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STREAMING CLIENT / RIPPER: Hält, was andere versprechen


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 05.07.2019

Wer sich vor den Fallstricken der Analogtechnik fürchtet, hat vermutlich noch nie den Versuch gewagt, einen Streamer spielfertig zu installieren. Was zuweilen für eine hochrote Gesichtsfarbe sorgt, soll beim Bluesound Vault 2i ein Kinderspiel sein.


Ja, ich tue mich schwer mit computerbasiertem HiFi – ich bekenne mich frank und frei dazu. Ich bin mit Tonband, Plattenspieler und Tuner aufgewachsen, hab mich irgendwann an Tapedecks, CD-Spieler und MiniDisc-Player gewöhnt, aber nie die innige Beziehung zu diesen Gerätegattungen aufbauen können, die mich mit offenen Spulen und drehenden Vinylscheiben ...

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... verbindet. Und zu Maschinen zur Musikwiedergabe, bei denen sich nichts dreht oder sonstwie bewegt, habe ich in den vergangenen Jahren immer einen ordentlichen Sicherheitsabstand gehalten.

Zugegeben, in letzter Zeit bröckelte meine Abneigung gegen Streaming zusehends. Seit auch ich begriffen habe, dass dies nichts mit MP3 und anderer Datenreduktion zu tun haben muss, sondern sogar im Gegenteil Auflösung jenseits der CD-Qualität bedeuten kann, habe ich einige dieser modernen Jukeboxen probeweise in den Fingern gehabt, gar sie ins heimische Wohnzimmer gestellt und mich dort im Alltagstest mit ihnen befasst.

Bedienbare Jukebox

Meine bisherigen Erfahrungen lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Irgendwas war immer. Entsprechend reduziert war meine Erwartungshaltung, als der Ruf mich ereilte, den Bluesound Vault 2i unter meine Fittiche zu nehmen und meine Erfahrungen und Eindrücke zu Papier zu bringen.

TEST-GERÄTE

CD-Spieler: Musical Fidelity M2SCD
Vollverstärker: Musical Fidelity m2si; NAD M10
Lautsprecher: Monitor Audio Platinum PL100 II; Gauder DARC 60
Kabel: Audioquest William Tell; HMS

So übersichtlich und scharf abgebildet zeigt sich die App am Mobilphone.


Nun denn, auffällig gleich beim Auspacken: kein edles Alu-Gehäuse, kein Display und eine eher schlichte Verpackung. Anschließen geht, ohne dass man den Zugangscode des Routers, in meinem Fall einer Fritzbox, eingeben muss. LAN-Kabel anschließen, Verbindungskabel anstecken, App runterladen – einmal aufs Handy, einmal aufs iPad. Den bevorzugten Musikdienst auswählen und sich dort anmelden. Bei mir ist es Qobuz, und mit tatsächlich ganz wenigen weiteren Klicks ertönt Musik. Zunächst allerdings nur via Bluetooth, denn ich habe vergessen, in der BluOs App als Musiklieferanten Qobuz anzuklicken, der dort in einer Reihe mit diversen anderen Musikdiensten, der Festplatte, die ebenfalls im Vault integriert ist, oder auch Radio zu finden ist. Nun höre ich also in voller Qualität, mindestens CD-Standard. Die maximale Auflösung hab ich auf 24/96 begrenzt, ich will meine vom lokalen Telekommunikationsanbieter zur Verfügung gestellte Bandbreite nicht extrem auf die Probe stellen. Das ging ja flott, schießt es mir dabei durch den Kopf, als ich erstmals die neue Platte „Fremde Feddere“ der Kölner Lokalmatadoren Köster & Hocker höre. Und zugleich denke ich: Hey, keine kurzen Aussetzer, es funktioniert. Und du hast dir keinen Wolf gesucht wie in den meisten anderen Fällen, wo mir ebenfalls einfachste Bedienung versprochen worden war.

Doch die kleine Schachtel in ihrem gummierten Gehäuse ist damit noch nicht am Ende ihrer Fähigkeiten angelangt. Kaum sichtbar ist der Schlitz an der Front, in dem bei Bedarf CDs für die Dauer von zirka 10-15 Minuten verschwinden. In dieser Zeit rippt der Vault die komplette CD und speichert sie im FLAC-oder WAV-Format, auf Wunsch auch beide mit zusätzlicher MP3-Abspeicherung. Wir haben uns aufs FLAC-Format konzentriert, weil hier die Metadaten, also die Zusatzinformationen der jeweiligen CD, einwandfrei angezeigt wurden. Das Ripping-Prozedere erledigt der Vault sehr leise, lediglich ein kleiner Rauschteppich ist in den letzten Augenblicken vor der Speicherung auf der zwei Terabyte großen Festplatte in der Nähe des Vault zu vernehmen. Erfreulich auch, dass man währenddessen weiterhin den gestreamten Klängen von Qobuz, Tidal oder auch HighResAudio lauschen kann. Nicht möglich ist es allerdings, den Bluesound einfach als CD-Player zu benutzen – das eingebaute CD-Laufwerk startet sofort nach dem Einlegen der CD mit dem Auslesen der Daten.

2 TB für große CD-Sammlungen

Das war’s dann aus praktischen Gesichtspunkten heraus betrachtet auch schon mit der Kritik. Auch von der technischen Seite her muss man Schwachstellen lange suchen, um eine Ecke zu entdecken, an der nicht der allerletzte Stand der Technik verbaut wurde. Was angesichts des Preises nicht zu dem Schluss führen sollte, dasss man hier klanglich ein Sparbrötchen untergejubelt bekommt – davon ist dieses Paket meilenweit entfernt. Jedoch ist weder der verbaute Prozessor vom Typ ARM Cortex 1GHz Dual Core der letzte Schrei, noch ist das bei Wandler und der analogen Ausgangsstufe der Fall. Für den praktisch denkenden Menschen, der seine CD-Sammlung langsam aber sicher zugunsten des Streaming und des Hörens via Festplatte einmotten möchte, dafür aber keine wochenlange Einarbeitungszeit zu opfern bereit ist und mit klassischer HiFi-Optik so wenig am Hut hat wie mit einem ausufernden Gerätepark, dürfte der Vault 2i ideal sein. Und für alle, die hören möchten, was die Lieblingsmusik an Feinheiten und Details zu bieten hat, ohne dass man sich selbst gleich zum Club der Goldohren, audiophilen Erbsenzähler oder Highender zählen würde. Und für Vernunftmenschen, die für ihren Hörspaß nicht bereit ist, ein Vermögen zu investieren.

Eine im Betrieb auftauchende Frage war auch, ob und wie man ein analoges Signal auf die Festplatte bannen kann – es gibt dafür einen Kombi-Eingang aus digital-optisch und Miniklinke, der diese Aufgabe übernimmt.

Schnörkellos und ehrlich

Von der angenehmen Seite zeigte sich der Vault auch bei der Zugriffszeit – er fand Alben, Titel oder Künstler zügig, lediglich die Lautstärkeregelung per iPhone erfolgte mit leichter Verzögerung. Sofern Sie aber über einen Verstärker mit Fernbedienung verfügen, empfehlen wir Ihnen, im Menü die Lautstärke des Vault auf „fix“ zu stellen und die Regelung am Verstärker vorzunehmen. So verhindern Sie Auflösungsverluste und genießen den bestmöglichen Klang.

Und um den steht es angesichts des Preisschilds sehr gut. Was die Kanadier aus der Lenbrook-Group, zu der auch NAD gehört, hier auf die Beine gestellt haben, ist mehr als beachtlich. Die wichtigste Aufgabe haben wir weiter oben schon beschrieben – eine Bedienung, die dem Nutzer nicht gleich so viel Respekt einflößt, dass er die Finger vom Gerät lässt. Die nun im Hörraum anstehende intensive Hörprobe offenbarte schnell, dass auch klanglich keine faulen Kompromisse gemacht wurden. Wir starteten im Neugierde-Modus und ließen uns von Qobuz neue Alben vorschlagen – das reichte von Sting über Santana und Grateful Dead, Neil Young bis Pavarotti und hörte bei Rory Gallagher und Schuberts Symphonie Nr. 1 & 5, gespielt vom Kammerorchester Basel, nicht auf. Auch einige der gerippten CDs hörten wir, darunter die legendäre „Dafös“. Hier war das klangliche Ergebnis ebenfalls erfreulich, die Meta-Daten als weitere Informationen auf der CD wurden ebenso wie der klangliche Inhalt mit Sorgfalt behandelt. Wer mehr Klang will (wir immer), darf sich gern nach einem hochwertigen externen Wandler umsehen. Wir versuchten es mit dem Exogal Comet DAC und konnten nun auch hartgesottene Audiophile ins Grübeln bringen – die Darbietung gewann deutlich an Geschmeidigkeit und Dynamik, verzeichnete ein Plus an Druck und Kontur in den tiefen Regionen des Frequenzspektrums und tönte insgesamt vernehmlich organischer, zusammengehöriger. Nun könnte man natürlich ketzerisch die Frage stellen, ob das denn nun was Neues sei – und ich wäre geneigt zu antworten: nein, keinesfalls. Aber so kompakt, mit riesiger Festplatte und diesem Bedienkomfort ist der Vault 2i meines Wissens tatsächlich ziemlich allein auf weiter Flur und findet im Moment keinen ernsthaften Gegner – und zu dem Preis schon gar nicht.

Bluesound Vault 2i

Preis: um 1300 €
Garantie: 2 Jahre
Kontakt: DALI
Tel.: +49 6251 8079010
www.dali-speakers.de

Das Ding streamt, rippt und klingt, dass es nur so eine Freude ist. Gespart wurde beim Gehäuse, geprasst bei der Bedienung und der riesigen 2-TB-Festplatte, die auch große CD-Sammlungen fasst.

Ausstattung
Netzwerk-Streamer, vorbereitet für so ziemlich jeden Streaming-Anbieter; Ripping-Funktion; Bluetooth-fähig; Kombi-Eingang digital-optisch/ Miniklinke; optischer und koaxialer Digital Out; Subwoofer-Ausgang; Cinch-Ausgänge; proprietäre Bedienungs-App; 2 x USB-Anschlüsse; 1 x Lan-Anschluss

ADAPTER
Dieser Adapter macht aus einem Miniklinken-Anschluss einen optischen digitalen Anschluss.


Endlich ein Gerät, das viele Ansprüche erfüllt und dabei bedienbar bleibt