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Stephanie Osawa: Entgrenzung von Devianz?


KrimJ Kriminologisches Journal - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 28.11.2019

Kritische Überlegungen zu moralisierenden Kategorien im japanischen Devianzverständnis


The dissolution of deviance? Critical Reflections on Moralizing Categories in the Japanese Understanding of Deviance

Der Beitrag beschäftigt sich mit abweichendem Verhalten in Japan und untersucht auf Grundlage interaktionistischer Ideen die so genannte „Prädelinquenz“ und die dort formulierten moralisierenden Normkategorien. Im Fokus stehen Prozesse der Handlungsauslegung: So wird zunächst nachvollzogen, wie moralisierende Normierungen in Recht und Gesetz verankert sind. Anschließend wird untersucht, wie die dort ...

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... sichtbar werdenden diffusen Kategorisierungen in Prozesse der sozialen Kontrolle hineinwirken.Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass schwammige Begrifflichkeiten wie die des „Unmoralischen“ oder „Dubiosen“ zu einem Ausfransen der Grenzen des Erlaubten führen, was die Gefahr stigmatisierender Prozesse der sozialen Kontrolle verstärkt.

Schlüsselwörter: Devianz, Jugendliche, Japan, Prädelinquenz

This article focuses on conceptions of deviant behavior in Japan. From an interactionist point of view, it examines the phenomenon of “pre-delinquency” and its moralizing normative regulations.At the center of interest are processes of the definition and interpretation of certain behaviors as deviant; therefore, the article examines how moralizing normative regulations are embodied in law and how these categorizations shape processes of social control. The article shows that concepts such as “immoral” and “dubious” lead to blurring boundaries of socially accepted behavior and hence result in highly stigmatizing and thus problematic processes of social control.

Keywords: Deviance, Juveniles, Japan, Pre-delinquency

1. Einleitung: Warum Japan?

In der Wahrnehmung westlicher Gesellschaften tritt Japan häufig als exotisches Land in Erscheinung, in dem „(fast) alles anders ist“ (Chiavacci 2011: 61). Die Andersartigkeit des fernöstlichen Inselstaates findet ihre Repräsentation dabei vorwiegend im Bild der Gruppenorientierung des Japaners und seinem unermüdlichen – und einzigen – Streben nach Harmonie. Insbesondere die vergleichende Kriminologie wird dieses stereotypen Bilds nicht überdrüssig. Gegenüberstellungen von Japan und dem Westen sind beliebt und – wenngleich der kriminologischen Forschung zu Japan hier durchaus kein Konsens unterstellt werden kann – gipfelt die Erklärung kriminalitätsbezogener Phänomene, wenig überraschend und leider viel zu oft, in der Erkenntnis, dass es die außerordentliche Gruppenorientierung „des“ Japaners sei, die entscheidend auf die Entstehung oder nicht-Entstehung von Kriminalität einwirke (Kühne/Miyazawa 1991; Schneider 2012; Leonardsen 2002, 2003, 2004). Dass die Angelegenheit so einfach nicht ist, liegt jedoch auf der Hand, und entsprechende Bilder wurden bereits vielfach als unangemessen vereinfachend, exotisierend und einseitig kulturalistisch entlarvt (vgl. Ellis/ Kyo 2017: 1 f.; Fenwick 2004: 127 f.).

Der Grund, warum Japan überhaupt in den Blick der vergleichenden Kriminologie gerät, ist eine delikate Verschränkung von Ähnlichkeit und Differenz. Japan, als hoch entwickelte Industrienation mit einem hohen Grad an gesellschaftlicher Ausdifferenzierung, weist Ausgangsbedingungen für Kriminalität auf, die denen westlicher Gesellschaften nicht ganz unähnlich sind, wie die fortgeschrittene Urbanisierung und die mit ihr einhergehende „Anonymisierung des städtischen Lebens“ (Foljanty-Jost 1997: 14; ebd. 2000: 11). Seit Beginn der 1990er Jahre sind mit dem Platzen der Bubble-Economy und der darauf folgenden gesellschaftlichen Krise zudem Prozesse zu beobachten, die gemeinhin als destabilisierend und kriminalitätsfördernd eingeschätzt werden, allen voran Individualisierungs- und Pluralisierungstendenzen, wie sie etwa in der Entstandardisierung von Lebensverläufen sichtbar werden, sowie die zunehmend instabilen Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse, die es jungen Menschen erschweren, ein existenzsicherndes Einkommen zu generieren (vgl. Gordon 2017; Koga 2007; Schad-Seifert 2007). Trotzdem – und hierin liegt ganz offensichtlich der entscheidende Grund, der Japan für die westliche Forschung interessant macht – hat es Japan nicht mit steigenden Kriminalitätszahlen zu tun; im Gegenteil: Die Kriminalitätsrate ist auf einem sehr niedrigen Niveau und sie ist überdies rückgängig (MOJ 2018b;

vgl. Fenwick 2004: 125 f.; Liu/Miyazawa 2018: 1).

Japan gilt im Diskurs der vergleichenden Kriminologie daher alslow crime nation (Leonardsen 2002, 2003, 2004; vgl. Fenwick 2004; Johnson 2007; Liu/ Miyazawa 2018). Einschlägige Kriminalstatistiken attestieren Japan eine der niedrigsten Kriminalitätsraten weltweit (OECD 2014: 141); dabei sind sowohl die von Erwachsenen begangen Straftaten als auch die Fälle der Jugendkriminalität auf einem teils steilen Abwärtstrend1 und befinden sich aktuell auf einem Rekord-Tief (MOJ 2018b; NPAJD 2018: 2). Fragen, die diesbezüglich aufgeworfen werden, betreffen Zusammenhänge zwischen der Kriminalitätsentwicklung und gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen: Wurde es lange Zeit als erwiesen betrachtet, dass die Kriminalitätsrate eines Landes mit zunehmender Modernisierung, vor allem Urbanisierung, zunimmt – Kriminalität also ein zwar unerwünschtes, aber unvermeidbares Nebenprodukt der Modernisierung ist – zeigt das Beispiel Japans, dass dies offenbar nur unter bestimmten Umständen zutrifft (Leonardsen 2002: 203; Schneider 2012: 178; vgl. Fenwick 2004: 125; Osawa 2019). Japan wurde unter diesen Gesichtspunkten gerne zum Vorbild stilisiert und hat sich als beliebtes Vergleichsland etabliert, wenn es zum Beispiel um die Prüfung einschlägiger Theorien geht, oder um die Frage, was denn in Japan anders, oder besser, laufe.

1 Insbesondere die Jugendkriminalität ist in ihrer Entwicklung jedoch teils beträchtlichen und kurzzeitigen Schwankungen ausgesetzt. In der Nachkriegszeit sind entsprechend vier Hochphasen registriert, deren letzte um das Jahr 1998 herum datiert wird. Seit 2003 ist für die Jugendkriminalitätsrate eine steile Abwärtsbewegung zu registrieren (NPAJD 2018:
2). Im internationalen Vergleich bleibt die japanische Jugendkriminalitätsrate jedoch auch während ihrer Hoch-Zeiten niedrig. Die Schwankungen, die sich für Kriminalität im Japan der späten 1990er Jahre ergaben, werden in einschlägigen Analysen als Folge veränderter polizeilicher Erhebungspraktiken sowie einer vermehrten Anzeigebereitschaft in der Bevölkerung gedeutet (Hamai/Ellis 2006, 2008).

Die Zuschreibung des Etiketts einerlow crime nation findet in Japan selbst jedoch wenig Anklang. Die Wahrnehmung von Kriminalität ist hier vielmehr von einer sehr starken Problematisierung geprägt, die Kriminalität – vor allem Jugendkriminalität – als dringliches Problem begreift und den Ernst der Lage betont (Osawa 2018, 2019; vgl. Fenwick 2004). Schlagworte wie „Brutalisierung der Delikte“2 (kyōakuka ; Koyanagi 2008: 6; vgl. Osawa 2018: 21) oder „neuartige Unauffälligkeit der Täter“ (ippanka oderfutsū no ko ; vgl. Okabe/Kobayashi 2005; Akahane 2010; Osawa 2018: 21 f.), die die Entgrenzung von Gewalt bei Jugendlichen beklagen und gleichzeitig der gesamten Jugendgeneration ein Potential für schwerste Verbrechen zuschreiben, dominieren die öffentliche Diskussion. Allen Statistiken zum Trotz hat sich die Einschätzung festgesetzt, dass Jugendkriminalität zum Teil rapide zunimmt. Entsprechende Meinungsumfragen des japanischen Kabinettsbüros zeigen dies schon seit den späten 1990er Jahren und bescheinigen der japanischen Bevölkerung ein sehr hohes Problembewusstsein, wenn es um die Verhaltensauffälligkeiten ihrer Jugendlichen geht (CAO 1998; CAO 2015: 2). Wenig verwunderlich scheint es vor diesem Hintergrund, dass populistische Forderungen nach härteren, längeren und schnelleren Strafen auch auf der politischen Agenda oberste Priorität haben, gefolgt von einer Reihe (kriminalpolitisch durchaus fragwürdiger) Gesetzesänderungen, die ein zunehmend hartes Eingreifen bei jugendlichen Strafsachen ermöglichen (Fenwick 2004: 134 ff.; Takeuchi 2005: 390 ff.; Yoshinaka 2010: 28 f.; vgl. Osawa 2018). Wie diese gesellschaftliche Stimmungslage in Bezug auf Jugendkriminalität zeigt, gilt (Jugend-)Kriminalität in Japan selbst also durchaus als ernstes Problem, für das dringender Handlungsbedarf besteht.

2 Alle Begriffe und Zitate aus dem Japanischen sind von der Autorin ins Deutsche übersetzt.
3 Der Ursprung dieser Problematisierung ist in einer Reihe äußert brutaler Gewaltverbrechen zu suchen, die seit 1997 verübt wurden und deren Initiatoren Jugendliche im Alter von 14 oder 15 Jahren waren.Bekannt geworden ist vor allem das so genannte „Kobe Killing“ aus dem Jahr 1997 (Ryan 2005: 158). Hier hat der 14-jährige so genannte Shōnen A den 11-jährigen Jun Hase brutal ermordet, seinen Kopf vom Körper abgetrennt und diesen Kopf schließlich auf das Schultor postiert – mitsamt einer Nachricht im Mund, die weitere Taten ankündigte (ebd.; vgl. Fenwick 2004: 131 f.).

Auch das akademische Interesse an den jugendlichen „Fehltritten“ ist in Japan entsprechend groß und die Zahl an wissenschaftlichen Publikationen ist beinahe unüberschaubar. Im Vordergrund der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Thematik steht dabei das (ätiologische) Bestreben, das Verhalten der jungen Menschen zu korrigieren und sie auf den „richtigen Weg“ zu bringen. Zur Erforschung der Ursachen sowie Präventionsmöglichkeiten geraten vielfältige Perspektiven in den Blick, allen voran die mikro-soziologische Erfassung individueller problematischer Lebenslagen, wie sie in familiären Strukturen, schulischer Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft sowie inpeer -Gruppen und Freizeitverhalten zum Ausdruck kommen. Wenig beachtet und teils sogar bewusst abgelehnt werden Annahmen, die über den ätiologischen Präventionsanspruch hinausgehen:labeling -Perspektiven und die Erfassung von Kriminalisierungs- und Zuschreibungsprozessen gelten als wenig relevant und sind im akademischen Diskurs absolut unterrepräsentiert (Yokoyama 2013: 227).

Dabei wäre diese Perspektive in Bezug auf Japan doch besonders aufschlussreich, insbesondere wenn man die Umstände betrachtet, unter denen Jugendliche in Japan als problematisch gelten. Neben strafrechtlichen Regelungen geraten hier nämlich Angelegenheiten in den Blick, die im Kern die Moral oder Alltagsgewohnheiten betreffen, und dabei als derartig gravierend wahrgenommen werden, dass die betroffenen Jugendlichen mit ernsthaften Konsequenzen rechnen müssen. So findet sich beispielsweise der „Kontakt mit kriminell wirkenden oder unmoralischen Personen“ (hanzaisei no aru hito/fudōtokuna hito; e-gov 2018) als Prädelinquenz im Jugendrecht und das Kaugummikauen oder Haarefärben ist im schulischen Kontext hochgradig problematisch (vgl. Erbe et al. 2000; Foljanty-Jost et al. 2003; Osawa 2018). Wie im Folgenden genauer gezeigt wird, ist für Japan in der Problematisierung von jugendlichem Verhalten also ein Fokus auf niedrigschwellige Normverstöße im Vorfeld von Kriminalität festzustellen, geprägt von unscharf formulierten und diffusen moralisierenden Normierungen (vgl. Metzler/ Metzler 2000a: 139 ff.). Eine Untersuchung, die Kriminalität als soziale Zuschreibungsleistung erfasst und damit die Aushandlung von Kriminalität betrachtet, erweist sich demnach als angebracht.

Ein Blick auf Japan ist also lohnenswert, auch jenseits der quantitativen Frage nach den Bedingungen einer niedrigen Kriminalitätsrate. Basierend auf interaktionistisch-konstruktivistischen Ideen, die Devianz als sozial konstruiert und damit als per se deutungsabhängig verstehen (vgl.u.a.Becker 1981; Dollinger et al. 2014; Peters 2009), beschäftigt sich der vorliegende Beitrag in diesem Sinne mit dem japanischen Devianzverständnis und dem sich darin abzeichnenden speziellen Stellenwert niedrigschwelliger Normverstöße. Gegenstand der Untersuchung ist dabei zum einen die rechtlich-normative Verankerung der so genannten „Vorfeldkriminalität“ (Prädelinquenz). Zum anderen wird nachvollzogen, wie die dort sichtbar werdenden diffusen Devianzkategorisierungen in Prozesse der sozialen Kontrolle hineinwirken. Ziel ist es, die Hintergründe für die Problematisierung von „leichten“, in erster Linie moralisch relevanten Normverstößen zu erfassen und dabei Kriminalisierungsprozesse sichtbar zu machen, die im überwiegend ätiologisch orientierten Diskurs um Devianz in Japan bislang weitgehend verdeckt geblieben sind.

2. Kriminalität, abweichendes Verhalten und die „Entgrenzung“ von Devianz in Japan

2.1 Kriminalität und Devianz

Der Versuch, die Raster zu erarbeiten, die der Einstufung von Handlungen als Normverstoß zugrunde liegen, bringt für den Fall Japans die Erkenntnis zu Tage, dass sowohl eine große Bandbreite an problematisierten Handlungen festzustellen ist, als auch eine fehlende Trennschärfe in der Markierung des Übergangs zwischen Devianz und Delinquenz konstatiert werden muss (vgl. Foljanty-Jost et al. 2003: 223). Solche fließenden Übergänge lassen sich vor allem für das Spannungsfeld „Delinquenz“ (hanzai ), „Prädelinquenz“ (guhan ) und „unsittliches Verhalten“ (furyō kōi ) rekonstruieren.

Zunächst definiert das Jugendrecht (Shōnenhō ) die Umstände, unter denen Jugendliche als kriminell gelten. Dies ist dann der Fall, wenn bei Jugendlichen bis einschließlich 19 Jahren der Verdacht auf einen Gesetzesverstoß vorliegt, sowie wenn bei 14- bis 19-Jährigen „aufgrund von Charaktereigenschaften oder Umweltbedingungen die Gefahr besteht, dass sie in Zukunft eine Straftat begehen“ könnten. Letztere, die so genannte Prädelinquenz, sei der Definition nach insbesondere dann zu befürchten, wenn sich Jugendliche der „vernünftigen Kontrolle der Erziehungsberechtigten entziehen“, „ohne guten Grund von zu Hause fernbleiben“ oder „Kontakt zu kriminellen oder unmoralischen Personen haben oder sich an bedenklichen Orten aufhalten“ (e-gov 2018; vgl. Metzler/Metzler 2000a: 136; Foljanty-Jost et al. 2003: 24; Yajima et al. 2009: 17 ff.).

Jugendliche unter 14 Jahren sind dabei strafun mündig, so dass bei Vorliegen einer Straftat die örtliche Jugendhilfestelle verantwortlich ist und meist Maßnahmen der Jugendhilfe angeordnet werden. Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren hingegen sind strafmündig und können der verantwortlichen Gerichtsbarkeit übergeben werden. In der Regel ist das Familiengericht für „Jugendsachen“ (shōnen jiken ) zuständig und aufgrund des im Jugendrecht verankerten Erziehungs- und Fürsorgegedankens ist es ausschließlich dazu berechtigt, Erziehungsmaßnahmen4 zu verordnen (Kuzuno 2004: 106-108;

4 Unter Erziehungsmaßnahmen werden Bewährungsmaßnahmen, Einweisungen in Jugendheime oder Einweisungen in Jugendbesserungsanstalten verstanden (Kuzuno 2004: 108; Takeuchi 2005: 382). Letztere, die so genannten Jugendbesserungsanstalten(shōnen’in) sind geschlossene Einrichtungen des Jugendvollzugs. Im Gegensatz zu Jugendhaftanstalten(shōnen keiji shisetsu) verfolgen sie einen erzieherischen Anspruch (Metzler 2004).

Takeuchi 2005: 382). In Fällen der besonderen Schwere der Schuld kann jedoch eine Übergabe an die Staatsanwaltschaft und entsprechend ein Strafverfahren nach Erwachsenenstrafrecht eingeleitet werden (Ellis/Kyo 2017: 6 f.; vgl.u.a. Metzler/Metzler 2000a: 135 f.). Auch prädelinquente Jugendliche können dem Familiengericht vorgeführt werden, wenn dies durch charakterliche Eigenschaften oder persönliche Neigungen ausreichend begründet ist; eine „echte“ Straftat muss dafür nicht vorliegen. Im japanischen Jugendrecht ist also eine Gleichstellung von Delinquenz und Devianz festzustellen, so dass Normverstöße, die sich ursprünglich auf den informellen Bereich beziehen, in die Nähe des Kriminellen gerückt werden (Ellis/Kyo 2017: 4 f.; Metzler/Metzler 2000a: 141).

Weitergeführt werden die unter Prädelinquenz subsumierten Tatbestände im so genannten „unsittlichen Verhalten“. Dieses bezieht sich im Kern auf moralisch bedenkliche Handlungen wie „fragwürdigen Freundesumgang“ (furyō kōyū ), „ungesundes Vergnügen“ (fukenzen goraku ) oder „ungesundes sexuelles Verhalten“ (fukenzen seiteki kōi ) (NPAJD 2018; vgl.u.a. Foljanty-Jost et al. 2003) und ist gemäß seiner Definition in den „polizeilichen Richtlinien zum Umgang mit Jugendlichen“ Anlass für polizeiliches Eingreifen (Yajima et al. 2009: 24). Die Nähen zur Prädelinquenz sind dabei unübersehbar; beide Kategorien unterscheiden sich denn auch weniger in den Tatinhalten als im juristischen Umgang damit (Metzler/Metzler 2000a: 137). Im Falle des unsittlichen Verhaltens sind keine familiengerichtlichen Untersuchungen möglich, sondern „lediglich“ polizeiliche Unterweisungen in polizeigeführtenJuvenile Support Centers (Konishi 2007: 11) vorgesehen. Die Übergänge zwischen unsittlichem Verhalten und Prädelinquenz sind allerdings fließend und es liegt allein im subjektiven Ermessen der Polizei, ob eine Tat als unsittliches Verhalten oder aber als Prädelinquenz gewertet wird (vgl. Ellis/Kyo 2017: 4; Metzler/ Metzler 2000a: 138). Somit ergibt sich die (heikle) Situation, dass Jugendliche mit ein und derselben Handlung entweder – im glücklichsten Fall – mit dem Schrecken davonkommen, oder – im Worst Case – kriminalisiert werden und formale „Schutzmaßnahmen“ zu befürchten haben.

Für den Fall Japans ist in Zusammenhang mit Jugenddevianz auch der Blick auf die Schule nicht unerheblich. Spätestens mit Eintritt in die Mittelschule5 wird der Schulalltag durch detaillierte Regeln strukturiert, die unter anderem die äußere Erscheinung der Jugendlichen oder die Art der Freizeitgestaltung festlegen. So finden sich etwa detaillierte Anweisungen zum korrekten Tragen der Schuluniform – etwa, dass Mädchen den Rock bis über die Knie tragen müssen oder Jungen nicht mehr als drei Knöpfe ihres Polohemdes offen lassen dürfen. Weitere Anweisungen verbieten den Aufenthalt an bestimmten Orten, ebenso wie zum Beispiel vorgesehen ist, dass in der Schule das Kau- gummikauen oder Haarefärben verboten ist (Osawa 2018: 139 ff.; vgl. Erbe et al. 2000: 205 f.; Foljanty-Jost et al. 2003: 29 ff.). Zwar unterscheidet sich das Ausmaß der Kontrolle der Schulregeln je nach Lehrer und Schule und nicht alle Regeln werden gleichermaßen ernsthaft eingefordert (Foljanty-Jost et al. 2003: 223). Unter Berücksichtigung der absoluten Schulzentriertheit des japanischen Jugendlebens (Schubert 2002) – japanische Schulen sind Ganztagsschulen, so dass Jugendliche teils bis 18 Uhr in der Schule sind; außerdem verbringen sie häufig auch das Wochenende und die Ferien dort, weil zahlreiche Freizeitangebote über die Schule laufen –, dürften die Schulregeln jedoch diejenigen Normen sein, die das Jugendleben am meisten beeinflussen.

Dieser kurze Blick auf ausgewählte offizielle Devianzkategorien in Japan zeigt, dass Normverletzungen unterhalb der strafrechtlichen Ebene große Relevanz zukommt. Dies lässt sich auch anhand von statistischen Daten verdeutlichen. Die Zahl der Registrierungen von unsittlichem Verhalten liegt mit 476.284 Fällen im Jahr 2017 weit über den Festnahmen delinquenter Jugendlicher, die im selben Zeitraum 26.797 Fälle6 betrugen. Die Prädelinquenz hingegen liegt mit 1.107 Registrierungen auf einem niedrigen Niveau, allerdings ist die Tendenz (leicht) steigend und vor allem die Verurteilungsquote ist signifikant: Im Jahr 2017 wurden 183 Fälle der Prädelinquenz familiengerichtlich verhandelt und im selben Jahr saßen 23 Mädchen und 38 Jungen deswegen in Jugendbesserungsanstalten ein (NPAJD 2018: 1; MOJ 2018a, MOJ 2018d).

Die obigen Ausführungen zeugen insgesamt von dreierlei: Erstens von einer starken Problematisierung niedrigschwelliger Normverstöße, infolgedessen zweitens von umfassenden, intensiven Kontroll- und Sanktionsaktivitäten bezogen auf diese „leichte“ Devianz, sowie drittens von der Kriminalisierung abweichender Handlungen jenseits von Recht und Gesetz (vgl. Osawa 2016, 2018, 2019).

2.2 Grenzen der offiziellen Rhetorik – Entgrenzung von Devianz

In der Auseinandersetzung mit offiziellen Verhaltensklassifizierungen wie denen des „fragwürdigen Freundesumgangs“ oder „ungesunden Vergnügens“ wird offensichtlich, dass die rechtlichen und amtlichen Formulierungen die Tatbestände, die sie darzustellen versuchen, nur scheinbar vereindeutigen. In Wahrheit verweist die offizielle Rhetorik auf Worthülsen, die bei genauerer Betrachtung inhaltsleer anmuten. Es stellt sich also die Frage, was genau mit den einzelnen Kategorien eigentlich umschrieben werden soll – was also ist ein dubioser Ort oder wer eine kriminell wirkende Person (vgl. Metzler/ Metzler 2000a: 142; Osawa 2018)?

6 Bei den hier registrierten Fällen handelt es sich um die Zahl der Festnahmen tatverdächtiger Jugendlicher. Verkehrsdelikte sind ausgenommen (NPAJD 2018).

5 Das japanische Schulsystem gliedert sich in 6 Jahre Grundschule, 3 Jahre Mittelschule, 3 Jahre Oberschule. Die Schulpflicht erstreckt sich auf die ersten 9 Jahre, allerdings besuchen mehr als 98 % eines Jahrgangs die weiterführende Oberschule (Ichimi Abumiya/ NIER 2012: 2).

Genauere Definitionen zu den unter „unsittlichem Verhalten“ subsumierten Tatbeständen und damit Antworten auf die obigen Fragen finden sich unter anderem in Handreichungen, die die National Police Agency (NPA) zum Umgang mit Jugendlichen, die unsittliches Verhalten zeigen, veröffentlicht. (NPA CSB 2008). Als „ungesundes Vergnügen“ wird in dem Dokument definiert, was das „gesunde Aufwachsen behindert“; „sexuelle Devianz“ liege vor, wenn man sich „sexuell abweichend verhält oder sexuelle Desorientierung aufweist“; „fragwürdiger Freundesumgang“ sei gegeben, wenn man sich mit „kriminell wirkenden Personen aufhält oder mit Personen abgibt, die das gesunde Aufwachsen beeinträchtigen“ (ebd.). Das heißt, ungesund ist, was das gesunde Aufwachsen behindert, fragwürdig ist, was kriminell anmutet, sexuelle Devianz ist sexuell abweichendes Verhalten. Trotz dieser offensichtlichen Definitionsbemühungen bleibt die Problematik der offiziellen Rhetorik bestehen: Begrifflichkeiten bleiben schwammig, sie sind irgendwo zwischen moralischen Ideen und diffusen Alltagsvorstellungen anzusiedeln und wo es nun gilt, entsprechende Urteile zu fällen, können nur subjektive Deutungsmechanismen wirken.Der Ermessensspielraum der Polizeibeamten, die jugendliche Missetäter aufspüren, ist entsprechend groß (Ellis/Kyo 2017: 4; Metzler/Metzler 2000a: 138). Wenngleich an anderer Stelle gezeigt wurde, dass zum einen Kriminalitätsbilder kulturell und sozialisationsbedingt teilweise (große) Einheitlichkeiten aufweisen und zu hegemonialen Leitbildern (Dollinger 2010b) verdichtet werden können, und sich zum anderen in der polizeilichen Praxis weitgehend einheitliche Handlungsmuster herausgebildet haben werden, ist es unter diesen vagen Bestimmungen dennoch möglich, eine Unzahl von Handlungen – beinahe willkürlich – als problematisch zu deuten.Der Devianzbegriff selbst wird so bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit ausgedehnt; es kommt zu einer Entgrenzung von Devianz.

Kritik an der „vagueness “ von Prädelinquenz und unsittlichem Verhalten sowie an der Relevanz von „personal value [s]“ (Konishi 2007: 8) in der Handlungskategorisierung wurde auch in Japan schon häufig geäußert (ebd.; Ishikawa 1987; Yajima et al. 2009: 22 f; vgl. Metzler/Metzler 2000a: 141).Der Grundgedanke, der hinter der Problematisierung solcher im weitesten Sinne moralischer „Fehltritte“ steckt und die Aufrechterhaltung entsprechender Normierungen bewirkt, ist dabei schlicht und auf die (moralische) Unversehrtheit der Jugendlichen konzentriert. Schon das Jugendrecht ist in seinem Fürsorgegedanken bestrebt, Jugendliche in ihrer gesunden Entwicklung zu unterstützen; diesen Unterstützungsbedarf sieht es auch in Fällen gegeben, die noch keine strafrechtlichen Grenzen berühren (Kuzuno 2004: 109; Takeuchi 2005: 374). Auch die offizielle polizeiliche Problemsicht rückt in Bezug auf das unsittliche Verhalten das Wohlbefinden der Jugendlichen in den Fokus, zum Ausdruck gebracht in der Sorge vor der Beschädigung der Moral des „Übeltäters“ oder der Moral der Mitmenschen (NPAJD 2018). DieGefährdung und derSchutz vor der Gefährdung rechtfertigen das Eingreifen. Und wenngleich es in erster Linie der Jugendliche ist, der geschützt werden soll – vor seinen „schädlichen“ Neigungen, vor dem Abdriften in kriminelle Bahnen – geht es wohl auch um die Kriminalitätsentwicklung insgesamt und damit den Erhalt der gesellschaftlichen Stabilität und bestehender (Macht-) Strukturen (vgl. Kobayashi 2008: 3; Konishi 2007: 11).

In Hinblick auf Jugendkriminalität wird den Instanzen der sozialen Kontrolle unter dem Vorwand der je individuellen Einschätzung spezifischer Gefährdungslagen also ein großer Ermessensspielraum zugestanden. Auch in Bezug auf Erwachsenenkriminalität spielen individuelle Handlungsdeutungen jedoch eine größere Rolle, als es zum Beispiel im deutschen Strafrecht der Fall ist, insbesondere wenn es um die Auslegung des Strafmaßes geht. Wie die Juristen Saheki und Griebeler (2018: 134) zeigen, sind die Vorgaben zum Strafmaß im japanischen Strafgesetzbuch äußerst vage und breit formuliert; auch fehlen Differenzierungen nach Delikttyp, die einzelnen Ausprägungen eines Delikts (z. B. Diebstahl mit oder ohne Waffen) spezifische Sanktionsvarianten zuweisen (ebd.). Wo jedoch exakte Beschreibungen je unterschiedlicher Delikttypen sowie einheitliche Richtlinien zu deren je spezifischer Sanktion fehlen, müssen Tat und Strafmaß in jedem Einzelfall immer wieder neu ausgehandelt werden. Zwar gibt es Präzedenzfälle, über die versucht wird, einheitliche Standards herzustellen (ebd.). Grundsätzlich unterliegt der Gerichtsbarkeit jedoch die Entscheidungsmacht, den „Strafrahmen in der Praxis zu konkretisieren“ (ebd.).Der vergleichsweise große Ermessensspielraum der Kontrollinstanzen scheint demnach ein grundsätzliches Phänomen im japanischen Umgang mit Straftaten zu sein.

Die Problematik der „personal values “ ist damit eingebettet in die Auslegung individueller Gefährdungslagen sowie in eine Strafrechtspraxis, die den Instanzen der sozialen Kontrolle eine große Entscheidungsfreiheit beimisst. Es wäre jedoch ein Trugschluss zu glauben, dass eindeutigere Definitionen die Problematikent schärfen würden.Normierungen – ob rechtlich, schulisch, moralisch etc. – müssen immer erst konkret mit Sinn versehen werden; selbst in (vermeintlich) klar definierten Strafrechtsbelangen müssen Tatgeschehen rekonstruiert, Motive ermittelt, Absichten nachgewiesen und zugeschrieben werden, bevor strafrechtliche Sanktionen geltend gemacht werden können (Dollinger 2010a: 36-40). Fragen der Norm verlangen Interpretation und so würden engere Definitionen im japanischen Devianzverständnis die Problematik der Subjektivität im Umgang mit Jugendlichen wohl kaum einschränken. Gleichwohl bleibt das Ausmaß des subjektiven Deutungsspielraums bemerkenswert.

3. Umgang mit der Grenzenlosigkeit – Jugendliche im Visier der sozialen Kontrolle

Die Bekämpfung von Kriminalität und abweichendem Verhalten von Jugendlichen wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden, in die eine Vielzahl von Akteuren eingebunden ist (Herber 2018). Durch die „duale“ Struktur der japanischen Verbrechenskontrolle und den hohen Stellenwert, der der informellen Sozialkontrolle in der Kriminalitätsbekämpfung zugeschrieben wird, sind neben der Polizei eine Vielzahl an ehrenamtlich Tätigen in die Prävention involviert, allen voran Freiwilligenorganisationen, die unter Anleitung der lokalen Polizeibehörde präventionsrelevante Aktivtäten wie Patrouillen und Kontrollgänge durch das Nachbarschaftsgebiet durchführen (Herber 2018: 2, 4; Watson 2018: 149). Maßnahmen wie diese gelten als sehr effektiv und ihnen wird eine Schlüsselfunktion in Zusammenhang mit der niedrigen Kriminalitätsrate zuschrieben (Herber 2018). Brisant wird die Aktivierung informeller Ressourcen jedoch vor dem Hintergrund, dass das, wonach die Menschen fahnden, eigentlich unklar ist. Die Subjektivität, die innerhalb der Kontrollprozesse zum Tragen kommt, kann die Prävention abweichenden Verhaltens zu einer stigmatisierenden und vorverurteilenden Angelegenheit machen.

Wissenschaftlich erfasst wurden solche Stigmatisierungsprozesse vor allem in Zusammenhang mit dem Aufgreifen bzw.der polizeilichen Registrierung von devianten Jugendlichen sowie in Zusammenhang mit der Verhängung von stationären Erziehungsmaßregeln, also mit der Einweisung in Jugendbesserungsanstalten.Der Soziologe Robert S. Yoder (2004, 2011) etwa legt Ergebnisse vor, die den Verdacht auf stark schichtspezifische Kontrollprozesse nahelegen. So zeigt er, dass polizeiliche und nachbarschaftliche Präventionsaktivitäten, die dazu führen, dass Jugendliche aufgegriffen und polizeilich registriert werden, auf einkommensschwache Gegenden konzentriert sind, deren Bewohner der „working class “ zuzuordnen seien. Wohngebiete mit einer einkommensstarken Bewohnerstruktur und einem entsprechend positiv bewerteten Sozialprofil hingegen blieben von intensiven Kontrollmaßnahmen verschont (Yoder 2011: 22, 36). Ähnlich verhalte es sich an den Schulen in den entsprechenden Gegenden und so seien die schulischen Kontrollprozesse, die das genaue Einhalten der Schulregeln einfordern und etwaige Verstöße mit sofortiger Korrektur und langwierigen aufreibenden Krisengesprächen versehen, hartnäckiger und unnachgiebiger, wenn es sich um Schulen in „working class areas “ handele (Yoder 2011: 36).

Weitere Untersuchungen legen nahe, dass auch die gerichtliche Verurteilungspraxis zu Lasten von Jugendlichen geht, deren Lebenssituation als „instabil“ gilt. Eine genauere Betrachtung der Insassenstruktur der Jugendbesserungsanstalten kann dies veranschaulichen. Aktuellen Daten des MOJ zufolge saßen im Jahr 2017 2.147 Jugendliche in Jugendbesserungsanstalten ein (MOJ 2018c). Von den 1.999 männlichen Insassen waren 25,4 % Schüler, 46,5 % berufstätig und 28,1 % arbeitslos; bei den 148 weiblichen Insassen waren 32 % Schülerinnen, 20,4 % berufstätig und 47,6 % arbeitslos. Etwa die Hälfte der Neueingewiesenen lebte in Alleinerziehendenhaushalten bei nur einem Elternteil und weitere 11 % in Familien mit einem leiblichen und einem Stief-Elternteil (MOJ 2018d).Besonders an dieser Struktur ist die deutliche Überrepräsentation dieser Gruppen gemessen an deren prozentualem Anteil in der Bevölkerung. Die Schulbesuchsquote für Jugendliche bis 18 Jahre liegt bei mehr als 98 % (Ichimi Abumiya/NIER 2012: 2).Deviante Jugend liche sind demnach zu einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit Schüler*innen, und so ist es umso auffälliger, dass es sich bei weniger als einem Drittel aller Neueinweisungen in Jugendbesserungsanstalten um Schüler*innen handelt (vgl. Metzler/Erbe 2000: 166 f.). Ebenso gering ist der Anteil an Alleinerziehenden – im Jahr 2015 liegt dieser japanweit bei 6,67 % (NPC 2015) –, was die knapp 50 % Neueinweisungen aus Alleinerziehendenhaushalten besonders hoch erscheinen lässt (vgl. Metzler/Metzler 2000b: 175).

Weitere Studien zu den Insassen von Jugendbesserungsanstalten lassen vermuten, dass auch die Bildungsleistung und Bildungsaspiration sowie die Freizeitgewohnheiten der Jugendlichen eine Rolle spielen bei der gerichtlichen Maßnahmenentscheidung, ebenso wie die wirtschaftliche Situation der Familien, das Bildungsniveau der Eltern und der Erziehungsstil in der Familie (Metzler 2004: 78 ff.; Metzler/Metzler 2000b: 174-183; Yonekawa 2003: 115-118; 123-126). Es ist also festzustellen, dass in der Urteilsverhängung soziale Kriterien eine wesentliche Rolle spielen (vgl. Metzler 2004: 66, 90), wohingegen die begangene Tat und deren Gravität deutlich in den Hintergrund rückt. Tatsächlich ist die Berücksichtigung der sozialen Umstände eines jugendlichen Täters in der familiengerichtlichen Praxis vorgesehen. Richterliche Entscheidungen werden auf Grundlage der Informationen gefällt, die über den Jugendlichen während der Ermittlungen eingeholt werden. Die begangene Tat spielt dabei eben gerade keine Rolle, weil – so die offizielle Argumentation – es nicht um Strafe und Vergeltung, sondern um Schutz und Fürsorge geht, und auch bei Jugendlichen, die nur eine „geringfügige“ Tat begangen haben, werden entsprechende Unterstützungsmaßnahmen als notwendig erachtet (Kuzuno 2004: 109; Miyazawa 1985: 1163 f.). Die Überrepräsentation sozial benachteiligter Jugendlicher ist demnach Teil dieses auf Fürsorge ausgerichteten Systems und Ausdruck der Annahme, dass Jugendliche aus „prekären“ sozioökonomischen Verhältnissen einen höheren Unterstützungsbedarf und Gefährdungsgrad haben. Weitergedacht bedeutet dies, dass Stigmatisierungsprozesse in der familiengerichtlichen Praxis fest verankert sind.

Angesichts dessen ist es erstaunlich, dass die japanische Forschung diese Stigmatisierungen nicht erfasst und ätiologisch ausgerichtet bleibt. Vereinzelt zeigen sich zwar Untersuchungen, die dezidiert unter derlabeling -Perspektive arbeiten und Etikettierungsprozesse problematisieren (u.a. Adachi 2015; Konishi 2007; vgl. Metzler/Metzler 2000a: 141). Diese sind jedoch in der Minderzahl und es besteht eine generelle Skepsis gegenüber Etikettierungsansätzen (vgl. Yokoyama 2013). Die Ablehnung deslabeling -Approach liegt dabei größtenteils darin begründet, dass er als unausgereift deklariert wird. Grundtenor ist, dass er zwar wertvolle und wichtige Elemente besitze, dabei aber Probleme aufweise, die ihn ungeeignet für die Erklärung von Kriminalität in Japan mache (Fujimoto 1978: 104; Yokoyama 1978: 121 f.; Yokoyama 1980: 134). Nicht zuletzt wird argumentiert, dass die sozialen Disparitäten, die den Hintergrund vonlabeling -Gedanken bilden, in Japan nicht bestünden (vgl. Mugishima 1990) – Japan galt lange Zeit als kulturell, ethnisch und ökonomisch homogene Gesellschaft (Schad-Seifert 2007; Weiner 2009: xvi f.) –, sodass es keine Notwendigkeit fürlabeling -Ansätze gegeben habe. Die Annahme einer homogenen japanischen Gesellschaft und entsprechende Homogenitätsdiskurse gelten zwar längst als überholt. Gleichwohl bleibt die Erforschung von Kriminalität als (vorurteilsbehaftete) Zuschreibungsleistung absolut unterrepräsentiert.

4. Schlussbetrachtungen

Der vorliegende Beitrag befasst sich mit Devianz und ihrer Klassifizierung in Japan und untersucht offizielle Definitionen und deren Auslegung in formellen Kontrollprozessen. Es konnte gezeigt werden, dass das japanische Verständnis von abweichendem Verhalten auf niedrigschwellige Normverstöße unterhalb der strafrechtlichen Ebene fokussiert ist und von in hohem Maße uneindeutigen Grenzziehungen begleitet ist, die in ihrer Auslegung Raum für subjektive Interpretation lassen. Während die Problematisierung niedrigschwelliger Normverstöße auf spezielle Vorstellungen zum Schutz von Jugendlichen und zur Fürsorge für „gefährdete“ Jugendliche zurückgeführt werden konnten, deutete sich gleichzeitig an, dass die Ermessensspielräume, die sich in den diffusen Devianzkategorisierungen widerspiegeln, offenbar tief(er) in der japanischen Strafrechtspraxis verankert sind. Entsprechend stark sind Prozesse der sozialen Kontrolle – vom polizeilichen Aufgreifen bis zur gerichtlichen Urteilsverkündung – von Kriminalisierungsszenarien bedroht.

Wird Japan in Zusammenhang mit seiner niedrigen Kriminalität und der offensichtlich effektiven (informellen) Sozialkotrolle häufig als Vorbild gehandelt und die japanische Kriminalitätsprävention als „besser“ empfunden, scheinen die vorigen kritischen Einschätzungen eher auf ein „schlechter“ zu verweisen – Kontrollzwang, Konformitätsdruck, Einschränkung der persönlichen Freiheit und der individuellen Selbstentfaltung sind hier relevante Schlagworte. Tatsächlich ist die Kriminalisierung von jungen Menschen, die kein Strafdelikt begangen haben, zweifelhaft. Kritische Stimmen in Japan problematisieren die Möglichkeit des staatlichen Eingreifens bei (im weitesten Sinne) moralischen Belangen und ohne dass eine Straftat begangen wurde, und bezeichnen diese als „bemerkenswerte Verletzung der persönlichen Freiheit von Jugendlichen“ (Kawamura 2012: 43; vgl. Metzler/Metzler 2000a: 141). Es wird die absolute Notwendigkeit hervorgehoben, Begriffe wie Prädelinquenz und deren Grundlagen genauer zu bestimmen, um der polizeilichen Willkür vorzubeugen (Konishi 2009: 131). Das Kinderrechtskomitee der Vereinten Nationen forderte auf Grundlage seiner scharfen Missbilligung der Kriminalisierung von Jugendlichen, die kein Strafdelikt begangen haben, wiederholt die Beilegung dieser Praktiken (UNCRC 2010; vgl. Osawa 2018: 20). Jenseits kriminalstatistischer Erfolge liegt hier also eine Menschenrechtsproblematik verborgen (vgl. Ishikawa 1987).

Trotz all der Kritik darf eine gänzlicheAbwertung der „japanischen Praxis“ hier nicht geschehen.Denn erstens lassen sich ähnliche Prozesse der Vorverlagerung auch für andere Länderkontexte, bspw.den deutschen oder US-amerikanischen, nachweisen, womit die „japanische Praxis“ eben keine spezifisch „japanische“ mehr ist. Zweitens kann sie positivum gedeutet werden, indem ihre Kontextualisierung in das System der familiengerichtlichen Fürsorge bedacht wird, dem wiederum ein ausgesprochen milder Umgang mit jugendlichen Tätern nachgesagt wird (vgl. Metzler 2004: 14). Die überwältigende Mehrheit jugendlicher Strafsachen wird der Bewährungshilfe unterstellt, ohne Einweisungen in den stationären geschlossen Vollzug vorzunehmen; die Reintegration der Jugendlichen in ihr soziales Umfeld, ohne den stigmatisierenden Effekt eines erlebten Freiheitsentzugs, und die Aktivierung informeller Ressourcen im Umgang mit jugendlichen Straftätern gelten als ein wesentliches Charakteristikum des japanischen Jugendrechtssystems (Metzler 2004: 14-16). Die im internationalen Vergleich geringen Zahlen der Rückfalltäterschaft zeugen zumindest teilweise vom Erfolg dieses Systems (ebd.).Der Fokus auf Vorfeldkriminalität kann nach der Devise„early detection, rapid measures“ (Shikata 2005: 40; zitiert nach Konishi 2007: 11 f.) mithin als Versuch gewertet werden, ein hartes Eingreifen zu einem späteren Zeitpunkt zu vermeiden und abweichendes Verhalten auf einem Niveau zu stoppen, das noch nicht ernsthaft problematisch ist und wenig eingriffsintensiv „korrigiert“ werden kann (vgl. Erbe et al. 2000: 216).Demnach müssen auch positive Beurteilungen der ansonsten doch fragwürdigen Fokussierung auf Vorfeldkriminalität wahrgenommen werden.

Nun ist es wünschenswert, sich diesem Spannungsfeld weiter aus einer bislang wenig beachteten Perspektive zu widmen: der Perspektive der Akteure von Devianz.Der vorliegende Artikel wirft nämlich die berechtigte Frage auf, wie sich deviante Jugendliche diesen moralisierenden Normierungen gegenüber positionieren – verstoßen sie in ihrem Verhalten doch gegen diese. Relevant werden in diesem Zusammenhang Prozesse der Problematisierung von Handlungen: Welche Taten empfinden deviante Jugendliche als problematisch? Welche Schwerpunkte und Charakteristika lassen sich in ihren Problematisierungsprozessen ausmachen? Und: Wie werden (eigene) Taten, die (offiziell) als Normbruch definiert werden, von den Jugendlichen selbst bewertet? Solche und ähnliche Fragen zur subjektiven Wahrnehmung von Devianz, die die Autorin in Bezug auf Japan bereits untersucht hat (Osawa 2018, 2019), werden dabei insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlicher gesellschaftlicher Normsysteme und deren Bedeutungssetzungen relevant. Ein internationaler Vergleich kann hier die kulturelle und gesellschaftliche Bedingtheit von Kriminalität sowie die Rückbindung von Kriminalitätsdiskursen an gesellschaftliche Bedingungen näher beleuchten. In Hinblick auf die absolute Unterrepräsentation asiatischer Gesellschaften in der Kriminalitätstheorie (vgl. Liu 2017) scheint es dabei besonders vielversprechend, einen Vergleich zwischen einer asiatischen Gesellschaft wie Japan und einer „westlichen Nation“ wie Deutschland zu realisieren.

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Dr. Stephanie Osawa, Institut für Modernes Japan, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf; osawa@phil.hhu.de.