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Stoffwechsel aus der Spur


Iss dich gesund - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 13.03.2020

Das Essen zu fett, zu süß, der Bauch zu dick, die Bewegung zu wenig. Diabetes Typ 2 ist eine Epidemie unseres Wohlstands. Er schlägt bei immer mehr Menschen zu. Ohne Vorwarnung. Aber er kann auch wieder verschwinden. Die Medizin weiß genau, wie. Und setzt immer öfter auf die richtige Ernährung


Ein wahres Luxus-Problem

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1.steuern sind so beliebt wie Mahnschreiben. Dass sie auch einen sinnvollen Weg zu mehr Gesundheit aufzeigen können, haben jetzt die Briten bewiesen. Anfang 2018 hat das Schatzamt eine Zuckersteuer von umgerechnet bis zu etwa 30 Cent pro Liter auf gesüßte ...

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... Limonaden verhängt. Dadurch ist ihr Umsatz um knackige 30 Prozent eingebrochen, so eine aktuelle Studie der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Lauren K. Bandy, University of Oxford. Das verringerte auch eine der Ursachen für Diabetes Typ 2: eine ungesunde, zucker- bzw. kohlenhydratlastige Ernährung. Die Wohlstandskrankheit bekommen in Deutschland jedes Jahr eine halbe Million Männer und Frauen neu, so das Robert Koch-Institut in Berlin. Insgesamt sind rund acht Millionen Deutsche davon betroffen.

DER BMI SOLLTE BESSER UNTER 27 LIEGEN

Bei der häufigsten Diabetes-Art spielt das Hormon Insulin aus den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse eine entscheidende Rolle. Es signalisiert den Zellen: „Umherirrenden Blutzucker speichern!“ Gut so, denn sie brauchen diese Glukose zur Energie-Gewinnung. Irgendwann aber reagieren sie immer schlechter auf den Botenstoff. Es kommt zu einer Insulin-Resistenz. Diese ist in hohem Maße erblich bedingt, so eine Studie der Universität Tübingen. Wer z. B. enge Verwandte mit Diabetes hat, erkrankt doppelt so oft daran. Und steigt der Body-Mass-Index (Rechner im Internet: bmi-online.info) über 27, nimmt das Risiko deutlich zu - besonders bei ausgeprägtem Bauchfett. Etwa 80 Prozent aller neu diagnostizierten Patienten haben Übergewicht. Gefährdet sind aber auch Bewegungsmuffel. Jeder zweite Erwachsene schafft es laut Robert Koch- Institut nicht einmal, die von der WHO empfohlenen 150 Minuten moderaten Sport pro Woche zu treiben. Sie nehmen leichter zu, denn ihre fehlende Muskelarbeit schwächt die Insulinwirkung. Zunächst versucht die gewissenhafte Bauchspeicheldrüse, die Hormon-Produktion hochzufahren. Doch oft muss sie erschöpft aufgeben. Es entsteht ein absoluter Insulin- Mangel, der durch Spritzen mit dem Hormon ausgeglichen werden sollte. Denn unbehandelt schädigt Diabetes auf Dauer die Blutgefäße. Das kann z. B. zu Nieren-, Nerven- und Augenschäden führen, Herzinfarkte und Depressionen begünstigen.

MIT DER LOGI-PYRAMIDE DEN BLUTZUCKER SENKEN

Doch wer seine Ernährung rigoros umstellt, kann oft sogar ganz auf Spritzen verzichten oder muss weniger unangenehme Medikamente wie den Zuckerblocker „Metformin“ einnehmen. Sogar nach zehn Jahren mit Diabetes stellt sie jeden zweiten Patienten wieder auf null, so eine Studie der Universität Newcastle. Um das zu erreichen, haben die Forscher eine rabiate Acht-Wochen-Diät von 700 Kalorien pro Tag entwickelt. Aber wer hält das schon durch? An der Universität Cambridge sind die Diabetologen mitfühlender: „Wer nur zehn Prozent seines Gewichts verliert, ein bewegtes Leben führt, hat beste Chancen, den Diabetes unter Kontrolle zu bekommen - und sogar zu besiegen. Auch noch fünf Jahre nach der Erst-Diagnose“, berichtet Professor Simon Griffin. Dreh- und Angelpunkt eines gesunden und effektiven Abnehmens ist eine „artgerechte Ernährung“. Wer auch noch dauerhaft schlank bleiben will, sollte die „Logi-Methode“ ausprobieren. Der Begriff steht für „Low Glycemic And Insulinemic Diet“, die den Blutzucker- und Insulinspiegel niedrig hält. Die breite Basis der Ernährungspyramide bilden Salate, Gemüse, zuckerarmes Obst, pflanzliche Öle mit gesunden Fettsäuren. Sie sollten 50 Prozent der Mahlzeiten bilden. Auf der zweiten Ebene liegen Eiweiße aus z. B. Fisch, Fleisch, Milchprodukten, die täglich auf den Tisch kommen sollten. Auf der dritten, kleineren Ebene finden sich Vollkornprodukte wie brauner Reis. Und an der Pyramidenspitze alle Weizenmehl- Produkte wie Brötchen, die den Zuckerstoffwechsel belasten. Wichtig: Mehrstündige Pausen zwischen den Mahlzeiten lassen, denn Insulin behindert den Fettabbau. Auch ohne Zuckersteuer auf Limo (auch mit Süßstoff) verzichten. Lieber ungesüßten Kräutertee, Mineralwasser trinken.

In diesem Dossier

1. Schrecken mit Ende

Ein paar Blut-Tests, plötzlich ist die Diagnose da: „Diabetes Typ 2“. Und jetzt? Die Medizin geht ganz neue, sanfte Wege. Die sogar Insulin-Spritzen überflüssig machen können.

2. Familien-Erbe

Mutter, Vater, Bruder - dann trifft er auch Egon Woyda. Doch er bekommt den Diabetes in den Griff. Eisern mit cleverer Ernährung.

3. Wissen, wie es geht

Mit Lebensmitteln Blutzuckerschwankungen klein halten, Folgeerkrankungen eindämmen.

4. Essen mit Köpfchen

Schön satt werden und trotzdem den Blutzuckerspiegel in Schach halten. So kann’s gehen.

VERBESSERT

Fotos: Pia Pritzel, Andreas Sibler, iStock (2)


Die Umstellung der Ernährung ist mir nicht eine Minute schwergefallen“



EGON WOYDA

Diabetes

2. EGON WOYDA (64 JAHRE) AUS WAHLSTEDT ERZÄHLT SEINE ERFOLGSGESCHICHTE


„Heute reichen mir viel kleinere Portionen, um satt zu werden“


„Ich kenne das schon. Von meinem Vater, meiner Mutter, meinem Bruder. Diabetes liegt bei uns in der Familie. Ich bin heilfroh, dass es mich noch nicht erwischt hat. 2006 aber entdeckt mein Hausarzt beim großen Check auch bei mir Diabetes, vom Typ 2. Ich bekomme zwei Antidiabetika verschrieben, vertrage sie gut. Meine Blutzucker-Werte bleiben sechs Jahre eher unauffällig. Plötzlich kommen körperliche Einbrüche. Gerne dann, wenn ich nicht regelmäßig esse, mich dazu noch körperlich mehr belaste. Wie z. B. beim Brennholzschlagen im Wald. Mir wird schwindelig, ich bekomme ein eigenartig flaues Gefühl. Typisch Unterzuckerung. Ich esse ab da alle vier Stunden etwas. Mein Hausarzt erhöht parallel die Dosis der Antidiabetika. Ich rutsche zwar nicht mehr so in den Keller mit meinem Blutzucker.

Dafür steigt aber trotz der Medikamente mein HbA1c-Wert. Er ist sozusagen ein Gedächtnis-Blutzuckerwert für die vergangenen Wochen. Und der geht nicht mehr unter 6,8, schwankt sogar hoch bis zu 8,3. Gesunde haben einen von um die 5. Im vergangenen Jahr erreicht er einen absoluten Spitzenwert von 9. Und ich habe das nicht mal gemerkt! Bleibt jetzt nur noch die Insulin-Spritze?

Mit diesem bedrohlichen Damokles- Schwert komme ich nicht klar. Ich bitte Dr. Riedl um Hilfe. Er streicht eines der Antidiabetika, dosiert das andere niedriger. Dazu EGON WOYDA (64 JAHRE) AUS WAHLSTEDT ERZÄHLT SEINE ERFOLGSGESCHICHTE spritze ich mir einmal die Woche eine Arznei zum Verlangsamen der Verdauungsprozesse im Darm. Zudem bekomme ich einen Ernährungsplan. Mit reichlichen 80 bis 90 Gramm Eiweiß am Tag, eher keinen Snacks, Obst nur zu den Mahlzeiten. Zehn Wochen später der erste Triumph: Der HbA1c-Wert ist runter auf 6,3! Heute steht er stabil bei 6,1. Quälenden Heißhunger habe ich kaum noch. Ganz nebenbei ist mein Gewicht von 83 auf 72,5 Kilo geschmolzen, mein Bauchumfang um stolze zehn Zentimeter. Ich fühle mich rundum erleichtert. Und kann nur jedem mit meinem Gesundheitsproblem raten, sich in einem diabetologischen Zentrum professionell helfen zu lassen.“

Das sagt

Dr. Riedl

„Die Insulinresistenz beim Diabetes Typ 2 kann wieder verschwinden. Gewicht, Bauchumfang spielen dabei eine große Rolle. Daher muss das Bauchfett weg. Das klappt optimal mit der ,artgerechten Ernährung‘. Wer abnehmen will, sollte Kohlenhydrate sparen, mehrstündige Pausen zwischen den Mahlzeiten lassen, eine Haferkur machen.“

Dem Patienten auf den Teller geschaut

Selbst bei seinem heiß geliebten Eis ist Egon Woyda die Disziplin in Person. Er hält sich strikt an das für sein Gesundheitsproblem entwickelte Ernährungskonzept des medicum Hamburg

FRÜHSTÜCK

2 Scheiben Roggenbrot, mindestens eine davon belegt mit Räucherfisch wie Lachs, Makrele, die andere wahlweise mit 1 Scheibe Schmelzkäse. Dazu 1 gekochtes Ei oder Rührei.

MITTAGESSEN

1 Stück gebratenes Geflügel (Pute, Hähnchen) mit Gemüse-Allerlei der Saison (z. B. verschiedene Kohlsorten). Plus manchmal 1 Kartoffel. Zum Nachtisch ein Obstsalat mit Magerquark, -Joghurt, 1 Handvoll Walnüssen und Mandeln.

ABENDBROT

Kieler Sprotten auf 2 Scheiben Roggenbrot. Dazu ein großer Salat z. B. mit Tomaten, Gurke, Paprika, 1 Mozzarella-Kugel, 1 bis 2 gekochten Eiern. Dressing: Olivenöl, Balsamico-Essig.

SNACKS

Darauf verzichtet der Patient heute komplett.

GETRÄNKE

2 Tassen Kaffee mit etwas Vollmilch, Süßstoff. Über den Tag verteilt dazu 6 Tassen Pfefferminz-, Kräutertee und reichlich Mineralwasser


80 % der Menschen mit einer Diabetes-Diagnose halten die Folge-Risiken für niedrig bis sehr gering



QUEL L E: R OBERT KOCH-INS TIT U T

3. Die richtige Ernährung bei Diabetes Typ 2

4. Gesund kochen bei … Diabetes Typ 2

Den Großteil der Ernährung, mindestens die Hälfte der Mahlzeit, sollten Gemüse, Salate und hochwertige Pflanzenöle ausmachen. Das hält die Insulinproduktion und den Blutzucker niedrig

Minestrone mit Avocadocreme

Fotos: GU / Coco Lang, GU / Anke Schütz, Adobe Stock (5), iStock (3)

FÜR 4 PERSONEN

ZUTATEN

1 Dose (250 g) weiße Bohnen • 2 Zwiebeln • 1 Kohlrabi • 4 Möhren • 4 EL Olivenöl • Salz, Pfeffer • 900 ml Gemüsebrühe (Instant) • 400 g Brokkoli • 2 reife Avocados • 2 Knoblauchzehen • 2 EL Zitronensaft

1. Bohnen waschen, abtropfen. Zwiebeln und Kohlrabi schälen, fein würfeln, Möhren schälen, in Scheiben schneiden. Öl in einem Topf erhitzen, Zwiebeln bei leichter Hitze 3 Minuten andünsten. Möhren und Kohlrabi zugeben, salzen, pfeffern, mit Brühe ablöschen, aufkochen, 10 Minuten weich köcheln.

2. Brokkoli in Röschen teilen, mit den Bohnen unter die Brühe rühren, noch 10 Minuten köcheln. Dann salzen und pfeffern. Inzwischen Avocados und Knoblauch schälen, mit dem Zitronensaft zerdrücken, mit 2 EL Kochsud cremig rühren, salzen, pfeffern und zur Minestrone servieren.

KALORIEN: ca. 386 pro Portion

NÄHRWERTANGABEN: 12 g Eiweiß, 27 g Fett, 24 g Kohlenhydrate

ZUBEREITUNGSZEIT: ca. 30 Minuten

GESUND-BILANZ VON DR. RIEDL:

Der bunte Gemüse-Mix mit seinen reichlichen Ballaststoffen bildet die Grundlage jeder Diabetiker-Ernährung. Und das Bohnen-Eiweiß dämpft den Anstieg des Blutzuckers.

Auberginen-Cannelloni

FÜR 2 PERSONEN

ZUTATEN

1 gelbe Paprika • 1 Zwiebel • 1 Knoblauchzehe • 3 EL Olivenöl • 250 g stückige Tomaten (Dose) • Salz • Pfeffer • 2 Auberginen (à ca. 200 g) • 6 Blätter Basilikum • 50 g getrocknete Tomaten • 75 g Frischkäse • 150 g Ricotta • 1 EL gemahlene Mandeln

1. Paprika, Zwiebel, Knoblauch würfeln. In 1 EL heißem Olivenöl anbraten. Tomaten zugeben. Mit Salz, Pfeffer abschmecken. 15 Minuten köcheln.

2. Backofen auf 180 Grad vorheizen. Auberginen längs in Scheiben (0,5 cm) schneiden. Mit restlichem Öl bestreichen. 15 Minuten im Ofen garen. Herausnehmen, abkühlen lassen.

3. Tomatensoße in Auflaufform geben. Gehackten Basilikum, getrocknete Tomaten, Frischkäse, Ricotta, Mandeln vermengen. Auberginenscheiben mit 1 gehäuften EL Käsemasse bestreichen, aufrollen. In der Soße 15 Minuten backen.

KALORIEN: ca. 550 pro Portion

NÄHRWERTANGABEN: 16 g Eiweiß, 40 g Fett, 28 g Kohlenhydrate

ZUBEREITUNGSZEIT: ca. 45 Minuten

GESUND-BILANZ VON DR. RIEDL:

Auberginen bringen es auf gute drei Gramm Ballaststoffe pro hundert Gramm. Prima für Diabetiker, weil diese nämlich tatsächlich den Blutzuckeranstieg verzögern können.