Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Streamer/DAC: Auf die Spitze getrieben


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 09.05.2018

Was Harry Nyquist 1928 unter dem Titel „Certain Topics in Telegraph Transmission Theory“ publizierte, war bahnbrechend. Könnte es also einen besseren Namen für einen DAC geben als „Nyquist“?


Artikelbild für den Artikel "Streamer/DAC: Auf die Spitze getrieben" aus der Ausgabe 6/2018 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 6/2018

Bildschön
Mit den Augen eines Elektronikers betrachtet, zählen Helmut Brinkmanns Kreationen zu den schönsten HiFi-Komponenten unter der Sonne. Sauberer, aufgeräumter und vor allem ästhetischer werden wohl nirgendwo sonst Platinen bestückt. Ganz hinten in der Mitte sitzt das wechselbare Digitalmodul – die einzig richtige Entscheidung angesichts schnell voranschreitender Technik und zeitlos guter analoger Peripherie. ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Stereoplay. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2018 von News & Stories: SCHWEIZER SCHLOSSFESTSPIELE: HiFi-Event der Extraklasse. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
News & Stories: SCHWEIZER SCHLOSSFESTSPIELE: HiFi-Event der Extraklasse
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Standlautsprecher: Yin &Yang. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Standlautsprecher: Yin &Yang
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Streaming-Aktivboxen: Das Beste beider Welten. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Streaming-Aktivboxen: Das Beste beider Welten
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Aktivboxen: Doppeltes Auge. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aktivboxen: Doppeltes Auge
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Aktivlautsprecher: Master and Servant. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aktivlautsprecher: Master and Servant
Titelbild der Ausgabe 6/2018 von Aktivbox und Subwoofer: Dreier-Team. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aktivbox und Subwoofer: Dreier-Team
Vorheriger Artikel
Aktivlautsprecher: Power in der Line
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Musikserver/Vorverstärker: Klangveredelung
aus dieser Ausgabe

Bildschön
Mit den Augen eines Elektronikers betrachtet, zählen Helmut Brinkmanns Kreationen zu den schönsten HiFi-Komponenten unter der Sonne. Sauberer, aufgeräumter und vor allem ästhetischer werden wohl nirgendwo sonst Platinen bestückt. Ganz hinten in der Mitte sitzt das wechselbare Digitalmodul – die einzig richtige Entscheidung angesichts schnell voranschreitender Technik und zeitlos guter analoger Peripherie.

Brinkmanns Nyquist ist nicht nur ein DAC, sondern er besitzt darüber hinaus gehobene Streaming-Fähigkeiten. Und damit ist der Nyquist dafür prädestiniert, etwa zusammen mit einem NAS im Hausnetz als digitales Zentrum einer gehobenen Installation zu arbeiten. Auch mit Servern (die Zusammenarbeit mit unserem Syrah von Playback Designs klappte zum Beispiel problemlos) und natürlich direkt mit dem PC via USB kommunizierte der röhrenbestückte Schönling auf Anhieb.

Aber der Reihe nach: Brinkmanns edler Nyquist ist ein DAC/Streamer mit röhrenbestückter Ausgangsstufe. Gebaut ist er in jener Qualität, für die die deutsche Manufaktur so berühmt ist, denn der oben mit einer Glasplatte abgedeckte Nyquist ist schlicht eine Augenweide, in der die insgesamt vier Röhren vom Typ PCF803 (diese Röhre kombiniert ein Pentoden- und ein Triodensystem) waagerecht eingebaut sind. Den Trafo des Netzteils lagerte man in ein Extragehäuse aus, im Nyquist selbst arbeitet nach den Gleichrichterstrecken ein ganzer Satz elektronischer Spannungskonstanthalter. Interessant dabei ist, dass die Betriebsspannung für die DAC-Chips (zum Einsatz kommen zwei Sabre-9018S) auch aus der Röhren-Hochspannung von 160 Volt gewonnen werden.

Die komplette DAC- und Streamer-Sektion des Nyquist ist modular ausgeführt und damit wechselbar. Würden zukünftige Anforderungen also über Software-Updates hinausgehen, ist der Brinkmann-User auf der sicheren Seite, angesichts des Preises dieses Stateof-the-Art-Gerätes sicherlich eine gute Design-Entscheidung.

Zwei digitale Wege

Ähnliche Konsequenz finden wir auch bei den digitalen Signalwegen. Tatsächlich kann der Nyquist gleich mit zwei aufwarten, da die Verarbeitung von PCM strikt vom DSD-Signalweg getrennt ist. Alle PCM-codierten Eingangssignale inklusive des MQA-Formats, das ja auf PCM basiert, werden nach einem DSP-Digitalfilter mit eigener Software je nach Eingangssignal entweder auf 352 oder 384 kHz hochgesampelt, bevor die Achtfach-DACs am Schluss ein symmetrisches Analogsignal generieren. DSD hingegen wird einem Brinkmanneigenen, diskret aufgebauten DAC anvertraut, eine ultimative Lösung, wie man sie nur höchst selten antrifft. Dazu kombiniert der Nyquist ein ebenfalls eigenes, „freundliches“ analoges Ausgangsfilter in Form zweier Lundahl-Übertrager, bevor es dann zu den Röhren weitergeht. Übrigens treiben die Röhren auch den Kopfhörer-Ausgang an; der „Gain“-Steller, normalerweise auf maximal plus zehn Dezibel Verstärkung für den Line-Ausgang begrenzt, mutiert dann zu einem vollformatigen Pegelsteller.

Die umgebenden Kühlrippen tragen durchaus zum schnellen Abtransport der Röhren-Abwärme bei.


Auf der Software- und Streaming-Seite bietet der flächig auf einer dazugehörigen Steinplatte sprichwörtlich ruhende Nyquist Decoder-Fähigkeiten für alle Samplingfrequenzen bis 384 kHz, die DSD-Kompatibilität geht bis DSD256, also viermal so viel wie Standard-DSD. Das Gerät ist für das Roon-Interface vorbreitet und unterstützt Tidal, Deezer und natürlich Internet Radio.

Zart oder gewaltig?

Dass die ungewöhnliche Technik des Nyquist auch in einen sozusagen hauseigenen „Brinkmann-Klang“ mündet, ist kaum verwunderlich. Und dieser Klang hat es in sich, ist er doch ungeheuer zart, referenzverdächtig detailreich, von leuchtenden Klangfarben geprägt und vor allem bis in ungeahnte Tiefen durchsichtig. Hier erinnert einfach nichts mehr an „Digitalklang“, wie man ihn in kritischer Ausprägung des Begriffes kennt. Vielmehr orientiert sich das, was schließlich an den bevorzugt symmetrischen Ausgängen des Streamer-DACs ansteht, subjektiv an einem sehr, sehr guten Plattenspielerklang, anders lässt sich das kaum besser beschreiben. Und das kann der Nyquist unabhängig vom Format des Quellmaterials, dessen Eigenschaften dennoch durchhörbar bleiben.

Zweifellos bietet der Nyquist klangliche Faszination und schon abgehoben zu nennende Natürlichkeit auf einem Niveau, das wohl einzigartig ist. Hier ist nicht der Hauch von Kritik fällig, wenngleich es DACs geben mag, die etwas wuchtiger oder voluminöser spielen.

Doch das ist überflüssige Erbsenzählerei, also genau das, was der Nyquist in seiner Einheitlichkeit, seiner puren Überzeugungskraft und seiner überwältigenden Eindringlichkeit eben nicht tut. Dass der Preis dieses Klangerlebnisses in nicht minder traumhaften Sphären angesiedelt ist, war freilich zu erwarten.

Der inzwischen selten anzutreffende digitalsymmetrische AES/EBU-Eingang harmoniert mit symmetrischen 1100-Ohm-Quellen. Wie immer, benötigt man zum Betrieb eines Computers über den USB-Eingang Treiber für Windows, die auf einem mitgelieferten Stick bereitliegen.