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STOFF FÜR DEN WÄRMEMANTEL


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bauen - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 16.07.2022

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Artikelbild für den Artikel "STOFF FÜR DEN WÄRMEMANTEL" aus der Ausgabe 9/2022 von bauen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: bauen, Ausgabe 9/2022

Holzfaserdämmstoffe können sommerliche Hitze gut abpuffern und werden deshalb gerne im Dach eingesetzt. > www.steico.de

Ein guter Wärmeschutz ist unverzichtbar. Mit der bald anstehenden Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) kündigt sich eine weitere Verschärfung der gesetzlichen Mindestanforderungen an. Dann wird das bisherige Effizienzhaus 55 zum neuen Standard erhoben. Die Bedeutung von Dämmung beim Hausbau wird damit wichtiger denn je. Bauherren haben dabei die Wahl zwischen mineralischen, synthetischen und natürlichen Dämmstoffen, die jeweils mit verschiedenen Produkten eine lückenlos gedämmte Haushülle ermöglichen. Ganz gleich jedoch, für welche Art von Dämmung man sich schließlich entscheidet, für Umwelt und Geldbeutel lohnt es sich immer.

• bs

„BauderECO“ besteht zu 60 Prozent aus Pflanzenabfällen. Zudem enthält er Recycling-Rohstoffe und Muschelkalk. > www.bauder.de

Die ...

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... Nachwachsenden

Dämmungen aus nachwachsenden Rohstoffen sind äußerst vielfältig, sowohl was das Ausgangsmaterial als auch die Form angeht. Sie werden aus Holz, Hanf, Flachs, Kork, Schilf, Altpapier etc. hergestellt. Sogar Wiesenheu kann als Grundstoff dienen. Es gibt sie als Matten, Platten, Einblasflocken, Schrot und Schüttungen.

Ihr großer Vorteil liegt darin, dass die Pflanzen für ihre Produktion CO2 gespeichert haben. Dieses ist während der Nutzung als Dämmmaterial der Atmosphäre entzogen, was den Treibhauseffekt mindert. Zusätzlich kommt dann noch der wärmedämmende Effekt zum Tragen, der auf die gesamte Nutzungsdauer gesehen eine noch größere Rolle spielt.

Ein weiterer Pluspunkt ist ihre gute kapillare Wasserleitfähigkeit. Das bedeutet, dass ein guter Feuchtetransport stattfindet, sie diffusionsoffen sind und dies die Gefahr von Feuchteschäden minimiert. Außderdem wird die Dämmleistung durch Feuchtigkeit nur wenig beeinträchtigt. Wenn nicht ein Übermaß an Wasser beispielsweise durch eine massive Undichtigkeit eindringt, muss man im allgemeinen keine Probleme mit Fäulnis oder anderweitige Schädigungen durch Feuchtigkeit befürchten.

Was den Brandschutz angeht, sind viele Naturmaterialien zwar per se brennbar, bei einem fachmännischen Einbau und teilweise durch beigefügte Brandschutzmittel resultiert dies jedoch nicht in einer erhöhten Brandgefahr.

Allerdings ist die Dämmleistung der nachwachsenden Fraktion nicht ganz so gut wie die der mineralischen und synthetischen Vertreter. So bewegt sich der Großteil in Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) 040 bis 050. Holzfaserdämmplatten gibt es aber auch schon mit WLS 036.

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gibt es aus den unterschiedlichsten Materialien und Formen:

1 Holzspan-Dämmschüttung,

2 Wiesengras-Einblasdämmung,

3 Hanf-Dämmmatte

> www.fnr.de

Wärmeleitfähigkeit

Die Wärmeleitfähigkeit bestimmt, wie gut bzw. schlecht ein Stoff Wärme durchlässt. Maßstab dafür ist der Wärmeleitkoeffizient Lambda. Er beziffert den Wärmestrom, der bei einem Temperaturunterschied von 1 Kelvin durch ein Material von einem Quadratmeter Größe und einem Meter Dicke fließt und wird in W/mK angegeben. Dabei gilt: je kleiner der Wert, desto besser dämmt der Baustoff. Anhand von Lambda und den drei Ziffern hinter dem Komma erfolgt die Einteilung von Dämmstoffen in Wärmeleitfähigkeitsstufen.

INFOTIPP

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe hat eine Broschüre herausgegeben, die ausführlich über die verschiedenen Dämmstoffe aus Pflanzenmaterial informiert. Sie können diese Broschüre kostenlos herunterladen unter > www.mediathek.fnr.de oder dem QR-Code.

Schutz vor Sommerhitze

Dämmung hindert nicht nur die Wärme am Entweichen, sondern im Sommer auch die Hitze am Eindringen. Dämmstoffe mit einer sogenannten Phasenverschiebung sind dabei besonders wirkungsvoll. Auch massive Gebäudeteile haben einen temperaturausgleichenden Effekt. Beide wirken thermisch regulierend, das heißt, sie geben die Wärme erst zeitversetzt weiter und zwar nachts, wenn es kühler ist. Vor allem Holzfaserdämmstoffe puffern durch ihr höheres Volumengewicht die Tageshitze sehr effizient und helfen dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf > www.HausbauHelden.de unter dem Suchbegriff „sommerlicher Wärmeschutz“ oder direkt unter dem QR-Code.

Die formstabile Dämmplatte „Masterrock 036 kaschiert“ lässt sich auch in Dicken von 180 mm problemlos verarbeiten. > www.rockwool.de

„weber.therm circle“ ist ein sortenrein rückbaubares und recyclierbares Wärmedämm-Verbundsystem. So können aus seinen Bestandteilen am Nutzungsende wieder hochwertige neue Produkte entstehen. > www.de.weber/circle

Die Mineralischen

Mineralische Dämmstoffe lassen sich in drei Typen einteilen: Matten aus Fasern, Platten aus Porenbeton und Schaumglas und Schüttungen aus aufgeschäumten Kügelchen. Für Mineralwolle wird Gestein oder Glas geschmolzen und zu Fasern gesponnen. Sie enthält bis zu 80 Prozent Recyclingmaterial, ist unbrennbar, verrottet nicht und verfügt über gute Schallschutzeigenschaften. Für die Anwendungsbereiche von der Kellerdecke bis zum Dach wird sie in unterschiedlichen Formen und Qualitäten produziert. Sie eignet sich für den Einsatz im Gefach sowie außenliegend in Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) oder mit Hinterlüftung. Ihre Wärmeleitfähigkeit liegt im Schnitt bei 0,035 W/mK und somit etwas besser als die Nachwachsenden. Aus Porenbeton werden nicht nur Wände gemauert, aus ihm lassen sich auch Dämmplatten herstellen, die in WDVS Verwendung finden oder als innen liegende Dämmschicht meist im denkmalgeschützten Altbau, wo Außendämmung nicht möglich ist. Schaumglas kann zu einem großen Teil aus Altglas hergestellt werden, ist druckfest und feuchtigkeitsunempfindlich. Das prädestiniert es für den Einsatz unter der Erde an den Kelleraußenwänden und ist damit eine Alternative zu den erdölbasierten Polystyrolprodukten, kostet jedoch mehr. Schüttungen wie Perlite (aus Vulkangestein), Blähton oder Blähglas können Bodenunebenheiten ausgleichen und dienen deshalb meist in Decken als druckfeste Unterlage für Estrichplatten oder auch Nassestrich.

Das „Multipor“-Wärmedämmverbundsystem aus Porenbeton ermöglicht lückenlose, nahezu wärmebrückenfreie Außenwände. > www.multipor.de

Mineralwolle gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Formen für jeden Anwendungsbereich, zum Beispiel runde Elemente zur Ummantelung von Rohren. > www.fmi-mineralwolle.de

Einsatzbereiche von Dämmung

Keller + Bodenplatte

Die sogenannte Perimeterdämmung im erdberührten Bereich von Kellerwänden und unterhalb der Bodenplatte muss besonders hart im Nehmen sein, denn sie ist Feuchtigkeit und Druck ausgesetzt. Deshalb kommen geschlossenporige Schaumstoffe, wie Platten aus XPS, PUR oder Schaumglas, zur Anwendung sowie Recycling-Materialien aus Altglas wie Blähglas oder Schaumglas-Granulat. Sie alle sind druckfest und Wasser kann ihnen nichts anhaben. Fertigkeller können für noch mehr Effizienz im Werk mit einer innen liegenden Kerndämmung versehen werden. Wer das Untergeschoss nicht zu Wohnzwecken verwenden will, kann auch nur die Kellerdecke dämmen. Das ist kostengünstiger.

Außenwand

Häufig kommen bei Massivwänden sogenannte Wärmedämmverbundsysteme zum Einsatz. Dabei werden Platten bzw. Matten, meist aus Polystyrol, Polyurethan, Mineralwolle oder Holzfaser, auf das Mauerwerk geklebt und/ oder verdübelt. Im Holzfertigbau werden die Gefache zwischen den tragenden Holzständern mit Dämmung (Platten, Matten oder Flocken) ausgefüllt und bei höheren Anforderungen außen eine zusätzliche Dämmschicht angebracht. Wer auf einen diffusionsoffenen Wandaufbau Wert legt, sollte auf synthetische Dämmstoffe verzichten.

Dach

Die Dämmung im Dach kann auf, zwischen oder unter den Sparren eingebaut werden. Ersteres besonders dann, wenn der Dachstuhl im Obergeschoss sichtbar sein soll, zwischen und/oder unter den Sparren hauptsächlich bei Sanierungen und nachträglichem Dachausbau. Im Neubau dagegen wird das Dämmmaterial auf und zwischen den Sparren untergebracht. Eine durchgehende Dämmschicht auf den Sparren hat den Vorteil, dass sie eine einheitliche Dämmwirkung ohne Wärmebrücken über die gesamte Dachfläche liefert.

PUR-Dämmstoffe gibt es auch als Verbundplatten mit weiteren Funktionsschichten wie Holzwerkstoffen, Ausbauplatten oder Unterdeckbahnen. Mehrschichtige Aufbauten bei Dach und Decken können so in einem Arbeitsgang hergestellt werden. > www.daemmt-besser.de

Im erdberührten Bereich wird die sogenannte Perimeterdämmung eingesetzt. Sie muss wasser- und druckbeständig sein und minimiert die Wärmeverluste im Keller. > www.glatthaar.com

Dank ihrer Druckfestigkeit und Feuchteresistenz eignen sich PUR-Dämmstoffe hervorragend für die Dämmung von Flachdächern. > www.puren.com

Die Synthetischen

Dämmstoffe auf Polystyrolbasis wie EPS (bekannter unter dem Markennamen „Styropor“) sowie XPS sind Klassiker. Sie bestehen aus aufgeschäumtem Polystyrol, dem zusätzlich ein Flammschutzmittel zugesetzt wird. Dank der vielen Lufteinschlüsse sind sie sehr leicht und erzielen beste Wärmedämmwerte. Ihre Spitzenreiter rangieren in WLS 020. Das bedeutet, dass die Dämmschicht dünner ausfallen kann. Dies sowie der insgesamt günstige Preis, machen EPS und XPS zum beliebtesten Bestandteil von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS). Das Einsatzspektrum umfasst jedoch alles – vom Keller bis zum Dach (druck- und feuchtestabiles XPS auch im erdberührten Bereich). Ein Nachteil: das Brandverhalten. Dem versucht man bei WDVS im mehrgeschossigen Wohnungsbau mit Brandriegeln entgegenzuwirken, bei denen in regelmäßigen Abständen Bereiche mit brandhemmenden Dämmstoffen wie Mineralwolle integriert werden.

Die zweite große Gruppe sind die Polyurethane (PUR). In Plattenform entspricht ihr Gebrauch in etwa dem von Polystyrol. Außerdem kann PUR-Hartschaum auch als Ortschaum Verwendung finden. Damit können kleine Öffnungen wie zum Beispiel zwischen Fenster und Laibung nach Bedarf auf der Baustelle geschlossen werden. PUR-Dämmstoffe bieten ebenfalls einen sehr guten Wärmeschutz und sind ab WLS 022 erhältlich.

Durch ihre Herstellung aus Erdöl gelten synthetische Dämmstoffe als weniger ökologisch. Bei nicht fachgerechter Entsorgung tragen sie zur Mikroplastikverschmutzung bei. Es wird jedoch an Verfahren zum vollständigen Recycling auch von WDVS gearbeitet.

PUR-Platten kommen z. B. als Aufsparrendämmung zum Einsatz. Der Dämmstoffkern von „Linitherm Loop“ wird zu mehr als 60 Prozent aus landwirtschaftlichen Pflanzenabfällen hergestellt – ein ökologischer Vorteil. > www.linzmeier.de