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Stimme der Pflegenden wird lauter


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Angehörige pflegen - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 15.11.2021

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Zwei von drei Menschen unter 40 Jahren (68 Prozent) können sich vorstellen, Angehörige zu pflegen. Das ist das Ergebnis des aktuellen Pflegereports der Krankenkasse DAK-Gesundheit, der im Oktober veröffentlicht wurde. Für den Report untersuchten Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg die Situation junger Pflegender in Deutschland. Von den Befragten, die bereits zu Hause pflegen, würden 84 Prozent dies erneut tun.

Das verwundert umso mehr, wenn man den Alltag pflegender Angehöriger betrachtet, die nicht selten berufstätig und/oder Eltern kleinerer Kinder sind und somit eine Mehrfachbelastung stemmen müssen. Zudem wird die Gruppe der pflegenden Angehörigen mit ihren Nöten kaum in der Öffentlichkeit, geschweige denn von der Politik wahrgenommen.

Leistung der von Eltern gleichsetzen

In Anbetracht der Tatsache, dass 80 Prozent der fast fünf Millionen Pflegebedürftigen zu Hause und damit größtenteils von Angehörigen gepflegt werden, verwundert es, dass hier noch kein Vorstoß unternommen wurde, die Leistung der pflegenden Angehörigen zumindest finanziell denen von Eltern gleichzusetzen. Die Forderung nach einer Lohnersatzleistung für Menschen, die Pflege und damit eine gesellschaftliche Aufgabe übernehmen, wird lauter und kann nicht mehr überhört werden. Dazu trägt schon der eigens von der Bundesregierung vor sechs Jahren eingesetzte Unabhängige Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf bei.

Aber auch pflegende Angehörige selbst schaffen es neben ihrer Belastung immer öfter, sich in Gruppierungen zusammenzuschließen. Sei dies oft auch zunächst aus dem Gefühl heraus, „nicht immer mit der Situation allein dastehen zu müssen“, wie ein Mitglied der Facebook- Gruppe „Pflegende Angehörige“ es beschreibt. Aus diesen lockeren Verbindungen entstehen immer öfter Vereine oder Verbände, die sich auch politisch positionieren – „Wir pflegen“ zum Beispiel. Der Verein hat zur Bundestagswahl ein plakatives Positionspapier herausgebracht mit dem Titel „Mit uns, nicht über uns“ und verdeutlicht, wo die Mängel in der Pflegeinfrastruktur liegen: Es fehlt an Entlastungsangeboten wie Tagespflege- oder Kurzzeitpflegeplätzen. Einen wichtigen Lösungsansatz sieht Wir pflegen e. V. in der Einführung eines Entlastungsbudgets, bestehend aus den Leistungen der Kurzzeit-, Verhinderungs- und Tagespflege sowie dem Entlastungsbetrag und der Pflegehilfsmittelpauschale.

Katrin Markus, Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung der Seniorenorganisationen (BAGSO), sieht vor allem die Kommunen in der Pflicht. Aufgrund ihrer Daseins-Fürsorgeverpflichtung müssten vor Ort die Strukturen geschaffen werden, um Angehörigenpflege überhaupt leistbar zu machen. Dazu gehöre auch die ärztliche Versorgung pflegebedürftiger Menschen.

Unterstützung durch die Politik vermisst auch ein Großteil der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer des Pflegereports. 83 Prozent sind der Meinung, dass das Thema Pflege nicht den Stellenwert habe, den es verdiene und die Politik mehr tun müsse. Dem pflichtet auch Studienleiter Professor Klie bei: „Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels werden wir bald an die Kapazitätsgrenzen in Pflegeheimen stoßen. Wir müssen sicherstellen, dass pflegende Angehörige umfassend unterstützt werden, um ihren wichtigen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen zu können. Wenn wir jetzt nicht aktiv werden, wird die Situation der Pflege weiter eskalieren.“

Mail: britta.waldmann@bibliomed.de

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