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Stoff oder Papier?


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 2/2010 vom 07.04.2010

Wegwerfwindeln belasten die Umwelt unter anderem bei der Entsorgung, Stoffwindeln – vor allem beim Waschen. Lesen Sie, welche Entscheidungsmöglichkeiten Sie haben.


Artikelbild für den Artikel "Stoff oder Papier?" aus der Ausgabe 2/2010 von ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie, Ausgabe 2/2010

Rund 90 Prozent der Eltern entscheiden sich heutzutage für Einwegwindeln. Doch wer mit Pampers und Co. wickelt, weiß: Wegwerfwindeln verbrauchen Holz, Energie und Wasser bei der Herstellung und produzieren Berge von Restmüll. Pro Wickelkind entsteht ein Müllhaufen von rund 2.500 Litern Volumen oder 2,5 Kubikmetern (dicht gepacktem) Windelmüll. Stoffwindeln dagegen verbrauchen zwar weniger Ressourcen bei der Herstellung, weil sie langlebiger ...

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Rund 90 Prozent der Eltern entscheiden sich heutzutage für Einwegwindeln. Doch wer mit Pampers und Co. wickelt, weiß: Wegwerfwindeln verbrauchen Holz, Energie und Wasser bei der Herstellung und produzieren Berge von Restmüll. Pro Wickelkind entsteht ein Müllhaufen von rund 2.500 Litern Volumen oder 2,5 Kubikmetern (dicht gepacktem) Windelmüll. Stoffwindeln dagegen verbrauchen zwar weniger Ressourcen bei der Herstellung, weil sie langlebiger sind und wieder verwendet werden. Und sie ergeben auch deutlich weniger Müll. Dafür kosten sie aber mehr Energie, Wasser und Waschmittel in der Reinigung.

Eine unabhängig erstellte Öko-Bilanz für beide Systeme gibt es laut Umweltbundesamt für Deutschland bis heute nicht. Die Wahl der Windel ist also letztlich eine Frage der Weltanschauung. In Großbritannien wurde etwa ein Gutachten, das den Recyclingsystemen schlechtere CO2-Bilanzen als den Wegwerfwindeln bescheinigte, vom dortigen Umweltministerium unter Verschluss gehalten, berichtete die britische ZeitungTimes .

Wer sich vor der Geburt seines Kindes nicht entscheiden möchte, besorgt am besten eine Packung kleine Wegwerfwindeln und leiht die Stoffwindeln bei Freunden und Familie aus. Manche Hersteller von Stoffwindeln geben eine Geld-zurück-Garantie, sodass man zumindest ein Modell ausprobieren kann. Manche Kinder vertragen Stoffwindeln besser, bei anderen ist es die Papierwindel. Hier hilft nur eins: ausprobieren.

Energie aus Windeln

Windeln können auch Energie liefern. Die Stiftung Liebenau, ein in Oberschwaben ansässiges Unternehmen, das vor allem in der Behinderten- und Altenhilfe tätig ist, verbrennt im Jahr bis zu 5.000 Tonnen Windeln plus Hygieneabfall aus Krankenhäusern in einem Spezialofen in Meckenbeuren. Mit der so entstehenden Wärme versorgt die Stiftung ihre Wäscherei und heizt Wasser auf. Insgesamt liefern mittlerweile vierzig Einrichtungen, darunter ganze Gemeinden, den passenden Abfall an den „Windel-Willi“, wie die Anlage in der Größe eines Einfamilienhauses genannt wird.

Windeln besitzen einen Feuchtigkeitsgehalt von etwa 58 Prozent und einen Brennwert wie nasses Holz. Die ganze Anlage mit Lager hat den Betreiber drei Millionen Euro gekostet, inzwischen lohnt sich das Geschäft. Die Stiftung kassiert für das Verbrennen, ist aber günstiger als Restmüllfirmen. Für die 2,1 Millionen Windeln im Jahr, die in den eigenen Einrichtungen anfallen, spart sie Müllgebühren von rund 350.000 Euro jährlich.

Das Unternehmen nutzt nur Windeln aus der direkten Region, einen Windelmüll- Tourismus will sie nicht. Doch die Technik soll vermarktet werden, der Spezialofen ist deshalb europaweit als Patent angemeldet.

Schwächen im Praxistest

Problematische Inhaltsstoffe fand ÖKOTEST bei seiner jüngsten Untersuchung von Pampers und Co. nur in wenigen Produkten, allerdings schwächelten einige im Praxistest. Eine Windel muss den Urin schnell aufsaugen und fest speichern, damit die Haut trocken bleibt. Zur Höchstform müssen Windeln auflaufen, wenn das Kind die Windel mit seinem Gewicht – im Sitzen und auch im Liegen – belastet. Welche Windeln wie abgeschnitten haben, erfahren Sie unterwww.oekotest.de .

Die Kosten

Bei Stoffwindeln sind die Kosten stark abhängig vom verwendeten Windelsystem, wie großzügig man sich ausstattet, welche Waschmittel man benutzt und wie die Energie- und Wasserpreise liegen. Inklusive Reinigung kostet das pro Kind zwischen 400 und 900 Euro. Einige Gemeinden bezuschussen die Mehrwegsysteme. Für die etwa 6.000 bis 6.500 Wegwerfwindeln, die ein Kind in rund drei Jahren braucht, zahlt man je nach Marke zwischen 900 und 1.800 Euro, bei Öko- Windeln um die 2.000 Euro.

Kompakt

Machen Papierwindeln unfruchtbar?
Kinderärzte der Universität Kiel haben Ende der 90er-Jahre einen Anstieg der Temperatur in Wegwerf- oder Folienwindeln um bis zu drei Grad gemessen. Sie vermuteten, dass sich die Hoden bei so hohen Temperaturen nicht normal entwickeln können. Grundsätzlich von Folienwindeln abraten wollten die Ärzte aber nicht. Eberhard Nieschlag, zum Zeitpunkt der Studie Direktor des Instituts für Reproduktionsmedizin an der Universität Münster, sieht keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Fruchtbarkeit und Folienwindeln. Seiner Meinung nach spielt eine genetische Disposition eine viel größere Rolle für die spätere Fruchtbarkeit des kleinen Mannes. Andere Arztkollegen sind sogar der Ansicht, die höhere Temperatur der Hoden in jungen Jahren könne der Fruchtbarkeit deshalb nicht schaden, weil den Stammzellen der männlichen Geschlechtsorgane eine Temperaturerhöhung im Windelalter nichts ausmache. Die weitere Reifung der Stammzellen erfolge erst mit Einsetzen der Pubertät, wenn in diesen Stammzellen die männlichen Spermien gebildet werden.

Groß, größer, am größten
Die Windelgrößen richten sich nach dem Gewicht der Kinder. Es gibt Windeln für Neugeborene in der Größe Newborn für zwei bis fünf Kilogramm schwere Babys sowie die Größen Mini (3 bis 6 kg), Midi (4 bis 9 kg), Maxi (7 bis 18 kg), Maxi Plus (9 bis 20 kg), Junior (11 bis 25 kg) und Extra Large (16 bis 30 kg). Schwimmwindeln haben die Form eines Unterhöschens, sie quellen im Wasser nicht auf und verhindern, dass das (große) Geschäft ins Wasser gerät.


Foto: Banana Stock

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