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STEVE MCLAUGHLIN: Multi-Legende


Motorrad News - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 06.09.2019

Der Amerikaner Steve McLaughlin hat im Rennsport viel bewegt: Er schrieb für BMW auf der R 90 S in Daytona Geschichte, siegte für Yoshimura-Suzuki, holte Freddie Spencer zu Honda und managte u. a. die Geburt der Superbike-WM.


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Bildquelle: Motorrad News, Ausgabe 10/2019

1 Superbikes in Daytona 1976: Reg Pridmore vor McLaughlin und Gary Fisher.


Racing-Tausendsassa Steve McLaughlin lebt mit seiner deutschen Gattin Edith in Frankfurt und kann mit tiefer Radiostimme und California-Slang aus alten Zeiten plaudern – wie ein Wasserfall, einige hingeschleuderte Stichworte genügen.

Der Daytona-Sieg 1976 mit der R 90 S: »Der Anruf von BMW-Importeur Butler & ...

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Der Daytona-Sieg 1976 mit der R 90 S: »Der Anruf von BMW-Importeur Butler & Smith erfolgte erst zehn Tage vorher. Sie wünschten einen dritten Topfahrer für das erste AMA-Superbike-Rennen. Wir vereinbarten ein gutes Salär, sonst wäre ich Kawasaki gefahren. Tuner Udo Gietl hatte die Boxer aufgebaut, für Reg Pridmore und Gary Fisher. Aufgepumpt auf 103 PS (statt 67), sehr leicht und mit Monoshock-Chassis. Die Japan-Fours waren viel stärker, wackelten aber heftig. Wir hatten dafür ein überlegenes Fahrwerk. Reg fuhr für die Butler-&-Smith-Zentrale an der Ostküste, Gary für die Westküsten-Filiale; ich steckte dazwischen mit ein paar Leuten, die mir halfen. Mein Bike war aus Ersatzteilen aufgebaut; als ich es bekam, war es frisch zerstürzt. Udo Gietl war bei einer Testfahrt auf der Straße abgeworfen worden und lief deshalb mit einem verbundenen Arm herum. In jedem Training gab es Probleme, aber im Rennen funktionierte alles wie geschmiert. Wir drei lagen vorne, bis Fisher überdrehte und ausschied. Pridmores Boxer lief besser, sein Team hatte einige Spezialteile aus dem Hut gezaubert, aber im kurvenreichen Infield war ich besser und konnte ihn halten, obwohl er in der Steilwand schneller war. Ich packte meine ganze Erfahrung aus, übertölpelte Reg bei Topspeed aus dem Windschatten im allerletzten Moment. Es war superknapp. In der Victory Lane dachte Pridmore, dass er gewonnen hätte, ebenso der Streckensprecher. Erst das Zielfoto, die Entwicklung dauerte 45 Minuten, zeigte, dass ich eine Handbreit vorne lag. Darauf legte Regs Team einen Protest gegen mich ein, der aber abgeschmettert wurde. Hinterher erfuhr ich, dass mein ausgehandeltes Fixhonorar höher war als seins; das hat mir auch getaugt.«

Motorengott Hideo »Pops« Yoshimura: »Ein absoluter PS-Nimmersatt. Zuerst fuhr ich Z1-Kawasakis für ihn, dann Suzukis. Einmal kam ich am Renntag ins Fahrerlager. Er saß da, der Motor geöffnet, der Auspuff in fünf Teile zersägt und bearbeitete eine Nockenwelle, mit einer Feile. Ich wunderte mich, wie das mit gehärtetem Stahl überhaupt möglich war, und sagte: ›Pops-san, was zum Teufel geht hier vor?‹ Er zwinkerte nur fröhlich: ›Mein Traum sind zehn Mehr-PS.‹ Dass wir eh bereits mehr als genug bis zu viel Leistung hatten, kümmerte ihn wenig.«

In Laguna Seca 1977 gelang Steve Yoshimuras erster Superbike-Sieg auf einer Suzuki GS 750, aufgebohrt auf 944 Kubik. 1978 folgte in Daytona der erste Sieg mit der GS 1000, vom letzten Startplatz aus, weil im Qualifying ein Motor geplatzt war und Feuer gefangen hatte. McLaughlin: »Beim Start fuhr ich einfach früher los und seitlich durch die Wiese. In der ersten Kurve war ich Elfter, nach einer Handvoll Runden Erster vor Teamkollege Wes Cooley, der später ausschied. Grund dafür war, dass ich beim Überholen zwischen Steilwand und Turn 1 einen Stein aufgeschleudert hatte, der seinen Ölkühler traf und ein Fitting abbrechen ließ. Cooley und Pops Sohn Fujio behaupteten hinterher ernsthaft, ich hätte das bei Vollgas gezielt und mit Absicht gemacht. Als ich nach der Zielflagge die Box ansteuerte, blockierte das Getriebe. Dazu gab es, nicht zum ersten Mal, Diskussionen um die Bezahlung, jedenfalls wurde ich am Tag nach dem Sieg beim wichtigsten Superbike-Rennen Amerikas entlassen. Egal: Pops Yoshimura, ein Kamikaze und Samurai vor dem Herrn, war ein großartiger Kerl, wir kamen blendend aus.«

2Steve lebt heute mit Gattin Edith in Frankfurt. Das »Oh my my« entstammt einem Beatles-Song.


3 Superbike-WMAuftakt Donington 1988: als Manager, der weiß, was wichtig ist.


4 Steve mit Cooley auf dem Cover eines Yoshimura-Buchs.


5 Daytona-Sieger: die Butler & Smith BMW R 90 S mit Monoshock und 103 PS. \


Fotos: Buenos Dias, BMW


Racing mit Serienbikes schien einfach logisch und zukunftsträchtig


Die frühen Jahre, wie alles anfing: »Ich arbeitete als Sales-Manager, erst bei Datsun/ Nissan, dann Toyota und Ford. An den Wochenenden war ich Racer, fuhr Kawasakis A1, A7 und die 500er-H1, danach 350er- und 750er-TZ-Yamahas und die dicken Viertakt-Fours. Aus den Serienbike-Spektakeln der Westküste entwickelte sich die Superbike-Klasse. Als Fahrersprecher steuerte ich früh bei Reglement- und Orga-Fragen mit und steckte tief drin, der spätere Übergang zu Promotion-Aufgaben fiel also leicht.«

Geburt der Superbike-WM : »Racing mit Serienbikes, die immer sportlicher gerieten, schien logisch und zukunftsträchtig. Zur Etablierung reiste ich zu Herstellern in Japan und Europa, zur FIM und allen Verbänden, Rennstrecken und TV-Anstalten. 1988 in Donington startete die neue Serie. Ducati war dabei, auch Bimota. Honda ließ die RC30 auflegen. Suzuki war mit der GSX-R dabei, Yamaha hatte die FZ-Modelle.« Nachdem die Flammini Group die Rechte übernommen hatte, organisierte McLaughlin zusammen mit Franz Rau die Pro-Superbike-Serie in Deutschland, mit TV-Berichterstattung und allem Drum und Dran, und trat dazu als Promoter bei zehn Grand-Prix-Rennen auf.

Als Teammanager mit Honda USA: » Für 1980 holte mich Honda Amerika, um das Superbike-Team aufzubauen. Das Budget betrug eine Million Dollar. Ich engagierte begabte Techniker, dazu Freddie Spencer, der sonst bei Kawasaki unterschrieben hätte. Ron Pierce, Roberto Pietri und bei vier Rennen ich waren weitere Fahrer. Honda lieferte Bikes auf CB750F-Basis und 22 Motoren, wir erledigten den Rest.«

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