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STRATEGIE STATT STREIT


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.07.2018
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Bildquelle: TASPO GARTEN-DESIGN, Ausgabe 5/2018

Streit in der Familie kann die Zukunft eines Unternehmens gefährden.


Eine der größten Gefahren für familiengeführte Unternehmen sind Familienkonflikte. Andauernde Auseinandersetzungen hemmen die Weiterentwicklung der Firma, zehren an der finanziellen Substanz und führen schlimmstenfalls sogar in die Insolvenz. Eine Strategie für den Umgang mit Konflikten kann hier helfen. Am besten ist es, sie vorbeugend zu entwickeln.

Mehr als 95 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen – das hat das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn ermittelt. Zu deren Stärken zählt, dass die ...

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... Firmenleitung schnell Entscheidungen treffen kann, im Vergleich zu Geschäftsführern in Konzernen oftmals langfristiger und nachhaltiger denkt und sich häufig gesellschaftlich und persönlich engagiert. Allerdings überleben nur wenige Familienbetriebe länger als vier Generationen – nicht zuletzt deshalb, weil sich die „Familie“ von Generation zu Generation vergrößert und nicht klar geregelt wird, wer wie im Unternehmen weitermacht.

„85 Prozent der Firmen schließen innerhalb von vier, fünf Generationen aufgrund von Familienkonflikten“, schätzt Prof. Dr. Tom Arne Rüsen, geschäftsführender Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU). Das WIFU gehört zur Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Witten/Herdecke und existiert seit 1998. Dort erforscht man verschiedenste Aspekte von Familienunternehmen, darunter etwa die Frage, warum manche Unternehmen über viele Generationen hinweg bestehen, während andere scheitern.

Grenzen der BWL

Während es für viele Unternehmer längst selbstverständlich ist, sich für kaufmännische, organisatorische und strategische Fragen einen Berater zu holen, steht das Familiencoaching kaum im Fokus. Die Themen, mit denen sich Unternehmer und Berater beschäftigen, haben in der Regel einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) gerät dort an ihre Grenzen, wo es um Familienkonfigurationen geht. „Familiäre Strukturen folgen einer anderen Logik als die Unternehmensstrukturen. Konflikte entstehen immer dann, wenn man versucht, betriebswirtschaftliche Probleme mit familiären Mitteln zu lösen“, so Prof. Dr. Rüsen. Das zeigt sich etwa am Begriff „Gerechtigkeit“. „Gerechte Behandlung in der Familie bedeutet für die meisten Menschen Gleichbehandlung, während Gerechtigkeit in der Firma zum Beispiel eine Bezahlung nach Leistung ist.“

Die richtige Person auf der richtigen Stelle – das ist Unternehmenslogik, nicht aber zwingend Familienlogik. Zwei Geschwister, die beide das Unternehmen führen wollen – daraus kann sich eine unglaubliche Stärke entwickeln. Es kann aber auch erhebliches Konfliktpotenzial beinhalten, wenn jeder andere Vorstellungen über die Zukunft der Firma hat. „Man muss lernen, die Rolle als Geschwister abzulegen und die Rolle als Geschäftsführer anzunehmen“, sagt Prof. Dr. Rüsen. Gelingt das nicht, führt das zu einer Rollenvermischung und in der Folge meist zu Streit.

Von Anfang an harmonisch verlief die Zusammenarbeit zwischen den Brüdern Daniel (Bild links, li.) und Alexander Jehle. Davon waren Rainer Wesser (Bild Mitte, li.)und sein Bruder Michael (r) weit entfernt (mit im Bild Wiebke Lahrmann und Firmengründer Emil Wesser). Tom Rüsen weiß, wie man Familienstreitigkeiten löst – oder besser noch vorbeugt.


Fotos: privat

Problemlose Arbeitsteilung

Recht problemlos verläuft die Arbeitsteilung bei Alexander und Daniel Jehle. Alexander Jehle ist Landschaftsgärtnermeister, staatlich geprüfter Wirtschafter und hat die Nachfolge seines Vaters Wendelin als Geschäftsführer der Schleitzer baut Gärten creativ und innovativ GmbH in München angetreten. Sein Bruder Daniel arbeitet ebenfalls dort. „Bei uns sind der Erlebnisgarten und der Landschaftsbau getrennte Bereiche, daher hat jeder von uns eine leitende Funktion.“ Während Alexander Jehle vor allem für Betriebsführung, Akquise und Planung zuständig ist, hat Daniel im Landschaftsbau die Kalkulation und Baustellenleitung inne und kümmert sich um die Abrechnung. Der Erlebnisgarten „Marktplatz innovativer Gartenideen“ wird federführend von Daniel Jehle geleitet. Betriebsentwicklung sowie Investitionsentscheidungen für beide Bereiche werden gemeinsam diskutiert und getroffen. Die Balance aus gemeinsamer und geteilter Verantwortung bei Alexander und Daniel Jehle funktioniert gut. „Unser Vater hatte anfangs schon ein bisschen Angst, dass sich jemand benachteiligt fühlen könnte, aber wir haben ein wirklich gutes Verhältnis untereinander.“

Nicht immer läuft es so reibungslos. Familiären Konflikten kann man vorbeugen, aber „leider suchen viele erst Rat, wenn der Konflikt schon ausgebrochen ist“, weiß Prof. Dr. Rüsen. Da reden Vater und Sohn aufgrund einer missglückten Nachfolge bereits nicht mehr miteinander oder geschäftsführende Geschwister reiben sich in Streitereien auf – das Unternehmen wird zum Kriegsschauplatz. Um diese Situation und deren negative Auswirkungen auf die Firma zu vermeiden, muss die Unternehmerfamilie Strategien haben, um entscheidungsfähig zu bleiben. Ideal ist es, derartige Prozesse bereits vorbeugend zu entwickeln. Dabei kann ein Familiencoach helfen. Die Berater haben in der Regel Erfahrung in Systemischer Theorie, bei der der Einzelne nicht isoliert betrachtet wird, sondern das gesamte System, in dem er sich befindet.

Bei einer Familienstrategie geht es auch um Werte und Erwartungen der Mitglieder – als Familie und als Unternehmerfamilie. Was verbindet und was trennt die Familie? In welchen Rollen sehen sich die einzelnen Mitglieder? Welche Traditionen herrschen in der Familie? Wer hat welche Ziele? Wer gehört überhaupt zur Familie dazu und wer nicht?

DAS WIFU

Das Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) ist seit seiner Gründung 1998 Pionier und Wegweiser akademischer Forschung und Lehre zu Besonderheiten von Familienunternehmen in Deutschland. Drei Forschungs- und Lehrbereiche – Betriebswirtschaftslehre, Psychologie/ Soziologie und Rechtswissenschaften – bilden das wissenschaftliche Spiegelbild der Gestalt von Familienunternehmen. Dadurch hat sich das WIFU eine einzigartige Expertise im Bereich Familienunternehmen erarbeitet. Ein exklusiver Kreis von 75 Familienunternehmen macht dies möglich.
www.wifu.de

Die Familienverfassung

Dieser Bestandsaufnahme kann eine Familienverfassung folgen. Dort werden die Leitlinien zusammengefasst, die sich die Unternehmerfamilie gegeben hat. Juristisch ist die Familienverfassung nicht bindend, wohl aber moralisch. Werte und Regeln, auf die man sich geeinigt hat, werden schriftlich fixiert. Das kann beispielsweise sein:

Wer von der Familie arbeitet in welcher Funktion und unter welchen Bedingungen im Unternehmen mit?
Wie werden Entscheidungen getroffen?
Wie geht man miteinander um?
Wie tritt man in der Öffentlichkeit auf?
Wie ist das Vermögensmanagement geregelt?
Was passiert bei Regelbruch?

Beirat zur Schlichtung

Hilfreich für den Unternehmensfrieden kann ein externes Gremium, beispielsweise ein Beirat sein. Das hat man auch in der Firma Wesser Gärten Grün & Service in Wesel festgestellt (s. a.TASPO GARTEN-DESIGN 4/2017). Seit 1976 unterstützte Rainer Wesser seinen Vater Emil im Unternehmen – erst als Lehrling, seit 1985 dann als Meister. Als in den 1990er Jahren sein viel jüngerer Bruder Michael ebenfalls in die Firma kam, sollte dieser vor allem auf den Baustellen mitarbeiten. „Das Büro lief damals so nebenher – eine zukunftsfähige Lösung war das meines Erachtens nicht“, sagt Michael Wesser. Er wollte Struktur ins Unternehmen bringen und stieß damit erst einmal auf Widerstand.

Aus den unterschiedlichen Veranlagungen der Brüder – der eine der baubegeisterte Praktiker, der andere der betriebswirtschaftlich orientierte Organisator – entstanden erst einmal Konflikte. „Wir hatten etwa zehn Jahre lang Probleme bei der Kommunikation“, erinnert sich Michael Wesser. „Jede Investition wurde zum Streitpunkt.“ Als er vor der Alternative stand, zu bleiben oder zu gehen, kam die Idee auf, ein Entscheidungsgremium einzurichten, dem neben der Geschäftsleitung auch einige Mitarbeiter angehörten. Bei strittigen Punkten wurde abgestimmt.

Der Lerneffekt war hoch. „Wir haben es etwa ein halbes Jahr konsequent beibehalten, dann ist es eingeschlafen, weil es einfach nicht mehr nötig war. Bei Uneinigkeiten schafft es heute jeder, einen Schritt zurückzutreten, um dann vernünftig miteinander zu reden.“ Verletzungen aus der Kindheit, persönliche Feindseligkeiten, Charaktere, die nicht zusammenpassen, familiäre Gewohnheiten und Überzeugungen – all diese Emotionen wirken in ein Familienunternehmen hinein. Prof. Dr. Tom Arne Rüsen rät vor allem bei Nachfolgeregelungen dazu, das Augenmerk auch auf diese Familienstrukturen zu legen. „Der Familienfaktor wird immer noch sträflich vernachlässigt. Dabei haben viele, wenn nicht sogar die überwiegende Mehrheit der Konflikte in Familienunternehmen einen familienpsychologischen Hintergrund.“

FORSCHUNG UND BERATUNG

Mittlerweile gibt es neben der WIFU und der EQUA weitere Institute und Stiftungen, die sich mit Familienunternehmen befassen:
• Stiftung Familienunternehmen
(www.familienunternehmen.de)
• Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen (FIF) an der Zeppelin Universität (www.zu.de/institute/fif)
• IFF Institut für Familienunternehmen Stuttgart (www.institut-fuer-familienunternehmen.de)

GELD, MACHT UND LIEBE…

…betitelte die Zeitschrift Impulse im Jahr 2012 einen Artikel über Familienkonflikte. Darin berichtete unter anderem der ehemalige Geschäftsführer von Wacker Neuson, Ulrich Wacker, wie Streitereien mit seinem Bruder und seinem Cousin dazu führten, dass die Familie Wacker noch 38 Prozent der Firmenanteile hält, aber sonst nicht mehr ins Unternehmen involviert ist. In der Folge der Auseinandersetzungen gründete Ulrich Wacker die gemeinnützige Equa-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Gesellschafter von Familienunternehmen mit Know-how zur verantwortungsvollen Unternehmensführung zu unterstützen.
www.impulse.de/management/geld-macht-und-liebe
www.equa-stiftung.de


Foto: Pixabay