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STRECKEN & BETRIEB: TÜRKISMÜHLE – HERMESKEIL: Grenzenloses Radvergnügen


LOK Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 18.09.2020

HOCHWALDBAHN ■ Trotz vielfachen Widerstandes wurde Anfang 2020 die Strecke Türkismühle – Hermeskeil abgebaut. Auf der Trasse soll nun ein Rad-Wanderweg entstehen


Artikelbild für den Artikel "STRECKEN & BETRIEB: TÜRKISMÜHLE – HERMESKEIL: Grenzenloses Radvergnügen" aus der Ausgabe 10/2020 von LOK Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LOK Magazin, Ausgabe 10/2020

@@Am 29. März 1989 überführt 212 110 einen Skl bei Bierfeld über die Hochwaldbahn nach Türkismühle. Der Rottenwagen war einige Tage lang für Arbeiten in Thalfang im Hunsrück eingesetzt worden. Das normale Frachtaufkommen im hinteren Teil der Hochwaldbahn war zu jener Zeit schon sehr gering


Das Städtchen Hermeskeil im Hunsrück wird demnächst wunderbar per Rad erreichbar sein. Dafür sorgt die Ökoflächen Management GmbH, eine Tochtergesellschaft ...

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... der Naturlandstiftung Saar, die im Oktober 2019 die Trasse der ehemaligen Hochwaldbahn Türkismühle – Nonnweiler – saarländische Landesgrenze (– Hermeskeil) samt Gleisanlagen erwarb, um die Schienen zu entfernen und einen Radweg einzurichten.

Das gleiche Konzept verfolgt das Unternehmen, das unter anderem auf Infrastrukturrückbau (Slogan: „Wir übernehmen ihre Kompensationsverpflichtungen“) spezialisiert ist, auch auf der sogenannten Westrichbahn Türkismühle – Freisen (– Kusel). Ziel dieser Bestrebungen ist ein 30 Kilometer langer Radweg von Freisen über Türkismühle an der Nahestrecke Bingen – Saarbrücken bis hin auf nach Hermeskeil.

LOK Magazin-Serie Vergessene Strecke Türkismühle – Hermeskeil

@@Museumsbetrieb im Hochwald: 94 1538 verlässt am 8. September 2002 Türkismühle in Richtung Hermeskeil


@@Gleisabbau in Nonnweiler: Ein Bagger reißt die Joche im ehemaligen Bahnhof raus. Hier soll ein Radweg entstehen


Dem Vorhaben, die Hochwaldbahn abzubauen, war bereits erfolgreich Vorarbeit geleistet worden. Auf rheinland-pfälzischer Seite hatte DB Netz bereits im März 2019 – angeblich ohne Genehmigung – das Gleis zwischen Hermeskeil und der Landesgrenze entfernen lassen. Nachdem das saarländische Wirtschaftsministerium Ende Februar 2020 seine Zustimmung gegeben hatte, folgte umgehend auch der Gleisabbau der Reststrecke bis Türkismühle. Wo einst die zwei Gleise für Reiseund Güterverkehr unverzichtbar waren, erinnert jetzt nur noch eine brachliegende Trasse an den Verkehrsweg, den unsere Urväter einst mühsam angelegt haben.

Es gab auch andere Pläne

Dafür ist auf dem Trassenband nun reichlich Platz für einen Radweg. Doch nicht jeder konnte dem asphaltaffinen Konzept des Saarbrücker Unternehmens etwas abgewinnen. Verschiedene Initiativen, darunter die IG Nationalparkbahn, hatten zuvor versucht, die Bahn-Infrastruktur zu erhalten. Die Bürgerinitiative „Bahn & Rad im Hochwald“ hatte detaillierte Pläne ausgearbeitet, wie man problemlos ein Radweg neben dem seinerzeit noch existierenden Gleis der ehemals doppelspurigen Trasse anlegen könnte. Bei den maßgeblichen Vertretern der Lokal- und Landespolitik stießen solche Ideen aber auf taube Ohren. Selbst ein Brandbrief an die Landesregierung zeigte keinerlei Wirkung, obwohl sich mehr als 30 Vereine, Organisationen, Unternehmen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft darin der Forderung nach einem Abbaustopp der Bahn-Infrastruktur angeschlossen hatten.

@@1979 wurde samstags ein Leerzug über die sonst nur noch von Güterzügen befahrene Strecke nach Türkismühle überführt. Auf dem breiten Bahnsteig des ehemaligen Grenzbahnhofs Nonnweiler stand einst ein Zollgebäude


Anschlussbahn ebenfalls entfernt

Inzwischen sind Fakten geschaffen, die Gleise abgebaut und die Region zwischen Türkismühle und Hermeskeil ist endgültig und vollständig „entgleist“. Einstmals für den Berufsverkehr zu den saarländischen Bergbau- und Industriestandorten von großer Bedeutung, ist die Hunsrückquerbahn damit unwiderruflich Geschichte. Neben den Gleisen der Strecke Türkismühle – Nonnweiler – Hermeskeil verschwand in diesem Zug übrigens auch die Anschlussbahn nach Mariahütte, die ein Reststück der Strecke Nonnweiler – Wadern darstellte.

Streckenverlauf im Plan der ED Saarbrücken von 1948


Ein wenig Geschichte

Der Eisenbahn wollte man in der Region offenbar keine Chance mehr einräumen. Das war nicht immer so. Nach dem Spatenstich im April 1894 konnte die dem Verlauf uralter Handelsstraßen folgende, insgesamt 22,4 Kilometer lange Hochwaldbahn Türkismühle – Hermeskeil am 15. Mai 1897 eröffnet werden, die in Nonnweiler abzweigende Primstalbahn über Wadern und Lebach nach Wemmetsweiler wurde wenig später, am 10. Dezember 1897 eröffnet. Aufwendige Kunstbauten waren der vierbogige Viadukt bei Nonnweiler, zwei kleinere Via- dukte Richtung Hermeskeil, der Tunnel zwischen Nonnweiler und Bierfeld (260 m), sowie ein kurzer Tunnel (57 m) zwischen Otzenhausen und Schwarzenbach. Das Planum Nonnweiler – Türkismühle war von Anfang an fast durchweg doppelgleisig angelegt, das zweite Gleis dazu wurde 1911 gebaut. Im Zuge dieser Erweiterung hat man den Schwarzenbacher Kurztunnel durch einen Einschnitt ersetzt.

Die Entwicklung der Bahnen im Hochwald verlief zufriedenstellend, erst der Erste Weltkrieg brachte Einschränkungen im Zivilverkehr, dazu starke Belastungen durch die Versorgungsfahrten des Militärs bei steigendem Personalmangel.

Viel militärstrategischer Verkehr

Nach der Kriegsniederlage unterstand das Saargebiet ab 1920 dem Völkerbund und war wirtschaftlich eng an Frankreich angebunden. Infolge der Volksabstimmung 1935 wurde „die Saar“ wieder Reichsgebiet. Der Bau der Verteidigungslinie „Westwall“ durch Deutschland ab 1938 brachte die Bahn wieder an ihre Belastungsgrenzen. Zum Anlegen der Bunker, Höckerlinien und Versorgungseinrichtungen musste sie Unmengen an Material und Arbeiter transportieren. In Nonnweiler entstand in jenen Jahren die mit 300 Metern wohl längste Laderampe Südwestdeutschlands.

Im Zweiten Weltkrieg lag der Bahnhof Nonnweiler inmitten dieser Verteidigungsanlagen und diente den Versorgungs- und Munitionstransporten zur nahen Westfront. Es wurden sogar V-2-Raketengeschosse ausgeladen und zu einer nahen Abschussstelle gebracht.

@@212 201 schiebt Ende der 1980er-Jahre ihre Übergabe aus Mariahütte in den Bahnhof Nonnweiler. Lediglich der aufgelassene und überwachsene breite Bahnsteig erinnert an die einstige Rolle als Grenzstation


@@Mit zwei Güterwagen ist 212 133 am 23. März 1984 aus Hermeskeil kommend in typischer Hunsrück-Landschaft bei Sötern Richtung Türkismühle unterwegs


Im Herbst 1944, nach Unterbrechung der Saartalbahn bei Saarlouis, stieg die Bedeutung des Knotenpunktes Nonnweiler für den Umleiterverkehr weiter an. Der Viadukt und die Bahnanlagen gerieten dadurch in den Fokus der alliierten Luftstreitkräfte, es wird von insgesamt zwölf Luftangriffen allein auf den Bereich Nonnweiler innerhalb weniger Wochen berichtet, die Tote, Verwundete und beträchtliche Sachschäden nach sich zogen. Der Viadukt wurde dabei ebenfalls getroffen, mit Notbrücken von Pionieren aber betriebsbereit gehalten. Die beiden Viadukte in Richtung Hermeskeil wurden unmittelbar vor dem Eintreffen amerikanischer Einheiten am 18. März 1945 noch von deutschen Soldaten gesprengt.

Das zweite Gleis verschwindet

Nach Kriegsende gab es zwischen Nonnweiler und Türkismühle keine gravierenden Beschädigungen und der Verkehr kam langsam wieder ins Rollen. Nach dem Bau zweier Behelfsbrücken war die Hochwaldbahn ab dem 1. September 1946 relativ schnell wieder durchgehend befahrbar und diente vor allem dem Arbeiterverkehr zu den Bergwerksund Industrierevieren. Das zweite Gleis wurde 1946 zur Materialgewinnung jedoch abgebaut.


■ Bis 1959 war Nonnweiler wegen der Anbindung des Saarlands an Frankreich ein Grenzbahnhof


Durch die erneute Abtrennung des Saarlandes 1947 und seine wirtschaftliche Anbindung an Frankreich entstand im nördlichen Landesteil eine Zollgrenze zu Deutschland. Nonnweiler avancierte deshalb zum Grenzbahnhof für Güter- und Personenverkehr. Dazu errichtete man auf einem extrabreiten Zwischenbahnsteig ein Zollgebäude für Personenkontrollen und Leibesvisitationen. Lange Aufenthalte und kurzzeitig sogar eine Zeitzonengrenze mit einer Stunde Zeitverschiebung erschwerten den Betrieb und die Fahrten der Berufspendler. Dieser Zustand endete mit dem „Tag X“, dem 6. Juli 1959, ab dem das Saarland auch wirtschaftlich wieder zur Bundesrepublik gehörte.

Schon 1954 reduzierte man die Fahrpläne drastisch, der flexiblere Omnibusverkehr hatte sich durchgesetzt. Bereits am 4. Oktober 1959 fuhr der Alibi-Zug Nonnweiler – Wadern zum letzten Mal.

Der Hochwaldbahn verblieb noch eine längere Frist. Der letzte planmäßige Schienenbus von Hermeskeil nach Türkismühle verkehrte am 31. Mai 1969. Die Strecke wurde aber weiterhin für Militär- und Güterzüge genutzt sowie für Überführungs- und Sonderfahrten.

Und dann war da dieses Kuriosum: Auch nach Einstellung des Personenverkehrs konnte eine Zeit lang ein Personenzug beobachtet werden: Der samstägliche Mittagszug von Trier nach Hermeskeil lief weiter als Leerzug ohne Halt nach Türkismühle! Er brachte bis 1981 damit jeweils für einen kurzen Moment zumindest optisch den Hauch echten DB-Personenverkehrs auf die alte Strecke zurück.

Mit Sondergenehmigung bis 2012

Am 1. Oktober 1999 endete die Bedienung der Anschlussbahn nach Mariahütte, der Güterverkehr auf der eigentlichen Hochwaldbahn nach Hermeskeil wurde am 5. November 2000 eingestellt. In Hermeskeil hatte sich inzwischen aber das Dampflokmuseum eingerichtet und zugleich das Unternehmen „Hochwaldbahn“ etabliert, das die Strecke pachtete und auf ihr Sonderfahrten mit Dampfzügen und Schienenbussen anbot. Diese zogen viele Besucher an, aber während der laufenden Saison 2012 lief am 31. August die Betriebsgenehmigung aus. Mit einer Sondererlaubnis konnten die noch rollfähigen Eisenbahnfahrzeuge aus Hermeskeil abgefahren werden.

2014 wurde die Hochwaldbahn schließlich stillgelegt. Die Reaktivierung gelang bekanntlich nicht. So bleibt nur noch die Erkundung des Trassenbandes mit dem Rad …

@@Hermeskeil verfügte über beachtliche Gleisanlagen und ein Bw, das eine Nachnutzung als Museum erfährt. Am 17. September 1973 war der Personenverkehr nach Nonnweiler längst eingestellt


Manfred Britz

Wolf-Dietmar Loos

M. Springer/DGEG Saar

Martin Springer/DGEG Saar

Slg. MHZ

Manfred Britz

Manfred Britz

Wolf-Dietmar Loos