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Stille


Psychologie Heute - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 12.12.2018

Über den Dächern die Flugzeuge, auf der StraßeMotorenlärm, im Großraumbüro Telefongeklingel: Wir fühlen uns vom ständigen Lärm genervt und sehnen uns nach Stille. Aber was ist Stille überhaupt? Und wie können wir zu ihr finden?


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Bildquelle: Psychologie Heute, Ausgabe 1/2019

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... Wanderung in den Alpen viel zu früh an der Almhütte ihrer Freunde angekommen und wusste, dass sie ein paar Stunden allein auf einer Anhöhe unter dem Gipfel würde warten müssen. „Weit und breit war kein Mensch zu sehen, ich hörte in der Höhe nur selten einen Vogel, es wehte kaum Wind. Ich war völlig mit mir und meinen Gedanken allein“, erinnert sie sich. „Zuerst war das verstörend, die Ruhe draußen passte so gar nicht zu dem Wirbelsturm, der in mir zu toben begann. Aber nach ein paar Stunden spürte ich, wie sich das alles setzte wie Sand, der in einem Gefäß nach unten sinkt. Ich war plötzlich Teil der Umgebung, der Wiesen, der Berge. Ich fühlte einen Frieden, wie ich ihn noch nie erlebt hatte.“

Eine Frau, deren Leben voller Ausnahmeerfahrungen war, erklärt ausgerechnet eine Zeit, in der nichts passierte, zu einem der Höhepunkte. Und befindet sich damit in bester Gesellschaft: „Die größten Ereignisse – das sind nicht unsere lautesten, sondern unsre stillsten Stunden“, schrieb Friedrich Nietzsche. „Wenn alles still ist, geschieht am meisten“, notierte Søren Kierkegaard.

Kein Adrenalinkick ist im Spiel, kein fotogener Moment, kein Selfiemotiv, das man posten könnte. Und doch ein beneidenswerter Zustand. Ein Gefühl, das vielleicht verloren, mit Sicherheit aber so selten geworden ist, dass wir es sehnsüchtig vermissen. Stille, das große Nichts? Wir scheinen danach zu dürsten: Überall eröffnen Räume und Häuser der Stille, locken Retreats, als wären sie das letzte große Abenteuer. Stille, ein Verkaufsschlager.

Das Bedürfnis nach Stille bedeutet, dass wir ihr Gegenteil, den Lärm, offenbar im Überfluss haben. Tatsächlich: das Umweltbundesamt zählt neben Gehörschäden auch Herzinfarkte, Arterienverkalkung, Bluthochdruck und erhöhten Blutzucker zu den möglichen Folgen chronischer Lärmbelastung. Schuld sind nicht zuletzt Stresshormone, die der Körper bei Lärm ausschüttet, weil er sich attackiert fühlt. Drei Viertel der Deutschen sind laut einer Umfrage des Instituts Allensbach davon überzeugt, dass der Umgebungslärm jedes Jahr zunimmt.

Nur: Früher war die Welt mitnichten leiser. Das Hämmern, Schlagen, Feilen der Handwerker in den mittelalterlichen Gassen unserer Städte, das Pferdegetrappel und Gebrüll der Marktschreier muss ohrenbetäubend gewesen sein, beschreiben Historiker. Und noch jede Generation klagte darüber, dass die Welt so laut sei. So begründete Theodor Lessing 1908 die erste deutsche Anti-Lärm-Bewegung mit einer „Kampfschrift gegen die Geräusche des Lebens“.

Immer öfter gab es auch Denker, die den Geräuschpegel in den Städten jenseits der Kategorien von nervtötend, laut und leise betrachteten, sondern ihm die Absicht der Massensuggestion unterstellten: „Der Lärm gibt ein Sicherheitsgefühl wie die Volksmenge“, schrieb der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung 1957 an Karl Oftinger, den Gründer der Schweizerischen Liga gegen den Lärm. „Der Lärm schützt uns vor peinlichem Nachdenken, er zerstreut ängstliche Träume, er versichert uns, dass wir ja alle zusammen seien und ein solches Getöse veranlassen, dass niemand es wagt, uns anzugreifen.“ Messerscharf beschrieb Jung die einlullende Wirkung von Geräuschen, die einen Menschen letztlich von einer Erfahrung ablenkten, die viel größer, gewaltiger, mächtiger sei: „Je mehr Sie dem Lärm auf den Leib rücken, desto mehr geraten Sie auf das verbotene Territorium der Stille, die so sehr gefürchtet wird.“

Den stillsten Platz der Erde verortet das Guinnessbuch der Rekorde nicht in der Natur, sondern in einer künstlichen, von Menschenhand geschaffenen Testkammer derOrfield Laboratories , wo der Motorradhersteller Harley Davidson an der Akustik seiner Motoren tüftelt. Angenehm fühlt es sich dort allerdings nicht an: Völlige Stille wie in der Testkammer oder in anderen, meist für wissenschaftliche Zwecke konstruierten schalltoten Räumen bedrückt uns sogar – unbewusst assoziieren wir damit unangenehme Zustände wie Totenstille oder Leichenstarre. Die sogenannte Weiße Folter – unter diesem Namen werden Foltermethoden zusammengefasst, die kaum objektiv nachzuweisen sind, die aber vor allem die Psyche stark belasten – bedient sich nicht ohne Grund der Methode, Menschen im Dunkeln in schalldichten Räumen zu isolieren.


„Da sitzen, nichts tun, schweigen. Kann ja nicht schwer sein, dachte ich, soll ja entspannen. Aber in mir gab das Gedankenkarussell erst richtig Gas. Alles, was mich ohnehin nicht gut schlafen lässt im Alltag, hämmerte richtig auf mich ein. Ich wurde nicht stiller, im Gegenteil, ich wurde immer nervöser. Ich habe das Besinnlichkeitswochenende dann auch abgebrochen. Ich bin für Stille wohl nicht gemacht.“
Frank Rossler, Verkäufer


In einer Studie unter der Leitung des Psychologen Timothy D. Wilson von derUniversity of Virginia sollten die Probanden eine Viertelstunde in völliger Stille verbringen. Zwar durften sie den Versuch abbrechen, doch wurde ihnen in diesem Fall ein elektrischer Schlag in Aussicht gestellt. Verblüffenderweise zogen viele Teilnehmer die Bestrafung einem Verbleib in der Stille vor.

Unser Gehirn scheint mit kompletter äußerer Stille überfordert zu sein. Verzweifelt sucht es dann nach Lauten in der Umgebung. Und notfalls fantasierten sich die Probanden einfach ein paar Geräusche dazu, erklärt der Neuropsychologe Erich Kasten: „Man hört Stimmen oder Musik, die in Wirklichkeit nicht da sind. Es kommt zu Trugwahrnehmungen, zu Halluzinationen. Besonders schnell tritt der Effekt ein, wenn wir auch von allen anderen Sinneswahrnehmungen ausgeschlossen sind, in totaler Dunkelheit oder wenn man nicht einmal etwas riechen kann.“

Kasten vermutet zwei widerstreitende Bedürfnisse in uns: „Die eine Seite sehnt sich nach Stille und Erholung, die andere nach Beschäftigung. Das Verrückte ist: Unser Gehirn braucht die Stimulation. Es schreit danach wie ein kleines Raubtier. Bei allem Bedürfnis nach Stille: Das Hirn empfindet völlige Reizlosigkeit als Bestrafung, als Langeweile. Und das ist eines der übelsten Gefühle überhaupt.“

Was also hat es mit diesem Phänomen auf sich, das wir zugleich lieben und hassen? Was ist Stille? Stille sei „ein Empfindungsbegriff“, schreibt der Historiker und Schriftsteller Gerald Huber in seiner AbhandlungZur Kulturpsychologie der Stille , rein subjektiv, mehr spür-als hörbar. Messbar, womöglich in Dezibel, ist sie jedenfalls nicht. „Die Unzulänglichkeit einer quantitativen Vorstellung von Stille“, erläutert Huber an folgendem Beispiel: „Das (zuweilen ohrenbetäubende) Rauschen des Meeres wird oft als still erlebt, dagegen kann auch ein vergleichsweise leiser Ton (zum Beispiel ein Wort) eine Stille stören.“

Stille empfinden wir wohl immer dann, wenn kein Geräusch zu hören ist, das wir als störend empfinden. Genau wie der Begriff „Ruhe“, der oft als Synonym benutzt wird, scheint sie auch oft vom Fehlen jeder Bewegung gekennzeichnet, von Stillstand eben. Innehalten in einer Bewegung. Eins werden mit dem Wind, der sich legt. Das sind zumindest die Bedeutungen der Worteanasilan unddesinere , in denen das englische Wortsilence seinen Ursprung hat: eine Unterbrechung, ein Sichfallenlassen in den Ruhezustand.

Offenbar können wir in unserem rastlosen Alltag diese Art von Stille kaum noch finden. Wie gesagt, auch in früheren Epochen ging es bisweilen laut zu – doch wohl kaum so unruhig. „Wir leben in einer hektischen Welt“, erklärt Erich Kasten. „Eigentlich in einem Zustand ständiger Überreizung. Vor Millionen Jahren lebten wir in kleinen überschaubaren Sippen – heute finden wir uns in einer Massengesellschaft wieder. Aus kleinen Orten sind Megastädte geworden. Eigentlich ist es unverständlich, dass der Mensch, der in der Lage ist, seine Lebensbedingungen zu kontrollieren, sich selbst eine Umwelt geschaffen hat, die ihn ständig belastet.“

Susanne Schneider-Riede, Leiterin der Fachstelle Geistliches Leben der Evangelischen Akademie Baden, die immer wieder Stilleseminare anbietet, sagt: „In meiner Wahrnehmung rennen wir uns selbst weg. Das ist ein gesellschaftliches Phänomen, das aber auch für die einzelnen Menschen gilt.“ Ruhelosigkeit ist damit innerer und äußerer Zustand zugleich: ein Zuviel an Informationen und Reizen, die auf uns einhämmern.

Wir leiden unter der Überflutung und sehnen uns nach Stille – und doch meiden wir sie meist. Wahrscheinlich lag Carl Gustav Jung richtig: Wir schrecken vor der Stille zurück, weil sie uns mit uns selbst konfrontiert. Ganz bei sich sein bedeutet auch: sich selbst zuhören und anschauen. Und wenn es dann außen ganz still ist, wird es bisweilen drinnen ganz laut.

„Bei den Veranstaltungen und Erfahrungen, in denen es um Stille geht, müsste es eigentlich einen warnenden Beipackzettel geben“, sagt Schneider-Riede. „Dass Stille sehr anstrengend werden kann. Dass sie irritiert. Wir nehmen dann halt das Gewusel außen, aber auch innen viel stärker wahr. Das kann wie ein innerer Shitstorm sein.“ Schneider-Riede erinnert sich an einen Manager, der fluchtartig ein Stille-Wochenende abbrach und erklärte: „Wenn ich in der Stille die Augen schließe, sehe ich lauter Mitarbeiter, und hier kann ich ihnen nicht ausweichen.“ Der innere Lärm wird in der Stille hörbar.

Psychotherapeuten wissen, dass Stille mächtig ist: „Eine typische Situation in der Therapie kann so aussehen: ein paar Minuten still sein, gucken, was passiert“, beschreibt der Konstanzer Psychotherapeut und Meditationstrainer Andreas Knuf. „Dann taucht Langeweile auf, oder es kommen andere unangenehme Gefühle nach oben. Aber dann weiß man, womit man sich konfrontieren muss.“ Stille Momente in der Psychotherapie sind also eine Chance, zur Wahrheit in sich selbst zu gelangen – und damit auf den Weg der Problemlösung.

Innerer Frieden ist der Lohn der Stille. Der Bonner Psychotherapeut und Meditationsforscher Harald Piron verglich für eine Studie die Aussagen von 40 Experten unterschiedlicher Meditationstraditionen zu ihren Meditationserfahrungen. „Die Übereinstimmung war groß. Nach den ersten Hindernissen, die man am Anfang überwinden muss, stellen sich Entspannung und Bewusstseinsklarheit ein, man ist seinen Gedanken nicht mehr ausgeliefert, empfindet innere Freude und inneren Frieden, Dankbarkeit, Demut, Liebe, Verbundenheit und dann auch völlige geistige Stille.“

Auch der Körper reagiert, erklärt Neuropsychologieprofessor Erich Kasten: „In einem Zustand der Stille sorgt der Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure, GABA, für einen inneren Entspannungszustand. Das ist der Stoff, der auch aktiv ist, wenn man abends nach einem Gläschen Wein wohlig müde wird. Nachweisen lässt sich auch, dass das Gehirn von Betawellen auf Alphawellen umschaltet – und damit in eine Art regenerativen Zustand, in dem sich auch unsere Gehirnzellen erholen.“

Eine im FachmagazinBrain, Structure & Function 2013 veröffentlichte Gemeinschaftsstudie, an der unter unterem die Berliner Charité und das Dresdner Forschungszentrum für Regenerative Therapien beteiligt waren, zeigte, dass zwei Stunden Stille am Tag zu neuer Zellbildung im Hippocampus führen, einer Gehirnstruktur, die beim Lernen, Erinnern und bei Gefühlen eine wichtige Rolle spielt. Womöglich werden Stilleübungen eines Tages zur Vorbeugung gegen Depression oder Alzheimer genutzt werden. Erholung kann unser Gehirn auch in gesundem Zustand gut gebrauchen: „Ständige Reize sind eine Belastung für den präfrontalen Kortex, der in Entscheidungen und Problemlösungen involviert ist. Außerdem aktiviert das Hirn im Ruhezustand seindefault mode network , das beim Tagträumen, bei der Meditation und beim Fantasieren gefordert ist. Wir kommen in unseren inneren Fluss, unsere Empathie wird gestärkt, wir werden kreativer und ref lektierter“, schwärmt Kasten.


„Ich dachte, im Urlaub habe ich Ruhe erlebt. Ich fühlte mich okay, aber ich habe alle paar Stunden meine E-Mails gecheckt. Das hat mir nichts ausgemacht. Dann war ich wieder im Büro, und es gab einen Serverausfall. Zuerst drehst du am Rad. Du willst etwas tun, du kannst das nicht begreifen, das ist wie ein Junkie. Aber jemand sagte: Das dauert mindestens drei Stunden. Und plötzlich lässt du los. Du redest mit Kollegen, sitzt einfach, akzeptierst die erzwungene Tatenlosigkeit. Es war wunderbar. Und ich frage mich, ob man sich nicht ab und an zu Ruhe und der einen oder anderen stillen Stunde ohne Handy, Fernsehen oder sonstige digitale Ablenkung zwingen sollte.“
Bertram Jorschik, Finanzberater



„Kreischende Vögel, aufbrausender Wind und Wellen, die mit Wucht an die Klippen schlagen. Das war das Erste, was ich bei meinem Versuch, Stille zu finden, hörte, und es hat mich am ersten Tag total irritiert. Aber nach zwei Tagen habe ich diese Geräusche gar nicht mehr wahrgenommen. Ja, es war laut. Aber irgendwie anders laut. Stiller, wenn man das so sagen kann.“
Vera Glanzler, Sekretärin


Selbst bei kühler Kosten-Nutzen-Analyse ist das innere und äußere Zur-Ruhe-Kommen ein lohnendes Unterfangen, für das man auch mal einen anfänglichen Hürdenlauf des Geistes in Kauf nehmen kann. Psychotherapeut Knuf rät Klienten, sich abends mal zehn Minuten hinzusetzen, um – nichts zu tun. Und in der Woche mindestens einen halben Tag lang völlig unverplant zu lassen. „Wenn die Zeit ohne Aktivität zu kurz ist, passiert wenig“, erklärt Knuf, „der innere Motor braucht relativ lange, um wirklich ruhig zu werden. Und solange ich innen viel Lärm habe, werde ich auch außen keine Stille empfinden können.“

Meditationskurse? Eine gute Sache, aber: „Zum Kurs zu hetzen, dort zwei Stunden Stille zu üben, um anschließend zum nächsten Termin zu eilen, ist auch nicht förderlich“, warnt Knuf. Und Achtsamkeits-Apps auf dem Smartphone hält er eher für eine Grille des Zeitgeists, der mit Stille nicht viel anzufangen weiß. Die Routen, die zur Stille führen (siehe Kasten Seite 25), sind meist keine Kurzstrecken. Stille braucht Zeit. Dann findet sie auch Raum.

Experten sind heute überzeugt, dass wir eine Welt brauchen, in der sich Geräuschvielfalt und Stille abwechseln. Naturgeräusche helfen, Stille zu finden. Eine empfundene äußere Stille, bar aller störenden Geräusche, kann den Weg zu innerer Stille für viele Menschen erleichtern, zwingend notwendig ist sie aber nicht für jeden. Schließlich finden manche sogar erst bei den zarten Tönen von Klangschalen, bei Musik oder sogar bei wesentlich intensiveren Geräuschen zur Ruhe. Erich Kasten etwa findet innere Stille beim Spielen mit seinen Enkeln. „Und das“, versichert er, „ist alles andere als leise.“

Literatur zu diesem Beitrag finden Sie auf unserer Website: psychologie-heute.de/literatur


ILLUSTRATIONEN: STEPHAN SCHMITZ

* Name geändert