unternehmen, wir kommunizieren nicht so strukturiert wie die Franzosen. Heute fordert man Designer auf, weniger zu machen und mehr zu sagen, wir sind diejenigen, die tun, tun, tun. Wir suchen neue Kontexte und fangen erst jetzt an, auch Designs für den Roten Teppich zu entwerfen.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Bisher sind wir der Saisonalität gefolgt, aber jetzt stimme ich mit Giorgio Armani überein: Wir müssen langsamer werden und uns wieder auf Qualität konzentrieren.

Arbeiten Sie an der Nachhaltigkeit?

Wir kaufen Stoffbestände zurück, um den Abfall zu optimieren und zu reduzieren. Aber ein radikaler Nachhaltigkeitsdiskurs würde ein Umdenken in allen Bereichen bedeuten, angefangen bei den Bügeln. Im Moment sehe ich das als ziemlich unrealistisch an.

VERONICA ETRO

IRIS VAN HERPEN

Andrew Bolton, der verantwortliche Kurator des „Costume Institute“ im Metropolitan in New York, nannte sie „die Marie Curie der Mode“. Für ihren Vorgänger, Harold Koda, ist sie „eine Konzeptkünstlerin, deren Medium das Kleid ist“. Die Niederländerin mit Atelier in Amsterdam lancierte ihre Marke 2007 im Alter von 23 Jahren im Anschluss an ihr Modedesign- Studium und ein Praktikum bei Alexander McQueen. Ihre Affinität zu der britischen Ikone zeigt sich in ihrer Arbeit in Bezug auf die Silhouetten, dem Experimentieren mit bestimmten Materialien und vor allem in der ständigen Kombination von Handwerkskunst und Innovation. Der Einsatz avantgardistischer Technologien, außergewöhnliches handwerkliches Können und ein leidenschaftliches Interesse an der Natur sind die Säulen einer einzigartigen Vision, die es Iris van Herpen ermöglicht, Kleider zu kreieren, die aus Märchen zu stammen scheinen. Nicht minder spannend sind ihre Präsentationen: Bei der „Biopiracy“-Show 2014 hingen die Models in Vakuumbeuteln des Künstlers Lawrence Malstaf eingeschweißt, bei der „Aeriform”- Show traten die Mitglieder der dänischen Band Between Music unter Wasser auf, jeder in einem anderen Glastank, 2015, bei der „Quaquaversal”- Show, beendeten drei Roboter live das Weben eines Kleides, das Actrice Gwendoline Christie, in der Mitte des Raumes liegend und scheinbar schlafend, auf den Leib geschneidert wurde. Sie alle eint die spektakuläre Theatralik, die dennoch die Kleidung nicht in den Schatten stellt, sondern zu einem Gesamtkunstwerk erhebt.

Wie hat Ihre Leidenschaft für Mode begonnen?

Ich habe jahrelang Ballett studiert, und was mich am meisten fasziniert hatte, war die unendliche Vielfalt an Formen, die wir mit unserem Körper erschaffen. Ich begann, den weiblichen Körper als Leinwand zu betrachten, als etwas, das man als lebendiges Gemälde erleben kann. Der Tanz hat mich dazu gebracht, nicht nur eng mit dem Körper zu arbeiten, sondern auch den Raum um ihn herum zu berücksichtigen, wie es ein Tänzer tun würde. Meine Arbeit ist in gewisser Weise die Umsetzung einer dreidimensionalen Choreographie von Mikrobewegungen in ein Kleid. Es ist eine synästhetische Herangehensweise an Mode, die auf der Interaktion zwischen unseren Sinnen und der Kleidung basiert, die Emotionen ausdrückt.

Welche Begleiter haben Sie bei Ihrem Werdegang gefördert?

Ich hatte das Glück, im Laufe der Jahre von vielen Menschen unterstützt zu werden: Suzy Menkes, Nick Knight, Vanessa Friedman, Karl Lagerfeld, Jean-Baptiste Mondino, Sarah Moon, Tim Walker, Naomi Campbell, Patti Wilson, Andrew Bolton, Emmanuelle Alt, Albert Watson und viele andere. Im Laufe der Jahre ist das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer eingeschworenen Gemeinschaft immer stärker geworden.

Wie definieren Sie die Grundwerte Ihrer Mode?

Handwerkskunst, Innovation, Zusammenarbeit, Nachhaltigkeit und die Stärkung der Frauen.

Patti Wilson ist die Stylistin für Ihre Shows. Was trägt sie zu Ihrer Vision bei?

Patti und ich arbeiten nun schon seit Jahren zusammen, nicht nur bei den Shows. Sie hat einen sechsten Sinn und weiß instinktiv, was man hinzufügen und was man wegnehmen muss. Es ist wie Musik für Tänzer, sie schafft eine Einheit, die alle Elemente zusammenhält.

Von Lady Gaga über Beyoncé bis hin zu Björk – viele Berühmtheiten haben Ihre Kleidung für Videos oder den Roten Teppich gewählt.

Björk hat ihr eigenes poetisches, strahlendes, energetisches, surreales, reines, hypnotisches Universum geschaffen. Was uns eint, ist die Tatsache, dass sie von der Natur ausgeht, mit ihr spielt und sie dank künstlicher Elemente absolut fließend umgestaltet. Es ist ihre utopische und gewagte Ausstrahlung, die mich in meinen Kreationen inspiriert, mir Hoffnung für die Zukunft gibt und mir die Freiheit der Weiblichkeit zeigt.

Ihre Kleidung wurde schon in vielen Ausstellungen gezeigt. Glauben Sie, dass Museen ein logisches Umfeld für Ihre Kreationen sind?

Mode ist Kunst. Die schwebende Ruhe, das Gefühl des Friedens, das für eine Ausstellung typisch ist, erlaubt es dem Betrachter, die Details, die Feinheiten, die Hunderten von Arbeitsstunden und Innovationen, die in einem Kleidungsstück stecken, zu bemerken. Man spürt die Leidenschaft, die in ein Kleid eingeflossen ist. Es ist wundervoll, mit jemandem zu sprechen, der eine dieser Ausstellungen besucht hat, um zu verstehen, wie nahe er meine Arbeit erlebt hat.

Es ist nicht nur Ihre Kleidung, die so eindrucksvoll ist. Ihre Präsentationen sind ebenso stark und emotional – dank Ihrer Zusammenarbeit mit Darstellern und Künstlern wie Lawrence Malstaf, Peter Gentenaar, Anthony Howe, …

Ich möchte, dass die Menschen, die meine Shows besuchen, nicht nur die Kleidung näher kennenlernen, sondern auch den kreativen Prozess, den Ursprung und die Vision hinter einer Kollektion. Und da es oft die Arbeit von Künstlern ist, die mich inspiriert, möchte ich die Inspiration hinter der Kollektion nahtlos teilen.

Welche anderen Designer inspirieren Sie?

Issey Miyake, Alexander McQueen, Rei Kawakubo. Issey für die innovative Textur seiner Stoffe, die extrem taktil sind. McQueen für seine unverschämte Weiblichkeit und Handwerkskunst und Rei für ihre Formen.

Ihre Vision war immer sehr konsistent, aber gibt es eine Kollektion, von der Sie rückblickend das Gefühl haben, dass sie die anderen übertrifft?

Eine Kollektion, die einen entscheidenden Wendepunkt in meinem kreativen Prozess markiert, ist „Voltage” aus dem Jahr 2013. Schon nach meiner Ausbildung schien es zu einengend, nur mit Stoffen und Nähmaschinen zu arbeiten, aber das war das erste Mal, dass ich mit so vielen verschiedenen Fachleuten, Architekten, Ingenieuren und Künstlern zusammengearbeitet habe. Da wurde mir klar, dass ich noch so viel zu lernen hatte.

Wo sehen Sie Ihre Marke und sich selbst in zehn Jahren?

Ich hoffe, dass ich in dieser Zeit dazu beigetragen habe, die Mode intelligenter zu machen, Frauen zu stärken und das der Mode zugrundeliegende Denken mit Beiträgen aus Wissenschaft, Kunst, Architektur, Ingenieurwesen und Biologie zu vertiefen, wobei der Schwerpunkt auf der nachhaltigen Zusammenarbeit mit der Natur liegt.

Glauben Sie, dass Covid-19 einen „Point of no Return” für die Mode markieren wird?

Die Mode bewegte sich bereits auf sehr dünnem Eis, und insbesondere das Fast-Fashion-System zeigte bereits Risse. Covid-19 hat die Modeindustrie in eine tiefe Krise gestürzt, wir müssen einen neuen Fixpunkt finden, der sich meiner Meinung nach im Konzept der Slow Fashion zusammenfassen lässt. Kurzfristig werden Marken weniger Kollektionen pro Jahr produzieren, weniger Produkte, weniger Shows. Auf lange Sicht wird die Umweltkrise Verbraucher und Produzenten radikal beeinflussen. Bezeichnenderweise ist die Kaufmotivation junger Menschen nicht mehr nur auf Identitätsbildung und eigene Schönheit ausgerichtet. Heute kaufen die Menschen eine Botschaft für den Planeten, eine Botschaft für ihre eigene Gesundheit, die ihrer Mitmenschen und die der zukünftigen Generationen.

Im Laufe der Jahre haben Sie sich auf das Nervensystem, Meeresorganismen, die japanische Praxis des Suminagashi (schwimmende Tinte im Wasser), Mensch-Tier-Hybriden, DNA- Engineering oder die japanische Mythologie bezogen, um Ihre Geschichten zu erzählen. Was werden Sie in Zukunft hinzufügen?

Alchemie, Mixed Reality, Archäologie der Zukunft.

Sie definieren sich selbst als motiviert durch Innovation und bringen diese ständig in Ihre Kreationen ein. Ich habe Interviews mit Ihnen gelesen, in denen Sie über Experimente im 4D-Druck sprechen, um Bewegung in Materialien zu kodieren, und über die Möglichkeiten eines unsichtbaren Mantels, der derzeit für das US-Militär patentiert wird.

Wir haben einige Tests mit 4D-Druckern durchgeführt, aber es wird noch lange dauern, bis die Technologie so weit entwickelt ist, dass sie Materialien für ein Kleidungsstück herstellen kann. Der unsichtbare Umhang hat sich als nicht so visuell beeindruckend herausgestellt, wie ich dachte. Ein Material kann konzeptionell interessant sein, aber letztlich muss es seine Schönheit sein, die uns verführt.

Sie sagten, Sie müssen an den Punkt kommen, an dem Sie die Kontrolle über das Material haben und das Material nicht über Sie. Welche Materialien haben Sie noch nicht im Griff gehabt?

Wir machen Tests mit einem 3D-Drucker, um zu einem transparenten und festen Material wie Kristall zu kommen, das mit der gleichen Feinheit wie Schmuck gedruckt werden kann.

Ausgebildet am „ISIPCA - Institut supérieur international du parfum“, begann Mathilde Laurent im Alter von 23 Jahren mit Jean-Paul Guerlain zu arbeiten. 2005 wurde sie Parfümeurin bei Cartier und widmete sich zunächst der Kreation eines maßgeschneiderten Duftservices. Danach ging sie dazu über, Düfte für die breitere Öffentlichkeit zu kreieren, wobei sie sich stets weigerte, dem gefälligen Zugang der Branche zu folgen. Ganz dem Zitat von Edmond Roudnitska folgend: „Ein gutes Parfüm ist eines, das einem einen Schock versetzt.“

Als Cartier Sie zur Parfümeurin des Hauses ernannte, hatten die anderen Maisons in der gleichen Funktion nur Männer …

Es gab schon immer viele Frauen in diesem Beruf, Schöpferinnen von außergewöhnlichen Kreationen, aber die Gesellschaft im Allgemeinen und die Presse im Besonderen setzten den Fokus eher auf Männer. Jetzt ist es anders, es gibt einen gemeinsamen Stolz auf den Erfolg der Frauen, eine offensichtliche Solidarität.

Wie war der Übergang von Guerlain zu Cartier?

Cartier und Guerlain sind sich ähnlich, nicht nur wegen der Geschichte und dem beeindruckenden Erbe, sondern auch wegen ihrer Überlegenheit gegenüber anderen Marken und dem Innovationsgeist, der sie immer ausgezeichnet hat. Besonders gut gefällt mir der Ansatz bei Cartier, der sowohl ein Verständnis für die Epoche als auch eine Vision für die Zukunft vereint.

Wie gestaltet sich der kreative Prozess?

Wir folgen unserem Instinkt, unserer Intuition – es gibt keine Marketingregeln.

Was war der Ursprung der Linie „Les Épurs“?

Das Alltägliche, die einzige Idee hinter Parfüms scheint heute die Verführung zu sein. Stattdessen wollte ich zu der Idee des ursprünglichen Vergnügens zurückkehren, das man im Kontakt mit der Natur empfindet, um auf den Wunsch derjenigen einzugehen, die auf einfache, zarte und leichte Weise duften wollen. Die Natur ist die Wiege der Parfümerie, wie ein Schmuckstück bietet sie uns Schönheit, das Wunder der Gerüche und der Steine. Wie Huysmans sagte, machen Juweliere und Parfümeure denselben Job. In den meisten Fällen sind die heutigen Düfte zu komplex, sie haben nichts mit jenen zu tun, die wir in der Natur wahrnehmen. Es ist zwar die Rede von natürlichen Inhaltsstoffen, aber wenn man sie reicht, erinnern sie nicht an die Natur! Die Blumen und Früchte, die die Protagonisten der Düfte „Pur Muguet“, „Pur Magnolia“ und „Pur Kinkan“ sind, haben sich als naheliegende Wahl nahezu aufgedrängt: Maiglöckchen sind ein großer Protagonist in der Geschichte der Parfümerie. Sie repräsentieren das Ephemere schlechthin und waren der Protagonist meines Debüts bei Guerlain. Die Magnolie ist heute in zu vielen Düften präsent: Ich wollte auf das romantische, zu süße Armona, das andere ihr zuschreiben, verzichten und die „knackige“ Blume zeigen. Aus dem gleichen Grund habe ich mir ein Cologne mit Noten von chinesischer Mandarine vorgestellt, das ebenfalls ungewöhnlich ist.

Ihre bemerkenswerteste Kreation?

„L’Heure Perdue“, die elfte Stunde der „Les Heures du Parfum“- Kollektion. Ein Parfüm, das vollständig aus synthetischen Noten aufgebaut ist, ein perfekter Ausdruck jener Kultur der Kühnheit, die typisch für Cartier ist.

MATHILDE LAURENT

In Los Angeles geboren, zog es JJ Martin um die Jahrtausendwende von New York nach Mailand: „Aus Liebe natürlich! Wegen meinem ersten Ehemann und Geschäftspartner. Es war ein Herzensprojekt mit einem kleinen Business-Plan: Vintage-Kleidung und Bijoux online zu verkaufen“, so die Designerin. Aber zäumen wir das Pferd von hinten auf: In New York war Martin Marketing-Direktorin bei Calvin Klein, als sie in Italien ankam, begann sie als Journalistin zu arbeiten. „Ich wurde immer wieder gebeten, Giorgio Armani und Stefano Gabbana zu interviewen, aber ich interessierte mich vor allem für die Frauen, die ich auf meiner 2015 lancierten Website portraitierte: Nina Yashar, Pupi Solari, Rossana Orlandi ... Aber trotz der Aufmerksamkeit und Wertschätzung war es schwierig, einen Gewinn mit Vintage- Stücken zu machen. Also fragte ich die Manteros (eine italienische Textildynastie, Anm. d. Red.), ob ich an ihrem Archiv arbeiten könnte und begann mit dem Relaunch von acht Vintage-Prints und einem einzelnen Kleid“, erklärt Martin. Gerade die Drucke, die teils von alten Stoffen und Tapeten übernommen werden und nunmehr auch teils von einem engagierten Designteam neu entworfen werden, zählen gleichermaßen wie die leuchtenden Farben zu den charakteristischen Stilelementen ihrer Marke La Double J.

Ihre Erfolgsgeschichte startete mit einem einzelnen Kleid?

Es war 2016, und Matches (Londoner Concept Store, Anm. d. Red.) hat es sofort gekauft. Das ganze erste Jahr über hatte ich nur vier Modelle im Sortiment: einen Rock, ein Hemd und zwei Kleider. Das erste Kleid war das Swing-Kleid mit A-Linie, kurzen Ärmeln, knöchellang und aus Seide. Sehr simpel und trotzdem ein Bestseller. Der Rock war mit Volants versehen, hyperfeminin und leicht.

Mittlerweile sind Sie auch für Ihre Kollaborationen bekannt!

Ich arbeite gerne mit anderen zusammen und habe kein Interesse daran, als Solo-Künstlerin im Scheinwerferlicht zu stehen. Ich interessiere mich generell nicht für Oberflächlichkeiten: All jenen, die also auf mich zukommen, um beispielsweise nur die Verpackung eines Produkts neu zu gestalten, schlage ich stets vor, das auszuweiten. Ein gutes Beispiel ist etwa meine Kooperation mit Acqua di Parma. Sie wollten, dass ich die „Blu Mediterraneo“-Verpackung neu gestalte, und ich schlug vor, eine koordinierte Kollektion von Strandutensilien zu kreieren. Ich habe eine Partnerschaft mit Fabrizio Viti für Produktion von Schuhen und bin mit vielen historischen Unternehmen, die zu 100 % in Italien produzieren, wie Ancap, einer Keramikfabrik in Verona, oder Deruta, einer weiteren Keramikfabrik in der Gegend von Perugia, vernetzt. Dies sind alles Unternehmen, die qualitativ hochwertige Produkte herstellen, aber der Punkt ist, dass niemand sie kennt. Auch wenn es in vielen Fällen die gleichen Fabriken sind, die beispielsweise für Gucci produzieren.

Wie würden Sie Ihre Mode definieren?

Mir ging es nie darum, die beste Designerin zu sein, sondern darum, eine Stimmung zu erzeugen, einen guten Vibe, der sowohl feminin als auch bequem ist. Ich persönlich kombiniere gerne strenge Schuhe und eine Tasche mit einem mädchenhaften Kleid. Ich mag keine konzeptionelle Mode, für die man eine Gebrauchsanweisung heranziehen muss. Ich sehe die Welt als einen Ort voll Freude und Farben, den ich gerne erkunden möchte.

JJ MARTIN

Ein Konzept oder Traum, der bislang noch in Ihrer Schublade schlummert?

Die Kreation neuer Hotelkonzepte mit André Balazs (dem Unternehmer hinter Hotels wie „The Mercer“, „Chateau Marmont“ und „The Standard“, Anm. d. Red.).

Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren?

Ich werde in Sizilien in dem Kloster sein, das ich kaufen werde, um es zu einem Yoga- und Meditations-Retreat umzugestalten.

Aufgrund Ihres Instagram-Accounts lässt sich vermuten, dass Yoga und Meditation ein fester Bestandteil Ihrer Weltsicht sind?

Ich habe mir lange eine sehr strenge Disziplin des Bodyweight- Trainings auferlegt, das ich sogar acht Jahre lang wettkampfmäßig betrieben habe. 1998 habe ich mich dann dem Yoga genähert, Meditation kam später, meine spirituelle Praxis hat sich in den vergangenen zehn Jahren gefestigt. Und es prägt mein ganzes Leben, auch mein Geschäft, das optimistisch und energetisch sehr stark ist.

Ihr Schlüsselwort?

Erweiterung! Ich bin ein Enthusiast, aber ich muss lernen, innezuhalten und mich nur für die wirklich strategischen Entscheidungen zu entscheiden. Ein Fehler, den ich immer gemacht habe, war, zu allen guten Ideen ja zu sagen, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob ich tatsächlich die Mitarbeiter und Ressourcen habe, um sie auszuführen.