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STONEHENGE


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Gong - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 07.01.2022

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 2/2022

STEINKREIS Kalender oder Grabstätte? Für Archäologen ist beides plausibel

Geheimnisvolles Stonehenge: Schon lange rätseln Menschen, wie der Steinkreis in Südengland vor rund 4000 Jahren entstanden sein könnte. Der britische Archäologe Mike Parker Pearson ist nun davon überzeugt, des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Für ihn ist klar: Stonehenge wurde ursprünglich nicht in England erbaut, sondern schon 400 Jahre früher in Wales, 250 Kilometer entfernt vom heutigen Standort. Der Film „Rätselhaftes Stonehenge: Die Spur der Steine“ (siehe TV-Tipp Seite 22) begleitet ihn auf seinem steinigen Weg der Entdeckung.

Sage aus der Mythologie

Stonehenge gibt seit jeher Anlass zu Spekulationen, viele Vorstellungen stammen aus dem Bereich der Fantasie. Laut einer alten Sage über den Zauberer Merlin zog dieser mit einer Armee Richtung Westen nach Irland, wo er einen Platz aus Steinen namens „Tanz der Riesen“ vorfand. ...

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... Mithilfe magischer Kräfte zauberte Merlin die gigantischen Megalithen nach England.

Archäologe Parker Pearson meint, die Sage aus dem 12. Jahrhundert könnte mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben als bisher angenommen. „Die Archäologie sollte sich eigentlich fernhalten von der Mythologie“, so der Experte. „Aber manchmal enthält diese ein Körnchen Wahrheit.“

Doch zog Merlin der Legende nach nicht nach Irland? Der Archäologe klärt auf: „Als die Sage aufgeschrieben wurde, galt Westwales noch als ein Teil von Irland.“ Tatsächlich fanden Archäologen schon vor 100 Jahren erste Beweise dafür, dass die Blausteine von Stonehenge aus den Preseli Hills stammen, einer Hügelkette in Wales.

Im Jahr 2014 begann Parker Pearson, mit freiwilligen Helfern und Studenten vor Ort zu graben. Doch nach Jahren mühsamer Arbeit folgte die Ernüchterung: Die Grabungen zeitigten keine Erfolge. Blieb nur noch ein Ort übrig: Waun Mawn – das Torfmoor, wie es auf Walisisch heißt. Dort wollte niemand graben. „Wir hatten Waun Mawn eigentlich schon abgehakt“, so Parker Pearson. „Aber es war unsere letzte Chance.“

Die Studenten murrten. Alle waren erschöpft, nun sollten sie weiter im Schlamm buddeln. Es stürmte und regnete unaufhörlich, die gegrabenen Löcher liefen im-mer wieder voll Wasser. Eine Tortur. Doch die Mühen zahlten sich aus: Die Gruppe stieß auf Erdlöcher, die in Form und Größe exakt zu jenen Blausteinen passen, die heute in Stonehenge stehen. Als sie freigelegt wurden, ergaben sie eine Anordnung in Kreisform. „Der Durchmesser beträgt 110 Meter, was genau dem äußeren Umfang von Stonehenge entspricht“, so Parker Pearson. Der einstige Steinkreis von Waun Mawn ist also das Ur-Stonehenge, schon 400 Jahre früher errichtet.

Aber was bedeutet der Steinkreis? „Die Monumente aus den großen Steinen sollten die Ahnen darstellen. Einige Steine gehörten zu Gräbern. Einige standen allein, andere im Steinkreis. Stein ist unvergänglich, genau wie unsere Ahnen“, so Parker Pearson, der noch auf einen zweiten wichtigen Aspekt hinweist. Er vermutet, der Steinkreis könnte eine Art Kalender gewesen sein und mit den beiden Sonnenwenden im Sommer und Winter zu tun haben: „Sie sind die Wendepunkte des Jahres. Es geht um den immer gleichen Lauf der Sonne, der so ewig ist wie die Ahnen selbst.“

Dass die Steine in Stonehenge ursprünglich aus Waun Mawn stammen, konnten Wissenschaftler anhand von Gesteinsprüfungen genau bestimmen. „Die wichtigste Erkenntnis für uns ist, dass Stonehenge aus einem anderen Bauwerk errichtet wurde“, sagt Mike Parker Pearson.

Doch wer schleppte die Megalithen von Waun Mawn in die 250 Kilometer entfernte Hochebene von Salisbury? Und warum? Knochenanalysen aus Stonehenge durch Wissenschaftler der Universität Oxford ergaben, dass viele der Toten keine Einheimischen waren, sondern Menschen aus Südwestwales. „Für mich ist das ein Hinweis auf Migration“, sagt Parker Pearson. „Sie wanderten damals ein, ließen sich in der Nähe von Salisbury nieder, und ihre Nachkommen blieben hier in dieser Gegend.“ Die Steine brachten sie mit.

Reise zur Sonne

Anders als lange angenommen, wurden die Megalithen nicht mit Schiffen übers Wasser, sondern über Land transportiert. Experimentalarchäologen wiesen unter den Bedingungen der Steinzeit nach, dass es möglich war, die bis zu 1,5 Tonnen schweren Brocken auf Holzschlitten über diese immense Strecke zu transportieren.

Doch weshalb nahmen Menschen diese Tortur auf sich? Laut einer Theorie wegen einer geologischen Besonderheit: Im Lauf der Jahrtausende verschiebt sich die Erdachse leicht, und vor 5000 Jahren schienen Kalkrinnen im Erdreich der Ebene von Salisbury perfekt auf die Sommersonnenwende ausgerichtet. Für Bauern aus Wales Grund genug, nach England zu ziehen und sich dort niederzulassen. Samt ihrer Kultstätte.

THOMAS KUNZE

Stonehenge in Originalgröße: Sonderausstellung in Herne

Das berühmteste archäologische Denkmal Europas steht zurzeit auch in Herne: In einer Sonderausstellung des LWL-Museums für Archäologie bilden Repliken das Original detailgetreu eins zu eins ab. Dank virtueller Technik ist die Historie von Stonehenge hautnah zu erleben. Nachbauten der bis zu sieben Meter hohen Steine, VR- Technik, 3-D-Modelle, Grafiken und Multimedia-Installationen führen durch die Jahrtausende: von der Bronzezeit bis zu Kunstwerken in die Gegenwart. Die Ausstellung läuft bis zum 25. September.