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Still gestanden!


HIFI analog Sonderheft - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 29.09.2018

Schwingungen und Resonanzen sind der Feind der Schallplattenabtastung. Music Halls pfiffiger Dreher mmf-9.3 SE wirkt den Störenfrieden mit einem dreilagigen Aufbau entgegen und tut auch sonst alles für besten Klang.


TEST PLATTENSPIELER

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Bildquelle: HIFI analog Sonderheft, Ausgabe 3/2018

Im Prozess der elektromechanischen Abtastung von Schallplatten kommt es darauf an, selbst winzigste Vibrationen von diesem fernzuhalten, weil sie das Resultat beeinträchtigen. Das Kommando lautet: „Keine Bewegung!“ Eine frühe Form der Isolierung von Plattenteller, Tonarm und Abtaster von Motorgeräuschen und anderen Anregungen ist das federnd gelagerte Subchassis, wie man es ...

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... bei vielen Drehern von Linn oder Thorens bis heute findet. Doch dieses ist schwierig auszutarieren und neigt zum Eigenleben wie unkontrolliertem Taumeln, weshalb Roy Hall, Chef und Mastermind von Music Hall, eine andere Lösung wählte.

Sein seit einiger Zeit aktualisiertes 9er-Laufwerk besitzt statt einer gleich drei Zargen, die in Form flacher, glänzend schwarz lackierter MDF-Platten übereinander angeordnet sind. Zwischen ihnen bremsen jeweils sechs Puffer aus einem thermoplastischen Elastomer Erschütterungen aus, indem sie deren Bewegungsenergie innerhalb ihrer viskoseartigen Struktur in Wärme umwandeln.

Wie gut dies funktioniert, davon konnten wir uns bereits in STEREO 11/2007 während des Tests von Music Halls mmf-9.1 überzeugen. Der 9.3 ist nun dessen aktualisierter Nachfolger. Um die Unterschiede zu entdecken, muss man indes ganz genau hinsehen, denn wie sein Vorgänger setzt der nach wie vor bei Pro-Ject gefertigte, neue 9er auf den bewährten Carbontonarm 9cc sowie den 2,5 Zentimeter dicken Acrylplattenteller des Phono-Spezialisten. Hinsichtlich des Inverslagers aus Edelstahldorn mit oben liegender Keramikkugel, der in einer teflonbeschichteten Buchse läuft, blieb’s ebenfalls beim Bewährten.

Drehzahlen präzise gesteuert

Genauso übrigens, was den auf Wunsch fix und fertig justierten MC-Tonabnehmer betrifft: Goldrings Eroica LX – ein Dauerbrenner im Programm des britischen Anbieters. Der solo 560 Euro teure Abtaster bewegt seine Spulen im Feld eines kräftigen Neodymmagneten. An der Spitze seines Nadelträgers sitzt ein Diamant mit verzerrungsarmem „Line Contact“-Schliff nach „Gyger II“. Das steife Gehäuse aus dem Kunststoff Pocan soll der Armatur den Rücken stärken. Ebenfalls nicht zu verachten: Das Eroica LX ist relativ „laut“, läuft bei praxisgerechten 19 Millinewton Auflagedruck sowie an den 100 Ohm Abschlussimpedanz gängiger MC-Eingänge, fordert also keine Extrawürste.

In dieser Weise ausgerüstet hängt an der Typenbezeichnung des Music Hall ein „SE“ dran. Als schlichter mmf-9.3 ist er für 300 Euro weniger auch ohne Abtaster erhältlich.

Wer keinen adäquaten besitzt, sollte zum Komplettpaket greifen, denn selbst zum Originalpreis ist das quirlige Eroica LX kaum zu toppen.

Das Motor-Pulley besteht aus Metall. Für die beiden über blaue LEDs angezeigten Drehzahlen und Stop reicht ein ebenfalls beleuchteter Druckknopf.


Okay, aber was ist denn nun wirklich neu am mmf-9.3? Kurz gesagt: Es ist der Antrieb inklusive seiner Steuerung. Anstelle des ehemaligen Wechselstrommodells sitzt nun ein Gleichstrommotor in der externen Antriebssäule, die so keinen unmittelbaren Kontakt zum Laufwerk hat und daher weniger Vibrationen übertragen kann, zumal der „Motorblock“ durch eine solide, dämpfende Basis unterfüttert ist.

Die Steuerelektronik sitzt samt ihrer ebenso stabilen wie exakten 15-Volt-Versorgung – die Drehzahlen waren bis auf zwei Promille genau – im oberen Abteil. Per Druckknopf setzt man die nun aus Metall statt Kunststoff bestehende Riemenscheibe in Bewegung. Ein weiterer kurzer Druck, und die Geschwindigkeit wechselt von 33,33 zu 45 Umdrehungen. Langes Betätigen stellt hingegen den Antrieb ab. Den Saft liefert ein Steckernetzteil, das für optimales Timing und eine weiträumige Abbildung unbedingt phasenkorrekt in die Dose gesteckt werden muss (siehe Foto).

Roy Hall sieht in all diesen Änderungen einen so großen Fortschritt, dass er seinen 9er eine Modellgeneration weiterrückt. Tatsächlich blieb besagter mmf-9.1 seit seinem Erscheinen vor einem knappen Jahrzehnt nicht nur konstruktiv ein ganz besonderer Plattenspieler, sondern zugleich ein klangliches Highlight seiner Preisklasse. Deshalb meinten wir „Wiederhören macht Freude“ und widmeten uns erneut dem aktualisierten Dreidecker.

Beim Blick durch die Ritzen zwischen den drei Chassis-Boards erkennt man die Dämpfer aus thermoelastischem Kunststoff. Der Dreher steht auf in der Höhe verstellbaren Spikes.


Der zeigt sich immer noch als Meister seines Fachs, bietet selbst in hitzigen Passagen eine exemplarische Übersicht sowie ein gerütteltes Maß der Souveränität weitaus größerer Laufwerke. So etwa im Auftakt von Frank Sinatras Konzert im Hotel Sands zu Las Vegas (MFSL-Pressung). Nach kurzer Ankündigung aus dem „Off“ heizen der Entertainer und die bestens aufgelegte Count Basie Band ihr erwartungsfrohes Publikum an. Wie sie das mit dem schwungvollen „Let’s Fly Away“ tun, mal entspannt vor sich hinswingend und gleich darauf die Zügel anziehend, um die Zuhörer mitzureißen, das ließ sich über den Music Hall prima nachvollziehen.

Ja, man gerät sogar selbst leicht in den musikalischen Strudel, wobei der Plattenspieler nie seine reflektierte Perspektive aufgibt, sondern die Akteure stets auf Abstand zueinander hält und das üppig aufgezogene Spektrum penibel staffelt. Solch weite Abbildung ist nur möglich, wenn keine Störungen die ihrer Natur nach sehr feinen, leisen Informationen überdecken, aus denen das Gehirn die Räumlichkeit „generiert“. Der Vortrag wirkt dann ausgesprochen reif, ruhig und abgeschlossen, wie sich in einer eigenen Sphäre abspielend. Und genau dies ist die vielleicht größte Stärke des Music Hall.

Zu diesem Eindruck trägt freilich die hohe Abtastfähigkeit des Goldring-MCs bei, das sogar bei kritischen Stellen wie lauten Stimmen und prägnanten S-Lauten durch exemplarische Sauberkeit besticht und, mehr noch, diese vollkommen unbeeindruckt durchläuft.

Solche Stolpersteine bietet die unlängst erschienene 45er-Fassung von Diana Kralls Balladen-Album „Love Scenes“ (ORG) zuhauf – eingebettet in ein Klangbild der Extraklasse, dem der mmf-9.3 vollauf gerecht wurde. Plastisch umrissen bildete er die Kanadierin und ihre Mitmusiker in natürlicher Größe zwischen den Lautsprechern ab, versetzte sie im Vergleich zu manch anderem anspruchsvollen Dreher um einen Schritt vom vorderen Rand der imaginären Bühne nach hinten, was den „Aufführungscharakter“ förderte, und folgte der Stimme wie den Instrumenten bis in zarte Schwebungen hinein, wodurch er die höchstwertig produzierte Doppel-LP tatsächlich zum highendigen Hörvergnügen machte. Gut, dass Music Hall nicht am Signalkabel sparte: Zwar ist der transparente Pro-Ject-Leiter des Typs „Connect it E“ noch nicht wirklich Spitze, liegt qualitativ aber oberhalb der üblichen Beipackstrippen. Wer mehr will, sollte sich eine bessere Phono-Verbindung besorgen. Gute Händler bieten diese an.

Weitere Beispiele für die jederzeit gefasste und definierte, dabei jedoch relaxte Wiedergabe ließen sich beliebig anführen. Der neue Antrieb soll sich im flüssigen, aber nie kurzatmigen geschweige denn gehetzten Timing zeigen, das der Music Hall entwickelt. Und zwar in Verbindung mit tief hinabreichenden, knorrigen unteren Lagen, wie sie die Krall-Platte exemplarisch in „All Or Nothing At All“ aufweist, wo ein lustvoll die Membranen massierender akustischer Bass die glasklar im Zentrum positionierte Sängerin unterstützt.

Stabil auch im „Bassgewitter“

Tatsächlich ist der Tieftonbereich, seine Spannkraft und Akkuratesse, ein direkter Gradmesser für die Güte eines Vinyllaufwerks. Dieser Sandwich-Dreher bietet beides und dazu eine subtile Auffächerung, die selbst dann gewahrt bleibt, wenn es laut zugeht, der Plattenspieler also dem Schall der Lautsprecher ganz besonders „ausgesetzt“ ist. Das spricht einmal mehr für die effektive Ruhigstellung der Konstruktion. Im Zusammenhang mit dem neuen Antrieb erreicht der mmf-9.3 so ein neues Niveau. Wir rufen ein dreifaches „Hurra“!

TEST-KOMPONENTEN

PLATTENSPIELER: Acoustic Signature WOW XL/ Rega RB202/Ortofon Quintet Bronze, Transrotor Max nero/800-S/Merlo
PHONO-PRE: Brinkmann Edison, Pro-Ject Tube Box DS2, Musical Fidelity MX-VYNL
VOLLVERSTÄRKER: Accuphase E-370, Acc. Arts POWERI MK4
LAUTSPRECHER: B&W 802 D3, Dynaudio Contour 60
NADELREINIGER: Flux HiFi Sonic

Hinter dem 15-Volt-Anschluss des Motorgehäuses befindet sich die stabile Versorgungssowie präzise Steuerelektronik für den Gleichstromantrieb.


Nur bei phasenkorrek tem Anschluss des Netzteils (rot markiert) erzielte der Music Hall seine volle Klang-Performance.


Wie gehabt dreht sich der Teller auf der reibarmen Keramikkugel des Inverslagers.


Diese kleine Dosenlibelle ist in die obere Platte eingelassen und erleichtert die waagerechte Ausrichtung des Plattenspielers ungemein.