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Streaming-Aktivboxen: Das Beste beider Welten


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 09.05.2018

Das soll eine Streaming-Komplettanlage sein? Ja! Lyravox kombiniert nicht nur die Anlage in moderner Form, sondern verbaut auch die edlen Keramiktreiber.


Artikelbild für den Artikel "Streaming-Aktivboxen: Das Beste beider Welten" aus der Ausgabe 6/2018 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 6/2018

Die ersten beiden Stereo-Aktivboxen von Lyravox schlugen auf der HIGH END 2018 als große Sensationen ein. Die Hamburger Manufaktur, sonst eher für hochpreisige Onwall-Systeme im etwas übertriebenen Retro-Design bekannt, kombinierte mit Karl und Karlotta die Vorteile digitaler Aktivtechnologie mit eingebauten Streaming-Fähigkeiten und im Mittelhochtonbereich den Keramik-Chassis von Accuton, die bei High-Endern schon seit vielen Jahren zu den besten ...

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... zählen, die überhaupt am OEM verfügbar sind.

Der Karl-Nomenklatura folgten Götz von Laffert und sein Team auch bei der jetzt erschienenen kleineren Variante: Karlina heißt die schlankere Drei-Wege-Box, die in der Bestückung ähnlich edle Wege beschreitet, aber mit 17.800 Euro für das Komplettplaket deutlich erreichbarer und auch vom Formfaktor her die wohnraumtauglichste Kreation des Hauses ist.

Zweimal Keramik
Für den Mittel- und Hochton kommt eine Kombination aus 18er-Konus und 30-mm-Kalotte zum Einsatz, die im oberen, abgesetzten Gehäuseteil residieren und bei 2200 Hz recht steilflankig die Signale übergeben. Das erbringt im Gegensatz zum Konzept von Karl und Karlotta eine im Mittel breitere Abbildung und soll besonders in nicht zu großen und normal bedämpften Räumen Vorteile realisieren.

Die große Vollkeramik-Membran ist eine Spezialanfertigung von Accuton. Lautsprecherspezialisten mögen befürchten, dass die große, ultraharte Inverskalotte im obersten Höhenbereich zu deutlichen Bündelungseffekten und damit einem Mangel an Glanz im Hochton führen kann. Dem wirkt in der Karlina wie schon in der Karlotta eine indirekt strahlende Hochtoneinheit entgegen, die allerdings dieses Mal nicht nach hinten – was Mindest-Wandabstand fordert –, sondern in Form eines einzelnen AMT nach oben strahlt.

Rundherum anpassbar
Wer noch letzte Bedenken hat, eine solche Kombi sei nur schwer an den eigenen Raum anpassbar, kann beruhigt aufatmen: Dank der volldigitalen Drei-Wege-Weiche lässt sich eine Vielzahl parametrischer Equalizer-Filter einsetzen, die wegen der Auslegung in FIR-Technologie zudem zeitrichtig und ohne Phasenfehler funktionieren.

Das ist besonders beim Übergang zum Subbass wichtig, der von jeweils einem Alu- 10-Zöller auf der Rückseite der Skulptur abgebildet wird. Bei rund 80 Hz werden die Signale nach hinten übergeben, der Phasen- und Laufzeitversatz wird komplett digital ausgeglichen. Das soll in Kombination mit der geschlossenen Gehäuseabstimmung und dem vom Mittelhochtonblock abgesetzten Gehäuse für einen besonders impulsgenauen Tiefton sorgen. Der Konus von Scanspeak hat eine leichte Aluminiummembran und beherrscht trotzdem die für geschlossene Gehäuse wichtig großen Hübe, ohne aus dem Tritt zu geraten.

Kette inside
Im rückwärtigen, per Kupferblech geschirmten Elektronikblock der rechten Box sitzen dann die sechs Endstufenkanäle vom Typ Pascal s-pro2, die nach der aktiven Trennung die Signale für die einzelnen Chassis aufbereiten. Die linke wird über mehradrige Spezialkabel und Speakon-Verbinder (ganz unten rechts) vollaktiv angesteuert, ohne eigene Verstärker zu beinhalten.

Zauber im Raum
Der erste Takt von Bruckners 8. Sinfonie (dirigiert von Young) ließ die Tester vor Ehrfurcht erstarren. So tiefräumlich, plastisch und feinst schattiert stand das Orchester im Raum, dass man sich eher in der Elbphilharmonie wähnte als im kompaktenstereoplay -Hörraum. Einzig ein gewisses Überstrahlen der Blechbläser in der Brillanz mochte nicht ganz zum ultraseidig transparenten Charakter passen, sodass diestereoplay - Crew mit dem angereisten Lyravox-Entwickler Jens Wietschorke ein kleines Gegenmittel in Form einer minimalen Korrektur bei 2,6 kHz und einem Schuss Grundtonwärme ersannen.

Was dann folgte, war eine Lehrstunde in Sachen richtiger und zugleich lebendiger Wiedergabe: Sara K‘s wunderschön gehauchte Coverversion von „A Whiter Shade of Pale“ stand mit dichter Atmosphäre und unwiderstehlich schöner Stimme im Raum, wobei die Karlina sich in puncto Hörabstand und Aufstellung als genügsam erwies und auch im Nahfeld einen dreidimensionalen Zauber entfaltete. Impulse wie die angerissenen Gitarrensaiten gab sie genau mit der gebotenen Portion Energie wieder, ohne es mit den Impulsen zu übertreiben.

Das galt auch für Aufnahmen, die zuweilen nicht highendig klingen, wie Marillions „Made Again“: Die treibenden Rhythmen mit knackigem, musikalisch eingebundenem Tiefbass legten ein Fundament für eine livehaftig satte, aber nie nervige Vorstellung. Man spürte förmlich die Atmosphäre im Publikum mit viel Wunderkerzen, Feuerzeugen und Applaus, ohne dass die Lyravox ihre Auflösungsfähigkeiten zum Sezieren der Aufnahme einsetzte. Nein, sie setzte ihre Keramiktreiber ein, um die Durchhörbarkeit zu optimieren!

Was die Tester auch einlegten, kaum eine Aufnahme versagte den Zauber der Kombination. Miles Davis noch im Ping-Pong-Verfahren aufgenommenes „Some Day my Prince“ entfesselte eine im Wortsinne blendende Energie in den Trompeteneinsätzen und klang doch bei aller Strahlkraft nie überdreht, sondern fügte sich ins satte Klangfundament der Begleitung. Am Ende war es die seltene Einheit von höchster Auflösung und natürlicher Transparenz, die die Karlina zu einer der audiophilsten Aktivboxen überhaupt machte.

Der 10-Zöller mit Alu-Membran kommt von Scanspeak und spielt dank Hinterlüftung auch im geschlossenen Volumen mit Hub.


Der Diffusschall-AMT sitzt auf der Oberseite der Box und füllt den Indirektschall im Raum erst ab 5 kHz langsam auf. Das funktioniert auch wandnah.

Die neue Kalotte

Die 30-mm-Inverskalotte besteht wie alle Keramik-Chassis von Accuton ursprünglich aus Aluminium, das in einem patentierten Eloxal-Prozess vollständig und gleichmäßig zu amorphem, ultrahartem Aluminiumoxid (Al2O3) und mit Hitze in eine stabile Struktur gebracht wird. Die weiße Membran kann nur noch mit Laser geschnitten werden, sonst würde sie brechen.