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Stempelkopplungen: Variantenart Stempelverwechselungen/ Stempelkopplungen:Beispiele bei antiken Münzen


Münzen & Sammeln - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 25.03.2020

Definition

Die Verwendung eines ursprünglich nicht zusammengehörenden Stempelpaars zur Münzprägung. (nach Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon)

Diese Definition eröffnet ein weites Fenster für Sammler, die ihrer Sammlung eine Besonderheit hinzufügen möchten.

Das Ergebnis eines derartigen Prägevorgangs können zum Beispiel sogenannte Zwittermünzen sein. Das sind, nach der o. a. Quelle, Münzen, bei denen der Vorderseiten Stempel mit dem Rückseiten Stempel einer anderen Münze (oder umgekehrt) gekoppelt wurde. Auch die Prägung mit gleichem Stempel für die Vorderseite und Rückseite erzeugt eine Zwittermünze. ...

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Bildquelle: Münzen & Sammeln, Ausgabe 4/2020

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...

Einleitung

Bei den Münzen in antiker Zeit sind häufig Tierdarstellungen zu finden, die einen Bezug zu den Herkunftsorten haben. Die Darstellungen der Tiere folgen den jeweilig kleiner werdenden Werten der Münzen. Die Tiere werden jedoch nicht verkleinert dargestellt, sondern es werden nur jeweils Teile des Tieres abgebildet.

Bei den Drachme-Münzen aus Korinth wurde zum Beispiel der Pegasus vollständig abgebildet. Bei den Hemidrachme-Münzen wurde dann ein neuer Stempel mit einem halben Pegasus verwendet.

Diese Art der Darstellung ist schon von den vermutlich ersten Münzen, den Elektron-Münzen, her bekannt.

Der Elektron-Stater

und seine möglichen Teilstücke

Übersicht mit Gewichtsangaben in Gramm (Mittelwerte)

Die größeren Münzen sind überwiegend oval in der Form. Die kleineren Münzen ab der Hemihekte kommen geringfügig langrund oder kreisförmig vor. Die folgenden Abmessungen sind nur grob gemittelt und dienen nur einem ersten Vergleich. Doppelwerte gelten für ovale Formen, Werte in Millimeter. Grundlage: Diverse Münzen verschiedener Herkunft, insbesondere die Münzabbildungen aus der Untersuchung zu TYPOS 1, s. u.

Einen Vergleich habe ich einmal anhand einer bei den Elektron-Münzen vorkommenden besonderen Art von Stempelkopplungen zusammengestellt.

Stempelkopplung bei Elektron-Münzen

Ein interessierter Sammler kann Teilstükke von Elektron-Münzen finden, die auf der Vorderseite mit einem Stempel geprägt wurden, der für Stater-Münzen hergestellt wurde. Es wurde dabei immer nur ein Teil des Stater-Stempels auf der kleineren Ronde des Teilstücks abgebildet. In diesen Fällen wurde oftmals kein Extrastempel für Teilstücke gefertigt.

Ausführlich wurde diese Besonderheit von Liselotte Weidauer untersucht. Die Ergebnisse sind in ihrem Buch TYPOS 1, Probleme der frühen Elektronenprägung zusammengefaßt. Das Buch erschien 1975, Office du Livre, Fribourg.

Anhand der Abb. Nr. 41und 43 habe ich einmal versucht, die Zusammenhänge nachzuvollziehen, Ausgangspunkt ist der Stater:

Die Kreisausschnitte für den Halbstater und die Hekte habe ich auf der Grundlage von anderen Stempelkopplungs-Reihen und den von mir ermittelten Größen der Teilstücke nach dem milesischen Gewichtsstandard konstruiert.

Stater (Nr. 41)


eventueller Halbstater (Innenbereich)


Ausschnitt für die Trite


Trite (Nr. 43)


Eventueller Ausschnitt für die Hekte


Die wirklichen Größen im Vergleich (in mm):

In Anlehnung an die oben angeführte Definition habe ich für mich folgende Definition für die Teilstücke entschieden: Stempelkopplung auf der Wertseite infolge der Verwendung eines ursprünglich nicht für den Münztyp (Nominal) vorgesehenen Stempels.

Diese Definition gilt für die jeweiligen Stücke, die mit einem Stempel eines wertvolleren Nominalen geprägt wurden. In vielen Fällen ist der Ausgangsstempel der Stater-Stempel. Es gibt auch Beispiele bei denen der Triten-Stempel für die kleineren Nominalen der Ausgangsstempel war. Im Handel wird ein interessierter Sammler die Elektron-Stempelkopplungs-Münzen sehr selten finden. Am ehesten sind Triten mit entsprechenden Abbildungen zu erwerben. Von den Triten kommen aber auch viele Münzen vor, die von einem eigenen Stempel stammen.

Es gibt jedoch auch „normale Stempelkopplungen“ bei den antiken Münzen. In diesen Fällen wird manchmal ein Stempel eines geringeren Nominals für die Prägung des höheren Nominals benutzt. Die Notwendigkeit kann sich zum Beispiel bei verunglücklicht hergestellten Ronden ergeben.

Die Fundstücke aus meinen Sammlungen

Beispiel 1: Hoher Pegasus

Korinth gehört zu den griechischen Stadtstaaten, die frühzeitig Münzen geprägt haben. Nach neueren Einschätzungen wurden die ersten Statere in Korinth um 650 v.u.Z. unter Kypselos (657-627 v.u.Z.) geprägt. Die Drachmen-Prägung begann erst später. Im Unterschied zu anderen griechischen Staaten hat die Drachme den Wert eines ⅓ Staters. Meine besondere Drachme wiegt um 2,7 g. Sie ist damit etwas leichter, als ihr Wert im Vergleich zum Stater erwarten läßt ( 2,7 x 3 = 8,1). Die entsprechenden ersten Statere wiegen im Durchschnitt um 8,20 g. Korinthische Drachmen sind in der heutigen Zeit sehr viel seltener im Handel anzutreffen als Statere. Das Angebotsverhältnis beträgt etwa 10 zu 1 (Stater zu Drachme). Noch seltener sind die übrigen Kleinmünzen.

Drachmen wurden in erster Zeit zum Teil in ovaler Form geprägt. Spätere Ausgaben sind fast immer kreisförmig. Sie zeigen vorderseitig den Pegasus in verschiedener Ausrichtung und rückseitig u. a. drei verschiedene weibliche Köpfe.

Vergleichbare Form einer Drachme (16 mm x 14 mm)


Quelle: iNumis, Auktion Mail Bid Sale 14, 25.3.2011, Los 73 (über acsearch)

Hoher Pegasus-Drachme (17 mm x 13 mm)


Die zeitlichen und die personellen Zuweisungen sind nicht immer eindeutig bei veröffentlichten Angeboten von Drachmen-Münzen aus Korinth.

In einigen Fällen sind auch falsche Zuweisungen bzw. falsche Beschreibungen festzustellen. Vorsichtshalber erfolgt in einigen Münzbeschreibungen der Hinweis: Kopf der Aphrodite oder der Nymphe Peirene. Manchmal lautet die Bezeichnung auch nur Frauenkopf. Deshalb habe ich im Folgenden versucht, eine Übersicht zu den verschiedenen Arten in dem zu betrachtetem Zeitraum zusammenzustellen. Die Abbildungen sind nicht maßstäblich. Die meisten zeitlichen Zuweisungen sind die „von-bis-Werte“. Andere Auswertungen können zu anderen Ergebnissen führen.

Drachmen-Münzen zeigen auf der Vorderseite den Pegasus mit der Koppa (später Kappa), dem Stadtzeichen von Korinth. Rückseitig ist anfänglich das vierfache P (Pi) abgebildet. Zeitlich folgen der Kopf der Athene, der Kopf der Aphrodite und der Kopf der Nymphe Peirene. Sehr selten ist auch der Kopf des Apollo abgebildet.

1. Vierfaches P (Pi), keine Swastika, 550-500 (480)


2. Kopf der Athene, eindeutig mit Helm, 500-400


3. Kopf des Apollo, Verwechselungen mit Aphrodite kommen vor, 500-450


Quelle: Solidus Numismatik, Auktion 8, 23.4.2016, Los 113 (über acsearch)

4. Kopf der Aphrodite, 450-350


5. Kopf der Peirene, Verwechselungen mit Aphrodite kommen vor, 320-280


Es ist erforderlich, jeweils eindeutige Merkmale herauszuarbeiten, um weitere falsche Zuordnungen zu vermeiden.

Bei meiner Münze handelt es sich um den Kopf der Aphrodite.

Wenn man zum Vergleich normal große Drachme-Münzen mit Durchmessern von 16 /14 mm zugrunde legt und den hochfliegenden Pegasus in so ein Oval hineinprojektiert, so sieht dieser im Vergleich zu Pegasus Abbildungen auf anderen Drachmen-Münzen doch etwas verloren im Münzoval aus.

Normalerweise befindet sich das Pegasus-Münzmotiv gut zentriert in der Münzmitte und füllt das Münzoval bzw. die häufig vorkommenden rundlicheren Münze voll aus. Die Pegasus-Darstellungen auf den normalen Drachmen haben eine Längenausdehnung von 13 bis 15 mm. Die Pegasus Körper sind je etwa 9 mm lang (Bauch bis Po).

Bei meiner Drachme-Münze mit dem hochfliegenden Pegasus ist der Pegasus selbst 10 mm lang, der Körper mißt ca. 8 mm. Die Vermutung liegt nahe, daß bei meiner Münze ein Pegasus-Stempel einer kleineren Wertstufe eingesetzt wurde.

Welches Nominal kommt eventuell infrage?

Es gibt - wenn auch z. T. sehr selten - folgende kleinere Nominale aus Korinth:

- Hemidrachme (½ Drachme), Gewicht 1,3 g, größter Durchmesser 13 bis 16 mm

- Diobol (⅓ Drachme), Gewicht 0,9 g, größter Durchmesser 8 bis 13 mm

Vergleich zur Hemidrachme

Wenn man ein gedachtes Oval um den Pegasus legen würde, käme eine Münze mit einem Durchmesser von 13 mm heraus. Betrachtet man den Flächenanteil dieser gedachten Münze an der Gesamtmünze mit dem hohen Pegasus, so wären das ca. 60%. Umgerechnet auf den Gewichtsanteil würde sich eine Münze von ca. 1,5 g ergeben.

Beide Ableitungen, Form und Gewicht weisen eher auf eine Hemidrachme hin.

Vergleich zum Diobol

Das akademische Kunstmuseum Bonn hat in seiner Sammlung Diobole, die einen vollständigen Pegasus zeigen. Der Pegasus ist sogar jeweils auf beiden Seiten der Münzen vorhanden, einmal schreitend und einmal fliegend. Diese Münzen habe ich auch zum Vergleich im gleichen Maßstab mit meiner fiktiven Münze herangezogen.

fiktive Münze


Im Unterschied zu den verglichenen Hemidrachmen ist die Stellung des Pegasus nach links sowie die Ausrichtung des Flügels der Diobole deckungsgleich zu der Darstellung auf meiner Münze. Auch die Übereinstimmung bei der Form der Beine unterstreicht das Ergebnis.

Eine etwas abgewandelte Form meiner fiktiven Münze würde den Diobolen sehr nahe kommen.

Im vorliegenden Fall wurde meines Erachtens die Rückseite einer Korinther Drachmen-Münze mit einem Stempel, der für Diobole vorgesehen war, geprägt.

Beispiel 2: Der silberne Schuh des Dareios II (424-404 v.u.Z.)

Diese Münze fällt nicht nur durch die besondere Form auf. Bemerkenswert ist insbesondere das Münzbild. Auf normalen Münzen ist der Großkönig mit Bogen und sonstigem, unterschiedlichem Inventar über die gesamte Münzfläche abgebildet. Bei meiner besonderen Münze ist der Großkönig nur im oberen Bereich der Münze zu sehen. Der Münztyp ist: Großkönig im Knielauf mit Bogen und Dolch (hier: Carradice IV A). Es handelt sich hier wahrscheinlich um eine Prägung mit einem Stempel, der für ein Siglos-Teilstück vorgesehen war.

Abbildung vergrößert Der Schuh hat folgende Abmessungen: Länge rd. 19 mm, größte Breite am Vorderfuß rd. 11 mm, größte Breite am Hacken, mittig rd. 9 mm. Das Gewicht beträgt 5,20 g


Siglos und Teilstücke im Gewichtsvergleich

(Siehe Tabelle)

Die aufgeführten Siglos-Gewichte (Spalten 5 und 6) sind die Werte, die sich aus der jeweiligen Summe der Teilstücke ergeben, die eine Siglos-Münze ergeben würden.

Es zeigt sich, daß die Teilstücke in der jeweiligen Zählsumme selten dem Siglos entsprechen. Das wird zum Teil auf den häufigeren Umlauf der Teilstücke zurückzuführen sein. Zum anderen zeigt sich damit, daß es nicht auf das Gewicht ankam, sondern die Münzen reine Zählwerte waren. Der Vorteil der Münze gegenüber zum Beispiel Hacksilber lag ja in der vorteilhaften Verrechnung im Handel.

Vergleiche: jeweils Typ IV

Gleichartiger Siglos


Schuh-Siglos


gleichartig geformter Siglos


Der Bildvergleich im gleichen Maßstab weist auf ein kleineres Motiv auf der Schuh-Münze hin. Der Schuh hat eine Abmessung von

Die Umrandung stellt das eventuelle Teilstück dar.

Welcher Teilstück-Stempel kommt eventuell infrage?

Die Sigloi-Münzen unterteilen sich u. a. in Halb- und Drittelstücke. Das mutmaßliche Siglos-Teilstück versuchte ich, durch Volumenvergleich zu ermittelt. Angenommen wurde der obere umrandete Bereich als das Oval der gesuchten Kleinmünze. Das Oval hat einen maximalen Durchmesser von 13 mm. Diese Fläche umfaßt etwa 65 % der Gesamtfläche der Siglos-Münze. Die ganze Münze wiegt 5,20 g. 65 % vom Gesamtgewicht ergeben 3,38 g.

Sicherlich ist diese Vergleichsgewichtsermittlung ungenau. Dennoch zeigt das Ergebnis, daß 3,38 g bei Teilstücken nicht zu finden ist. Ein halber Siglos z.B. hätte ein Gewicht von 5,20: 2, das wären 2,6 g. Meine Münze hat ein Dicke von 3,6 mm. Diese Dicke ist schon an der unteren Grenze der sonst üblichen Siglos-Dicken. Insofern wäre nur ein geringer Gewichtsabzug in Bezug auf die mutmaßliche Teilmünze gegeben. Dennoch ist ein Abzug erforderlich, da Teilstücke dünner sind als die Sigloi-Münzen. Einen Abzug von 20% halte ich für richtig. Das Ergebnis aller Mutmaßungen führt zu einer Münze mit 2,70 g Gewicht. Der Stempel war mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Prägung einer ½-Siglos-Münze vorgesehen. Bei www.acsearch.com wurde folgendes Vergleichsstück gefunden:

Persian Empire, Archaemenid Kings, c. 420 -350 B.C, 81133. Silver siglos, SNG Kayhan 1034, SGCV II 4683, F, Sardeis (Sardes) mint, 2,960 g, 17,0 mm, c. 420-350 B.C.; obverse Persian hero-King running to right, holds dagger and bow, two countermarks; reverse incuse punch (weakly struck), two small punch marks.

Quelle: FORVM ANCIENT COINS Anmerkung: Die Wertbezeichnung Siglos in der Beschreibung ist für eine Münze mit 2,96 g nicht zutreffend.

Im angegebenem Zeitraum war u. a. Dareios II. (424-404 v.u.Z.) König.

Bildvergleich in gleichem Maßstab


Das ½-Siglos-Vergleichsstück habe ich nur einmal gefunden, es ist für sich schon eine Rarität. Auch die punktierte Standlinie kommt selten vor.

Meine Siglos-Münze mit der besonderen Form und dem abweichenden Stempel dürfte ein Unikum sein.

antikpeter

Münzabbildungen ohne Quellenangabe stammen von eigenen Münzen oder Münzen befreundeter Sammler.